NFL 2011/12: Week 1, der 9/11-Gedenkeröffnungsspieltag

Nachklapp zum College Football gibt es hier. Vorschau auf diesen NFL-Sonntag hier.

 

[23h49] Halbzeit Washington 14, N.Y. Giants 14. Kein besonders schönes, aber ein interessantes Spiel. Die Giants können nicht über Passspiel kontinuierlich zum Erfolg kommen, weil QB Eli Manning zu wenig Zeit zum Werfen bekommt. Die beiden Running Backs Bradshaw/Jacobs sind aber im zweiten Viertel heiß gelaufen und haben trotz mäßigem Blockings Drives am Leben erhalten. In der Defense ist die Line (wohl wegen Verletzungen von Schlüsselspielern) weniger dominant als gewohnt, wodurch auch die Secondary teilweise gröbere Probleme hat (auch durch Verletzte?).

Washington hat seinerseits Probleme, längere Drives hinzukriegen. QB Rex Grossman wirft gerne die Bälle etwas hoch und nicht immer sind die Receiver in der Lage, die Eier aus der Luft zu pflücken. Insgesamt wirkt die Offense Line okay, allein es fehlen die explosiven Running Backs und der starke #1-Wide Receiver.

Angesichts der sich verschlimmernden Verletzungssorgen auf Giants-Seite könnte das noch eine spannende Geschichte werden.

[23h36] Brian Billick hat beim Spiel St Louis – Philadelphia angeblich gesagt, “the Rams have had some sex with the no huddle”.

[23h21] Die Probleme in der Offensive Line der Giants sind ernsthafter Natur. Eli Manning steht mit der Annahme des Snaps unter gewaltigem Druck, muss um sein Leben scrambeln und es ist insofern verständlich, dass hier ganze 3-von-11 komplettiert wurden, inklusive einiger ganz fürchterlicher, weil in höchster Not irgendwohin geworfener Bälle. Geht das so weiter, erleben wir noch die eine oder andere Interception. Und dann verletzt sich mit TE #85 Jake Ballard auch noch ein 130kg-Mann, der blocken kann und einen der bisher nur drei vollständigen Bälle fing.

[22h56] Die Giants spielen heute zusätzlich zu den ganzen Langzeitverletzten auch noch ohne die beiden besten Defensive Liner DE Justin Tuck und DE Osi Umenyiora. Da sollten sich nicht mehr allzu viele Leute verletzen, zumal Washingtons Offensive Line bisher einen recht guten Eindruck hinterlässt.

New York hat mit seiner Protection größere Probleme, Washington kommt sehr druckvoll mit Line und 1-2 zusätzlichen Pass Rushers daher und Eli Manning hat des Öfteren schneller drei Leute im Gesicht als ihm lieb sein kann.

[22h42] Washington 0, NY Giants 7. Das Spiel begann mit den erwarteten 0-von-8 für Grossman/Manning. Dann schaltet Washington in den dilettantischen Modus um, lässt WR Nicks kilometerlangen Vorsprung, Manning kauft sich elegant Zeit in der Pocket und die Giants stehen an der Goal Line. Manning auf einem Bootleg, kann dank völlig desinteressierter Redskins-Abwehr locker einlaufen. Nope, nicht einlaufen. Eintraben.

Die 19h-Spiele/Baltimore vs Pittsburgh

[22h29] Die Cincinnati Bengals werden tatsächlich das erste Saisonspiel in Cleveland gewinnen. QB Andy Dalton ist mit einer Fußverletzung rausgegangen, Backup Gradkowski drehte das Spiel, RB Benson schlug die Sargnägel mit einem simplen Laufspielzug über halbrechts ein – ein Spielzug ohne Beteiligung der Defense. Bei ESPN.com wird nach Daltons Verletzung schon über Carson Palmer spekuliert.

