Die Washington Redskins vor der Rückkehr zur Relevanz?

Über Jahre wurden die Washington Redskins dank ihrer ignoranten Personalpolitik verspottet. Owner Dan Snyder, ein finanzstarker Investor, war getrieben von der Vorstellung, sich mit teuren Einkäufen einen Superbowlsieger zusammenkaufen zu können. Wiederzufalleswollte gelang das selbst mit großen Namen am Trainerpult (Turner, Schottenheimer, Gibbs) nie, sodass Snyder vor zwei Jahren zur Einsicht gelang, die sportliche Leitung abzugeben. Das neue Duo an der Front: GM Bruce Allen und Headcoach Mike Shanahan, die in zwei Offseasons den Kader gänzlich umkrempelten und nun ein namenloses, junges Team beisammen haben.

Die Offense                          

So genau weiß niemand, wie viel Mike dem Sohnemann Kyle Shanahan an Zuständigkeiten für den Angriff übertragen hat. Fakt ist: Vater wie Sohn haben prinzipiell ähnliche Vorstellungen. Shanahans Offenses sind um starke Offensive Lines mit Zonenblocks gebaut, worin in den ersten beiden Jahren auch etliche Ressourcen gesteckt wurden. So hat man den hoch bezahlten Rookie-LT Trent Williams und den ehemals hoch gedrafteten RT Jammal Brown als starke Eckpfeiler geholt und die Line sah im ersten Anschein auch bereits recht vertrauenswürdig aus.

„Vertrauenswürdig“ ist kein Stichwort, bei dem im selben Atemzug der Name von Rex Grossman fällt. Grossman wurde überraschend die Rolle des Quarterbacks überlassen, was NFL-Fans erstmal die blanke Gänsehaut über den Rücken fahren lässt angesichts der legendären Inkonsistenz und der Turnoveranfälligkeit des ehemaligen Bears-QBs. Nun hat Grossman zur Saisoneröffnung tatsächlich recht ordentlich gespielt und scheint das volle Vertrauen von Team und Coach zu genießen – trotz einiger recht unpräziser Würfe, die nur dank der Akrobaten bei den Ballfängern komplettiert wurden.

Diese Ballfänger sind sehr zahlreich im Kader vertreten, 8 WR und 3 TE an der Zahl, aber es fehlt am richtigen Go-To-Guy. WR Santana Moss wird nicht jünger (aber auch nicht schwächer), ist aber wie WR Anthony Armstrong kein Mann, der 10 Catches/Spiel macht. Nicht mehr als ein Notnagel ist seit Jahren WR Jabar Gaffney, der aus Denver gekommen ist, aber nicht als Mann gilt, Mismatches zu kreieren. Dito WR Brandon Banks, ein fantastischer Returner, aber ein schlampiger Receiver. Und was die explosiven Rookies Leonard Hankerson und Niles Paul können, ist noch in der Schwebe. Dass TE/H-Back Chris Cooley ein großartiger Mann ist, darüber sind sich alle einig. Cooley spielt allerdings eine Position, die in der NFL nicht wirklich dafür gedacht ist, die zentrale Rolle einer Offense zu stellen.

Im Laufspiel gibt es nach dem Abgang vom langjährigen Superstar Clinton Portis ein neues, recht unbeschriebenes Trio. Da wäre zum einen RB Tim Hightower, ein Lokalmatador, dessen Verpflichtung aus Arizona angesichts seiner starken Qualitäten als Ballfänger vor allem für 3rd downs essenziell sein wird, aber Hightower ist mit seiner uneigennützigen Art vielleicht ein wichtigerer Bestandteil im Laufspiel als angenommen. RB Roy Helu ist schließlich noch ein Rookie und RB Ryan Torain ist nicht wirklich als explosiver #1-Back in der Hinterkammer eingespeichert.

Die Defense

Den ersten Eindrücken aus dem Season Opener zur Folge ist die Defense gedacht, mit recht viel Zug zum Quarterback zum Erfolg zu kommen – etwas, das so gar nicht zum lethargisch daherkommenden DefCoord Jim Haslett passen will. Nach dem Abgang des fantastischen, aber launischen DT Albert Haynesworth fehlt der furchterregende Ankermann, jedoch schien die Rotation in der Defensive Line trotz allem recht durchdacht zu sein. Der neu eingekaufte DL Barry Cofield kann alle drei Positionen spielen, während Chris Neild, ein Rookie aus der siebten Runde, phasenweise andeutete, den für eine 3-4 Defense so essenziellen Nose Tackle geben zu können. Neild intreprätiert die Rolle allem Anschein nach „offensiv“, sprich weniger anchorman, mehr Passrush-orientiert. Man werfe den teuren DE Stephen Bowen und den grundsoliden DE Adam Carriker dazu: Die Line hat Potenzial.

Bisschen Sabbern auch für die beiden jungen Outside Linebackers: Es ist bekannt, dass der Blogbetreiber ein Fan des druckvollen Spiels von OLB Brian Orakpo ist, und auch der Rookie #91 Ryan Kerrigan, ein umgeschulter Defensive End, zeigte Potenzial, nicht nur dank einer artistischen Interception, sondern auch mit gutem Positionsspiel und in Ansätzen auch Zug zum QB. Die Innenseite wird von London Fletcher zusammengehalten, einen Mann mit mehreren Jahrzehnten Erfahrung.

Die Secondary besteht aus Puzzleteilen mit großen Namen: Die Safetys LaRon Landry und O.J. Atogwe sowie die Cornerbacks DeAngelo Hall sowie Josh Wilson, allesamt Spieler, die berüchtigt sind, risikoreich zu spielen und für Big Plays ihre Schwiegermütter verschenken würden, aber auch Spieler, die man ohne Murren zu ernten gegen kräftige Running Backs im Laufspiel abstellen kann. Im Verlauf der Saison wird sich auch noch der erstmal gesperrte CB Philip Buchanon gesellen, ein extrem von Instinkten getriebener Athlet, der nicht in der Lage ist, sich analytisch auf einen Gegner vorzubereiten und entsprechend häufig selbst von mäßigen Receivers verbrannt wird. Ein interessanter Ersatzmann soll Kelvin Barnes sein, ein Mann im dritten Jahr.

Ausblick

Wichtig für Washington: Die Stimmung scheint recht gut zu sein. So genau weiß zwar außerhalb des Trainerstabs niemand, wie die künftige Spielphilosophie der Mannschaft in der Offense aussieht und ob Grossmans heiß/kalt-Spiel nicht doch früher oder später zum Problem wird (man kann fast davon ausgehen), aber es scheint immerhin, dass die Mannschaft recht bedingungslos hinter dem Trainerstab steht – für D.C.-Verhältnisse ein Novum und bestimmt kein schlechtes Vorzeichen.

Wk #1 vs Giants (W 28-14)
Wk #2 vs Cardinals
Wk #3 @Cowboys (MNF)
Wk #4 @Rams
Wk #5 BYE
Wk #6 vs Eagles
Wk #7 @Panthers
Wk #8 @Bills (Toronto)
Wk #9 vs 49ers
Wk #10 @Dolphins
Wk #11 vs Cowboys
Wk #12 @Seahawks
Wk #13 vs Jets
Wk #14 vs Patriots
Wk #15 @Giants
Wk #16 vs Vikings
Wk #17 @Eagles

Im Prinzip ist ein Schedule mit der NFC West dankbar, um sich im eventuellen Wildcard-Rennen Vorteile zu verschaffen. Dass die Redskins in dieses Rennen aber überhaupt einschreiten können, dafür muss die Defense dringend an das Giants-Spiel anknüpfen und darauf aufbauen.

Das Zeiteisen verrät: 242 Minuten verbleiben. WordCount nach 25 Teams: 24476.

NFL 2011/12, Week #1: Der koffeinüberschussmotivierte Monday Night Football-Eintrag

Ich lasse mal zwei Verweise draußen: Den Patriots-Vorschaueintrag und einen Verweis auf den Notizblock an anderer Stelle.

 

[02h41] Halbzeit Miami 7, New England 14. Spannendes Spiel, in dem im zweiten Viertel die Defenses Überhand gewonnen haben. Solange New England aber weniger als 25sek zwischen Spielzugende und Snap spielt und die Option zieht, ohne Strafe zu bleiben, kriegen die Dolphins unglaublich wenig Pass Rush gebacken, zumal sich der Topmann #91 Wake mit dem Rookie #77 Solder über weite Strecken schwer tut und Brady häufig schnell auf den über die Mitte immer anspielbaren TE #87 Gronkowski bedienen kann. Was man New England aber nachsagen kann: Sie spielen die Angriffsserien nicht konsequent zu Ende.

Miami hat seinerseits Probleme mit Strafen, vor allem G Incognito wird von DT Wilfork ziemlich pulverisiert, und Miami bekam seit längerer Zeit keinen anständigen Drive mehr gebacken. New Englands Defense schaut ohne die LBs Cunningham/Spikes nicht unspannend aus, in der Secondary gibt es häufig recht harte Duelle der Cornerbacks mit den Wide Receivers, Safety #25 Chung genießt seine recht freizügige Rolle mit Tackles gegen Lauf und Sacks gegen Quarterbacks (hatte man nicht deswegen Meriweather rausgeworfen?).

[02h33] Seufz. OLB Jason Taylor hält sich nun den Fuß und ESPN hat nichts besseres zu tun als zum fuffzigsten Mal in den letzten drei Minuten in die Werbung zu gehen.

[02h29] C Dan Koppen muss mit vermeintlicher Unterschenkelverletzung rausgefahren werden, nachdem MLB Dansby bei einem QB-Sneak drüber gefallen war. Koppen spielt Center in New England, seit ich denken kann. War nie verletzt.

[02h22] RB Reggie Bush ist angesichts des Ausfalls von Rookie Dan Thomas gezwungen, das Arbeitstier zu geben, aber Bush spielt immer noch mit zu vielen Schnörkeln. Ist als Notnagel im Passspiel gebräuchlich, als Ballträger mittlerweile aber ausgeguckt und neutralisiert.

[02h04] Miamis QB Chad Henne wird deutlich selbstbewusster als der blasse Mann, der aus diversen Schlachten in Erinnerung geblieben ist, wirkt viel weniger kastriert von einem Laufkorsett. New England vertraut in der Defense offenbar auf CB #21 Dowling in klaren Pass-Situationen als Nickelback, während #25 Chung konsequent als Safety eingesetzt wird. Chung, soweit erkennbar, gibt einen Freelancer, der recht nahe an der Line of Scrimmage spielt.

[01h56] Miami 7, New England 14. New Englands Offense sieht in diesen ersten 16 Minuten sensationell aus, spielt mit einem atemberaubenden Tempo und lässt Miami überhaupt keine Gelegenheit, überhaupt Pass Rush zustande zu bringen. So wird die potenzielle Schwachstelle RT Nate Solder per Design nihiliert, während die beiden Tight Ends Aaron Hernandez und Rob Gronkowski der Defense ziemlich rauchende Köpfe verpasst: Hernandez wird derzeit von einem Nickelback abgedeckt, der überhaupt kein Land sieht. Gronkowski soll der schwächere Ballfänger von beiden sein, aber was Gronkowski da für zwei Bälle (inklsuive Touchdown) gefangen hat, war stark. Brady 8/8 für 127yds, Touchdown.

[01h47] Zwischenmeldung aus Kansas City: S Eric Berry wird wohl die komplette Saison 2011/12 ausfallen. Im Knie sind mehrere vordere Bänder gerissen.

[01h37] Miami 7, New England 7. Die Patriots brauchen nur 201sek, um in 6 Plays 78yds zum Touchdown zu marschieren. Schlüsselspielzug: Ein 46yds-Pass auf WR Matt Slater.

[01h33] Miami 7, New England 0, 9yds QB-Draw Henne 7:18min verbrannt. Der Drive begann mit einem QB Chad Henne on fire, der im strömenden Regen selbst schwierige Pässe unter Druck der aggressiven Patriots-Defense komplettierte. Miami war aggressiv, spielte mutig ein 4th down aus, bekam in der RedZone jedoch Probleme mit Strafen und Zeitmanagement-Problemen. Henne musste einen selbstverschuldeten Sack einstecken, komplettierte im Gegenzug einen fantastischen Ball auf den gut gedeckten TE Fasano. Am Ende bei 3rd-and-9 ein QB-Draw, den ich keinem Spieler mehr vergönne als Chad Henne. Hyperventilierung für New England-Fans: Es war eine 4-3 Defense.

[01h07] Angesichts dieser Hymnen-Performance hätte man bei Superbowl XLV überlegen können, Fergie anstelle der Halbzeitshow als Hymnensängerin einzusetzen. Und wir hätten zwei Superbowl-Begleiterscheinungen ge-upgraded.

[01h02] Miami muss Rookie-RB Dan Thomas vorgeben. Die Patriots haben bekanntere Namen auf der Inactive-Liste: QB Ryan Mallett, RB Shaun Vereen, ILB Brandon Spikes, OLB Brandon Cunningham und leider auch OT Sebastian Vollmer.

[00h59] Sieben ESPN-Experten picken New England als Sieger, des großartigen Coaches wegen. Trainerlegende Mike Ditka: Belichick is not going to play. So the Dolphins win.

[00h53] ESPNs Vorberichterstattung ist… nicht so mein Ding. Und so großartig dieser Spieler war, mit dem TV-Experten Tedy Bruschi werde ich nicht so richtig warm.

[00h39] Servus. Ich kann aus unerfindlichen Gründen nicht schlafen (Koffeinüberschuss?), von daher bleibe ich erstmal drauf, aber keine Ahnung, wie lange. Vielleicht nur ein Viertel oder so.

Die New England Patriots in der Modeschau

Heute Nacht startet mein persönlicher Topfavorit in die NFL-Saison: Die New England Patriots, die eigenartigste Franchise in dieser Liga, die über die letzte Dekade ein Erfolgsmodell gebastelt hat, das oft kopiert wurde, aber nie erreicht. Man komme mir nicht mit „aber sie haben seit sieben Jahren keinen Superbowl mehr gewonnen“. Die Patriots genießen bei mir höchstes Ansehen. Das beginnt beim Owner Bob Kraft, das setzt sich fort mit dem Head Coach Bill Belichick.

