College Football 2011/12 Preview: Big 12 Conference

Gestern hatten wir die Big Ten mit ihrem Dutzend an Teams, heute ist die “richtige” Big 12 Conference dran – mit 10 Mannschaften. Die Big 12 war vor einem Jahr dank der massiven Expansionsdränge der Pac-10 und der Zicken der University of Texas kurz vor der Implosion – nur um sich am Ende bei ihrem egozentrischsten Mitglied – Texas – für die weitere Existenz bedanken zu müssen. Die nahe Zukunft der Big 12 scheint gesichert, aber es ist ein gesichert mit Sternchen, da auch Texas A&M in unregelmäßigen Abständen mit der SEC flirtet und Texas itself womöglich trotz Longhorn Network irgendwann nach noch Höherem streben wird.

Sportlich dürfte die Verkleinerung trotz Nebraskas Abgang – immerhin eines der Schwergewichte schlechthin – nicht zu schmerzhaft sein, fällt nun immerhin das Championship Game weg, das dank des deutlichen Leistungsgefälle zwischen den beiden Divisionen immer mal wieder einen Überraschungs-Champ produziert hat, Stichwort „Ein Sensationssieg kann jedem mal gelingen“.

Oklahoma Sooners                     

Wenn man von der Big 12 Conference spricht, dann geht es meistens um zwei Footballprogramme, und das erste ist jenes der Oklahoma Sooners, die in den letzten Tagen wieder verstärkt in den Fokus von sportpolitischen Thematiken gerückt sind: Es geht darum, ob die Sooners die Schneid besitzen, vor der drohenden Implosion der Big 12 eigenhändig abzuhauen, oder ob sie bis zum Untergang der Conference warten oder ob sie spekulieren, irgendwie ein Rest-Torso von „Big 12“ halten zu können.

Uns interessiert heute mehr das Sportliche, und die Sooners von Head Coach Bob Stoops sind, geht es nach Journalisten und Coaches, das Favorit #1 auf den BCS-Titel. Hauptgrund dafür: Die Offense, die auch nach dem Weggang von OffCoord Kevin Wilson massivst punkten dürfte. Ein ganz großer Faktor ist dabei QB Landry Jones, ein wurfgewaltiger Mann ganz in der Tradition der großen Sooners-QBs, und Jones machte in der vergangenen Saison mal eben schlappe 4718yds und 38 Touchdowns via Luftweg.

Jones’ kongenialer Anspielpartner ist WR Ryan Broyles (2010: 14 Spiele, 131 Catches, 1622yds, 14 Touchdowns), wozu sich noch zwei Handvoll brauchbarer, diversester Optionen gesellen. Die Defense hat so ihre Probleme mit der Standhaftigkeit der Line und muss zu Saisonbeginn ein paar Wochen auf den großen Leader, MLB Travis Lewis, verzichten – überhaupt scheint es eine nette Verletzungsserie gegeben zu haben. Und Oklahoma spielt nach dem Tod eines Spielers in der Offseason auch mit schwerem Herzen.

Persönlich glaube ich nicht an einen BCS-Champion 2011/12 „Oklahoma Sooners“. Ich bin und bleibe skeptisch immer dann, wenn diese Mannschaft ein bisschen aggressiver von einer Defense angegangen wird – und spätestens im Endspiel dürfte ein SEC-Favorit warten… Außerdem schleppt Stoops trotz eines Titels vor etlichen Jahren das Image des ewigen Zweiten mit sich.

Und selbst der Weg ins Endspiel dürfte nicht einfach sein: Neben dem schweren Big 12 Schedule wartet am 17. September auch noch der Kracher auswärts gegen die gehypten Florida State Seminoles. Vor einem Jahr gewann Oklahoma locker 47-17, aber diesmal ist sämtlichen Prophezeiungen zur Folge ein enges Spiel zu erwarten.