Detroit gewinnt in Tampa 27-20, weil Tampa im letzten Spielzug einen wilden Lateral-Spielzug nicht in die Endzone bringt. Soll keine überragende Vorstellung der Lions gewesen sein und gegen einen Gegner Tampa, dessen QB Freeman Phasen des Spiels mit einer Oberschenkelverletzung in der Kabine verbrachte. Als Freeman wieder da war, wurde es für Detroit wieder eng, weil sie die Uhr mit ihrem schwachen Laufspiel nicht runtertickern konnten.

So. Ich werde wohl nicht mehr das ganze Redskins/Giants-Spiel reinziehen, weil ich nebenher noch Samantha Stosur zum längst verdienten Grandslam-Sieg begleiten muss und irgendwann noch ein paar Minuten Schlaf brauchen werde.

[22h20] Meine Güte, in Cleveland schaut das Stadion zu 50% leer aus!

[22h11] Endstand Baltimore Ravens 35, Pittsbrugh Steelers 7. Ist eigentlich alles gesagt. Baltimore war mit seiner aggressiven Defense heute einfach konzentrierter, besser vorbereitet. Pittsburgh hatte nie wirklich eine Idee, was es mit seiner Offense dagegensetzen könnte und über die Offensive Line wird noch zu reden sein.

Baltimore strotzte in der Offense vor Selbstbewusstsein, QB Joe Flacco habe ich selten so on fire gesehen wie heute. Da war ein Mann on mission, komplettierte selbst schwierige tiefe Bälle mit Leichtigkeit. Im Laufspiel war RB Ray Rice in Hochform.

Fazit: Verdienter Sieg der Ravens über eine spätestens im dritten Viertel indisponierte Steelers-Mannschaft, die jetzt schon nach dem Rematch im November lechzen dürfte.

[22h07] YES. ESPNA wechselt zum Ohio-Derby Cleveland – Cincinnati, wo die Bengals überraschend 20-17 führen, seit Bruce Gradkowski reingekommen ist.

[22h04] Falls sich je jemand über Bela Réthy aufgeregt hat: CBS’ Nantz/Simms rattern grad auch einen Throw-Away-Fact nach dem anderen runter.

[21h56] Schön langsam kann man sich darauf einstellen, das Duell der QB-Giganten Eli Manning & Rex Grossman im FedEx Field, dem Stadion mit den ultrakomischen Farbkombinationen im obersten Rang, zu bestaunen. Washington dürfte heute ein Tränenbad sein.

[21h54] Turnover-Count: #7. Roethlisberger wird bei simplem Pass Rush mit drei (plus einem halbherzigen vierten) der Ball beim Werfen aus der Hand geschlagen. Erneut #55 Suggs und da habe ich immer Angst um die Bänder im Wurfarm.

[21h45] Seufz. RB #21 Mewelde Moore fumbelt schon wieder den Ball. Die Challenge wird erfolgreich sein, Baltimores Ball. Sechster (!!) Turnover der Steelers.

[21h40] Die Thrill-Autoren haben sich nach einem erneuten fantastischen College-Wochenende aktuell eine Auszeit genommen. Von acht 19h-Spielen ist 10min vor Schluss nur ein einziges innerhalb von einem Score (CLE-CIN), alle anderen mit mehr als 1 TD, viele mit 25+ Punkten.

[21h37] Ich habe keine Bilder, aber den Stats zur Folge hat Buffalo den Kansas City Chiefs das Laufspiel weggenommen und folglich findet völlig überraschend die Offense der Chiefs (mit QB Matt Cassell) nicht statt. Buffalo führt 41-7.

[21h33] Nächste hirnlose INT Roethlisbergers, wieder ist S Reed der Ballempfänger. Reed zieht die Bälle aber auch wirklich an. Das Spiel kann man abschenken.

[21h19] 44sek vor Ende des dritten Viertels mal wieder eine gepflegte Keilerei mit ca. 25 Beteiligten, inklusive eines 2m durch die Luft fliegenden Head-Refs Tony Corrente.

