NFL 2011/12, TV-Guideline Week 1: Pathos Overkill

2011 sah der Herbst prächtig aus. Wie ich fühle, wird es 2012 nicht anders sein - Bild: korsakoff

2011 sah der Herbst prächtig aus. Wie ich fühle, wird es 2012 nicht anders sein - Bild: korsakoff

Die heiße Phase des Sommers 2011 war später als gewöhnlich, aber es ist noch rechtzeitig abgekühlt – und am Montag ist es passiert: Bei der abendlichen Jogging-Session fand ich die ersten herbstlich gefärbten Laubblätter dieses Jahres. „Herbstlich“ wie „Es ist NFL-Zeit“. Ich mag den Sommer, aber ich liebe den Herbst. Wenn die Tage kürzer werden, die Weinberge ihre Ernte preisgeben, die Törggeleabende fallen wie die Blätter von den Bäumen und ein paar tausend Kilometer weiter westlich die ersten Eier zu fliegen beginnen. Für mich ist der Herbst die Zeit des Jahres. Und heute Nacht beginnt der Herbst.

Wo kann ich die NFL 2011/12 sehen?

As always, wird die erste Anlaufstelle ESPN America sein, das pro Woche normalerweise vier Livespiele (19h, 22h, 02h, Monday Night) und zwei weitere Spiele als Aufzeichnung bringt, außer in dieser Woche 1, wo es gleich sechs Livespiele und zwei Tapes gibt, und wohl irgendwann im Oktober, wenn die Keulenschläger (= MLB-Baseballer) ihre Conference Finals und World Series abhalten. Dazu alle Playoffspiele inklusive Super Bowl und Pro Bowl jeweils LIVE und im Originalkommentar der amerikanischen Networks (bis auf die Super Bowl, bei der vertraglich seit Jahren auf den minderwertigen World Feed zurückgegriffen werden muss).

Sowohl Österreich als auch Deutschland haben noch separate deutsche Kommentierung bei anderen Anstalten: In Österreich wird der kleine Sender Puls 4 ein Livespiel pro Woche bringen (immer sonntags um 22h), mit der Kommentierung von Walter Reiterer und Michael Eschlböck. In Deutschland gibt es pro Woche vier Livespiele  bei Sport1 Plus, einem Pay-TV-Sender, der seit Mitte vergangener Saison NFL überträgt.

Es gibt natürlich auch wie immer wieder die Möglichkeit, auf den NFL-Gamepass zurückzugreifen, dessen Anforderungen meine persönliche Infrastruktur übersteigen, der aber ein großartiges Angebot inklusiver ALLER Spiele live und on demand (auch Playoffs) bietet, sowie die Möglichkeit eines separaten „Team“-Feeds. Preislich sprengt der Gamepass nicht sämtliche Dimensionen, mit einem Saison-Abo von € 199,96 für vollen Zugang oder einem Saisonabo für eine spezielle Mannschaft von € 139,99. Es gibt auch die Möglichkeit, nur einen „PlayoffPass“ im Jänner zu bestellen.

In Italien schaut es derzeit abseits von ESPN America düster aus. Vermutlich wird wieder in einer Harakiri-Aktion drei Stunden vor Kickoff die Superbowl bei einem Sender wie La7 eingekauft (wenn die Kommentatoren die selben bleiben wie in der Ausgabe 2011, schlage ich ein und verzichte ein weiteres Mal auf den World Feed).

Donnerstag, 8. September 2011

Green Bay Packers – New Orleans Saints

(02h30 LIVE ESPN America & Sport 1+, Tape am 9.9. 20h30 bei ESPNA)

Das ist ein Spiel, das Ingrediens besitzt, der hochwertigste Season Opener seit langer Zeit zu werden, trotz verkürzter Vorbereitungszeit. Zwei Topfavoriten aus der NFC, Lambeau Field bei Nacht und das Duell der beiden letzten Superbowl-Sieger. Ein Spiel, bei dem zwei überragende Quarterbacks aufeinandertreffen (Green Bays Aaron Rodgers und New Orleans‘ Drew Brees), aber auch ein Spiel, das sich nicht auf diese beiden Figuren reduzieren lässt.

Green Bay verfügt zusätzlich über eine sehr breit aufgestellte Defense mit sehr interessanten Formationen des DefCoords Dom Capers, u.a. der Schachfigur CB Charles Woodson, der kaum mehr spezielle Deckungsaufgaben zugewiesen bekommt, dafür als Freelancer überall auftauchen kann – etwas, das sich kein Coordinator traut, der nicht a) über einen starken Pass Rush verfügt und b) zuverlässige Cornerbacks besitzt. Green Bay hat beides: Pass Rush mit OLB Clay Matthews jr, sowie die Cornerbacks Sam Shields/Tramon Williams. Dass der Lauf nicht durchkommt, dafür sorgt in der Mitte der erstaunlich bewegliche NT B.J. Raji (153kg).

