Heut‘ spielen Cowboy und Indianer (und lasst das Lasso aus dem Spiel!)

„Cowboy und Indianer“ wie „Dallas Cowboys gegen die Washington Redskins“. Da war doch mal was? Für viele NFL-Fans ist Dallas vs. Washington immer noch, trotz längerer sportlicher Mittelmäßigkeit beider Franchises, die NFL-Rivalität Nummer 1, weit vor den neumodischen Ravens/Steelers und Patriots/Colts-Begegnungen, die eher auf haufenweise Krimis auf dem Feld denn prinzipieller oder gar historisch gewachsener Abneigung gründen. Dallas/Washington, das ist ein so starkes, zerschnittenes und doch unerschütterliches Band, dass die NFL im Zuge der Conference-Neusortierung 2002 sämtliche Geographie-Logiken ins Klo gespült hat und einfach mal drauf geschissen hat, dass Dallas ein paar Kilometer westlich von St Louis liegt: Die Cowboys blieben in der NFC East, bei den Redskins.

Marc Tracy hat bei Grantland über die Rivalität zwischen Redskins und Cowboys geschrieben, und dabei taucht auch unser aller Lieblings-Rassist George Preston Marshall wieder auf. Es geht auch um Geburtshilfen im Tonstudio und zeitlos im Raum hängende Abwehrspieler.

In the end, rivalries are barely connected to contemporary reality — like everything else we pass on from generation to generation. To argue that a rivalry’s declined relevance weakens the rivalry is to misunderstand what rivalries are. Like a fourth-generation Irish-American whose favorite holiday is St. Patrick’s Day, an adherent of the Redskins-Cowboys rivalry sees his second-order attachment strengthen as the first-order attachment withers away.

Bitte lesen. Und bitte schauen.

SECession: Den Süden nach Westen erweitert

Die Texas A&M Aggies werden ab 1. Juni 2012 offizielles SEC-Mitglied #13 sein – der Quantensprung „SEC & Texas combined“ ist damit vollzogen. Es ist ein Wechsel, bei dem zwei Kulturen über ihren Schatten springen mussten. Vor allem die Kultur der SEC-Lande. SEC, das ist neben herzhaft verfeindeter Universitäten seit einiger Zeit auch unbändiger Stolz auf die eigene, provinzielle, konservative Region, wie Bryan Curtis in diesem wunderbaren Grantland-Eintrag vor ein paar Wochen schrieb:

These guys cheer for the whole conference? Yup, they do. As the Tide and their pals won five straight national championships, something happened to modern SEC fandom. The SEC fan roots for his school, of course. But he also roots for his conference, and, in an interesting, New South kind of way, his whole region. The thing historians used to call southern exceptionalism — and its first cousin on its mother’s side, southern solidarity — has been channeled into a football fight song. Chanting „S-E-C!“ is the last polite way to root for the South.

Da passt die Texas A&M University aus dem arroganten Texas erstmal nicht so wirklich rein. Die Aggies eröffnen der SEC einen großen Fernseh- und Recruitingmarkt, aber die in den letzten Jahren immer unverkennbarere Südstaaten-Mentalität der Conference ist erstmal mit etwas Frischfleisch aufgebrochen – es gibt Stimmen, die schwören, Conference und Region hätten in sich bleiben sollen.

Für Texas A&M selbst bietet der Schritt riesige Potenziale. Die Universität ist erstmal abgekoppelt vom verhassten Rivalen Texas/Austin, aus deren übermächtigen Schatten die Aggies so schnell nicht mehr hätten springen können. Außerdem bietet die SEC rund ein Drittel mehr Geld aus dem TV-Pool (18 zu 12 Mio. Dollar/Jahr). Den wichtigsten Punkt hat Miss Dosh/Business of College Sports aber in einem wunderbaren Absatz zusammengefasst:

In speaking with Aggies during my recent visit to College Station, the real value in this move isn’t in conference distributions, its in the ability to build a national brand for the school. As part of the Big 12, A&M was “one of the Texas schools.” In the SEC, they’ll be the Texas school. There’s a lot to gain from this move if the Aggies capitalize on the opportunity.