[21h15] Die Ravens führen mittlerweile 32-7 im strömenden Regen in Baltimore und das Spiel scheint 17min vor Schluss sehr gegessen aus. Das dritte Viertel, eigentlich eine Stärke der Steelers, war KOMPLETT in Händen der Ravens, sodass sogar Mike Tomlin seine Spieler mehr zusammenstauchte als gewohnt.

[21h00] Pittsburghs Offense schien gerade in die Gänge zu kommen, da wirft Roethlisberger unter Druck eine vogelwilde INT an der Goal Line direkt in die Arme Ed Reeds. Reed ist so verdutzt über die INT, dass er mit dem Return erstmal zwei Sekunden zum Nachdenken braucht.

[20h48] Baltimore 29, Pittsburgh 7, 21sek in der zweiten Halbzeit gespielt. Meine Fresse, was ist mit Pittsburgh los? Der erste Snap in der zweiten Halbzeit überrascht Roethlisberger, während im selben Moment bereits DT Haloti Ngata heranrauscht und die Ballübergabe an den Running Back zum Fumble ummünzt. Baltimore kommt mit Flaccos Super-Pass auf TE Ed Dickson raus. Dickson mit einem großartigen Catch in der EndZone, der S Polamalu wie einen Lehrbuben ausschauen lässt. Wo war unser Freund, der Baltimores junge Tight Ends… Ach, welche Tight Ends?

Um die Verarsche komplett zu machen, spielen sie einen Fake zur 2pt-Conversion. Und just in dem Moment fälscht Ngata einen Ball ab, der MLB Ray Lewis in die Arme fällt. INT, Baltimore wird allerdings beim Versuch, ein 4th down auszuspielen, gestoppt. M-a-s-s-i-v-e-r Energieanfall von OLB Jerome Harrison.

[20h41] Vor sehr gelichteten Rängen in Tampa spielen die Detroit Lions einen gepflegten Ball. Stafford hatte im ersten Spielzug eine unverschuldete Interception aus einem abgefälschten Ball, spielte danach schnellen, passlastigen Offensiv-Football inklusive eines mutigen 4th downs, Detroit führt 20-13.

[20h35] Halbzeit Baltimore 21, Pittsburgh 7. Starke, sehr starke Vorstellung der Baltimore Ravens trotz der unmotivierten Schlussminute. Die Offense wurde zuletzt immer lauforientierter, schaut aber sehr variabel aus, inklusive eines extrem relaxt wirkenden QB Joe Flacco, der fast immer seine Anspielstationen findet, seien es WR Boldin, die beiden Tight Ends Dickson/Pitta oder das „Sicherheitsziel“ RB Rice, der wie eben erwähnt eine großartige Halbzeit spielte.

In der Defense dominiert Härte. Pittsburgh kriegt kein Yard ohne blaue Flecken, viele Hits sind nahe an late hits. QB Roethlisberger muss sich häufig Zeit erkaufen und macht dabei IMHO keinen unterirdischen Job. Patentrezept für Pittsburgh meiner Meinung nach: RB Mendenhall um die Line herum laufen lassen, dabei hatten die Ravens die größten Probleme.

(Und natürlich mit den Strafen, aber da kann Pittsburgh nicht mehr tun als sich das Spektakel staunend mit anzuschauen.)

[20h24] Baltimore 21, Pittsburgh 7. Nun müssen auch die Ravens etwas mehr bluten für ihre Punkte – aber Baltimore hat RB Ray Rice. Rice war letzten Herbst dezent enttäuschend, aber heute ist der Mann in fantastischer Form, kriegt gutes Blocking, lässt aber danach zig Tackles (gegen Pittsburgh!!) aussteigen und ist kaum zu Boden zu bringen. Als Passempfänger macht der vergessene Sohn Rice einmal ein 3rd down und schließlich aus der WR-Aufstellung den Touchdown. Pittsburgh teilt kräftig Hits aus, hat aber alle Probleme der Welt mit diesem Running Back, der sogar einmal intelligent genug ist, einen Pass für sicheren Raumverlust einfach abzuklatschen – probates Mittel, nur leider selten gesehen.

