College Football 2011/12, Roundup Woche 2: Thrill, so weit das Auge reicht

(Alle Rankings aus dem AP-Poll von letzter Woche)

Auch Wochenende #2 hat uns bestätigt: College Football, mit Verlaub, ist einfach geil. Was da wieder für Spiele drunter waren… Ich habe eben mit einem Auge meine Aufzeichnung vom Nachtspiel Michigan Wolverines gegen Notre Dame angeschaut, aber was heißt da „mit einem Auge“? Die Partie wird um 13h bei ESPN America noch mal gezeigt, und ich rate aus tiefstem Herzen, sich dieses fassungslose Spiel anzuschauen. Und damit zur Warnung: Ab sofort betreten Sie Spoiler-Zone. Also wenn Sie noch mit Spannung die letzten Tapes anschauen wollen, bitte überspringen oder sich mit dem Lesen noch die eine oder andere Stunde Zeit lassen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Keine der beiden Mannschaften war gerankt, aber wie sich Michigan und Notre Dame da die Kante gaben, wird man lange nicht vergessen, nicht nur wegen des Nachtspiel-Faktors. Die Fighting Irish wirkten eigentlich über die komplette Partie wie die bessere, reifere Mannschaft, trotz des wenig souveränen Quarterbacks Tommy Reed. In den fürchterlichen Throwback-Trikots dominierte Notre Dame vor allem mit dem spektakulären WR Michael Floyd, führte schon mit zwei Touchdowns, aber Michigan und sein QB Denard Robinson hielten sich mit regelmäßig eingestreuten, irren Big Plays im Spiel. Was Robinson da an eiernden, tiefen Bällen in Doppeldeckungen einstreute, geht auf keine Kuhhaut mehr. Die Zahlen am Ende des Tages: Nur 11 (elf!) von 24 Pässen vollständig, 3 Interceptions, aber 4 Touchdowns und unglaubliche 338 Yards (30.7yds/Completion), einmal ein 60yds-Pass aus dem Armgelenk, mit einer Klette von Pass Rusher an seinen Füßen hängend.

Notre Dame ging mit einem 24-7 ins Schlussviertel, und dann steigerte sich die Freak-Show. Michigans Running Back mit einem Fumble an der Goal Line, Robinson fällt der Ball direkt in die Arme zurück und trabt verdutzt zum Touchdown in die Endzone. RedZone-Turnovers auf beiden Seiten. Mit 1:12min auf der Uhr geht Michigan mit einem wunderschön designten Counter-Pass (gegen die Laufrichtung der Defense) 28-24 in Führung. QB Rees innerhalb von 42sek gegen eine vogelwilde Wolverines-Defense, Touchdown, 28-31, 30sek vor Schluss.

Over? Nope. Robinson weicht athletisch einer zusammenbrechenden Pocket aus, tiefer Ball auf WR #10 Gallons, dessen Slalomlauf über 64yds quer über das Spielfeld durch die Defense erst 8sek vor Schluss an der 16yds-Line gestoppt wird. Field Goal? Mitnichten, Michigan spielt aus, Robinson mit einem wilden Pass in die rechte Ecke der Endzone, wo WR #12 Roy Roundtree die Bogenlampe aus der Luft pflückt. 2sek to go, Michigan gewinnt den Thriller 35-31, Notre Dame, das gehypte Notre Dame, mit einem denkbar schlechten Start in die Saison: 0-2 und der geneigte Fan erstmal mit zwei Liter verlorenem Schweiß unter die Dusche.