Das System Belichick

Was Belichick in New England seit Jahren unter massiven Spieler- und Coordinatorverlusten anstellt, ist mit keinem anderen Attribut als „beeindruckend“ zu beschreiben. Belichicks team first-Philosphie ist das Eine, aber was den griesgrämisch wirkenden Mann so außergewöhnlich macht, ist seine Vernarrtheit in Matchups. Bill Belichick lässt sich nicht in Offensiv- und Defensivsysteme kategorisieren. „Bill Belichick“, das ist das Suchen und Finden von Spielern, die in „sein“ System passen: Schemen, die die Schwächen des Gegners gnadenlos ausnützen. Dafür braucht Belichick Spieler, die executing nicht bloß verinnerlicht haben, sondern es leben müssen. Belichick und seine Spieler, das ist ein Geben und Nehmen.

Die Offense

Seit vergangenem Herbst ist New Englands Angriff wieder um gnadenlose Kurzpassoffense gebaut, nach den nicht wenig erfolgreichen Jahren mit der deep threat-Ergänzung Randy Moss. Moss scheint (ich traue mich nicht zu sagen: „ist“) Vergangenheit, was bleibt, ist Patriots-Angriff im alten Stil: Schnelle, präzise gelaufene Routen, quicke, intelligente Wide Receivers und Tight Ends und mitten drin ein Quarterback, dessen Fähigkeiten in Sachen Antizipation, Spiel- und Bewegungsintelligenz in der Pocket nur noch von seinen Eisklöten unter Druck übertroffen werden. Die Rede ist von Tom Brady. So wie Warner in Arizona System war, so wie Manning in Indianapolis System ist, so ist Brady unersetzlich in New England.

Diese rattenscharfen, schnellen Pässe sind New Englands Markenzeichen. Und die Anspielstationen sind breit gestreut: WR Deion Branch gilt als Brady-Kumpel und blüht in New England nach jahrelangem Siechtum ein paar tausen Meilen weiter westlich (in Seattle) wieder auf, WR Wes Welker ist mit seiner Wendigkeit sowieso ein Mann, der 120x/Jahr angespielt werden wird und als Blaupause dafür gilt, was WR Julian Edelman in ein paar Jahren sein soll, und dazu haben die Patriots mit WR Chad Ochocinco aus Cincinnati noch einen alten, routinierten Mann eingekauft, dessen Präsenz jeder Defense Sorgen machen wird.

Sorgen machen ist auch ein Stichwort bei den beiden Tight Ends, Ron Gronkowski und Aaron Hernandez, beide Spieler in ihrem zweiten Jahr, denen man jeweils sensationelle Rookie-Leistungen nachsagte. Gronkowski gilt als kompletterer Spieler, während Hernandez wie ein Wide Receiver gebaut ist und entsprechend einem Coach wie Belichick per definitionem gefallen muss. Stichwort „Matchup-Vorteile“ gegen Defensive Coordinators. Ein klein wenig erstaunt allerdings die Entlassung von Brandon Tate, einem Mann mit Ingredienzien für die tiefen Bälle.

Bei so viel Sabbern über das Passspiel darf man das Laufspiel der Patriots nicht vergessen, ein Laufspiel, das um eine Serie an guten Ballfängern (natürlich!) gebaut ist. Zu nennen ist hier die 360°-Waffen Danny Woodhead, ein kleiner, untersetzter, weißer Mann mit Armen und Beinen in Spaghetti-Dicke, aber so fassungslos wendig und vielseitig, dass ein bloßes Einsetzen bei 3rd downs einer Talentvergeudung gleichkäme. Die Hauptlast im Laufspiel trug zuletzt BenJarvus Green-Ellis, der trotz 1008yds, 4.4yds/Carry und 13 Touchdowns nur geringe Wertschätzung erfährt. Grund hierfür: Green-Ellis gilt als parasitärer Back, der nur die Yards nehmen kann, die ihm System und Blocks gewähren. Der Anti-Sanders gewissermaßen. Daher ist zu erwarten, dass die beiden hoch gedrafteten Rookies, der vielseitige RB Shaun Vereen und der brachiale RB Stevan Ridley, alle zu ihren Einsätzen kommen werden.

Man darf bei allem Hype um die oft so perfekt und brillant funktionierende Angriffsmaschine jedoch nicht die Offensive Line vergessen, die unter dem knochenharten Positionstrainer Dante Scarnecchia den Angriff seit Jahren trägt. Mit RT Sebastian Vollmer spielt hier der aktuell einzige Deutsche mit Football-Profivertrag (LB Matt Berning ist im Trainingskader der Jets) und Vollmer genießt hohe Wertschätzung (2nd All-Pro Team 2010). Die restliche Line dürfte erstmal recht unverändert bleiben: Center bleibt der nicht prototypisch gebaute Dan Koppen, die Guards geben Dan Connolly und der mittlerweile hoch bezahlte, bärtige Logan Mankins, den Left Tackle wird wohl vorerst Matt Light geben, nachdem Rookie Nate Solder, ein Mann mit unglaublich langen Armen, noch in der Entwicklungsphase steckt.

Alles in allem ist New Englands Angriff ein Meisterwerk. Kein Spektakel, aber oft so präzise wie die Uhren aus der Schweiz, so vielseitig wie ein Chamäleon, so bis ins Detail ausgearbeitet wie eine wie ein alter Kubrick.

Die Defense

Bei allem Hype um die Offense, es wird interessanter sein, wie Belichick seine neue Defense bauen wird. New England war jahrelang das Vorbild in Sachen „3-4“, dank einiger dafür untypischer Einkäufe geht man davon aus, dass Belichick ab sofort verstärkt mehr als bloß Spurenelemente von „4-3“ einbauen wird. 4-3 ist nämlich das System, das DT Albert Haynesworth in Tennessee groß gemacht hat. Haynesworth ist der spektakulärste Neuzugang in New England, ein dominanter Tackle, wenn motiviert mehr als bloß eine Schachfigur, aber auch die Einkäufe von DE Andre Carter und DE Shaun Ellis gehören zur oberen Kategorie und sollten der Defensive Line nicht bloß Tiefe, sondern vor allem Vielseitigkeit geben (Belichick behielt zehn Liner im Kader!). Man darf also Rotation erwarten: Haynesworth, Carter, Ellis und der ebenso neue, reine Pass Rusher Mark Anderson sprechen für eine Vierer-Line, wogegen der 160kg-Bonzen NT Vince Wilfork nun schon jahrelang der Ankermann in einer Dreier-Line war.

Man wird sowieso das Gefühl nicht los, dass es Belichick weniger um 3-4 oder 4-3 geht, sondern darum, in der richtigen Situation die richtige Aufstellung mit den richtigen Matchups für den jeweiligen gegnerischen Angriffsspielzug zu finden.

Dabei vertraut Belichick offenbar darauf, dass der seit Jahren schwelende Problempunkt „Pass Rush“ von den vielen neuen Linern sowie den jungen Linebackers gemindert wird. OLB Jermaine Cunningham gilt als potenziell quick genug, um auf Blitzes geschickt zu werden, soll aber besser in der Coverage sein. MLB Jerod Mayo ist der Fixpunkt, die Tacklemaschine, die ich trotzdem für nicht überaus dominant halte, dazu gesellen sich Leute wie der wendige Gary Guyton, der junge, aber schwerfüßige Brandon Spikes und der graue Bob Ninkovich. Alles Spieler mit verschiedenen Anlagen, alles Spieler (bis auf Mayo), die darauf warten, in der richtigen Situation eingewechselt zu werden.

In der Secondary schockte Belichick mit den Entlassungen von FS Brandon Meriweather, dessen Freigeistigkeit Belichick mächtiger und immer mehr auf den Magen gestoßen war, und SS James Sanders. Wie die neue Safety-Combo ausschaut, darf man gespannt sein, dafür hat man ein recht klar umrissenes Bild von den Cornerbacks: Die beiden Starter werden der routinierte CB Leigh Bodden und die Rookie-Sensation der vergangenen Saison, Devin McCourty, sein. Wie und wo der diesjährige Rookie-CB Ras-I Dowling eingesetzt wird, bleibt ein interessanter Punkt – wird Dowling Patrick Chung als Nickelback ersetzen, damit sich Chung darauf konzentrieren kann, den Safety zu geben? Eine wichtige Frage wird auch sein, inwiefern New England 2011/12 wieder auf 25 Interceptions und insgesamt 13 Turnovers angewiesen sein wird, weil die Secondary zu viele Yards über den Luftweg zulässt.

Ausblick

Dank eines sehr umtriebigen Sommers ist das Mannschaftsbild der Patriots doch stärker verändert, als man im Frühjahr annehmen konnte. Ich weigere mich jedoch, das als negativ anzusehen. Belichick hat, und das scheint seit Jahren sein Haupt-Interesse zu sein, hier einen Kader mit vielen, vielen Optionen für verschiedenste Spielsituationen beisammen. Eine Offensive Line, von der man weiß, was man bekommt. Eine Anzahl an Ballfängern, für die man mehr als zwei Hände braucht. Eine potenziell sehr starke Front Seven. Und wie immer den Quarterback der Quarterbacks, Tom Brady.

Der Schedule ist schwer, attraktiv, aber wie immer machbar.

Wk #1 @Dolphins (MNF, heute)
Wk #2 vs Chargers
Wk #3 @Bills
Wk #4 @Raiders
Wk #5 vs Jets
Wk #6 vs Cowboys
Wk #7 BYE
Wk #8 @Steelers
Wk #9 vs Giants
Wk #10 @Jets (SNF)
Wk #11 vs Chiefs (MNF)
Wk #12 @Eagles
Wk #13 vs Colts (SNF)
Wk #14 @Redskins
Wk #15 @Broncos
Wk #16 vs Patriots
Wk #17 vs Bills

Wie eingangs erwähnt: Das ist die Vorschau auf meinen persönlichen Superbowl-Favoriten. Die Hauptschwäche, das offene Scheunentor in der Secondary, scheint durch wiedergenesene Leute (Backfield) und Neueinkäufe in mehreren Bereichen (Front Seven, Backfield) zumindest in Ansätzen behandelt worden zu sein. Und ansonsten gilt selbiges wie jedes Jahr: Ich weigere mich, gegen die Combo Belichick/Brady zu setzen.

Das Zeiteisen verrät: 269 Minuten verbleiben. WordCount nach 24 Teams: 23535.

NFL 2011/12: Week 1, der 9/11-Gedenkeröffnungsspieltag

Nachklapp zum College Football gibt es hier. Vorschau auf diesen NFL-Sonntag hier.

 

[23h49] Halbzeit Washington 14, N.Y. Giants 14. Kein besonders schönes, aber ein interessantes Spiel. Die Giants können nicht über Passspiel kontinuierlich zum Erfolg kommen, weil QB Eli Manning zu wenig Zeit zum Werfen bekommt. Die beiden Running Backs Bradshaw/Jacobs sind aber im zweiten Viertel heiß gelaufen und haben trotz mäßigem Blockings Drives am Leben erhalten. In der Defense ist die Line (wohl wegen Verletzungen von Schlüsselspielern) weniger dominant als gewohnt, wodurch auch die Secondary teilweise gröbere Probleme hat (auch durch Verletzte?).

Washington hat seinerseits Probleme, längere Drives hinzukriegen. QB Rex Grossman wirft gerne die Bälle etwas hoch und nicht immer sind die Receiver in der Lage, die Eier aus der Luft zu pflücken. Insgesamt wirkt die Offense Line okay, allein es fehlen die explosiven Running Backs und der starke #1-Wide Receiver.

Angesichts der sich verschlimmernden Verletzungssorgen auf Giants-Seite könnte das noch eine spannende Geschichte werden.

[23h36] Brian Billick hat beim Spiel St Louis – Philadelphia angeblich gesagt, “the Rams have had some sex with the no huddle”.

[23h21] Die Probleme in der Offensive Line der Giants sind ernsthafter Natur. Eli Manning steht mit der Annahme des Snaps unter gewaltigem Druck, muss um sein Leben scrambeln und es ist insofern verständlich, dass hier ganze 3-von-11 komplettiert wurden, inklusive einiger ganz fürchterlicher, weil in höchster Not irgendwohin geworfener Bälle. Geht das so weiter, erleben wir noch die eine oder andere Interception. Und dann verletzt sich mit TE #85 Jake Ballard auch noch ein 130kg-Mann, der blocken kann und einen der bisher nur drei vollständigen Bälle fing.

[22h56] Die Giants spielen heute zusätzlich zu den ganzen Langzeitverletzten auch noch ohne die beiden besten Defensive Liner DE Justin Tuck und DE Osi Umenyiora. Da sollten sich nicht mehr allzu viele Leute verletzen, zumal Washingtons Offensive Line bisher einen recht guten Eindruck hinterlässt.

New York hat mit seiner Protection größere Probleme, Washington kommt sehr druckvoll mit Line und 1-2 zusätzlichen Pass Rushers daher und Eli Manning hat des Öfteren schneller drei Leute im Gesicht als ihm lieb sein kann.

[22h42] Washington 0, NY Giants 7. Das Spiel begann mit den erwarteten 0-von-8 für Grossman/Manning. Dann schaltet Washington in den dilettantischen Modus um, lässt WR Nicks kilometerlangen Vorsprung, Manning kauft sich elegant Zeit in der Pocket und die Giants stehen an der Goal Line. Manning auf einem Bootleg, kann dank völlig desinteressierter Redskins-Abwehr locker einlaufen. Nope, nicht einlaufen. Eintraben.

Die 19h-Spiele/Baltimore vs Pittsburgh

[22h29] Die Cincinnati Bengals werden tatsächlich das erste Saisonspiel in Cleveland gewinnen. QB Andy Dalton ist mit einer Fußverletzung rausgegangen, Backup Gradkowski drehte das Spiel, RB Benson schlug die Sargnägel mit einem simplen Laufspielzug über halbrechts ein – ein Spielzug ohne Beteiligung der Defense. Bei ESPN.com wird nach Daltons Verletzung schon über Carson Palmer spekuliert.

Detroit gewinnt in Tampa 27-20, weil Tampa im letzten Spielzug einen wilden Lateral-Spielzug nicht in die Endzone bringt. Soll keine überragende Vorstellung der Lions gewesen sein und gegen einen Gegner Tampa, dessen QB Freeman Phasen des Spiels mit einer Oberschenkelverletzung in der Kabine verbrachte. Als Freeman wieder da war, wurde es für Detroit wieder eng, weil sie die Uhr mit ihrem schwachen Laufspiel nicht runtertickern konnten.

So. Ich werde wohl nicht mehr das ganze Redskins/Giants-Spiel reinziehen, weil ich nebenher noch Samantha Stosur zum längst verdienten Grandslam-Sieg begleiten muss und irgendwann noch ein paar Minuten Schlaf brauchen werde.

[22h20] Meine Güte, in Cleveland schaut das Stadion zu 50% leer aus!