[19h57] Baltimore 14, Pittsburgh 7. Nun melden auch die Steelers ihre Ansprüche an. Es geht nicht reibungslos und dauerte eine gefühlte halbe Stunde realer Zeit, aber am Ende ist Pittsburgh in der Endzone, weil sich QB Roethlisberger die nötige Zeit kaufen kann, bis WR Sanders in der Endzone frei ist. Baltimores Pass Rush muss sehr schnell gegen diese Line durchkommen, um Roethlisberger durcheinander zu bringen.

[19h47] In Houston fumbelt sich Colts-QB Kerry Collins zu zwei Touchdown-Geschenken für die Texans. Houston führt nach einem Viertel 17-0.

[19h39] Baltimore 14, Pittsburgh 0. Die Ravens sind wie elektrisiert. Direkt im Anschluss an die Schlägerei bricht plötzlich der hinter der Offensive Line versteckte OLB Terrell Suggs durch und wrestelt dem verdutzten QB Roethlisberger mit einer Wucht den Ball aus den Händen, da staunt der Ben noch immer.

Die Ravens-Offense kommt auf das Feld und spielt in der Post-Heap-Ära gnadenlos Tight Ends um Tight Ends an: Nachdem zuvor ein Dickson-Catch aberkannt worden war, fängt diesmal TE Pitta. RB Ray Rice vollendet an der Goal Line im zweiten Versuch.

[19h32] Zehn Minuten gespielt und schon die zweite Schlägerei auf dem Feld.

[19h30] Ein wunderschöner, rattenscharfer tiefer Ball von QB Flacco wird wegen eines Holdings von LT KcKinnie zurückgepfiffen und zerstört die Angriffsserie. In den Minuten, in denen sich in Baltimore bei drückender Schwüle wohl ein Regenguss nähert, bleibt aber das Bild eines sehr relaxten QB Flaccos.

[19h09] Baltimore 7, Pittsburgh 0. Das ging schnell. RB Ray Rice mit einem Riesen-Raumgewinn über die linke Seite, dort wie der 200kg-Bomber Bryant McKinnie jüngst vor ein paar Tagen neu installiert wurde. Zwei Plays später hat QB Joe Flacco über links alle Zeit der Welt, einen wunderschönen Ball in die Arme von WR Anquan Boldin zu legen, der im Nachfassen Baltimores ersten Saison-Touchdown macht.

[19h04] Jim Nantz ist begeistert von den „U-S-A“-Schlachtrufen.

[18h44] Wer’s noch nicht mitgekriegt hat: Die namhaftesten Ausfälle auf Seiten der Ravens sind OLB Sergio Kindle und die beiden Rookies CB Chykie Brown/WR Tandon Doss, bei den Steelers wird der Neuzugang WR Jerricho Cotchery nicht im Kader sein.

[17h57] Die Pittsburgh Steelers haben dieser Tage ein potenzielles Störfeuer ausgedrückt und dem famosen Safety Troy Polamalu einen neuen Vertrag über vier Jahre und 36,5 Mio. Dollar (10,5M guaranteed) gegeben, nicht so verrückt wie der Vertrag für Minnesotas RB Adrian Peterson (7yrs/100 Mio./36 Mio. guaranteed, 52 Mio. in den ersten vier Jahren), aber wichtig, um Polamalu zu halten. Von sämtlichen Leistungsträgern ist nur noch WR Mike Wallace nicht über 2011 hinaus an Pittsburgh gebunden. Indes ist ein Spieler, den die Steelers erst am Sonntag gecuttet haben, S Brett Greenwood, bei einer Trainingseinheit an seiner Highschool kollabiert (Herzstillstand), scheint aber mittlerweile in stabilem Zustand zu sein.