Unglaublich unwichtige Info am Ende: Es gab vor ein paar Tagen eine Dokumentation über die Sooners in der Vorbereitung, in der Stoops in der ersten Trainingseinheit mit den Freshmen einen Spieler in der ersten Reihe fragte, wie viel sein Sport-Stipendium eigentlich wert sei. Der junge Mann wusste darauf nichts zu antworten.

Texas Longhorns

Willkommen beim meistgehassten Team im College Football. Die University of Texas hat in den vergangenen Jahren dank Egotrip, Longhorn Network und diverser weiterer Flauseln nicht nur Nebraska und womöglich Texas A&M aus der Big 12 Conference vertrieben, sondern allem Anschein nach den baldigen Gang in die Unabhängigkeit vorbereitet.

Sportlich war man 2009/10 eine Endspielverletzung von QB Colt McCoy vom National Title entfernt, erlebte dafür im Herbst 2010/11 eine einzige Gruselsaison und verlor sieben von zwölf Partien, fünfmal daheim. Head Coach in Austin ist Mack Brown, ein anerkanntes Recruiting-Genie, aber Browns Teams stehen im Ruf, underachiever zu sein, sprich: Für die Unmasse an Top-Talenten im Kader zu selten die Big 12 zu dominieren. Brown hat für die heurige Saison eine Rundumerneuerung im Trainerstab vorgenommen. Die Offense liegt nun in den Händen vom ehemaligen Boise-State-Mann Byron Harsin, die Defense bei Manny Diaz.

„Byron Harsin“, das bedeutet eine Abkehr von der vertikalen Offense des vergangenen Jahres, hin zu einer Offense mit Power-Running über RB Cody Johnson, der dafür wie gebaut zu sein scheint, und womöglich dem gehypten Highschooler Malcolm Brown. Heiß diskutiert wird die Quarterback-Position: Garrett Gilbert ist in der Anhängerschaft verhasst weil zu fehleranfällig, und es gilt als sicher, dass man Gilbert im Lauf der Saison auswechseln wird – vielleicht für Colts Bruder, den unerfahrenen Case McCoy?

Prunkstück in der Defense sind die Linebackers und kommenden NFL-Spieler Emmanuel Acho und Keenan Robinson, und es wird erwartet, dass Diaz eine brutal blitzfreudige Defense aufstellen wird. Und das heftige an den Longhorns ist: Sie schicken jedes Jahr ein, zwei First Rounder in die NFL, und es kommen trotzdem immer Topspieler aus den Highschools nach. Jeder junge Footballer in texanischen Schulen möchte für Texas/Austin spielen.

Die Geheimfavoriten

Während Texas sportlich als #4 der Big 12 Conference erwartet wird (wobei auch #2 am Ende nicht außer Reichweite sein sollte), gelten zwei andere Teams als extrem heiße Ware für diese Saison. Zum einen hätten wir da die Oklahoma State Cowboys von Head Coach Mike Gunday, vor einem Jahr eine schiere Offensiv-Sensation. Nun ist OffCoord Dana Holgorsen gen West Virginia abgewandert, aber die beiden Haupt-Komponenten sind noch da: QB Brandon Weeden, ein Mann, der jahrelang als Pitcher in den Minor Leagues im Baseball versauerte und nun mit bald 28 Jahren einer der ältesten Spieler im College football sein dürfte. Und WR Justin Blackmon, der im letzten Herbst als sophomore nie unter 100yds und immer mindestens einen Touchdown machte (Stats über die Saison: 111 Catches, 1872yds, 20 Touchdowns in 12 Einsätzen – meine Fresse). Blackmon ist kein Riese (1,85m), aber eine Präsenz als einzelner Receiver ganz draußen am Spielfeldrand – eine ungemeine Bereicherung für die Air Raid-Offense, die normalerweise primär über die Mitte kommt.