[22h11] Endstand Baltimore Ravens 35, Pittsbrugh Steelers 7. Ist eigentlich alles gesagt. Baltimore war mit seiner aggressiven Defense heute einfach konzentrierter, besser vorbereitet. Pittsburgh hatte nie wirklich eine Idee, was es mit seiner Offense dagegensetzen könnte und über die Offensive Line wird noch zu reden sein.

Baltimore strotzte in der Offense vor Selbstbewusstsein, QB Joe Flacco habe ich selten so on fire gesehen wie heute. Da war ein Mann on mission, komplettierte selbst schwierige tiefe Bälle mit Leichtigkeit. Im Laufspiel war RB Ray Rice in Hochform.

Fazit: Verdienter Sieg der Ravens über eine spätestens im dritten Viertel indisponierte Steelers-Mannschaft, die jetzt schon nach dem Rematch im November lechzen dürfte.

[22h07] YES. ESPNA wechselt zum Ohio-Derby Cleveland – Cincinnati, wo die Bengals überraschend 20-17 führen, seit Bruce Gradkowski reingekommen ist.

[22h04] Falls sich je jemand über Bela Réthy aufgeregt hat: CBS’ Nantz/Simms rattern grad auch einen Throw-Away-Fact nach dem anderen runter.

[21h56] Schön langsam kann man sich darauf einstellen, das Duell der QB-Giganten Eli Manning & Rex Grossman im FedEx Field, dem Stadion mit den ultrakomischen Farbkombinationen im obersten Rang, zu bestaunen. Washington dürfte heute ein Tränenbad sein.

[21h54] Turnover-Count: #7. Roethlisberger wird bei simplem Pass Rush mit drei (plus einem halbherzigen vierten) der Ball beim Werfen aus der Hand geschlagen. Erneut #55 Suggs und da habe ich immer Angst um die Bänder im Wurfarm.

[21h45] Seufz. RB #21 Mewelde Moore fumbelt schon wieder den Ball. Die Challenge wird erfolgreich sein, Baltimores Ball. Sechster (!!) Turnover der Steelers.

[21h40] Die Thrill-Autoren haben sich nach einem erneuten fantastischen College-Wochenende aktuell eine Auszeit genommen. Von acht 19h-Spielen ist 10min vor Schluss nur ein einziges innerhalb von einem Score (CLE-CIN), alle anderen mit mehr als 1 TD, viele mit 25+ Punkten.

[21h37] Ich habe keine Bilder, aber den Stats zur Folge hat Buffalo den Kansas City Chiefs das Laufspiel weggenommen und folglich findet völlig überraschend die Offense der Chiefs (mit QB Matt Cassell) nicht statt. Buffalo führt 41-7.

[21h33] Nächste hirnlose INT Roethlisbergers, wieder ist S Reed der Ballempfänger. Reed zieht die Bälle aber auch wirklich an. Das Spiel kann man abschenken.

[21h19] 44sek vor Ende des dritten Viertels mal wieder eine gepflegte Keilerei mit ca. 25 Beteiligten, inklusive eines 2m durch die Luft fliegenden Head-Refs Tony Corrente.

[21h15] Die Ravens führen mittlerweile 32-7 im strömenden Regen in Baltimore und das Spiel scheint 17min vor Schluss sehr gegessen aus. Das dritte Viertel, eigentlich eine Stärke der Steelers, war KOMPLETT in Händen der Ravens, sodass sogar Mike Tomlin seine Spieler mehr zusammenstauchte als gewohnt.

[21h00] Pittsburghs Offense schien gerade in die Gänge zu kommen, da wirft Roethlisberger unter Druck eine vogelwilde INT an der Goal Line direkt in die Arme Ed Reeds. Reed ist so verdutzt über die INT, dass er mit dem Return erstmal zwei Sekunden zum Nachdenken braucht.

[20h48] Baltimore 29, Pittsburgh 7, 21sek in der zweiten Halbzeit gespielt. Meine Fresse, was ist mit Pittsburgh los? Der erste Snap in der zweiten Halbzeit überrascht Roethlisberger, während im selben Moment bereits DT Haloti Ngata heranrauscht und die Ballübergabe an den Running Back zum Fumble ummünzt. Baltimore kommt mit Flaccos Super-Pass auf TE Ed Dickson raus. Dickson mit einem großartigen Catch in der EndZone, der S Polamalu wie einen Lehrbuben ausschauen lässt. Wo war unser Freund, der Baltimores junge Tight Ends… Ach, welche Tight Ends?

Um die Verarsche komplett zu machen, spielen sie einen Fake zur 2pt-Conversion. Und just in dem Moment fälscht Ngata einen Ball ab, der MLB Ray Lewis in die Arme fällt. INT, Baltimore wird allerdings beim Versuch, ein 4th down auszuspielen, gestoppt. M-a-s-s-i-v-e-r Energieanfall von OLB Jerome Harrison.

[20h41] Vor sehr gelichteten Rängen in Tampa spielen die Detroit Lions einen gepflegten Ball. Stafford hatte im ersten Spielzug eine unverschuldete Interception aus einem abgefälschten Ball, spielte danach schnellen, passlastigen Offensiv-Football inklusive eines mutigen 4th downs, Detroit führt 20-13.

[20h35] Halbzeit Baltimore 21, Pittsburgh 7. Starke, sehr starke Vorstellung der Baltimore Ravens trotz der unmotivierten Schlussminute. Die Offense wurde zuletzt immer lauforientierter, schaut aber sehr variabel aus, inklusive eines extrem relaxt wirkenden QB Joe Flacco, der fast immer seine Anspielstationen findet, seien es WR Boldin, die beiden Tight Ends Dickson/Pitta oder das „Sicherheitsziel“ RB Rice, der wie eben erwähnt eine großartige Halbzeit spielte.

In der Defense dominiert Härte. Pittsburgh kriegt kein Yard ohne blaue Flecken, viele Hits sind nahe an late hits. QB Roethlisberger muss sich häufig Zeit erkaufen und macht dabei IMHO keinen unterirdischen Job. Patentrezept für Pittsburgh meiner Meinung nach: RB Mendenhall um die Line herum laufen lassen, dabei hatten die Ravens die größten Probleme.

(Und natürlich mit den Strafen, aber da kann Pittsburgh nicht mehr tun als sich das Spektakel staunend mit anzuschauen.)

[20h24] Baltimore 21, Pittsburgh 7. Nun müssen auch die Ravens etwas mehr bluten für ihre Punkte – aber Baltimore hat RB Ray Rice. Rice war letzten Herbst dezent enttäuschend, aber heute ist der Mann in fantastischer Form, kriegt gutes Blocking, lässt aber danach zig Tackles (gegen Pittsburgh!!) aussteigen und ist kaum zu Boden zu bringen. Als Passempfänger macht der vergessene Sohn Rice einmal ein 3rd down und schließlich aus der WR-Aufstellung den Touchdown. Pittsburgh teilt kräftig Hits aus, hat aber alle Probleme der Welt mit diesem Running Back, der sogar einmal intelligent genug ist, einen Pass für sicheren Raumverlust einfach abzuklatschen – probates Mittel, nur leider selten gesehen.

[19h57] Baltimore 14, Pittsburgh 7. Nun melden auch die Steelers ihre Ansprüche an. Es geht nicht reibungslos und dauerte eine gefühlte halbe Stunde realer Zeit, aber am Ende ist Pittsburgh in der Endzone, weil sich QB Roethlisberger die nötige Zeit kaufen kann, bis WR Sanders in der Endzone frei ist. Baltimores Pass Rush muss sehr schnell gegen diese Line durchkommen, um Roethlisberger durcheinander zu bringen.

[19h47] In Houston fumbelt sich Colts-QB Kerry Collins zu zwei Touchdown-Geschenken für die Texans. Houston führt nach einem Viertel 17-0.

[19h39] Baltimore 14, Pittsburgh 0. Die Ravens sind wie elektrisiert. Direkt im Anschluss an die Schlägerei bricht plötzlich der hinter der Offensive Line versteckte OLB Terrell Suggs durch und wrestelt dem verdutzten QB Roethlisberger mit einer Wucht den Ball aus den Händen, da staunt der Ben noch immer.

Die Ravens-Offense kommt auf das Feld und spielt in der Post-Heap-Ära gnadenlos Tight Ends um Tight Ends an: Nachdem zuvor ein Dickson-Catch aberkannt worden war, fängt diesmal TE Pitta. RB Ray Rice vollendet an der Goal Line im zweiten Versuch.

[19h32] Zehn Minuten gespielt und schon die zweite Schlägerei auf dem Feld.

[19h30] Ein wunderschöner, rattenscharfer tiefer Ball von QB Flacco wird wegen eines Holdings von LT KcKinnie zurückgepfiffen und zerstört die Angriffsserie. In den Minuten, in denen sich in Baltimore bei drückender Schwüle wohl ein Regenguss nähert, bleibt aber das Bild eines sehr relaxten QB Flaccos.

[19h09] Baltimore 7, Pittsburgh 0. Das ging schnell. RB Ray Rice mit einem Riesen-Raumgewinn über die linke Seite, dort wie der 200kg-Bomber Bryant McKinnie jüngst vor ein paar Tagen neu installiert wurde. Zwei Plays später hat QB Joe Flacco über links alle Zeit der Welt, einen wunderschönen Ball in die Arme von WR Anquan Boldin zu legen, der im Nachfassen Baltimores ersten Saison-Touchdown macht.

[19h04] Jim Nantz ist begeistert von den „U-S-A“-Schlachtrufen.

[18h44] Wer’s noch nicht mitgekriegt hat: Die namhaftesten Ausfälle auf Seiten der Ravens sind OLB Sergio Kindle und die beiden Rookies CB Chykie Brown/WR Tandon Doss, bei den Steelers wird der Neuzugang WR Jerricho Cotchery nicht im Kader sein.

[17h57] Die Pittsburgh Steelers haben dieser Tage ein potenzielles Störfeuer ausgedrückt und dem famosen Safety Troy Polamalu einen neuen Vertrag über vier Jahre und 36,5 Mio. Dollar (10,5M guaranteed) gegeben, nicht so verrückt wie der Vertrag für Minnesotas RB Adrian Peterson (7yrs/100 Mio./36 Mio. guaranteed, 52 Mio. in den ersten vier Jahren), aber wichtig, um Polamalu zu halten. Von sämtlichen Leistungsträgern ist nur noch WR Mike Wallace nicht über 2011 hinaus an Pittsburgh gebunden. Indes ist ein Spieler, den die Steelers erst am Sonntag gecuttet haben, S Brett Greenwood, bei einer Trainingseinheit an seiner Highschool kollabiert (Herzstillstand), scheint aber mittlerweile in stabilem Zustand zu sein.

[17h12] Guten Nachmittag. Der Spieltag steht im Zeichen des zehnten Jahrestags von 9/11. Die Laute sind vereinzelt, aber aus dem Blätterwald rauschen zwischen haufenweise Pathos und Erinnerungen auch kritische Töne zu 9/11, der zweifelhaften Art der Aufarbeitung und zur allgemeinen Lage einer heute gespaltenen Nation. Stellvertretend dazu der gestrige Eintrag in der Washington Post:

Washington Post_110911

©Washington Post

Zum Sport: Die NFL-Spieler dürfen heute entgegen der sonstigen Gepflogenheiten Handschuhe mit 9/11-Erinnerungen tragen – die restriktive Kleiderordnung wurde extra dafür gelockert. Zusätzlich gibt es ein spezielles „NFL 9/11“-Gedenkband für jeden Spieler, inklusive eines Logos für das Spielfeld und gigantischer US-Flaggen zur Hymne vor dem Spiel. Bei ESPN America geht es los mit Baltimore RavensPittsburgh Steelers, den beiden rivalisierten Teams aus den Städten, in deren Mitte sich Shanksville, der Aufschlagort von Flight 93, befindet. Baltimore ist zudem in der Nähe Washingtons gelegen.

College Football 2011/12, Roundup Woche 2: Thrill, so weit das Auge reicht

(Alle Rankings aus dem AP-Poll von letzter Woche)

Auch Wochenende #2 hat uns bestätigt: College Football, mit Verlaub, ist einfach geil. Was da wieder für Spiele drunter waren… Ich habe eben mit einem Auge meine Aufzeichnung vom Nachtspiel Michigan Wolverines gegen Notre Dame angeschaut, aber was heißt da „mit einem Auge“? Die Partie wird um 13h bei ESPN America noch mal gezeigt, und ich rate aus tiefstem Herzen, sich dieses fassungslose Spiel anzuschauen. Und damit zur Warnung: Ab sofort betreten Sie Spoiler-Zone. Also wenn Sie noch mit Spannung die letzten Tapes anschauen wollen, bitte überspringen oder sich mit dem Lesen noch die eine oder andere Stunde Zeit lassen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Keine der beiden Mannschaften war gerankt, aber wie sich Michigan und Notre Dame da die Kante gaben, wird man lange nicht vergessen, nicht nur wegen des Nachtspiel-Faktors. Die Fighting Irish wirkten eigentlich über die komplette Partie wie die bessere, reifere Mannschaft, trotz des wenig souveränen Quarterbacks Tommy Reed. In den fürchterlichen Throwback-Trikots dominierte Notre Dame vor allem mit dem spektakulären WR Michael Floyd, führte schon mit zwei Touchdowns, aber Michigan und sein QB Denard Robinson hielten sich mit regelmäßig eingestreuten, irren Big Plays im Spiel. Was Robinson da an eiernden, tiefen Bällen in Doppeldeckungen einstreute, geht auf keine Kuhhaut mehr. Die Zahlen am Ende des Tages: Nur 11 (elf!) von 24 Pässen vollständig, 3 Interceptions, aber 4 Touchdowns und unglaubliche 338 Yards (30.7yds/Completion), einmal ein 60yds-Pass aus dem Armgelenk, mit einer Klette von Pass Rusher an seinen Füßen hängend.

Notre Dame ging mit einem 24-7 ins Schlussviertel, und dann steigerte sich die Freak-Show. Michigans Running Back mit einem Fumble an der Goal Line, Robinson fällt der Ball direkt in die Arme zurück und trabt verdutzt zum Touchdown in die Endzone. RedZone-Turnovers auf beiden Seiten. Mit 1:12min auf der Uhr geht Michigan mit einem wunderschön designten Counter-Pass (gegen die Laufrichtung der Defense) 28-24 in Führung. QB Rees innerhalb von 42sek gegen eine vogelwilde Wolverines-Defense, Touchdown, 28-31, 30sek vor Schluss.