[17h12] Guten Nachmittag. Der Spieltag steht im Zeichen des zehnten Jahrestags von 9/11. Die Laute sind vereinzelt, aber aus dem Blätterwald rauschen zwischen haufenweise Pathos und Erinnerungen auch kritische Töne zu 9/11, der zweifelhaften Art der Aufarbeitung und zur allgemeinen Lage einer heute gespaltenen Nation. Stellvertretend dazu der gestrige Eintrag in der Washington Post:

Washington Post_110911

©Washington Post

Zum Sport: Die NFL-Spieler dürfen heute entgegen der sonstigen Gepflogenheiten Handschuhe mit 9/11-Erinnerungen tragen – die restriktive Kleiderordnung wurde extra dafür gelockert. Zusätzlich gibt es ein spezielles „NFL 9/11“-Gedenkband für jeden Spieler, inklusive eines Logos für das Spielfeld und gigantischer US-Flaggen zur Hymne vor dem Spiel. Bei ESPN America geht es los mit Baltimore RavensPittsburgh Steelers, den beiden rivalisierten Teams aus den Städten, in deren Mitte sich Shanksville, der Aufschlagort von Flight 93, befindet. Baltimore ist zudem in der Nähe Washingtons gelegen.

College Football 2011/12, Roundup Woche 2: Thrill, so weit das Auge reicht

(Alle Rankings aus dem AP-Poll von letzter Woche)

Auch Wochenende #2 hat uns bestätigt: College Football, mit Verlaub, ist einfach geil. Was da wieder für Spiele drunter waren… Ich habe eben mit einem Auge meine Aufzeichnung vom Nachtspiel Michigan Wolverines gegen Notre Dame angeschaut, aber was heißt da „mit einem Auge“? Die Partie wird um 13h bei ESPN America noch mal gezeigt, und ich rate aus tiefstem Herzen, sich dieses fassungslose Spiel anzuschauen. Und damit zur Warnung: Ab sofort betreten Sie Spoiler-Zone. Also wenn Sie noch mit Spannung die letzten Tapes anschauen wollen, bitte überspringen oder sich mit dem Lesen noch die eine oder andere Stunde Zeit lassen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Keine der beiden Mannschaften war gerankt, aber wie sich Michigan und Notre Dame da die Kante gaben, wird man lange nicht vergessen, nicht nur wegen des Nachtspiel-Faktors. Die Fighting Irish wirkten eigentlich über die komplette Partie wie die bessere, reifere Mannschaft, trotz des wenig souveränen Quarterbacks Tommy Reed. In den fürchterlichen Throwback-Trikots dominierte Notre Dame vor allem mit dem spektakulären WR Michael Floyd, führte schon mit zwei Touchdowns, aber Michigan und sein QB Denard Robinson hielten sich mit regelmäßig eingestreuten, irren Big Plays im Spiel. Was Robinson da an eiernden, tiefen Bällen in Doppeldeckungen einstreute, geht auf keine Kuhhaut mehr. Die Zahlen am Ende des Tages: Nur 11 (elf!) von 24 Pässen vollständig, 3 Interceptions, aber 4 Touchdowns und unglaubliche 338 Yards (30.7yds/Completion), einmal ein 60yds-Pass aus dem Armgelenk, mit einer Klette von Pass Rusher an seinen Füßen hängend.

Notre Dame ging mit einem 24-7 ins Schlussviertel, und dann steigerte sich die Freak-Show. Michigans Running Back mit einem Fumble an der Goal Line, Robinson fällt der Ball direkt in die Arme zurück und trabt verdutzt zum Touchdown in die Endzone. RedZone-Turnovers auf beiden Seiten. Mit 1:12min auf der Uhr geht Michigan mit einem wunderschön designten Counter-Pass (gegen die Laufrichtung der Defense) 28-24 in Führung. QB Rees innerhalb von 42sek gegen eine vogelwilde Wolverines-Defense, Touchdown, 28-31, 30sek vor Schluss.