New Orleans ist mein persönlicher NFC-Topfavorit in dieser Saison. Die Pass-Armada ist so variantenreich, dass selbst Bill Belichick offen sein Scheitern beim Verteidigen selbiger zugab, das Laufspiel sollte auf zig Schultern verteilt auch wieder variantenreicher sein als vergangene Spielzeit. Dazu kommt der eigentliche Grund für meinen Optimismus: Die Front Seven scheint intelligent verstärkt worden zu sein, auch wenn DE Will Smith für die ersten beiden Spiele gesperrt sein wird.

Ich halte das Spiel für völlig offen. Den Saints wurde insgesamt eine sehr gute Frühform beschienen, die Packers sollen etwas lax an die Vorbereitung herangegangen sein, aber wer noch die sensationelle Abstimmung Rodgers/Ballfänger aus den Playoffs in Erinnerung hat… Tipp: Saints und erstmals seit Einführung verliert ein amtierender Superbowl-Champ das offizielle Eröffnungsspiel.

Zu Einstimmung sei auch auf die beiden Preview-Einträge von meiner Seite verwiesen: New Orleans und Green Bay.

Sonntag, 11. September 2011

Es ist der zehnte Jahrestag von 09/11. Entsprechend kann man sich schonmal auf haufenweise Reminiszenzen, fließende Tränen und Flyovers einstellen. Verstärkt werden die Gefühle durch diese drei Spielansetzungen: Baltimore, das in der Nähe von Washington (Pentagon) liegt. Pittsburgh, in dessen Nähe das vierte entführte Flugzeug (Flug #93) abgestürzt war. Washington gegen die Giants. Washington, Pentagon, New York, Manhattan, anyone? In der Nacht das Heimspiel der New York Jets gegen die Dallas Cowboys, deren Übername rein zufällig America’s Team ist. Pathos Overkill.

Baltimore Ravens – Pittsburgh Steelers

(19h LIVE ESPN America & Sport 1+, Tape am 15.9. 14h30 bei ESPNA)

Das ist ein Spiel, das selbst mit Ignorieren sämtlicher 09/11-Nebengeräusche kaum unter rein sportlichen Aspekten zu betrachten ist. Baltimore gegen Pittsburgh, das ist leidenschaftliche, gegenseitige Abneigung. Zwei Divisionsrivalen, die sich über ihre Defense definieren – die Steelers als Traditionsteams seit Jahrzehnten, die Ravens als immer noch recht junge Franchise (15 Jahre) seit gut einem Jahrzehnt. Wir sprechen nicht nur von zwei dominanten Defenses mit Charakterköpfen auf beiden Seiten, sondern vor allem auch von zwei unterschiedlichen Defensiv-Philosophien: Während sich „Blitzburgh“ über viel Zug zum Quarterback, notfalls auch mit zusätzlichen Linebackers und Defensive Backs, auszeichnet, kommt Baltimore vor allem über Härte zum Erfolg.

Es ist auch ein Spiel, in die beiden spektakulärsten Safetys der Liga gegeneinander spielen: Der freigeistige Troy Polamalu, amtierender Defensivspieler des Jahres, auf Seiten der Steelers, Ed Reed, der Mann mit dem unvergleichlichen Riecher für Interceptions, auf Seiten der Ravens. Beide werden fit sein.

Zusätzlich zu all dem Thrill werden noch die Nachwirkungen von drei elektrisierend-intensiven Duellen von 2010/11 in den Mixer geworfen: Alle drei Spiele wurden nach dutzenden blauen Flecken auf beiden Seiten erst in der Schlussminute entschieden.

Die Ravens haben im Sommer doch mehr an ihrem Kader geschraubt als erwartet. Sprich: Sie haben Verjüngungskur betrieben, die so weit ging, dass man irgendwann Angst vor der eigenen Courage bekam und sich spät, aber doch noch einiger erfahrener Spieler bediente (LT McKinnie, WR Evans, OL Gurode). Pittsburgh geht praktisch unverändert in die neue Saison, außer dass QB Big Ben Roethlisberger nun ein verheirateter Mann ist und die Offensive Line noch ausgedünnter ausschaut.