Die AP Top-25

#1 Oklahoma war spielfrei, #2 LSU hatte mit Northwestern State keine Probleme (400:95yds Offense, 49-3 Punkte). Eine Visitenkarte gaben die #3 Alabama Crimson Tide ab, die in beeindruckender Manier auswärts gegen die #23 Penn State Nittany Lions 27-11 gewannen und dabei vor allem schon beachtliche Form in der Defense zeigten. Alabama würgte Penn States Lauf nach Strich und Faden ab, allerdings bin ich mir nicht sicher, ob die Passdefense nicht vor allem von der Inkonstanz der beiden PSU-Quarterbacks Bolden/McGloin profitierte. Beide mit immer wieder eingestreuten, ganz schlechten Bällen. Penn States Defense war um einiges besser als ihre Offense, konnte aber dem Druck der immer wieder kehrenden schlechten Feldposition immer weniger entgegensetzen. Alabamas QB A.J. McCarron schaut aus wie ein besserer McElroy, dürfte sich mit diesem Spiel IMHO als Starter für diese Saison qualifiziert haben.

#4 Boise State war spielfrei, dürfte aber trotzdem eine Enttäuschung erlebt haben: #12 South Carolina gewann auswärts dank starker Schlussphase bei Boise-Hoffnung Georgia 45-42, vor allem die Laufdefense der Bulldogs war nicht gut, ließ RB Marcus Lattimore zu 176yds durchpflügen. Boises beeindruckender Sieg vergangenen Samstag dürfte ab sofort wieder diskreditiert werden.

Die nächsten Teams jeweils mit lockeren Siegen über inferiore Konkurrenz: #5 Florida State spielte sich mit einem 62-10 gegen Charlston South für den Kracher nächste Woche gegen Oklahoma ein, #6 Stanford nach Problemen in der ersten Halbzeit mit einem 44-14 bei Duke, #7 Texas A&M, #8 Wisconsin mit einem nie gefährdeten 35-0 gegen eine ultraharmlose Mannschaft von Oregon State, #9 Oklahoma State bereits am Donnerstag mit einem 37-14 gegen die Arizona Wildcats. #10 Nebraska war erst in der Schlussphase gegen Fresno State wirklich überlegen, gewann 42-29.

Arge Schwierigkeiten dagegen für #11 Virginia Tech, deren Defense zwar die schnelle Offense der East Carolina Pirates einbremste, aber QB Logan Thomas mit einer enttäuschenden Vorstellung. Am Ende ein knappes 17-10 für die Hokies.

Viel Dusel auch für #15 Ohio State beim knappen 27-22 daheim gegen die Toledo Rockets, die in der letzten Minuten einen Fumble der Buckeyes erzwangen und mit ihrem QB Austin Davis eine letzte Chance bekamen. Davis führte Toledo mit seinem unkonventionellen linken Arm das Spielfeld runter, mit einem verwandelten 4th and 14 (brillanter, mutiger Pass dabei übrigens!!), aber in der RedZone war dann doch Schluss.

#16 Mississippi State verlor einen wahnsinnigen Thriller in Auburn, weil die Goal Line-Defense der Tigers in den Schlusssekunden wie eine Mauer hielt: RB Vick Ballard mit 16sek auf der Uhr, wird an der 2yds Line für 1yd Raumverlust gestoppt und unter einer Klette an Tigers-Verteidigern begraben, Mississippi States Headcoach Dan Mullen rennt wie von der Tarantel gestochen auf das Feld um dem weltabgewandten Head-Ref das Timeout anzuzeigen, und muss das letzte Fünkchen Contenance bewahren, um das Zebra nicht in Grund und Boden zu prügeln. Mit 10sek auf der Uhr behält QB Chris Relf den Ball selbst, rollt links raus und wird an der 0,3yds-Line (oder so) gestoppt. Klar ersichtlich kein Touchdown, aber es fehlten keine 10 Zentimeter. Auburn mit dem zweiten knappen Sieg, 41-34. Auburn und knappe Siege? Das kennen wir doch irgendwo her… Trotzdem wird man sich nicht lange nur auf RB Michael Dyer (mit viel Spektakel bei langen Läufen und kurzen Touchdown-Läufen) verlassen können und darauf, dass Dutzende missed tackles in der Defense unbestraft bleiben.