Over? Nope. Robinson weicht athletisch einer zusammenbrechenden Pocket aus, tiefer Ball auf WR #10 Gallons, dessen Slalomlauf über 64yds quer über das Spielfeld durch die Defense erst 8sek vor Schluss an der 16yds-Line gestoppt wird. Field Goal? Mitnichten, Michigan spielt aus, Robinson mit einem wilden Pass in die rechte Ecke der Endzone, wo WR #12 Roy Roundtree die Bogenlampe aus der Luft pflückt. 2sek to go, Michigan gewinnt den Thriller 35-31, Notre Dame, das gehypte Notre Dame, mit einem denkbar schlechten Start in die Saison: 0-2 und der geneigte Fan erstmal mit zwei Liter verlorenem Schweiß unter die Dusche.

Die AP Top-25

#1 Oklahoma war spielfrei, #2 LSU hatte mit Northwestern State keine Probleme (400:95yds Offense, 49-3 Punkte). Eine Visitenkarte gaben die #3 Alabama Crimson Tide ab, die in beeindruckender Manier auswärts gegen die #23 Penn State Nittany Lions 27-11 gewannen und dabei vor allem schon beachtliche Form in der Defense zeigten. Alabama würgte Penn States Lauf nach Strich und Faden ab, allerdings bin ich mir nicht sicher, ob die Passdefense nicht vor allem von der Inkonstanz der beiden PSU-Quarterbacks Bolden/McGloin profitierte. Beide mit immer wieder eingestreuten, ganz schlechten Bällen. Penn States Defense war um einiges besser als ihre Offense, konnte aber dem Druck der immer wieder kehrenden schlechten Feldposition immer weniger entgegensetzen. Alabamas QB A.J. McCarron schaut aus wie ein besserer McElroy, dürfte sich mit diesem Spiel IMHO als Starter für diese Saison qualifiziert haben.

#4 Boise State war spielfrei, dürfte aber trotzdem eine Enttäuschung erlebt haben: #12 South Carolina gewann auswärts dank starker Schlussphase bei Boise-Hoffnung Georgia 45-42, vor allem die Laufdefense der Bulldogs war nicht gut, ließ RB Marcus Lattimore zu 176yds durchpflügen. Boises beeindruckender Sieg vergangenen Samstag dürfte ab sofort wieder diskreditiert werden.

Die nächsten Teams jeweils mit lockeren Siegen über inferiore Konkurrenz: #5 Florida State spielte sich mit einem 62-10 gegen Charlston South für den Kracher nächste Woche gegen Oklahoma ein, #6 Stanford nach Problemen in der ersten Halbzeit mit einem 44-14 bei Duke, #7 Texas A&M, #8 Wisconsin mit einem nie gefährdeten 35-0 gegen eine ultraharmlose Mannschaft von Oregon State, #9 Oklahoma State bereits am Donnerstag mit einem 37-14 gegen die Arizona Wildcats. #10 Nebraska war erst in der Schlussphase gegen Fresno State wirklich überlegen, gewann 42-29.

Arge Schwierigkeiten dagegen für #11 Virginia Tech, deren Defense zwar die schnelle Offense der East Carolina Pirates einbremste, aber QB Logan Thomas mit einer enttäuschenden Vorstellung. Am Ende ein knappes 17-10 für die Hokies.

Viel Dusel auch für #15 Ohio State beim knappen 27-22 daheim gegen die Toledo Rockets, die in der letzten Minuten einen Fumble der Buckeyes erzwangen und mit ihrem QB Austin Davis eine letzte Chance bekamen. Davis führte Toledo mit seinem unkonventionellen linken Arm das Spielfeld runter, mit einem verwandelten 4th and 14 (brillanter, mutiger Pass dabei übrigens!!), aber in der RedZone war dann doch Schluss.

#16 Mississippi State verlor einen wahnsinnigen Thriller in Auburn, weil die Goal Line-Defense der Tigers in den Schlusssekunden wie eine Mauer hielt: RB Vick Ballard mit 16sek auf der Uhr, wird an der 2yds Line für 1yd Raumverlust gestoppt und unter einer Klette an Tigers-Verteidigern begraben, Mississippi States Headcoach Dan Mullen rennt wie von der Tarantel gestochen auf das Feld um dem weltabgewandten Head-Ref das Timeout anzuzeigen, und muss das letzte Fünkchen Contenance bewahren, um das Zebra nicht in Grund und Boden zu prügeln. Mit 10sek auf der Uhr behält QB Chris Relf den Ball selbst, rollt links raus und wird an der 0,3yds-Line (oder so) gestoppt. Klar ersichtlich kein Touchdown, aber es fehlten keine 10 Zentimeter. Auburn mit dem zweiten knappen Sieg, 41-34. Auburn und knappe Siege? Das kennen wir doch irgendwo her… Trotzdem wird man sich nicht lange nur auf RB Michael Dyer (mit viel Spektakel bei langen Läufen und kurzen Touchdown-Läufen) verlassen können und darauf, dass Dutzende missed tackles in der Defense unbestraft bleiben.

#13 Oregon erholte sich von der verheerenden Auftaktniederlage gegen LSU, spielte Nevada 69-20 an die Wand (inklusive 6 TD-Pässen von QB Thomas), #14 Arkansas mit einem 52-3 gegen New Mexico, #17 Michigan State 44-0 gegen FAU, #18 Florida 39-0 gegen Alabama/Birmingham, #22 USF 37-7 gegen Ball State und #19 West Virginia mit einem letztendlich klaren 55-12 gegen den Underdog Norfolk State, der zur Halbzeit noch 12-10 geführt hatte.

Die #21 Missouri Tigers verloren bereits am Samstagmorgen einen brutal penalty-trächtigen Overtime-Thriller (23 gelbe Flaggen für 224yds Raumstrafe) bei den Arizona State Sun Devils und dürften aus den Rankings verschwinden. Für Mizzou war nicht alles schlecht: QB James Franklin gefiel besser als in der Vorberichterstattung hätte vermuten lassen, die Offensive Line hatte ASU und seinen gehypten LB Vontaze Burfict lange Zeit recht gut unter Kontrolle. Allerdings verpasste der Kicker mit auslaufender Uhr, nach einem aufregenden Comeback, einen Kick, in der Overtime konnte man das 37-30 der Sun Devils nicht mehr ausgleichen.

Story des Tages bei #24 Texas – BYU war die QB-Diskussion: Texas hielt die gefüchtete Lauf-Offense der Cougars gut unter Kontrolle (nur 1.9yds/Carry für BYU), brachte aber selbst in der Offense nur wenig zustande – bis QB Gilbert aus dem Spiel genommen wurde und der Grünschnabel QB Case McCoy ins Getümmel geworfen wurde. McCoy brachte den nötigen Ruck, Texas am Ende mit einem knappen, unspektakulären 17-16 über BYU.

#25 TCU zeigte der ambitionierten Air Force die Grenzen auf, machte die Falcons locker 35-19 nieder und gab ein Statement bezüglich „Platz 2“ in der MWC ab.

Sonst so

Bei TennesseeCincinnati (45-23) zeigte QB Tyler Bray glänzende Ansätze. Mit Tennessee könnte in der SEC East tatsächlich zu rechnen sein. Bray wirkt irgendwie inspirierend auf Mannschaft und Fans.

Großartiges Spiel bei Iowa Iowa State („Cy-Hawk Trophy“), das nicht nur einmal in die Overtime ging, sondern gleich dreimal. Am Ende wurstelte sich der krasse Außenseiter Cyclones zu einem stimmungsaufgeladenen 44-41, für Iowa und seinen Coach Kirk Ferentz eine riesige Enttäuschung. Iowa hatte man eigentlich mehr zugetraut als eine Derby-Niederlage gegen Iowa State.

College Football 2011/12, Week #2 live

Guten Abend. Vorschau gibt es hier.

 

21h30: Penn State Nittany Lions – Alabama Crimson Tide

[00h35] Penn State 3, Alabama 27. Dolchstoß. Ein weiterer Turnover der Nittany Lions, Alabama läuft mit #42 Lacy und #3 Richardson locker durch. Und over.

[00h03] Seufz. Penn State zum x-ten Mal mit dem Schema F: Snap, Bolden mit halbherziger Play-Action, schwacher Bogenlampenwurf über die linke Seite rund 25yds das Feld runter, unterworfen… abgefangen, und diesmal zählt die Interception sogar! Sehr, sehr unkreativ, was OffCoord Jay Paterno hier veranstaltet, oder aber ein Produkt der beiden suboptimalen Quarterbacks für Penn State. Das Spiel schaut nun sehr gegessen aus, 16min vor Schluss.

[23h58] Penn State 3, Alabama 20. Ein Goal Line Stand hält die Nittany Lions im Spiel, mit der Einschränkung „wenn sie sofort ihre Offense in Gang bekommen“. Das Passspiel ist ziemlich unterirdisch, zuletzt war wieder QB McGloin im Spiel, der drei Incompletions in Serie warf, zwei davon haarscharf an Interceptions.

[23h43] Ein drittes Viertel bislang, das nahtlos an die defensivlastige erste Halbzeit anknüpft. Immer, wenn eine der beiden Abwehrreihen mit ihrer Defensive Line allein Druck genug zustande bekommt, sind die Offenses in ärgeren Problemen. Penn States Rob Bolden warf zwei Interceptions in zwei aufeinanderfolgenden Spielzügen, beide nur knapp wegen Bodenberührung zurückgepfiffen.

[23h08] Halbzeit Penn State 3, Alabama 17. Beeindruckende Vorstellung von Bama, deren Defense nach einem ordentlichen Eröffnungsdrive Penn State seither gnadenlos niedermacht und den Lions das Laufspiel komplett wegnimmt. Penn States RB Silas Redd wird immer und immer wieder über die Mitte geschickt – und abgewürgt. QB Bolden ist ein zu unpräziser Werfer, als dass Alabama dadurch kontinuierlich ernsthaft gefährdet wäre.

In der Offense macht Bama-QB McCarron einen sehr, sehr überlegten Eindruck. McCarron mag ein Grünschnabel sein, aber da waren einige sehr große Würfe dabei, die ein Greg McElroy niemals machte. Besonders beeindruckend, weil das Laufspiel noch nicht wirklich in die Gänge gekommen wirkt. Und Penn State, so wenig die Offense zustande bringt, hat eine extrem aggressive Defense, die allenfalls in der RedZone etwas mehr Pass Rush bringen könnte.

Kudos für Alabamas Special Teams: Penn State wird bei jedem Punt tief hinten drin reingenagelt.

[22h39] Penn State hat nun erstmal QB Matt McGloin eingewechselt – keine Enteierung für Bolden, sondern zum Plan gehörend, weil man das Alabama-Spiel primär als Testspiel angehen kann. McGloin führte sich gleich mal mit Abstimmungsproblemen bei der Ballübergabe an die Running Backs ein.

[22h18] Penn State 3, Alabama 7. Auf halbem Weg in die Endzone brauchte es einen Punt-Fake samt ultraknapper 4th down conversion (ca. 0,02mm würde ich mal behaupten). Das reichte, QB A.J. McBarron danach on fire, mit rattenscharfen Bällen selbst bei kollabierender Pocket, und unterstützt von einem fantastischen Catch der #4 WR Marquise Maze, einem Catch, der nicht viele machen.

[22h08] Beide Defenses recht pumped up, würde ich sagen. Fast nach jedem Spielzug ein Menschenknäuel. Als seien wir die paar tausend Meilen weiter südwestlich, in Neuseeland.

[22h01] Penn State 3, Alabama 0, nach je einem Drive. Es deutet sich bereits an, wie brutal es dieses Jahr wird, gegen Alabama über die Mitte zu laufen. Penn State vertraut einen Tick zu sehr darauf, muss sich bei langen 3rd downs sehr des beweglichen QB Rob Bolden bedienen. Die Defense der Nittany Lions mit recht viel Druck durch die Defensive Line, zerbröselte die drei Spielzüge von Alabama im Ansatz.

[21h31] Aus dem schönsten Stadion der Welt: Penn State gegen Alabama. Penn States Trainerlegende Joe Paterno wird wie vergangenes Wochenende nicht an der Seitenlinie, sondern im Booth sitzen.

18h: Wisconsin Badgers – Oregon State Ducks

[21h00] Endstand Wisconsin 35, Oregon State 0. Flotte Partie in nur 3h03 beendet. Wisconsin mit einer grundsoliden Vorstellung, aber eine richtige Einordnung ist nicht möglich, weil Oregon State unterirdischer als erwartet spielte. Mike Riley dürfte früher oder später doch in Bedrängnis kommen, wenn es so weiter geht. Ob Ryan Katz auch weiterhin draußen bleiben muss?

Die Alarmglocken in Morgantown sind derweil mit einem 66yds-Drive in 3 Spielzügen etwas abgeklungen: West Virginia ist gegen Norfolk State aus der FCS eingangs der zweiten Halbzeit 17-12 in Führung gegangen.

[20h42] Blick auf die anderen Spielfelder: In Columbus gibt es tatsächlich doch Upset-Alarm, auch wenn Ohio State Mitte des dritten Viertels nun wieder 27-22 führt (2pts-Conversion scheiterte). Ohio State dominiert sämtliche Kategorien, inklusive des disziplinierteren Spiels (nur 2 Strafen gegen Toledos 13). Aber Toledo hat die Allzweckaffe WR Eric Page.

Bei Auburn – Mississippi State hat eben das dritte Viertel begonnen. Bei Halbzeit gab es bereits 57 (!) Punkte. Auburn führt knapp 31-24.

[20h21] Ich denke, die Messen in Wisconsin sind schön langsam gelesen, das Spiel wird nun immer lauflastiger von Seiten der Badgers und die Running Backs beginnen, auch mit sub-parem Blocking auf eigene Faust, Yards herauszuschinden. Es war überraschend, wie lange die Offensive Line brauchte, um das Spiel in den Griff zu bekommen. In der Defense würde ich bei Wisconsin einen Aufwärtstrend gegenüber vergangener Woche sehen. Die Front Seven hatte zu Beginn einige Schwierigkeiten, ist aber im Spielverlauf sehr solide geworden gegen eine zugegeben ultraharmlose Beavers-Offense, die nur einen einzigen langen Passspielzug hinbekam (einen sehenswerten Catch in Doppeldeckung über die Mitte allerdings) und – noch wichtiger – null Laufspiel.

Sollte QB Russell Wilson weiterhin Stats wie diese und letzte Woche produzieren, wird man früher oder später tatsächlich über die Heisman Trophy sprechen. Das ist nicht mehr der Wilson, der bei NC State um sein Leben scrambeln musste. Mit einer besseren Line macht Wilson Play auf Play und gibt Wisconsin IMHO tatsächlich eine gute Chance, erneut die Big Ten zu holen.