Ich würde mal sagen: Ein Spiel, das wie immer zum Pflichtprogramm gehört, auch, weil erstmals in diesem Jahr wieder die geniale CBS-Titelmelodie für die NFL zu hören sein wird. (Weil wir bei „Pathos“, „Nationalstolz“ udgl. waren: Hier wird der Bush-nahe Jim Nantz von CBS kommentieren)

Separate Preview-Einträge: Pittsburgh und Baltimore.

Washington Redskins – New York Giants

(22h LIVE ESPN America, PULS 4 & Sport 1+, Tape am 16.9. 14h30 bei ESPNA)

Die Washington Redskins gehen ins zweite Jahr mit Headcoach Mike Shanahan, der in zwei Offseasons munter am Kader geschraubt hat und mittlerweile weit über 50% des Kaders personell komplett umgekrempelt hat, inklusive des Abgangs von DT Albert Haynesworth und des Durchlaufs von QB Donovan McNabb. Der neue Quarterback soll nun tatsächlich der Schrecken der Bears-Fans Rex Grossman sein, dem nicht weniger als ACHT Wide Receivers und zusätzliche drei Tight Ends zur Verfügung stehen. In der Defense – der krasse Problempunkt 2010/11 – wurde mächtig eingekauft: DE Stephen Bowen aus Dallas, DT Barry Cofield aus New York und der kanadische Safety O.J. Atogwe aus St Louis.

Weniger Ungewissheit, dafür mehr Pessimismus bei den Giants, wo die Personalpolitik verwunderte und die neuen Hoffnungsträger wie der Rookie-CB Prince Amukamara oder DT Marv Austin nun erstmal wochenlang mit gebrochenen Knochen im Krankenhaus liegen. Was die Giants trotz allem speziell macht, ist ihre sehr gute Defensive Line, die in Dutzenden Varianten daherkommt und oft Spiele dominieren kann – allerdings meinte es der Verletzungsteufel auch nicht grade gut mit der DL. Wen wir bei den Giants vielleicht sehen werden: Mark Herzlich, den famosen Linebacker von Boston College, der einen bösartigen Knochenkrebs („Ewing-Sarkoma“) überstand, als ungedrafteter Rookie in den Giants-Kader kam und nun sein NFL-Debüt geben könnte.

Ausführliche Giants-Vorschau ist auch schon online.

New York Jets – Dallas Cowboys

(02 LIVE ESPN America, Tape am 12.9. 17h30 bei ESPNA)

New York gegen America’s Team. Es sind zwei Mannschaften, die recht „top-heavy“ besetzt sind und entsprechend ohne Verletzungssorgen durch die Saison kommen müssen, um nicht in ärgere personelle Probleme zu geraten. Es sind auch zwei Mannschaften, die im Sommer erstaunlich leise waren. Die Jets leckten wochenlang ihre Wunden über die gescheiterte Verpflichtung von CB Asomugha und den unschönen Abgang von DE Ellis gen Erzfeind New England, auf Cowboys-Seite diesmal keine Weibergeschichten um QB Tony Romo. Der Mann ist unterm Hammer.

Die Storyline lässt sich weiterbauen um das große Bruderduell der Ryans: Der laute Rex Ryan als Jets-Cheftrainer gegen den strubbelhaarigen Zwillingsbruder Rob Ryan, den neuen DefCoord der Cowboys. Zwei Coaches, die das Ziel eint, Quarterbacks mit viel Druck aus dem Konzept zu bringen. Während Rob gerne munter blitzt, vertraut Rex darauf, durch Täuschen und Tarnen die Offense je nach Spielzug dazu zu zwingen, zu viele oder zu wenige Blocker für die Anzahl der Pass Rusher abzustellen.

Vorschau Jets, Vorschau Cowboys.

Montag, 12. September 2011

Chicago Bears – Atlanta Falcons

(13h30 als Tape bei ESPN America)

Ich verweise vorab auf die jeweiligen Vorschau-Einträge: Chicago Bears & Atlanta Falcons. Eines der wichtigsten Matchups dürfte das Duell der verstärkten Defensive Line Atlantas (u.a. DE Ray Edwards aus Minnesota) mit der gemeinhin als schwach angenommenen Offensive Line der Bears (nach PFF die #31 insgesamt, #32 in der Pass Protection) sein. Dazu wird man erstmals unter Wettbewerbsbedingungen sehen, inwiefern der immer noch merkwürdige Draft-Deal für WR Julio Jones die Offense der Falcons „explosiver“, vertikaler gemacht hat. Für Chicago ist es ganz nebenbei nur das erste von mehreren brutalen Spielen im Auftaktprogramm.

