Die Washington Redskins vor der Rückkehr zur Relevanz?

Über Jahre wurden die Washington Redskins dank ihrer ignoranten Personalpolitik verspottet. Owner Dan Snyder, ein finanzstarker Investor, war getrieben von der Vorstellung, sich mit teuren Einkäufen einen Superbowlsieger zusammenkaufen zu können. Wiederzufalleswollte gelang das selbst mit großen Namen am Trainerpult (Turner, Schottenheimer, Gibbs) nie, sodass Snyder vor zwei Jahren zur Einsicht gelang, die sportliche Leitung abzugeben. Das neue Duo an der Front: GM Bruce Allen und Headcoach Mike Shanahan, die in zwei Offseasons den Kader gänzlich umkrempelten und nun ein namenloses, junges Team beisammen haben.

Die Offense                          

So genau weiß niemand, wie viel Mike dem Sohnemann Kyle Shanahan an Zuständigkeiten für den Angriff übertragen hat. Fakt ist: Vater wie Sohn haben prinzipiell ähnliche Vorstellungen. Shanahans Offenses sind um starke Offensive Lines mit Zonenblocks gebaut, worin in den ersten beiden Jahren auch etliche Ressourcen gesteckt wurden. So hat man den hoch bezahlten Rookie-LT Trent Williams und den ehemals hoch gedrafteten RT Jammal Brown als starke Eckpfeiler geholt und die Line sah im ersten Anschein auch bereits recht vertrauenswürdig aus.

„Vertrauenswürdig“ ist kein Stichwort, bei dem im selben Atemzug der Name von Rex Grossman fällt. Grossman wurde überraschend die Rolle des Quarterbacks überlassen, was NFL-Fans erstmal die blanke Gänsehaut über den Rücken fahren lässt angesichts der legendären Inkonsistenz und der Turnoveranfälligkeit des ehemaligen Bears-QBs. Nun hat Grossman zur Saisoneröffnung tatsächlich recht ordentlich gespielt und scheint das volle Vertrauen von Team und Coach zu genießen – trotz einiger recht unpräziser Würfe, die nur dank der Akrobaten bei den Ballfängern komplettiert wurden.

Diese Ballfänger sind sehr zahlreich im Kader vertreten, 8 WR und 3 TE an der Zahl, aber es fehlt am richtigen Go-To-Guy. WR Santana Moss wird nicht jünger (aber auch nicht schwächer), ist aber wie WR Anthony Armstrong kein Mann, der 10 Catches/Spiel macht. Nicht mehr als ein Notnagel ist seit Jahren WR Jabar Gaffney, der aus Denver gekommen ist, aber nicht als Mann gilt, Mismatches zu kreieren. Dito WR Brandon Banks, ein fantastischer Returner, aber ein schlampiger Receiver. Und was die explosiven Rookies Leonard Hankerson und Niles Paul können, ist noch in der Schwebe. Dass TE/H-Back Chris Cooley ein großartiger Mann ist, darüber sind sich alle einig. Cooley spielt allerdings eine Position, die in der NFL nicht wirklich dafür gedacht ist, die zentrale Rolle einer Offense zu stellen.

Im Laufspiel gibt es nach dem Abgang vom langjährigen Superstar Clinton Portis ein neues, recht unbeschriebenes Trio. Da wäre zum einen RB Tim Hightower, ein Lokalmatador, dessen Verpflichtung aus Arizona angesichts seiner starken Qualitäten als Ballfänger vor allem für 3rd downs essenziell sein wird, aber Hightower ist mit seiner uneigennützigen Art vielleicht ein wichtigerer Bestandteil im Laufspiel als angenommen. RB Roy Helu ist schließlich noch ein Rookie und RB Ryan Torain ist nicht wirklich als explosiver #1-Back in der Hinterkammer eingespeichert.