[19h27] Wisconsin 21, Oregon State 0. Wie vor einer halben Stunde abgezeichnet: Wisconsin kriegt nun physisch die Überhand und drückt sein Laufspiel durch, sogar auch um die Line herum. QB Wilson mit dem dritten Pass-Touchdown zum Abschluss des Drives 27sek vor Halbzeit, und einer, der nicht besser zu Wisconsin hätte passen können: Auf einen Tight End.

Oregon State dagegen enttäuscht in der Offense bisher völlig, und irgendwie habe ich noch nicht mitbekommen, warum man denn nun mit einem Freshman und nicht mit dem soliden QB Ryan Katz spielt.

[19h00] Wisconsin 14, Oregon State 0. Die Geschichte ist auch Mitte des zweiten Viertels etwas zäh, sieht mit einer starken Front Seven der Beavers eine nette Herausforderung für Wisconsin, die nun aber körperlich langsam Vorteile gewinnen zu scheinen und mit Play-Action die aggressiv reagierende Defense verarschen.

Der Touchdown war ein schön geworfener Ball von QB Russell Wilson in das linke Eck der Endzone auf WR #1 Toon. Vor dem Snap übrigens der neue Co-Kommentator von ESPN, Urban Meyer (ex-Coach von Florida), mit einer interessanten Beobachtung, sah die Single Coverage gegen Toon richtig kommen.

[18h38] Wisconsin 7, Oregon State 0. Dank eines kuriosen Punts für MINUS VIER YARDS führen die Badgers, aber das war’s auch. Die Offense kriegt das Laufspiel nicht wirklich in die Gänge, nicht über RB Montee Ball, nicht über RB Jamal White. Entsprechend unrhythmisch sieht es dann auch aus, weil Oregon State die Box mit 8 Mann vollstopfen kann.

So wie auf der anderen Seite die Beavers den Ball tragen, riecht da förmlich nach noch kommenden drei, vier Fumbles.

[18h05] Wisconsin vs Oregon State. Mal schauen, inwiefern Wisconsin diesmal eine etwas enthusiastischere Defense aufstellt. Oregon State steht nach einer furchtbaren Heimniederlage letzte Woche bereits unter Druck.

College Football 2011/12, Woche 2 TV-Guideline

Nachdem ich vom 15-stündigen Auftaktmarathon in der Nacht auf und am Morgen des Sonntags wieder erholt bin, steht neben dem NFL-Start auch Woche 2 im College Football an, diesmal mit „nur“ drei Livespielen, aber das Programm ist mit TV-Bildern von zehn vollen Spielen insgesamt wieder nicht ohne.

(Rankings beziehen sich auf die AP-Abstimmung.)

Freitag, 9. September 2011

Oklahoma State – Arizona (14h, ESPN America)
Arizona State – Mizzou (04h30 LIVE/Nacht auf Samstag, 10.9. 12h30 als Tape ESPNA)

#9 Oklahoma State und Arizona sind beide mit Auftaktsiegen über inferiore Konkurrenz gestartet, wobei Cowboys-QB Brandon Weeden sich eine zeitlang überraschend fehleranfällig präsentierte und die Offense insgesamt nur 312yds machte – für die Cowboys ungewöhnlich wenig.

Es ist ein Spiel zweier offensivstarker Mannschaften mit zwei starken Quarterbacks (Weeden und Arizonas Nick Foles), wobei OSU hier auf den ersten von zwei Stoops‘ treffen wird: Arizonas Cheftrainer ist Mike Stoops, Bruder vom Sooners-Mann Bob. In der Bowl Season 2010/11 gab es das Spiel schonmal (Alamo Bowl), dort machten die Cowboys Arizona 36-10 nieder. Nun die Revanche, es jedoch fraglich, ob Arizona mit dem Kopf bei der Sache ist: Die nächsten beiden Spiele sind deutlich wichtiger, es geht gegen Oregon und Stanford aus der Pac-12…

Das zweite Spiel Pac-12 gegen Big 12 wird in der Nacht auf Samstag live geben, und es ist ein Spiel mit erhöhtem Upset-Potenzial: Die Arizona State Sun Devils von Headcoach Dennis Erickson werden in manchen Kreisen als Geheimfavorit gehandelt, während #21 Mizzou zwar noch in den Rankings steht, aber man erwartet heuer keine Wunderdinge und vor allem: Die Eröffnung von Miami/OH (17-6 Sieg) war keine Offenbarung. Ein Auge sollte man auf die Quarterbacks werfen: ASUs Brock Osweiler ist ein Riese (2,03m) mit fassungslos langen Armen, Mizzous James Franklin hat am Samstag sein Debüt gegeben und sich danach selbst so dermaßen in die Pfanne gehauen, dass die nächste Konsequenz nur ein sofortiger Rücktritt durch Selbstaufgabe gewesen wäre.

Was dagegegen automatisch ins Auge fallen dürfte, ist die neue, konsequent in schwarz gehaltene Uniform der Sun Devils – ein Novum in der Universitätsgeschichte.

Samstag, 10. September 2011

ESPN College GameDay (15h LIVE bei ESPN America)
Wisconsin – Oregon State (18h LIVE bei ESPN America)
Penn State – Alabama (21h30 LIVE bei ESPN America)
Michigan – Notre Dame (02h LIVE/11.9. 13h als Tape bei ESPN America)

Dreimal Sabbern für Fans von TT („Tonnen Tradition“) bei drei sportlich mittelmäßig interessanten „non-Conference“-Spielen. #8 Wisconsin hat sein Auftaktspiel locker 51-17 gegen UNLV gewonnen, mit angezogener Handbremse in Sachen „Pass Rush“ und einer recht soften Lauf-Defense. Gegner Oregon State spielte mit haufenweise Freshmen gegen einen FCS-Gegner Sarcramento State und VERLOR (!) ZU HAUSE (!!) in der Overtime 28-29, wodurch erstmals ganz leises Flüstern über die Tätigkeit von Headcoach Mike Riley zu vernehmen war. Aber aufgepasst: Die Beavers sind die ultimativen Underdog-Spezialisten, gewannen zehn der letzten 13 Partien wenn nicht favorisiert. Oregon State gewann auch die letzten beiden Spiele, wenn sie mit mehr als zwei Touchdowns Spread als Underdog galten. Der Spread diesmal: 21 Punkte…

#23 Penn State gegen #3 Alabama ist das Duell zweier Teams mit Stadien gigantischer Ausmaße. Diesmal findet die Partie im Beaver Stadium von Penn State statt, leider wieder „nur“ am Nachmittag amerikanischer Ortszeit. Alabama gilt als klarer Favorit und könnte motiviert sein, nachdem sie trotz lockerer Auftaktpartie in den Polls von #2 an #3 zurückversetzt wurden – IMHO unverständlich.

Hype, nein: HYPE, gibt es um das ESPNA-Nachtspiel, Michigan Wolverines vs. Notre Dame Fighting Irish. Gestatten, zwei ganz große Programme im US-Norden, zwei langjährige Rivalen (auch wenn sie nicht mehr jedes Jahr gegeneinander spielen), und ein Stadion. Das Michigan Stadium („The Big House“, 113.000 Plätze).

Das Stadion dürfte mittlerweile ein paar Jahrtausende alt sein, aber am Samstag erlebt es das erste Spiel bei Nacht. Yadda! Da werden seitenlange Interviews gefahren, in denen Spieler stolz erzählen, dass sie das Gefühl, bei Nacht zu spielen, bereits kennen. Aus dem vergangenen Jahr. Damals spielten sie auswärts bei Penn State. Für das Spiel wurde extra eine temporäre Licht-Anlage in der gigantischen Schüssel von Ann Arbor installiert.

Die größere sportliche Bedeutung dürfte die Partie für Notre Dame haben, die nach dem überraschenden wie desaströsen Auftakt gegen USF (20-23 verloren) schon mit dem Rücken zur Wand stehen. Eine weitere Niederlage dürfte die Saison frühzeitig begraben.

Notre Dames Chefcoach Brian Kelly hat bereits reagiert und QB Dayne Crist durch QB Tommy Reed ersetzt. Zwei nicht wirklich erbauliche Optionen, aber während die Offense unter Crist am Samstag tot war, lief es unter Reed trotz schlecht getimter Turnovers deutlich, sehr deutlich flüssiger.

In der Defense müssen die Fighting Irish insbesondere auf QB Denard Robinson aufpassen, der vergangene Saison 258yds rushing gegen Notre Dame machte.

Nebenschauplatz sind die Gerüchte, wonach die Big Ten wieder verstärkt ihre Fühler in Richtung Notre Dame ausstreckt. Commissioner Jim Delaney gilt als Fan dieser Idee, die sich vereinzelt, aber immer und immer wieder zwischen den Zeilen herauslesen lässt und auch für Notre Dame interessant sein dürfte: Je nach Quellenangabe variieren die Unterschiede in den TV-Verträgen Notre Dame vs. „beliebige BigTen-Uni“ bis hin zu einem Spread von 7 Millionen Dollar/Jahr. Zu Ungunsten Notre Dames…

Sonntag, 11. September 2011

Tennessee – Cincinnati (8h bei ESPN America)
Texas – BYU (10h30 bei ESPN America)
Ohio State – Toledo (11h-12h45 bei Eurosport 2)

Die Upset-Warnung kommt von Playbook.com:

Tennessee head coach Derek Dooley is 0-13 straight-up in games against opponents with a win percentage of -750 or more on the season.

Äh, ja. Cincinnati ist nach dem 72-10 über das drittklassige Austin Peay 1.000.

Die Brigham Young Cougars haben ihren Gang in die Unabhängigkeit mit einem knappen, unspektakulären 14-13 bei Ole Miss begonnen und dabei zu keinem Zeitpunkt geglänzt. Nun wartet das nächste Auswärtsspiel, diesmal in Austin gegen die #24 Texas Longhorns, die ihrerseits in regelmäßigen Abständen als künftiger Independent gehandelt werden, allerdings zuletzt wieder Verhandlungen mit der Pac-12 aufgenommen haben sollen.

Thema in den Print-Gazetten von Austin (namentlich „Austin American-Statesmen“) ist seit Tagen überraschend weniger die Pac-12, dafür die Defense der Longhorns: Texas‘ DefCoord Manny Diaz wird nicht müde zu betonen, wie wenig das BYU, das Quarterbacks wie Steve Young, Ty Detmer oder John Beck in die NFL gebracht hat, mit dem heutigen BYU gemein hat. Von einstiger Finesse im Passspiel wurde auf brachiale, simple Laufgewalt umgestellt. Dazu kommt wie immer bei mormonischen Universitäten, dass die Spieler körperlich ein, zwei Jahre weiter sind als ihre Gegner: Die meisten Studenten arbeiten zwei Jahre in der Mission, natürlich nicht ohne tägliches Training. Entsprechend Schiss haben die Longhorns-Trainer vor der massiv gebauten Offensive Line und Defensive Front Seven der Coogs.

Ab 11h bringt Eurosport 2 ein Spiel vom Big Ten Network: #15 Ohio State gegen die Toledo Rockets aus der Mid-American Conference. Die Buckeyes hatten letzten Samstag kein wirklich schweres Auftaktprogramm gegen Akron, gewannen schaumgebremst locker 45-0. Auch Toledo zeichnet sich nicht durch Punktegewalt aus, hat noch nie gegen Ohio State gepunktet. Allerdings verfügen die Rockets über eine Defense, die sehr turnovergierig und mit viel Feuer spielt – ich sehe kein Upset-Potenzial, obwohl die Buckeyes schon die „Cheater Bowl“ nächste Woche in Miami/FL im Hinterkopf haben dürften.

Dienstag, 13. September 2011

Georgia – South Carolina (11h30 bei ESPN America)

Nicht unwichtiges Divisionsspiel aus der SEC East, das traditionell Mitte September stattfindet: Georgia Bulldogs gegen #12 South Carolina Gamecocks, die beiden vermeintlichen Favoriten in dieser Division um den Einzug ins SEC-Endspiel. Georgia wurde am Wochenende von Boise State übel abgewürgt und streckenweise in Grund und Boden gespielt, wobei vor allem die Offensive und Defensive Lines mehrere Drives lang schwer übermannt wurden.

Keine guten Voraussetzungen für einen Gegner South Carolina, die sich zuletzt sehr lauffreudig zeigten (und mit ihrer unsicheren QB-Situation auch müssen); vergangene Saison gewann South Carolina 17-6 mit einer Unmasse an Ground Game (51 Läufe, inklusive das coming out des damaligen Freshman-RB Marcus Lattimore), und so wenig überzeugend wie Georgias D-Line gegen Boise spielte…

Dieses Jahr hat Georgia seinen gehypten Freshman-RB: #7 Isiah Crowell, der gegen Boise trotz zig verschiedener Varianten im Playcalling keinen Stich machte, weil er keine Blocks bekam. Das Spiel dürfte auch Auswirkungen auf das Rennen um die BCS-Meisterschaft haben, da mit einem klaren oder auch nur überzeugenden Sieg Georgias gegen den SEC-East-Favoriten Gamecocks Boises „Credibility“ deutlich steigen würde…

Donnerstag, 15. September 2011

Louisville – FIU (11h30 bei ESPN America)

Wir bekommen einen Blick auf Louisville und deren Spielsystem unter dem Coach im zweiten Jahr, Charlie Strong. Louisville machte im Auftaktspiel gegen Murray State… 21 Punkte? Ganze 21 Punkte?

Freitag, 16. September 2011

Michigan State – Florida Atlantic (11h30 bei ESPN America)

Mit Dank an den Kommentator Raincoaster. Für Michigan State ist es das Spiel zum Einrollen für das Rivalitäten-Spiel gegen Notre Dame (wird nächste Woche live bei Eurosport 2 übertragen).

NFL 2011/12 Season Opener: Green Bay Packers – New Orleans Saints

 

[17h43] Ein Thema, das sich quer durch die Ausgaben der amerikanischen Gazetten zieht: Die Medien sehen Green Bay mit ihrer „No-Teamtraining“-Taktik in der Offseason im Recht und es gibt Zeitungen, die New Orleans und Drew Brees nun sogar dafür kritisieren (!!), die Team-Trainings abgehalten zu haben. Eine dieser Zeitungen: Die New York Post. Mal abgesehen davon, dass ein einzelnes Spiel nie darüber Auskunft geben kann, übersieht man geflissentlich, dass das Spiel am Ende durch einen simplen Goal Line Stand gegen RB Ingram entschieden wurde. Ein einziges Yard, und die Sache hätte anders ausgesehen – auch in der Meinungsmache der großen Medien?

