College Football Preview 2011/12: Mid-American Conference (MAC)

Teil 3 der Conference-Vorschau für die College-Footballsaison 2011/12. Diesmal dran im Ranking von worst to first: Die Mid-American Conference, daheim in der Region um die Großen Seen im Nordosten der Vereinigten Staaten und am bekanntesten dafür, oftmals Zwischenstationen für Trainertalente auf dem Weg nach oben zu bieten (oder aber auch als Conference, in der die meisten Träume ambitionierter Coaches zerstört werden, weil die Unipräsidenten zu ungeduldig sind).

Eastern Division

Die traditionelle „Großmacht“ – die Ohio Bobcats – gelten in dieser Saison nach einigen mäßigen Jahren wieder als Topfavoriten in der Eastern Division. Hoffnung macht vor allem die Offense, deren Umstellung auf No-Huddle zwar alles andere als reibungsfrei verläuft (Stichwort: Quarterback-Kontroverse), aber die a) keine Offense Liner ersetzen muss und b) WR LaVon Brazill zurück heißen kann. Ohne Brazill war man zuletzt nur #102 in der Pass-Offense gewesen. Die Defense kommt bis auf Star-MLB Noah Keller sehr grün und unerfahren daher. Großer Pluspunkt ist der einfache Schedule: Die out of conference games sind so lächerlich, dass eine Bowl sicher eingeplant werden kann und conference-intern kommen die ärgsten Rivalen Temple und Miami/Ohio ins eigene Stadion.

Die University of Miami/Ohio RedHawks, die einst Big Ben Roethlisberger herausgebracht haben und es 2010/11 geschafft haben, innerhalb von einer Saison von 1-11 auf 10-4 zu stellen und sogar die MAC zu gewinnen. Dass HC Mike Haywood weg sein würde, hatte man erwartet – allerdings aufgrund zu vieler Niederlagen. Nun wollte Haywood seine neu gewonnene Reputation in eine BCS-Conference einbringen, was nicht gelang, weil Haywood als frisch gebackener Pitt-Headcoach lieber seine Ehefrau verprügelte und noch vor Jahreswechsel wieder auf der Straße war. Miami hat natürlich einen neuen Coach: Don Treadwell, der mit der exorbitanten Erwartungshaltung zurecht kommen muss – etwas, das fast immer schief geht.

Einen neuen Coach haben auch die Temple Owls aus Philadelphia, nachdem der alte Erfolgstrainer Al Golden gen Miami/Florida abgewandert ist. Die letzten beiden Jahre unter Golden waren ein beispielloser Erfolgsrun mit 9 respektive 8 Siegen, aber der bittere Nachgeschmack der verwehrten Bowl-Teilnahme 2010/11 bleibt hängen. Der neue HC ist Steve Addazio, der zuletzt die Offense von Florida gecoacht und sich dabei eher nicht mit Ruhm bekleckert hatte. Vor allem in der Defense sind die Abgänge in Temple von Gewicht: DT Wilkerson (Jets) und S Jarrett, der gleich von den ums Eck liegenden Eagles gedraftet wurde.

Der Rest der Eastern Division dürfte Kanonenfutter sein. Die Bowling Green Falcons erlebten 2010/11 einen Totalkollaps unter dem eigentlich als Rebuilding-Genie geltenden Dave Clawson: 62,8yds/Partie im Laufspiel mit einem Schnitt von 2.1/yds/Carry!! Die Kent State Golden Flashes demolieren sich seit mehreren Dekaden selbst durch willkürliche Trainerentlassungen und weggeschmissenes Talent (z.B. TE Gates, OLB Harrison, WR Edelman, WR Cribbs). Das neueste Riesentalent: DE Roosevelt Nix, in seinem zweiten Jahr. Der neueste Coach: Darrell Hazell, zuletzt in Ohio State und wohl froh, dort weg zu sein.

Mehrere Jahrzehnte Siechtum sind auch die Buffalo Bulls gewohnt, was sich so ausdrückt: 2010/11 erspielte man sich eine 2-10, die ehrenwert ist allein durch die Tatsache, dass man dank viel Enthusiasmus nur noch wenige Blowouts erleben musste. Hauptschuldig, dass nicht mehr Siege geholt wurden: Die neu installierte No-Huddle-Offense, die nicht funktionierte, weil das Laufspiel böse abschmierte. Noch schlimmer ist es um die Akron Zips bestellt: 1-11 mit meutereiähnlichen Zuständen im Team des neuen Coaches Rob Ianello. Immerhin wurde dann im Saisonfinale gegen Buffalo der einzige Saisonsieg geholt, aber wenn sich die Secondary nicht massiv verbessert, wird dieser Herbst ebenso wieder ein langer werden.