Over? Nope. Robinson weicht athletisch einer zusammenbrechenden Pocket aus, tiefer Ball auf WR #10 Gallons, dessen Slalomlauf über 64yds quer über das Spielfeld durch die Defense erst 8sek vor Schluss an der 16yds-Line gestoppt wird. Field Goal? Mitnichten, Michigan spielt aus, Robinson mit einem wilden Pass in die rechte Ecke der Endzone, wo WR #12 Roy Roundtree die Bogenlampe aus der Luft pflückt. 2sek to go, Michigan gewinnt den Thriller 35-31, Notre Dame, das gehypte Notre Dame, mit einem denkbar schlechten Start in die Saison: 0-2 und der geneigte Fan erstmal mit zwei Liter verlorenem Schweiß unter die Dusche.

Die AP Top-25

#1 Oklahoma war spielfrei, #2 LSU hatte mit Northwestern State keine Probleme (400:95yds Offense, 49-3 Punkte). Eine Visitenkarte gaben die #3 Alabama Crimson Tide ab, die in beeindruckender Manier auswärts gegen die #23 Penn State Nittany Lions 27-11 gewannen und dabei vor allem schon beachtliche Form in der Defense zeigten. Alabama würgte Penn States Lauf nach Strich und Faden ab, allerdings bin ich mir nicht sicher, ob die Passdefense nicht vor allem von der Inkonstanz der beiden PSU-Quarterbacks Bolden/McGloin profitierte. Beide mit immer wieder eingestreuten, ganz schlechten Bällen. Penn States Defense war um einiges besser als ihre Offense, konnte aber dem Druck der immer wieder kehrenden schlechten Feldposition immer weniger entgegensetzen. Alabamas QB A.J. McCarron schaut aus wie ein besserer McElroy, dürfte sich mit diesem Spiel IMHO als Starter für diese Saison qualifiziert haben.

#4 Boise State war spielfrei, dürfte aber trotzdem eine Enttäuschung erlebt haben: #12 South Carolina gewann auswärts dank starker Schlussphase bei Boise-Hoffnung Georgia 45-42, vor allem die Laufdefense der Bulldogs war nicht gut, ließ RB Marcus Lattimore zu 176yds durchpflügen. Boises beeindruckender Sieg vergangenen Samstag dürfte ab sofort wieder diskreditiert werden.

Die nächsten Teams jeweils mit lockeren Siegen über inferiore Konkurrenz: #5 Florida State spielte sich mit einem 62-10 gegen Charlston South für den Kracher nächste Woche gegen Oklahoma ein, #6 Stanford nach Problemen in der ersten Halbzeit mit einem 44-14 bei Duke, #7 Texas A&M, #8 Wisconsin mit einem nie gefährdeten 35-0 gegen eine ultraharmlose Mannschaft von Oregon State, #9 Oklahoma State bereits am Donnerstag mit einem 37-14 gegen die Arizona Wildcats. #10 Nebraska war erst in der Schlussphase gegen Fresno State wirklich überlegen, gewann 42-29.

Arge Schwierigkeiten dagegen für #11 Virginia Tech, deren Defense zwar die schnelle Offense der East Carolina Pirates einbremste, aber QB Logan Thomas mit einer enttäuschenden Vorstellung. Am Ende ein knappes 17-10 für die Hokies.

Viel Dusel auch für #15 Ohio State beim knappen 27-22 daheim gegen die Toledo Rockets, die in der letzten Minuten einen Fumble der Buckeyes erzwangen und mit ihrem QB Austin Davis eine letzte Chance bekamen. Davis führte Toledo mit seinem unkonventionellen linken Arm das Spielfeld runter, mit einem verwandelten 4th and 14 (brillanter, mutiger Pass dabei übrigens!!), aber in der RedZone war dann doch Schluss.