Arizona Cardinals – Carolina Panthers

(15h30 als Tape bei ESPN America)

Unschwer zu erraten, warum gerade dieses Spiel gezeigt wird: Es geht um QB und #1-Draftpick Cameron Newton. Arizona und Carolina waren im vergangenen Herbst die beiden wohl schwächsten Mannschaften der NFL und insgesamt mit Sicherheit die schlechtesten Pass-Angriffe: Arizona hatte 50.8% Completion Rate, Carolina 52.4%. Nun sind beide Quarterbacks neu: Newton, der mit der #1 auf dem Rücken durch die Gegend scrambelt, was IMHO fürchterlich aussieht bei einem 1,96m-Hünen. Geschmacksache. Newton ist an sich ein sehr geschmeidiger Spieler, dem noch gravierende Schwächen im Lesen von Verteidigungen nachgesagt werden. Arizona verfügt über ein Backfield, das ebenso nicht zu den besten gehören dürfte, trotz CB Patrick Peterson, einem Rookie.

Der andere neue QB ist Kevin Kolb, den die Cardinals aus Philadelphia geholt haben. Kolb ist einer der Gründe, weshalb ich Arizona durchaus den Divisionstitel zutraue – so schwach schaut die NFC West wieder aus. Kolb/Fitzgerald, so lautet die neue, hochbezahlte Offensiv-Combo in der Wüste von Glendale.

Miami Dolphins – New England Patriots

(01h LIVE bei ESPN America und Sport1 Plus, 13.9./16h Tape ESPNA)

Wie seit einigen Jahren Usus, gibt in der Nacht auf Dienstag einen Doubleheader zu Monday Night. Das erste Spiel ist jenes zwischen Miami und New England. Zu New England wird die Saisonvorschau am Montag erscheinen. Miami ist schon da, und Miami hat seit Jahren das Problem, eine quasi unsichtbare Franchise zu stellen, der jeglicher Wow-Faktor abgeht. Da nützt keine statistisch hervorragende Defense, wenn die Offense so ideenlos spielt wie in der vergangenen Saison. In der Offseason wurden nacheinander Head Coach Tony Sparano und QB Chad Henne enteiert, aber beide haben sich irgendwie halten können und sollen nun die Kohlen einmal mehr aus dem Feuer holen. Irgendwie habe ich Miami aber trotz allem auf der Rechnung.

Bei New England mit seinem Phantom-Coach Bill Belichick gilt es ein Auge darauf zu werfen, wie nach den zwei doch überraschenden Rauswürfen von S James Sanders und S Brandon Meriweather das Defensive Backfield aussehen wird. Ah ja, und ein Ohr auf die Hyperventilation bezüglich New Englands neuer „3-4“/“4-3“-Defense nach dem Sensationseinkauf von DT Albert Haynesworth.

Denver Broncos – Oakland Raiders

(04h30 LIVE bei ESPN America, 13.9./18h30 Tape ESPNA)

Das Duell zweier verfeindeter Franchises, die in den letzten Jahren ins Siechtum abgesunken sind, nun unter neuen Coaches aber wieder Feuer zu fangen scheinen. Beide Mannschaften sollen um ein starkes Laufspiel und dominante Defensive Lines herum neu aufgebaut werden, wodurch die Schwächen beider Quarterbacks kaschiert werden sollen. Oaklands QB Jason Campbell gilt als Mann, der lieber mit einer 2-von-16 und 0 INT nach Hause fährt, als 18-von-20 und 1 INT, Denvers Kyle Orton gunslingert sich zwar gerne zu 350yds-Spielen, kriegt aber immer dann Probleme, wenn ihm Defenses mehr als Basis-Deckungen entgegenwerfen.

Vorschau Denver ist draußen, Oakland fehlt noch.

Zweiter interessanter Punkt wird das Debüt von Trent Dilfer als Co-Kommentator in diesem Spiel sein. Dilfer ist aus dem ESPN-Studio dadurch in Erinnerung geblieben, in schöner Regelmäßigkeit das Fähnchen in den Wind zu halten, um die Windrichtung zu testen – was manche als „Meinungsstärke“ ausgelegt haben, ging mir dort zunehmend immer mehr auf den Sack.

So, dann mal ab an die Glotze. NFL-Auftakt ist nicht so schön wie College-Football-Auftakt, aber mit 6x Livespiel und 2x Tape doch auch jedes Jahr wieder eine Festwoche für sich. Morgen kommt hoffentlich die Guideline zum College Football raus (es erwarten uns… zusätzliche 10 Partien; kann mir jemand mal drei Stunden Zeit rüberschaufeln?).