[05h50] Endstand Green Bay Packers 42, New Orleans Saints 34. Brees führt die Offense tatsächlich runter an die 10yds Line, mit drei Sekunden auf der Uhr der letzte Spielzug, Brees muss nach rechts rausrollen, aber das Wunder bleibt aus.

Damit bleibt die Serie erhalten: Der Superbowl-Champ gewinnt das Auftaktspiel. Es war ein knapper Sieg, ein hart umkämpftes Spiel, das nach dem fröhlichen Scheibenschießen im ersten Viertel dann doch etwas mehr Football wurde. Brees mit 419yds, Rodgers mit 312yds, beide 3 Pass-TD. Letzten Endes war Green Bay in der RedZone den einen Tick besser, und blieb ohne Turnover, während der einzige Fumble der Saints prompt zum Touchdown führte.

Ich würde sagen: In dieser Form bleiben die beiden im NFC-Rennen wie erwartet oben dabei. Und nun wartet die Arbeit. Damn, wie habe ich dieses Feeling vermisst.

[05h44] Der Punt war nichts anderes als sensationell. #24 Bush kriegt den Ball an der 1yds Line, berührt aber die Endzone. Damit nur Touchback. Nun: Ein Two-Minute-Drill der Saints in etwas mehr als 60sek, keine Timeouts.

[05h38] Driver holt den Onside Kick. Green Bay ein 1st down vom Sieg.

[05h35] Green Bay 42, New Orleans 34, 2:15min to go. Fake Pass nach links, Play Action, Pass nach recht, TE #80 Graham macht den Anschluss-Touchdown. Nun kommt es drauf an, dass New Orleans den Onside Kick holt, ansonsten ist das Spiel mehr oder weniger vorbei.

[05h13] Green Bay 42, New Orleans 27. Eineinhalb Stunden kein Drive, aber dann: 93yds-Drive in 12 Spielzügen, wobei schön gemischt wird zwischen Lauf/Pass. Beim Touchdown wird die Defense verarscht, indem entgegen aller Erwartungen der Ball schnell auf FB Kuhn übergeben wird und während sich alles noch in Richtung #44 Starks bewegt, ist Kuhn schon in der Endzone. Ein Drive, auch gekennzeichnet von schlechtem Tackling der Saints, u.a. als Rookie-DL Cam Jordan #44 Starks zweimal nicht kontrollieren konnte.

[04h57] New Orleans geht wieder aufs Ganze und wird nahe der Goal Line beim 4th down gestoppt. Brees hatte für einen Augenblick ein Fenster zum Werfen, ehe der massierte Pass Rush durchbrach. Gute, konsequente Entscheidung, auszuspielen, und Green Bay muss erst wieder in seinen Rhythmus kommen, hat eineinhalb Stunden keinen richtigen Drive mehr gespielt.

[04h45] Green Bay 35, New Orleans 27. Die Saints bleiben im Spiel. #43 Sproles will dem Rookie nicht nachstehen und bringt den Ball aus der Endzone an die Mittellinie. Die Saints sind dann explosiv genug, um mit zwei Pässen zum Touchdown durchzulaufen. Wenig Pass Rush in diesem dritten Viertel, bis auf einmal OLB Matthews und einmal CB Woodson auf Blitz im vorherigen Drive.

[04h37] Green Bay 35, New Orleans 20. Grade will man über den zigsten Touchdown fluchen, da startet Rookie Randall Cobb 8yds in der eigenen Endzone seinen Return, wird an der eigenen 21 getackelt, macht den Helikopter, RENNT WEITER, durch zum TOUCHDOWN. Sensationeller Return, 108yds-Touchdown, zweitlängster NFL-Spielzug ever.

[04h32] Green Bay 28, New Orleans 20. Jetzt beginnen die Packers, Tackles zu verpassen, eines der Probleme der Saints in der ersten Halbzeit. Der Drive endet nicht in der Endzone, weil Brees einmal zu lange den Ball hält und einen massiven Sack kassiert. In Green Bays Secondary soll es Signale von ersten Verletzten geben.

[04h20] Die Indianapolis Colts könnten übrigens in das Rennen um Andrew Luck einsteigen: QB Peyton Manning wird mindestens die halbe Saison ausfallen, vielleicht sogar „out for season“: Der Mann wird sich einer Operation unterziehen. Die Nackenprobleme sind ein doch größeres Problem als angenommen. Wenn man sich im Hinterkopf hält, dass wir hier über eine Verletzung sprechen, die auch chronisch werden könnte… Man wird sehen, wie sich die Colts mit QB Collins machen. Dem Gefühl nach, nicht so besonders.

[04h15] Halbzeit Green Bay 28, New Orleans 17. Nach dem stürmischen Beginn ist das Spiel ein bisschen abgekühlt, aber was heißt hier „abgekühlt“? Packers-QB Aaron Rodgers mit 18/24 für 227yds und 3 TD, verteilt auf sechs, sieben verschiedene Receiver, und erst zuletzt bekam Rodgers ein bisschen Probleme mit mehr Druck.

Bei den Saints zeigt sich, dass sie gefährlicher sind, wenn sie ihre Aufstellung „spreaden“, sprich: Wenn New Orleans die Mitte des Spielfelds mit Angreifern vollstopft, kommen sie seltener zum Erfolg.

Nun kriegen die Saints den Ball und sollten schauen, zumindest einen paar Minuten langen Drive zu machen: T.O.P. bisher im 2:1-Verhältnis für Green Bay.

[03h39] Green Bay 21, New Orleans 17. Bush? Sproles! #43 Darren Sproles, der vorhin schon einen langen Catch über die Mitte machte, diesmal mit einem Punt-Return-Touchdown. Ein simpler Block reicht aus. 38 Punkte, keine 23 Minuten gespielt.

[03h34] Green Bay 21, New Orleans 10. Es war vor dem Spiel eine Frage, ob Green Bay vielleicht #21 Charles Woodson auf den häufig in der Slot-Zone eingesetzten Top-WR der Saints, #12 Colston, abgestellt werden würde. In diesem Drive rettete Woodson mit einer athletischen Pass-Defense vor eben Colston. Aber Woodson ist auch heute wieder überall auf dem Spielfeld unterwegs, war auch schon des Öfteren auf Blitz-Routen.

[03h19] Green Bay 21, New Orleans 7. Meine Fresse, was für ein Passfestival. Das erste Viertel ist noch nicht um und wir haben vier Touchdowns in fünf Drives. Beide Quarterbacks mit QB-Rating 158.3, Rodgers 14 von 15 für 188yds und 3 Touchdowns. Brees’ einzige Incompletion ein Drop. Launig, aber wenn’s nach mir geht, bitte ruhig ein bisschen mehr Defense, meine Herren.

[03h12] Green Bay 14, New Orleans 7. Der kleine Unterschied zwischen einem Sack gegen die Saints und einem 50yds-Raumgewinn bei 3rd down: 0,1sek. Soviel war OLB Matthews zu spät dran. Und #43 Sproles führt sich gleich als Bush-Nachfolger ein.

Beim nächsten 3rd down geht es wieder tief, #17 Meachem ist in der Manndeckung für den Safety kein Gegner und fängt den Ball artistisch aus der Luft. Bei dem Gunslingertum könnte das Spiel auch 52-49 enden.

[03h01] Green Bay 14, New Orleans 0, Touchdown #87 Nelson, diesmal in der Mitte. Nach einem Fumble durch #12 Colston haben die Packers ganze 36yds in die Endzone. Gegen die Packers-Offense haben die Saints noch kein Rezept, scheinen in der Defense nicht alle on the same page zu sein. Collinsworth meinte, die Saints hätten die Deckung bereits umgestellt.

[02h49] Green Bay 7, New Orleans 0. „Remember the Playoffs”. Green Bay mit 2sek-Huddles, schnellen Snaps, schnellen Pässen, überfordert die Saints-Defense, der auch ein Sack und ein 3rd and 12 nicht helfen kann.

[02h34] Moin. Mal schauen, wie es dieses Jahr funktioniert (–> 2h30 Spiel, 7h30 Arbeitsbeginn).

NFL 2011/12, TV-Guideline Week 1: Pathos Overkill

2011 sah der Herbst prächtig aus. Wie ich fühle, wird es 2012 nicht anders sein - Bild: korsakoff

2011 sah der Herbst prächtig aus. Wie ich fühle, wird es 2012 nicht anders sein - Bild: korsakoff

Die heiße Phase des Sommers 2011 war später als gewöhnlich, aber es ist noch rechtzeitig abgekühlt – und am Montag ist es passiert: Bei der abendlichen Jogging-Session fand ich die ersten herbstlich gefärbten Laubblätter dieses Jahres. „Herbstlich“ wie „Es ist NFL-Zeit“. Ich mag den Sommer, aber ich liebe den Herbst. Wenn die Tage kürzer werden, die Weinberge ihre Ernte preisgeben, die Törggeleabende fallen wie die Blätter von den Bäumen und ein paar tausend Kilometer weiter westlich die ersten Eier zu fliegen beginnen. Für mich ist der Herbst die Zeit des Jahres. Und heute Nacht beginnt der Herbst.

Wo kann ich die NFL 2011/12 sehen?

As always, wird die erste Anlaufstelle ESPN America sein, das pro Woche normalerweise vier Livespiele (19h, 22h, 02h, Monday Night) und zwei weitere Spiele als Aufzeichnung bringt, außer in dieser Woche 1, wo es gleich sechs Livespiele und zwei Tapes gibt, und wohl irgendwann im Oktober, wenn die Keulenschläger (= MLB-Baseballer) ihre Conference Finals und World Series abhalten. Dazu alle Playoffspiele inklusive Super Bowl und Pro Bowl jeweils LIVE und im Originalkommentar der amerikanischen Networks (bis auf die Super Bowl, bei der vertraglich seit Jahren auf den minderwertigen World Feed zurückgegriffen werden muss).

Sowohl Österreich als auch Deutschland haben noch separate deutsche Kommentierung bei anderen Anstalten: In Österreich wird der kleine Sender Puls 4 ein Livespiel pro Woche bringen (immer sonntags um 22h), mit der Kommentierung von Walter Reiterer und Michael Eschlböck. In Deutschland gibt es pro Woche vier Livespiele  bei Sport1 Plus, einem Pay-TV-Sender, der seit Mitte vergangener Saison NFL überträgt.

Es gibt natürlich auch wie immer wieder die Möglichkeit, auf den NFL-Gamepass zurückzugreifen, dessen Anforderungen meine persönliche Infrastruktur übersteigen, der aber ein großartiges Angebot inklusiver ALLER Spiele live und on demand (auch Playoffs) bietet, sowie die Möglichkeit eines separaten „Team“-Feeds. Preislich sprengt der Gamepass nicht sämtliche Dimensionen, mit einem Saison-Abo von € 199,96 für vollen Zugang oder einem Saisonabo für eine spezielle Mannschaft von € 139,99. Es gibt auch die Möglichkeit, nur einen „PlayoffPass“ im Jänner zu bestellen.

In Italien schaut es derzeit abseits von ESPN America düster aus. Vermutlich wird wieder in einer Harakiri-Aktion drei Stunden vor Kickoff die Superbowl bei einem Sender wie La7 eingekauft (wenn die Kommentatoren die selben bleiben wie in der Ausgabe 2011, schlage ich ein und verzichte ein weiteres Mal auf den World Feed).

Donnerstag, 8. September 2011

Green Bay Packers – New Orleans Saints

(02h30 LIVE ESPN America & Sport 1+, Tape am 9.9. 20h30 bei ESPNA)

Das ist ein Spiel, das Ingrediens besitzt, der hochwertigste Season Opener seit langer Zeit zu werden, trotz verkürzter Vorbereitungszeit. Zwei Topfavoriten aus der NFC, Lambeau Field bei Nacht und das Duell der beiden letzten Superbowl-Sieger. Ein Spiel, bei dem zwei überragende Quarterbacks aufeinandertreffen (Green Bays Aaron Rodgers und New Orleans‘ Drew Brees), aber auch ein Spiel, das sich nicht auf diese beiden Figuren reduzieren lässt.

Green Bay verfügt zusätzlich über eine sehr breit aufgestellte Defense mit sehr interessanten Formationen des DefCoords Dom Capers, u.a. der Schachfigur CB Charles Woodson, der kaum mehr spezielle Deckungsaufgaben zugewiesen bekommt, dafür als Freelancer überall auftauchen kann – etwas, das sich kein Coordinator traut, der nicht a) über einen starken Pass Rush verfügt und b) zuverlässige Cornerbacks besitzt. Green Bay hat beides: Pass Rush mit OLB Clay Matthews jr, sowie die Cornerbacks Sam Shields/Tramon Williams. Dass der Lauf nicht durchkommt, dafür sorgt in der Mitte der erstaunlich bewegliche NT B.J. Raji (153kg).

New Orleans ist mein persönlicher NFC-Topfavorit in dieser Saison. Die Pass-Armada ist so variantenreich, dass selbst Bill Belichick offen sein Scheitern beim Verteidigen selbiger zugab, das Laufspiel sollte auf zig Schultern verteilt auch wieder variantenreicher sein als vergangene Spielzeit. Dazu kommt der eigentliche Grund für meinen Optimismus: Die Front Seven scheint intelligent verstärkt worden zu sein, auch wenn DE Will Smith für die ersten beiden Spiele gesperrt sein wird.

Ich halte das Spiel für völlig offen. Den Saints wurde insgesamt eine sehr gute Frühform beschienen, die Packers sollen etwas lax an die Vorbereitung herangegangen sein, aber wer noch die sensationelle Abstimmung Rodgers/Ballfänger aus den Playoffs in Erinnerung hat… Tipp: Saints und erstmals seit Einführung verliert ein amtierender Superbowl-Champ das offizielle Eröffnungsspiel.

Zu Einstimmung sei auch auf die beiden Preview-Einträge von meiner Seite verwiesen: New Orleans und Green Bay.

Sonntag, 11. September 2011

Es ist der zehnte Jahrestag von 09/11. Entsprechend kann man sich schonmal auf haufenweise Reminiszenzen, fließende Tränen und Flyovers einstellen. Verstärkt werden die Gefühle durch diese drei Spielansetzungen: Baltimore, das in der Nähe von Washington (Pentagon) liegt. Pittsburgh, in dessen Nähe das vierte entführte Flugzeug (Flug #93) abgestürzt war. Washington gegen die Giants. Washington, Pentagon, New York, Manhattan, anyone? In der Nacht das Heimspiel der New York Jets gegen die Dallas Cowboys, deren Übername rein zufällig America’s Team ist. Pathos Overkill.