Fehlen wird in diesem Jahr allerdings der wichtige RB Kendall Hunter, der dieser Offense mit 1548yds und 17 TD eine zusätzliche Dimension gegeben hat. Der junge Backup Joseph Randle wird gefordert sein. Dass Randle als exzellenter Ballfänger gilt, sollte helfen. Allerdings sollte Oklahoma State gut beraten sein, mehr Laufspiel einzusetzen: Die Offense scort meistens schnell genug, um die Defense lange, viel zu lange auf dem Feld zu lassen und entsprechend zu ermüden. Die Cowboys haben eine insgesamt eher mäßige Defense, die vor einem Jahr das Big-12 Endspiel gekostet hat.

Probleme mit ihrer Defense haben auch die Texas A&M Aggies, die abseits des Spielfelds noch weit mehr Schlagzeilen produzieren: Die Universität wollte so tief aus der innersten Herzkammer ihres Herzens aus der Big 12 fliehen, dass sie dafür sogar die Ungewissheit einer möglicherweise conference-losen Saison 2012 hinnahmen. Zu sehr ist die Hemmung und die Abneigung, die die beiden Reizwörter in der Kombination „Texas Longhorns“ auslösen.

Sportlich hat Mike Sherman (den wir auch von irgendwo her kennen sollten) da möglicherweise ein BCS-Kaliber unter seinen Fittichen. Hauptgrund dafür ist die solide zweite Saisonhälfte von QB Ryan Tannehill, der erst nach einem desaströsen Saisonstart seines Konkurrenten in den Huddle geschmissen wurde und so solide spielte, dass die Offense plötzlich als heißer wie Frittenfett gehandelt wird. Die Offensive Line ist zwar nicht besser als okay, aber jung und entwicklungsfähig, dazu kommen haufenweise gute Wide Receivers und ein gewaltiges Runningback-Duo: Nie was von RB Christine „neinichbinkeinMädel“ Michael und RB Cyrus Gray gehört?

Dann wird es Zeit, den beiden zuzusehen. Hier wird gnadenlos 30x/Spiel um die Offensive Line herum gelaufen, oft mit Raumgewinnen von 10-12yds. Probleme macht dagegen wie angesprochen die Defense, wo mit OLB Von Miller der mit Abstand beste Pass Rusher in die NFL gegangen ist.

Trotzdem tauchen die Aggies häufig in der Diskussion um mögliche National Champions auf – unabhängig davon ist es für College Football-Fans eine Pflicht, wenigstens ein Heimspiel der Aggies mit anzuschauen. Die Stimmung im genialen Kyle Field sorgt auf dem Gänsehautometer regelmäßig für Anschlag.

Seit der Ankunft von Gary Pinkel als Head Coach geht es mit den Missouri Tigers konstant nach oben. Pinkel hat eine Mannschaft aufgebaut, die auch den Verlust von ein, zwei Schlüsselspielern ohne großen Qualitäts-Absturz verkraften kann – ein sehr gutes Zeichen. Diesmal muss man auf QB Blaine Gabbert verzichten und der neue QB ist ein völlig anderer Typ: James Franklin ist mehr der Typ Läufer denn Passer – und hat bizarrerweise den Job gegen Blaines Bruder Tyler gewonnen, der die Nerven weggeschmissen hat und nun nicht mehr in Mizzou studiert. Knackpunkt ist die Defense mit der Sollbruchstelle „Secondary“. Man traut den Tigers trotzdem wieder ca. eine 8-4 Saison zu.

„Geheimfavorit“ ist vielleicht ein bissl zu hoch gegriffen für die Texas Tech Red Raiders, eigentlich die kleinste Nummer des großen texanischen Trios, aber seit den Zeiten unter Mike Leach für pure Offensivgewalt bekannt. Man hoffte, mit dem neuen Coach Tommy Tuberville die Defense in den Griff zu bekommen, was eher nicht funktionierte: Sogar der Zwerg Weber State (FCS) schenkte 459yds Offense ein und die maue Offense Iowas scorte 52 Punkte. Zu viel, weshalb unter dem neuen DefCoord Chad Glasgow ein 4-2-5 für die extrem flinke Secondary gebaut wird. Meistens sind solche Umstellungen aber mit Anpassungsschwierigkeiten verbunden, weswegen man Texas Tech eher wenig zutrauen sollte.

