Florida State nach dem geplatzten Titeltraum

Wie erwartet haben die Florida State Seminoles das gehypte Heimspiel gegen #1 Oklahoma verloren, 13-23, und sind damit mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem BCS-Titelrennen rausgefallen.

Es war ein spannendes, intensives Spiel, nicht hochklassig, aber immer wieder eingestreute sensationelle Spielzüge auf beiden Seiten, abgefälschte Interceptions, wundersame 3rd down conversions in Dreifachdeckungen und diese stundenlang in der Luft hängenden 50yds-Bogemlampen von QB Landry Jones auf WR Kenny Stills. Oklahoma sei hier aber nicht das Thema. Für die FSU war es keine vernichtende Niederlage, die Vorstellung eine, auf der sich aufbauen lässt.

„Aufbauen“ aber nur, solange die Offensive Line besser wird, die den Quarterbacks meistens nicht allzu viel Luft zum Atmen gab und das Laufspiel killte: Diese Line wurde innen immer wieder zerbröselt von Defensive Tackles der Sooners, die keine erhöhte Speichelproduktion bei Scouts hervorrufen. Für das Laufspiel war das insofern tödlich, weil die Running Backs der Seminoles recht opportunistisch spielen und meistens nicht mehr Yards machen als es die Blocks zulassen.

Quarterback E.J. Manuel hat mich eher enttäuscht, ein recht unrhythmischer Werfer, der keine fünf Bälle in Serie werfen kann ohne einen fürchterlichen Pass ins Niemandsland zu werfen. Da war der Backup Clint Trickett mit seinem Raketenarm IMHO deutlich überzeugender, wobei Trickett im Vergleich zu Manuel immobil wie eine Scheibe Toastbrot ist – sollte Trickett gegen Clemson hinter dieser Line starten müssen, erleben wir ein Sack- und Fumble-Festival.

Im Passspiel fiel auf, dass den Seminoles bei allen Dutzenden Wide Receivers und Tight Ends eine klare #1 abgeht: Der Freshman Rashard Greene ist gut für gelegentliche spektakuläre Big Plays zwei Kilometer das Feld runter, während Jarrett Haggins zwar für den einen oder anderen artistischen Catch gut ist, aber nicht konstant Drives am Leben erhält. Ein Stoßgebet in den Himmel für WR Kenny Shaw, der in einer brutalen Kollision zwischen zwei Defensive Backs böse ausgeknockt wurde. Und just nach diesem Knockout wirkte der Pass-Angriff hilfloser denn je zuvor.

In der Defense fiel vor allem das Feuer auf, mit der diese Unit spielte – Mark Stoops scheint einen guten Job gemacht haben, die Gruppe auf die Offense von Bruder Bob einzustellen: Eine sehr disziplinierte Vorstellung, teilweise extrem aggressiv wirkend, aber nicht überaggressiv die großen Plays aufgebend.

Die Defensive Line war ganz zu Beginn etwas überrumpelt, nach dem ersten Drive wurde sie aber dominanter, rotierte munter zwischen drei Handvoll Ends und Tackles durch und man kann es ohne Deutschtümelei schreiben: DE Björn Werner war der Auffälligste von allen. Ich maße mir nicht an, der große Defense-Line-Versteher zu sein, aber Werner machte ordentlich Dampf und hatte mehrfach die Schiedsrichter nicht auf seiner Seite (Holding-Strafen!!) – sogar beim Sack gab es Holdings, das im Übrigen von den Refs übersehen wurde. Neben Werners Power erblasste sogar der massiv Buzz kriegende DE Brandon Jenkins, dem einige einen hohen Draftpick zutrauen. In der zweiten Reihe fiel am meisten LB Christian Jones auf, ein schneller, quicker Mann, der kaum einen Tackle verpasst.

Das Backfield fand ich trotz der Big Plays von WR Stills überzeugend. Den #1-Cornerback Mike Harris kannte ich bisher noch gar nicht und Harris machte IMHO einen überragenden Job – sprechen wir hier über den unbekanntesten, aber besten Cornerback der Seminoles?

Die viel mehr gehypten Greg Reid und Xavier Rhoades ließen beide je einen der langen Flugobjekte gen Kenny Stills zu. Der Safety #20 LaMarcus Joyner spielt eine recht aggressive Rolle als Freelancer, ist häufig in der Nähe der Line of Scrimmage und in Blitz-Geschichten involviert, scheint in der Deckung das eine oder andere Mal noch nicht wirklich auf der Höhe zu sein. Ansonsten: Saubere Leistung, nur 199yds gegen Landry Jones’ Armada einzufangen.

Zusammenfassend wirkte Florida State im Angriff etwas halbgar, dafür hat die Defense im Prinzip bis auf wenige Plays rundum überzeugt. Das ist keine LSU-Defense, die in 60 Minuten keinen Fehler macht, aber eine Defense mit Upside, die sich im Verhältnis zum Vorjahr nur noch verhältnismäßig selten verarschen lässt.

Mit ein bisschen mehr Glück bei den Ref-Entscheidungen und vor allem einem richtigen Top-Wide Receiver hätte Florida State dieses Spiel womöglich gewonnen.