Baltimore Ravens – Pittsburgh Steelers

(19h LIVE ESPN America & Sport 1+, Tape am 15.9. 14h30 bei ESPNA)

Das ist ein Spiel, das selbst mit Ignorieren sämtlicher 09/11-Nebengeräusche kaum unter rein sportlichen Aspekten zu betrachten ist. Baltimore gegen Pittsburgh, das ist leidenschaftliche, gegenseitige Abneigung. Zwei Divisionsrivalen, die sich über ihre Defense definieren – die Steelers als Traditionsteams seit Jahrzehnten, die Ravens als immer noch recht junge Franchise (15 Jahre) seit gut einem Jahrzehnt. Wir sprechen nicht nur von zwei dominanten Defenses mit Charakterköpfen auf beiden Seiten, sondern vor allem auch von zwei unterschiedlichen Defensiv-Philosophien: Während sich „Blitzburgh“ über viel Zug zum Quarterback, notfalls auch mit zusätzlichen Linebackers und Defensive Backs, auszeichnet, kommt Baltimore vor allem über Härte zum Erfolg.

Es ist auch ein Spiel, in die beiden spektakulärsten Safetys der Liga gegeneinander spielen: Der freigeistige Troy Polamalu, amtierender Defensivspieler des Jahres, auf Seiten der Steelers, Ed Reed, der Mann mit dem unvergleichlichen Riecher für Interceptions, auf Seiten der Ravens. Beide werden fit sein.

Zusätzlich zu all dem Thrill werden noch die Nachwirkungen von drei elektrisierend-intensiven Duellen von 2010/11 in den Mixer geworfen: Alle drei Spiele wurden nach dutzenden blauen Flecken auf beiden Seiten erst in der Schlussminute entschieden.

Die Ravens haben im Sommer doch mehr an ihrem Kader geschraubt als erwartet. Sprich: Sie haben Verjüngungskur betrieben, die so weit ging, dass man irgendwann Angst vor der eigenen Courage bekam und sich spät, aber doch noch einiger erfahrener Spieler bediente (LT McKinnie, WR Evans, OL Gurode). Pittsburgh geht praktisch unverändert in die neue Saison, außer dass QB Big Ben Roethlisberger nun ein verheirateter Mann ist und die Offensive Line noch ausgedünnter ausschaut.

Ich würde mal sagen: Ein Spiel, das wie immer zum Pflichtprogramm gehört, auch, weil erstmals in diesem Jahr wieder die geniale CBS-Titelmelodie für die NFL zu hören sein wird. (Weil wir bei „Pathos“, „Nationalstolz“ udgl. waren: Hier wird der Bush-nahe Jim Nantz von CBS kommentieren)

Separate Preview-Einträge: Pittsburgh und Baltimore.

Washington Redskins – New York Giants

(22h LIVE ESPN America, PULS 4 & Sport 1+, Tape am 16.9. 14h30 bei ESPNA)

Die Washington Redskins gehen ins zweite Jahr mit Headcoach Mike Shanahan, der in zwei Offseasons munter am Kader geschraubt hat und mittlerweile weit über 50% des Kaders personell komplett umgekrempelt hat, inklusive des Abgangs von DT Albert Haynesworth und des Durchlaufs von QB Donovan McNabb. Der neue Quarterback soll nun tatsächlich der Schrecken der Bears-Fans Rex Grossman sein, dem nicht weniger als ACHT Wide Receivers und zusätzliche drei Tight Ends zur Verfügung stehen. In der Defense – der krasse Problempunkt 2010/11 – wurde mächtig eingekauft: DE Stephen Bowen aus Dallas, DT Barry Cofield aus New York und der kanadische Safety O.J. Atogwe aus St Louis.

Weniger Ungewissheit, dafür mehr Pessimismus bei den Giants, wo die Personalpolitik verwunderte und die neuen Hoffnungsträger wie der Rookie-CB Prince Amukamara oder DT Marv Austin nun erstmal wochenlang mit gebrochenen Knochen im Krankenhaus liegen. Was die Giants trotz allem speziell macht, ist ihre sehr gute Defensive Line, die in Dutzenden Varianten daherkommt und oft Spiele dominieren kann – allerdings meinte es der Verletzungsteufel auch nicht grade gut mit der DL. Wen wir bei den Giants vielleicht sehen werden: Mark Herzlich, den famosen Linebacker von Boston College, der einen bösartigen Knochenkrebs („Ewing-Sarkoma“) überstand, als ungedrafteter Rookie in den Giants-Kader kam und nun sein NFL-Debüt geben könnte.

Ausführliche Giants-Vorschau ist auch schon online.

New York Jets – Dallas Cowboys

(02 LIVE ESPN America, Tape am 12.9. 17h30 bei ESPNA)

New York gegen America’s Team. Es sind zwei Mannschaften, die recht „top-heavy“ besetzt sind und entsprechend ohne Verletzungssorgen durch die Saison kommen müssen, um nicht in ärgere personelle Probleme zu geraten. Es sind auch zwei Mannschaften, die im Sommer erstaunlich leise waren. Die Jets leckten wochenlang ihre Wunden über die gescheiterte Verpflichtung von CB Asomugha und den unschönen Abgang von DE Ellis gen Erzfeind New England, auf Cowboys-Seite diesmal keine Weibergeschichten um QB Tony Romo. Der Mann ist unterm Hammer.

Die Storyline lässt sich weiterbauen um das große Bruderduell der Ryans: Der laute Rex Ryan als Jets-Cheftrainer gegen den strubbelhaarigen Zwillingsbruder Rob Ryan, den neuen DefCoord der Cowboys. Zwei Coaches, die das Ziel eint, Quarterbacks mit viel Druck aus dem Konzept zu bringen. Während Rob gerne munter blitzt, vertraut Rex darauf, durch Täuschen und Tarnen die Offense je nach Spielzug dazu zu zwingen, zu viele oder zu wenige Blocker für die Anzahl der Pass Rusher abzustellen.

Vorschau Jets, Vorschau Cowboys.

Montag, 12. September 2011

Chicago Bears – Atlanta Falcons

(13h30 als Tape bei ESPN America)

Ich verweise vorab auf die jeweiligen Vorschau-Einträge: Chicago Bears & Atlanta Falcons. Eines der wichtigsten Matchups dürfte das Duell der verstärkten Defensive Line Atlantas (u.a. DE Ray Edwards aus Minnesota) mit der gemeinhin als schwach angenommenen Offensive Line der Bears (nach PFF die #31 insgesamt, #32 in der Pass Protection) sein. Dazu wird man erstmals unter Wettbewerbsbedingungen sehen, inwiefern der immer noch merkwürdige Draft-Deal für WR Julio Jones die Offense der Falcons „explosiver“, vertikaler gemacht hat. Für Chicago ist es ganz nebenbei nur das erste von mehreren brutalen Spielen im Auftaktprogramm.

Arizona Cardinals – Carolina Panthers

(15h30 als Tape bei ESPN America)

Unschwer zu erraten, warum gerade dieses Spiel gezeigt wird: Es geht um QB und #1-Draftpick Cameron Newton. Arizona und Carolina waren im vergangenen Herbst die beiden wohl schwächsten Mannschaften der NFL und insgesamt mit Sicherheit die schlechtesten Pass-Angriffe: Arizona hatte 50.8% Completion Rate, Carolina 52.4%. Nun sind beide Quarterbacks neu: Newton, der mit der #1 auf dem Rücken durch die Gegend scrambelt, was IMHO fürchterlich aussieht bei einem 1,96m-Hünen. Geschmacksache. Newton ist an sich ein sehr geschmeidiger Spieler, dem noch gravierende Schwächen im Lesen von Verteidigungen nachgesagt werden. Arizona verfügt über ein Backfield, das ebenso nicht zu den besten gehören dürfte, trotz CB Patrick Peterson, einem Rookie.

Der andere neue QB ist Kevin Kolb, den die Cardinals aus Philadelphia geholt haben. Kolb ist einer der Gründe, weshalb ich Arizona durchaus den Divisionstitel zutraue – so schwach schaut die NFC West wieder aus. Kolb/Fitzgerald, so lautet die neue, hochbezahlte Offensiv-Combo in der Wüste von Glendale.

Miami Dolphins – New England Patriots

(01h LIVE bei ESPN America und Sport1 Plus, 13.9./16h Tape ESPNA)

Wie seit einigen Jahren Usus, gibt in der Nacht auf Dienstag einen Doubleheader zu Monday Night. Das erste Spiel ist jenes zwischen Miami und New England. Zu New England wird die Saisonvorschau am Montag erscheinen. Miami ist schon da, und Miami hat seit Jahren das Problem, eine quasi unsichtbare Franchise zu stellen, der jeglicher Wow-Faktor abgeht. Da nützt keine statistisch hervorragende Defense, wenn die Offense so ideenlos spielt wie in der vergangenen Saison. In der Offseason wurden nacheinander Head Coach Tony Sparano und QB Chad Henne enteiert, aber beide haben sich irgendwie halten können und sollen nun die Kohlen einmal mehr aus dem Feuer holen. Irgendwie habe ich Miami aber trotz allem auf der Rechnung.

Bei New England mit seinem Phantom-Coach Bill Belichick gilt es ein Auge darauf zu werfen, wie nach den zwei doch überraschenden Rauswürfen von S James Sanders und S Brandon Meriweather das Defensive Backfield aussehen wird. Ah ja, und ein Ohr auf die Hyperventilation bezüglich New Englands neuer „3-4“/“4-3“-Defense nach dem Sensationseinkauf von DT Albert Haynesworth.

Denver Broncos – Oakland Raiders

(04h30 LIVE bei ESPN America, 13.9./18h30 Tape ESPNA)

Das Duell zweier verfeindeter Franchises, die in den letzten Jahren ins Siechtum abgesunken sind, nun unter neuen Coaches aber wieder Feuer zu fangen scheinen. Beide Mannschaften sollen um ein starkes Laufspiel und dominante Defensive Lines herum neu aufgebaut werden, wodurch die Schwächen beider Quarterbacks kaschiert werden sollen. Oaklands QB Jason Campbell gilt als Mann, der lieber mit einer 2-von-16 und 0 INT nach Hause fährt, als 18-von-20 und 1 INT, Denvers Kyle Orton gunslingert sich zwar gerne zu 350yds-Spielen, kriegt aber immer dann Probleme, wenn ihm Defenses mehr als Basis-Deckungen entgegenwerfen.

Vorschau Denver ist draußen, Oakland fehlt noch.

Zweiter interessanter Punkt wird das Debüt von Trent Dilfer als Co-Kommentator in diesem Spiel sein. Dilfer ist aus dem ESPN-Studio dadurch in Erinnerung geblieben, in schöner Regelmäßigkeit das Fähnchen in den Wind zu halten, um die Windrichtung zu testen – was manche als „Meinungsstärke“ ausgelegt haben, ging mir dort zunehmend immer mehr auf den Sack.

So, dann mal ab an die Glotze. NFL-Auftakt ist nicht so schön wie College-Football-Auftakt, aber mit 6x Livespiel und 2x Tape doch auch jedes Jahr wieder eine Festwoche für sich. Morgen kommt hoffentlich die Guideline zum College Football raus (es erwarten uns… zusätzliche 10 Partien; kann mir jemand mal drei Stunden Zeit rüberschaufeln?).

227…

… und over. QB Peyton Manning hat seit dem 1. Spieltag 1998, seinem ersten Spieltag in der NFL, kein einziges Spiel verpasst – bis Sonntag. Manning kann wegen der anhaltenden Nacken-Probleme immer noch nicht richtig trainieren und wird am Sonntag in Houston beim Divisions-Schlager gegen die Texans fehlen. Statt ihm wird allem Anschein nach der erst vor kurzem aus dem kurzen Ruhestand zurückgeholte Kerry Collins spielen.

Damit bekommen diejenigen, die das Spiel via Gamepass sehen können, einen Eindruck davon, was die Colts ohne Peyton Manning wert sind. Auf alle Fälle geht eine der eindrucksvollsten NFL-Serien aller Zeiten zu Ende. Wie wichtig Manning für die Colts ist, haben wir vor einigen Wochen an dieser Stelle erörtert.

Mit den Chicago Bears in den Sonnenuntergang

Eine der glücklicheren Mannschaften der Vorsaison: Die Chicago Bears, NFC-Finalist und auf dem Weg dorthin von etlichen merkwürdigen lucky breaks begleitet, inklusive Verletzungsserien bei jeweiligen Gegnern, unterirdische Gegner bei eigenen Verletzungssorgen, haufenweise knappe Siege, haufenweise knappe Niederlagen für den Konkurrenten Green Bay – und in den Playoffs mit den Seattle Seahawks der einfachst-mögliche Gegner. Das NFC-Endspiel war dann allerdings ein Fiasko der verheerendsten Sorte, mit Heimniederlage gegen Erfzfeind Green Bay und anschließendem fröhlichen Dreinprügeln in den QB Jay Cutler. Solche Niederlagen haben nur allzu oft den Beigeschmack, noch ganz tief in die kommende Saison hineinzuwirken.

Die Offense

Der Offensive Coordinator ist Mike Martz, und wenn Mike Martz Offensive Coordinator ist, dann bedeutet dies eine passlastige Offense mit Spielzügen, die lange in ihrer Entwicklung brauchen und entsprechend über eine gute Pass Protection verfügen müssen. Diese hatte Martz einst in St Louis, diese hat Martz in Chicago… nicht mehr. Die Offensive Line der Bears gilt als einer der schwächeren in der NFL, speziell und ausgerechnet für alles, was mit Pass Protection zu tun hat. Der gemeinhin als schwächstes Glied anerkannte J’Marcus Webb ist auch noch Left Tackle, während auf der rechten Seite mit Gabe Carimi ein Rookie startet, der aus Wisconsin kommt und somit den Stallgeruch von mehreren Jahrzehnten Tradition bereits kennt. Und dann hat man mit dem Rauswurf von C Olin Kreutz noch ein zusätzliches Fass aufgemacht.