Das Fußvolk

Im Schatten der großen staatlichen Colleges hat sich die kleine texanische Baptistenuni Baylor langsam und leise nach oben gearbeitet. 2010/11 dann der große Knall: Ein Auswärtssieg bei Texas. Nun sind wichtige Komponenten in Offensive (G Danny Watkins) und Defensive (DT Phil Taylor) Line weg, aber QB Robert Griffin III ist eine Konstante: Seit drei Jahren im Systen der Bears, und immer noch erst Junior. Plötzlich ist Enthusiasmus zu spüren.

Zwischen Enthusiasmus und Depression schwankt das Publikum der Iowa State Cyclones, das mindestens zweimal pro Saison zur Furie wird und den Trainer zum Teufel wünscht, aber nach „epischen“ Auswärtssiegen gegen wie jüngst gegen Texas seine Helden in den Himmel jubelt. Seit 2010 coacht Paul Rhoads die Cyclones unnd Rhoads genießt den Ruf des Lokalheros, ein ansteckend positiver, energiegeladener Mann, und in Furzweite zum Stadion aufgewachsen. Rhoads baut auf eine laufintensive Offense mit smash’n’dash (RB Jeff Woody/RB Shontrelle Johnson) und eine (hoffentlich) verbesserte Defensive Line. Dort spielt auch der Mann mit dem genau richtigen Namen: NT Stephen Ruempolhamer.

Wie Iowa State sind auch die beiden Unis in Kansas eher negativ von der Auflösung der Nord/Süd-Divisionen in der Big 12 betroffen. Nun muss man neun Conference-Spiele bestreiten, und öfters als früher gegen die Giganten im Süden spielen. Die Big 12 ist bizarr genug, dass diese Nord-Unis der University of Texas trotzdem zu Füßen liegen: Ohne deren Einlenken hätte jeder dieser Unis die Bedeutungslosigkeit (sprich: Mountain West Conference und Konsorten) gedroht.

Bei den Kansas State Wildcats aus Manhattan (jo, Manhattan) ist der Trainer der Superstar: Der ultimativ bescheidene Bill Snyder, der nur ein einziges Mal ins Rampenlicht getreten ist, als das Stadion der Uni nach ihm benannt wurde, nämlich. Snyder ist mit 72 Jahren eine lebende Legende und coacht ab dieser Saison sogar seinen Enkel Tate, der als Freshman im Kader steht.

Die Offense wird nach dem Abgang von RB Dan Thomas (Miami Dolphins) vom neu erworbenen RB Bryce Brown getragen, der aus Tennessee kommt und dessen Uni-Wechsel recht viel Aufsehen erregte, inklusive gegenseitiger Drohungen und Beschimpfungen. In der Defense muss vor allem der Würgegriff gegen das Laufspiel enger werden, zuletzt war man dort #119 von #120.

Als Bodensatz wird gemeinhein die University of Kansas gehandelt, die nach dem Abgang des eigenartig kultigen Coaches Mark Mangino unter Turner Gill ein horrendes Jahr hinlegte. Von der Jayhawks-Saison 2010/11 bleibt ein verheerendes 7-55 gegen Baylor (!) und ein fast noch katastrophaleres 3-20 gegen Nebraska hängen, als man beide Mal offensiv NICHTS zustande brachte. Und immer noch besteht kein Schimmer, wie man die QB-Situation lösen will. Die Hoffnung bleibt Gills Vergangenheit. Der Mann hat auch den Zwerg Buffalo nach schwachem Debütjahr umgekrempelt und neu aufgestellt.

So – fast abgearbeitet. Vorschau-Finale heute Nachmittag wird die Conference der Conferences dran sein, die neben den meisten Zuschauern auch die meisten sportlichen Erfolge und die meisten Stars in den letzten Jahren vorzuweisen hat. Um welche Conference es sich wohl handeln wird?

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