Western Division

Sportlich die qualitativ deutlich bessere Division sollte der Westen bieten, mit drei veritablen Kandidaten für das MAC-Finale. Dabei galten die Northern Illinois Huskies im vergangenen Herbst dank ihrer (bis zur blassen MAC-Finalvorstellung) phänomenalen und Schulrekorde brechenden Offense als MAC-Überflieger, inklusive eines Auswärtssieges bei den Minnesota Golden Gophers. Dumm, dass der Sieg so eindrucksvoll war, dass sich Minnesota dann mal eben dazu entschied, NIUs Head Coach Jerry Kill einen Vertrag anzubieten. Der Neue ist Dave Doeren, über dessen Qualitäten man sich wohl noch nicht ganz einig ist, aber Doerens Wissen um Defensivarbeit sollte helfen, die junge Abwehr auf Trab zu bringen.

Das muss auch schnell passieren, denn die Konkurrenz von der Toledo University scheint unter dem HC Tim Beckman im Aufwind zu sein. Bei den Rockets gilt: Starke und erfahrene Defense, aber Fragezeichen in der Offense. WR Eric Page ist eine fulminante Waffe (181 Catches und 15 TDs in seinen ersten beiden Jahren am College & bester Kickreturner der gesamten FBS), aber die QB-Kontroverse schwebt über allem und könnte dazu führen, dass Beckman eine zweigleisige Offense fährt, mit dem beweglichen Leadertypen QB Austin Dantin und dem hüftsteifen Linkshänder QB Terrance Owens in der Rotation. Ein ganz starkes Tackle-Duo in der Offense Line sollte helfen. Ebenso, dass man fast die gesamte MAC-Konkurrenz zuhause empfängt.

Diesen Luxus genießen die aufstrebenden Western Michigan Broncos nicht: Sie müssen alle ihre Schlüsselspiele auswärts bestreiten. Die Offense gilt nach dem Coming Out von QB Alex Carder (30 TD, 12 INT im ersten Jahr als Starter) als gesattelt, die Defense dagegen muss mehr Pass Rush und bessere Lauf-Abwehr zeigen und wichtige Starter in der Secondary ersetzen. Potenziell traut man WMU sogar 10 Siege zu, vor allem, weil Head Coach Bill Cubit als Kreativkopf gilt.

Eher zum Bodensatz sollte das Rest-Trio gehören. Die Ball State Cardinals kommen mal wieder mit neuem Coach daher, Pete Lembo, der dann auch gleich ankündigte, eine No-Huddle-Offense (he, in der MAC wollen alle No-Huddle!) einführen zu wollen. Erste Saison abschenken, ick hör dir trappsen…

Die Eastern Michigan University ist in Ypsilanti beheimatet und sieht nicht nur deswegen seit Jahren rot. Head Coach Ron English hat nach zwei Jahren 2-22 vorzuweisen und vor allem die schwache Defense macht zu schaffen. English gilt als guter Defensivcoach – wohin Michigans Abwehr nach seinem Abgang gewandert ist, hat man gesehen. Defensivbilanz 2010/11bei Easton Michigan: 32 Pass-TDs zugelassen, 2 INTs gemacht.

Noch schlechter sieht es für Central Michigan aus: Die Chippewas sind seit einigen Jahren im Sinkflug, zuletzt scheiterte die Abkehr von der Spread Offense grandios. Mit QB Ryan Radcliffe ist ein Hoffnungsträger gefunden, allerdings einer mit lockerem Abzugshändchen: 17 INTs im vergangenen Herbst. Die meisten Kopfzerbrechen in der Defense machen die besten Spieler, die allesamt lieber in Kneipen anzutreffen sind und Stunk ohne Ende produzieren.

Morgen morgens im vierten Teil eine Conference, die in Auflösungserscheinungen begriffen ist und 2012/13 mit der Sunbelt Conference um den vorletzten Platz streiten wird.

Ein Kommentar zu “College Football Preview 2011/12: Mid-American Conference (MAC)

  1. Die Eastern Michigan University ist in Ypsilanti beheimatet und sieht nicht nur deswegen seit Jahren rot.

    Fies 😉

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