#13 Oregon erholte sich von der verheerenden Auftaktniederlage gegen LSU, spielte Nevada 69-20 an die Wand (inklusive 6 TD-Pässen von QB Thomas), #14 Arkansas mit einem 52-3 gegen New Mexico, #17 Michigan State 44-0 gegen FAU, #18 Florida 39-0 gegen Alabama/Birmingham, #22 USF 37-7 gegen Ball State und #19 West Virginia mit einem letztendlich klaren 55-12 gegen den Underdog Norfolk State, der zur Halbzeit noch 12-10 geführt hatte.

Die #21 Missouri Tigers verloren bereits am Samstagmorgen einen brutal penalty-trächtigen Overtime-Thriller (23 gelbe Flaggen für 224yds Raumstrafe) bei den Arizona State Sun Devils und dürften aus den Rankings verschwinden. Für Mizzou war nicht alles schlecht: QB James Franklin gefiel besser als in der Vorberichterstattung hätte vermuten lassen, die Offensive Line hatte ASU und seinen gehypten LB Vontaze Burfict lange Zeit recht gut unter Kontrolle. Allerdings verpasste der Kicker mit auslaufender Uhr, nach einem aufregenden Comeback, einen Kick, in der Overtime konnte man das 37-30 der Sun Devils nicht mehr ausgleichen.

Story des Tages bei #24 Texas – BYU war die QB-Diskussion: Texas hielt die gefüchtete Lauf-Offense der Cougars gut unter Kontrolle (nur 1.9yds/Carry für BYU), brachte aber selbst in der Offense nur wenig zustande – bis QB Gilbert aus dem Spiel genommen wurde und der Grünschnabel QB Case McCoy ins Getümmel geworfen wurde. McCoy brachte den nötigen Ruck, Texas am Ende mit einem knappen, unspektakulären 17-16 über BYU.

#25 TCU zeigte der ambitionierten Air Force die Grenzen auf, machte die Falcons locker 35-19 nieder und gab ein Statement bezüglich „Platz 2“ in der MWC ab.

Sonst so

Bei TennesseeCincinnati (45-23) zeigte QB Tyler Bray glänzende Ansätze. Mit Tennessee könnte in der SEC East tatsächlich zu rechnen sein. Bray wirkt irgendwie inspirierend auf Mannschaft und Fans.

Großartiges Spiel bei Iowa Iowa State („Cy-Hawk Trophy“), das nicht nur einmal in die Overtime ging, sondern gleich dreimal. Am Ende wurstelte sich der krasse Außenseiter Cyclones zu einem stimmungsaufgeladenen 44-41, für Iowa und seinen Coach Kirk Ferentz eine riesige Enttäuschung. Iowa hatte man eigentlich mehr zugetraut als eine Derby-Niederlage gegen Iowa State.

4 Kommentare zu “College Football 2011/12, Roundup Woche 2: Thrill, so weit das Auge reicht

  1. 100% agree. Michigan – N.D. war ganr großes Kino, schau mir das gerade nochmal bei ESPN an 😉

    Bei meinen Lions war das ein zähes Stück, die Offense ist einfach nicht in Gang gekommen und ich gebe JoePa und JayPa Mitschuld daran. RRPP, das konnte nicht gehen und wenn man beim first Down Pass ansagte, immer gleich tief, dass man natürlich incomplete und dritter und lang hatte. Wird gegen normale Defenses abe werden, gegen Bama schauen auch andere gute Teams schlecht aus und die Lions sind ehrlicherweise noch nicht in dieser Kategorie…

  2. In Minnesota gab es eine schlimme Schrecksekunde, weil der Trainer Jerry Kill einen epileptischen Anfall hatte und vor mucksmäuschenstillem Stadion ins Krankenhaus gebracht werden musste. Angeblich nichts Bedrohliches, aber schon zum dritten Malin seiner Trainerkarriere.

  3. Pingback: NFL 2011/12: Week 1, der 9/11-Gedenkeröffnungsspieltag « Sideline Reporter

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