Die Defense

Den ersten Eindrücken aus dem Season Opener zur Folge ist die Defense gedacht, mit recht viel Zug zum Quarterback zum Erfolg zu kommen – etwas, das so gar nicht zum lethargisch daherkommenden DefCoord Jim Haslett passen will. Nach dem Abgang des fantastischen, aber launischen DT Albert Haynesworth fehlt der furchterregende Ankermann, jedoch schien die Rotation in der Defensive Line trotz allem recht durchdacht zu sein. Der neu eingekaufte DL Barry Cofield kann alle drei Positionen spielen, während Chris Neild, ein Rookie aus der siebten Runde, phasenweise andeutete, den für eine 3-4 Defense so essenziellen Nose Tackle geben zu können. Neild intreprätiert die Rolle allem Anschein nach „offensiv“, sprich weniger anchorman, mehr Passrush-orientiert. Man werfe den teuren DE Stephen Bowen und den grundsoliden DE Adam Carriker dazu: Die Line hat Potenzial.

Bisschen Sabbern auch für die beiden jungen Outside Linebackers: Es ist bekannt, dass der Blogbetreiber ein Fan des druckvollen Spiels von OLB Brian Orakpo ist, und auch der Rookie #91 Ryan Kerrigan, ein umgeschulter Defensive End, zeigte Potenzial, nicht nur dank einer artistischen Interception, sondern auch mit gutem Positionsspiel und in Ansätzen auch Zug zum QB. Die Innenseite wird von London Fletcher zusammengehalten, einen Mann mit mehreren Jahrzehnten Erfahrung.

Die Secondary besteht aus Puzzleteilen mit großen Namen: Die Safetys LaRon Landry und O.J. Atogwe sowie die Cornerbacks DeAngelo Hall sowie Josh Wilson, allesamt Spieler, die berüchtigt sind, risikoreich zu spielen und für Big Plays ihre Schwiegermütter verschenken würden, aber auch Spieler, die man ohne Murren zu ernten gegen kräftige Running Backs im Laufspiel abstellen kann. Im Verlauf der Saison wird sich auch noch der erstmal gesperrte CB Philip Buchanon gesellen, ein extrem von Instinkten getriebener Athlet, der nicht in der Lage ist, sich analytisch auf einen Gegner vorzubereiten und entsprechend häufig selbst von mäßigen Receivers verbrannt wird. Ein interessanter Ersatzmann soll Kelvin Barnes sein, ein Mann im dritten Jahr.

Ausblick

Wichtig für Washington: Die Stimmung scheint recht gut zu sein. So genau weiß zwar außerhalb des Trainerstabs niemand, wie die künftige Spielphilosophie der Mannschaft in der Offense aussieht und ob Grossmans heiß/kalt-Spiel nicht doch früher oder später zum Problem wird (man kann fast davon ausgehen), aber es scheint immerhin, dass die Mannschaft recht bedingungslos hinter dem Trainerstab steht – für D.C.-Verhältnisse ein Novum und bestimmt kein schlechtes Vorzeichen.

Wk #1 vs Giants (W 28-14)
Wk #2 vs Cardinals
Wk #3 @Cowboys (MNF)
Wk #4 @Rams
Wk #5 BYE
Wk #6 vs Eagles
Wk #7 @Panthers
Wk #8 @Bills (Toronto)
Wk #9 vs 49ers
Wk #10 @Dolphins
Wk #11 vs Cowboys
Wk #12 @Seahawks
Wk #13 vs Jets
Wk #14 vs Patriots
Wk #15 @Giants
Wk #16 vs Vikings
Wk #17 @Eagles

Im Prinzip ist ein Schedule mit der NFC West dankbar, um sich im eventuellen Wildcard-Rennen Vorteile zu verschaffen. Dass die Redskins in dieses Rennen aber überhaupt einschreiten können, dafür muss die Defense dringend an das Giants-Spiel anknüpfen und darauf aufbauen.

Das Zeiteisen verrät: 242 Minuten verbleiben. WordCount nach 25 Teams: 24476.

3 Kommentare zu “Die Washington Redskins vor der Rückkehr zur Relevanz?

  1. Also ich habe zwar mit einem Sieg gegen die Trümmerhaufen-Defense aus NY gerechnet, aber völlig überrascht hat mich die Verteidigung der Redskins! Das sah schon sehr souverän aus, was die da am Sonntag abgezogen haben. Und das könnte auch letztendlich der Schlüssel für eine erfolgreiche Saison sein. Week 6 gegen die Eagles wird spätestens zeigen, aus welchem Holz die Abwehr geschnitzt ist.

  2. Tolle Vorstellung von den Skins! Vielleicht brechen sie die Top Two in der NFC East auf. Die Giants sind heuer wohl hoffnungsloss…

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