#16 Mississippi State verlor einen wahnsinnigen Thriller in Auburn, weil die Goal Line-Defense der Tigers in den Schlusssekunden wie eine Mauer hielt: RB Vick Ballard mit 16sek auf der Uhr, wird an der 2yds Line für 1yd Raumverlust gestoppt und unter einer Klette an Tigers-Verteidigern begraben, Mississippi States Headcoach Dan Mullen rennt wie von der Tarantel gestochen auf das Feld um dem weltabgewandten Head-Ref das Timeout anzuzeigen, und muss das letzte Fünkchen Contenance bewahren, um das Zebra nicht in Grund und Boden zu prügeln. Mit 10sek auf der Uhr behält QB Chris Relf den Ball selbst, rollt links raus und wird an der 0,3yds-Line (oder so) gestoppt. Klar ersichtlich kein Touchdown, aber es fehlten keine 10 Zentimeter. Auburn mit dem zweiten knappen Sieg, 41-34. Auburn und knappe Siege? Das kennen wir doch irgendwo her… Trotzdem wird man sich nicht lange nur auf RB Michael Dyer (mit viel Spektakel bei langen Läufen und kurzen Touchdown-Läufen) verlassen können und darauf, dass Dutzende missed tackles in der Defense unbestraft bleiben.

#13 Oregon erholte sich von der verheerenden Auftaktniederlage gegen LSU, spielte Nevada 69-20 an die Wand (inklusive 6 TD-Pässen von QB Thomas), #14 Arkansas mit einem 52-3 gegen New Mexico, #17 Michigan State 44-0 gegen FAU, #18 Florida 39-0 gegen Alabama/Birmingham, #22 USF 37-7 gegen Ball State und #19 West Virginia mit einem letztendlich klaren 55-12 gegen den Underdog Norfolk State, der zur Halbzeit noch 12-10 geführt hatte.

Die #21 Missouri Tigers verloren bereits am Samstagmorgen einen brutal penalty-trächtigen Overtime-Thriller (23 gelbe Flaggen für 224yds Raumstrafe) bei den Arizona State Sun Devils und dürften aus den Rankings verschwinden. Für Mizzou war nicht alles schlecht: QB James Franklin gefiel besser als in der Vorberichterstattung hätte vermuten lassen, die Offensive Line hatte ASU und seinen gehypten LB Vontaze Burfict lange Zeit recht gut unter Kontrolle. Allerdings verpasste der Kicker mit auslaufender Uhr, nach einem aufregenden Comeback, einen Kick, in der Overtime konnte man das 37-30 der Sun Devils nicht mehr ausgleichen.

Story des Tages bei #24 Texas – BYU war die QB-Diskussion: Texas hielt die gefüchtete Lauf-Offense der Cougars gut unter Kontrolle (nur 1.9yds/Carry für BYU), brachte aber selbst in der Offense nur wenig zustande – bis QB Gilbert aus dem Spiel genommen wurde und der Grünschnabel QB Case McCoy ins Getümmel geworfen wurde. McCoy brachte den nötigen Ruck, Texas am Ende mit einem knappen, unspektakulären 17-16 über BYU.

#25 TCU zeigte der ambitionierten Air Force die Grenzen auf, machte die Falcons locker 35-19 nieder und gab ein Statement bezüglich „Platz 2“ in der MWC ab.

Sonst so

Bei TennesseeCincinnati (45-23) zeigte QB Tyler Bray glänzende Ansätze. Mit Tennessee könnte in der SEC East tatsächlich zu rechnen sein. Bray wirkt irgendwie inspirierend auf Mannschaft und Fans.

Großartiges Spiel bei Iowa Iowa State („Cy-Hawk Trophy“), das nicht nur einmal in die Overtime ging, sondern gleich dreimal. Am Ende wurstelte sich der krasse Außenseiter Cyclones zu einem stimmungsaufgeladenen 44-41, für Iowa und seinen Coach Kirk Ferentz eine riesige Enttäuschung. Iowa hatte man eigentlich mehr zugetraut als eine Derby-Niederlage gegen Iowa State.