Protection-Probleme beiseite geschoben, den Fokus auf das Passspiel geworfen: QB Jay Cutler lebt noch, aber Cutler dürfte noch die Phantomschmerzen von 52 (!) Sacks in der Regular Season spüren. Zur besseren Einordnung: Cutler hat noch nichtmal alle 16 Spiele durchgespielt – welch Wunder. Die furchtbare Protection dürfte auch ein Hauptgrund für Cutlers extrem schwankende Leistungen sein. Der Mann ist von der Anlage ein optimaler Mann für dieses Offensivsystem, gesegnet mit einem wurfgewaltigen Arm. So „wurfgewaltig“, dass er an schlechten Tagen auch keine Probleme hat, vier Turnovers zu produzieren.

In dieser Saison wird zusätzlich seine Psyche eine Sollbruchstelle darstellen, denn kein Mensch weiß, wie der stets weltabgewandte Cutler mit der völlig aus dem Rahmen fallenden Häme im und nach dem bitteren NFC-Endspiel umgehen wird können. Hinter Cutler wird es schnell dünn: QB Caleb Hanie zeigte ordentliche Ansätze in besagtem Fiasko-Spiel, mehr nicht. Und der dritte Mann ist mit Nate Enderle ein Rookie aus Idaho.

Die Anspielstationen sind auf alle Fälle gegeben: Mit WR Roy Williams ist ein neuer #1-Mann aus Dallas gekommen, dem bislang noch nicht der Durchbruch gelungen ist, dessen bestes Jahr aber 2006/07 war – in Detroit, unter OffCoord Martz. Das ist auch kein Zufall, denn Williams ist zu hüftsteif für schnelle Cuts, bekommt vom Martz’schen System hingegen viel besser auf seine Talente zugeschnittene Routen. Als Wide Receiver scheint sich nun auch der beste Returnspieler der NFL-Geschichte, Devin Hester, der Windy City Flyer, etabliert zu haben, dazu hat es mit Dane Sanzenbacher ein ungedrafteter Rookie von Ohio State in den Kader geschafft, ein idealer Mann für die Slot-Routen. Dass man mit Greg Olsen den vermeintlich besten Tight End bereitwillig abgab, sorgte für viel massive Kritik, die jedoch geflissentlich ignoriert, dass Mike Martz niemals fangstarke Tight Ends in seiner Offense groß einplante.

Dafür sind die beiden Running Backs gute Fänger: RB Matt Forté und der neue RB Marion Barber, ein agiler und ein brachialer Back, nicht die unsinnigste Kombination.

Die Defense

Chicagos Defense ist um Geschwindigkeit gebaut, um quicke Spieler, die auf dem frostigen Boden in Chicagos Soldier Field Gegner mit Zonendeckungen und starker Defensive Line durcheinanderbringen. Der wichtigste Mann dieser Verteidigung ist DE Julius Peppers, dessen Saison 2010/11 nicht nur wegen seiner Sacks und Passrush-Aktivität sensationell war, sondern auch und vor allem wegen der schieren Masse an Snaps: Peppers stand in neun von zehn Spielzügen auf dem Feld. Erklären lässt sich diese Menge auch mit dem kritischen Faktor „Depth“, der in der Defensive Line nicht gegeben zu sein scheint. Auch die Tackles sind nach dem Abgang von Tommie Harris etwas dünner geworden, sodass nicht ausgeschlossen werden kann, dass mit Stephen Paea ein Rookie schneller als gedacht ins kalte Wasser geworfen wird.

Über deutlich mehr Qualität und Breite verfügt Chicago bei den Linebackers, wo der große alte Mann Brian Urlacher gemeinsam mit dem herausragenden OLB Lance Briggs seit Jahren das Herz der Abwehr bilden. Beide gelten als exzellente, komplette Männer, die auch die Coverage unterstützen können.

Die Coverage im Defensive Backfield dagegen sollte suboptimal sein, nachdem nach Danieal Mannings Abgang mit CB Charles Tillman und SS Chris Harris so wenige starke Leute übrig blieben, dass man den überraschend in New England gefeuerten Freelancer FS Brandon Meriweather mit Kusshand aufnehmen musste. Persönlich bin ich sehr gespannt auf den FS Winson Venable, der bei Boise State einer der auffälligsten Abwehrspieler war, auch so ein Instinktfootballer. Riecht aber insgesamt eher alles danach, als ob wir uns die dominante Bears-Defense vergangener Tage (2005-2007) auch heuer schon in Teilen abschminken können, spätestens nach den ersten zwei, drei Verletzungen, die kommen werden, nachdem Chicago in der vergangenen Saison außergewöhnlich davon verschont geblieben war.

Ausblick

Head Coach Lovie Smith ist ein Mann, dem ich nichts sehnlicher als Erfolg wünsche, aber mit ein paar klaren Gedanken gebe ich zu: Die Bears sind meine #4 in der NFC North 2011/12. Schauen wir uns den Schedule an:

Wk #1 vs Falcons
Wk #2 @Saints
Wk #3 vs Packers
Wk #4 vs Panthers
Wk #5 @Lions (MNF)
Wk #6 vs Vikings
Wk #7 @Buccaneers (Wembley-Stadium)
Wk #8 BYE
Wk #9 @Eagles (MNF)
Wk #10 vs Lions
Wk #11 vs Chargers
Wk #12 @Raiders
Wk #13 vs Chiefs
Wk #14 @Broncos
Wk #15 vs Seahawks
Wk #16 @Packers (SNF)
Wk #17 @Vikings

Auch nicht viel besser. Wenn deine Offense in überdurchschnittlichem Maße von einer starken Offensive Line abhängig ist (und sie in realiter zu den 3, 4 schwächsten gehören dürfte), wenn deine Defense über so geringe Kadertiefe verfügt, wenn dein Quarterback so brutal in die Pfanne gehauen wurde, dass die 50 potenziellen Sacks und Hits dein kleinstes Problem darstellen, dann hast du ein Problem. Und dann sind die vielen glücklichen Zufälle des vergangenen Herbstes noch nicht erwähnt. Wird keine gute Saison und ich befürchte das Ende von Lovie Smiths Ära.

Das Zeiteisen verrät: 315 Minuten verbleiben. WordCount nach 23 Teams: 22173.

Mit den Kansas City Chiefs in den Sonnenaufgang

Die Chiefs sind eine Mannschaft, die 2010/11 auch von einem einfachen Schedule unterstützt recht kometenhaft aufgestiegen sind und überraschend die Playoffs erreicht haben. Man kann natürlich attestieren, dass man damit hätte rechnen können: die Chiefs verfügen über einen ordentlichen Trainerstab, viele junge, hohe Draftpicks in den letzten Jahren und einige fantastische individuelle Einzelspieler. Trotzdem war die Saisonbilanz besser als erwartet – und vielleicht besser als verdient.

In der Offseason 2011 wurden einige intelligente Moves gemacht, aber ein wichtiger Mann ist weg: Offensive Coordinator Charlie Weis, der an die University of Florida gewechselt ist. Die Neuen am Steuer: Bill Muir, QB-Coach Jim Zorn und natürlich der offensiv denkende Head Coach Todd Haley.

Die Offense

Obwohl mit Haley und Weis zuletzt zwei Pass-Fans die konzeptionelle Arbeit der Chiefs-Offense inne hatten, ist das primär eine Lauf-Offense. Das liegt zum einen an der Zusammensetzung der Offensive Line, wo der sogar Left Tackle ein ehemaliger Guard ist, zum anderen aber auch am Personal bei den Skill Players.

Der Top-Running Back Jamaal Charles ist ein faszinierender Spieler, leichtfüßig und gesegnet mit dem Antritt von Klassesprintern, ein Back, der im vollen Lauf über den Boden zu schweben scheint. 2010/11 machte Charles sensationelle 6.4yds/carry, 2.7yds/Lauf mehr als Kollege Thomas Jones, der meistens in der RedZone abstauben durfte. Trotzdem vernimmt man bereits Stimmen, dass die Carries auch weiterhin schön gesplittet werden und auch der junge, vielseitig verwendbare RB/WR Dexter McCluster mehr Einsatzzeit bekommen wird.

Das Pass/Lauf-Verhältnis war in der vergangenen Saison in etwa in der Region 48:52 zu verorten, ultrakonservativ für heutigen NFL-Standard. Die Einkäufe in der Offseason sprechen allerdings dafür, dass die Offense heuer passorientierter werden wird. WR Jon Baldwin wurde in der ersten Runde gedraftet und soll langfristig das #2-Mann werden, der aus Arizona gekommene Haley-Buddy WR Steve Breaston, ein quicker Mann für die Slot-Routen, die #3-Option. Den Durchbruch zum Top-Mann hat in der abgelaufenen Saison WR Dwayne Bowe (15 Touchdowns) geschafft. Allerdings ist der in der vergangenen Saison groß herausgekommene TE Tony Moeaki bereits auf der Injuried Reserve und wird heuer komplett ausfallen.

Der Hund liegt auf der QB-Position begraben. Matt Cassell ist ein Quarterback, der zu den blässlicheren Vertretern seiner Zunft gehört und (noch?) nicht über das Standing eines Franchise-QBs verfügt. Cassells 2010/11er Saison hat statistisch gesehen ziemlichen Freak-Charakter: 27 TD zu 7 INT, aber nur 58,2% Completion Rat? Riecht nach einer ungemütlichen kommenden Saison und mit den deutlich besseren gegnerischen Defenses dieses Jahr (u.a. Patriots, Dolphins, Steelers, Bears, Jets, Packers) nach einem deutlichen statistischen Rückgang. Helfen sollte Zorn, der als QB-Coach einen exzellenten Ruf genießt. Die Chiefs sind jedoch an Cassell und seinen millionenschweren Vertrag gebunden und der Rookie-QB Ricky Stanzi gilt als noch lange nicht bereit.

Die Defense

Story der vergangenen Saison in Kansas City war die Defense, die unter dem DefCoord Romeo Crennel wirklich gut gespielt hat. Es ist eine 3-4 Defense mit einer Handvoll sagenhaft guten, jungen Talenten, und es gibt nicht viele Lücken. Am wackeligsten dürfte die Defensive Line sein, der ein Nose Tackle abgeht, sollte der neu eingekaufte, alternde DT Kelly Gregg diese Position nicht spielen können. Gregg ist schon vor allem deshalb wichtig, weil gegen Kansas City in 63% der Fälle über die Mitte gelaufen wird – sprich: Die Gegner wissen um die Lücken.

Der zweite Stammgast in der DL ist der einst hoch gedraftete Glenn Dorsey, der in sein viertes Jahr geht und mittlerweile zu den besseren seines Fachs gehört. Dagegen gilt DE Tyson Jackson (drittes Jahr) als bislang massive Enttäuschung. Die beiden Haupt-Joker für die Line sind Shaun Smith, wenn Laufspiel erwartet wird, und DE Wallace Gilberry, der als exzellenter Pass Rusher gilt.

„Exzellenter“ Pass-Rusher ist auch der OLB #91 Tamba Hali, ein unglaublich explosiver Spieler, der gegen Baltimore in gefühlt 99% der Pass-Situationen die Hand am Quarterback hatte. Hali machte zuletzt 14 Sacks, nach PFF-Statistiken war Hali der effizienteste Pass Rusher in der NFL.

Entsprechend gut waren die Chiefs auch in der Passverteidigung, die auch deckungsstark war – beginnend mit ILB #56 Derrick Johnson, der elf Bälle abwehrte. Dazu kommt ein junges, aufstrebendes Backfield mit den beiden Einser-CBs Brandon Flowers/Brandon Carr sowie den beiden Safetys Kendrick Lewis/Eric Berry, wobei Flowers mit seinen 25 Lenzen der erfahrenste von allen ist!

Ausblick

Die Chiefs sind für mich eine Wundertüte. Wir haben hier einige der besten Spieler in der NFL plus eine sehr solide Offensive Line, aber mir machen mehrere Dinge Kopfzerbrechen: Der raketenartige Aufstieg 2010/11, bei dem man zusätzlich von einem sehr einfachen Schedule schmarotzte, Cassell und die gleichzeitige völlige Abhängigkeit von Cassell, der Unsicherheitsfaktor Baldwin, die Passrush-Abhängigkeit von OLB Tamba Hali und der unangenehme Schedule, der mit einer Reihe an defensivstarken Gegnern wirklich nicht auf die Chiefs zugeschnitten ist:

Wk #1 vs Bills
Wk #2 @Lions
Wk #3 @Chargers
Wk #4 vs Vikings
Wk #5 @Colts
Wk #6 BYE
Wk #7 @Raiders
Wk #8 vs Chargers (MNF)
Wk #9 vs Dolphins
Wk #10 vs Broncos
Wk #11 @Patriots (MNF)
Wk #12 vs Steelers (SNF)
Wk #13 @Bears
Wk #14 @Jets
Wk #15 vs Packers
Wk #16 vs Raiders
Wk #17 @Broncos

Ich sehe a) keine Playoffs für die Chiefs in diesem Jahr und habe sogar leise, ganz leise Befürchtungen, dass es b) sogar potenziell einen Absturz auf den letzten Divisionsplatz geben könnte.

Das Zeiteisen verrät: 349 Minuten verbleiben. WordCount nach 22 Teams: 21159.

Lustig…

…wie gleichgeschaltet der Tenor in amerikanischen Medien in Sachen Worst Case Scenario für das untere und mittlere Drittel der NFL-Teams 2011/12 ist, als Beispiel zweimal Grantland:

Colts:

Worst-case scenario: Manning never comes back and the Colts go through the equivalent of that one Spurs season in which David Robinson broke his foot and missed the entire year. They actively go on a hunt to try to get Andrew Luck to be the Tim Duncan to Manning’s Robinson, but come up just short when Curtis Painter leads the team to three consecutive wins over AFC South competition to end the season.

Bills:

Worst-case scenario: Los Angeles OK’s a stadium plan as the Bills win a meaningless Week 17 game against the Patriots to go 4-12, pushing them out of the first overall slot and giving Andrew Luck to somebody else.

Die Denver Broncos in der Abenddämmerung

2010/11 war für die Denver Broncos eine ziemlich üble Saison, mit einer komplett kollabierenden Defense, einer QB-Enteierung, mehreren wichtigen Verletzten und einem mitten in der Saison gefeuerten Head Coach Josh McDaniels. Dessen höchst unglückliche Zeit – auch auf diesem Blog wurde darüber intensiv diskutiert – am Steuer ist beendet, vom spektakulären Offensivgeist McDaniels geht es nun zurück zu den Wurzeln. Der neue Mann, dem in Denver vertraut wird, ist John Fox, der ehemalige Defensive Coordinator der Giants und Head Coach der Panthers, der mit Carolina einst das Unmögliche möglich machte und innerhalb von zwei Jahren von 1-15 zum unglücklichen Superbowl-Verlierer mutierte.

Fox, das Rebuilding-Genie. Trotzdem verwundert seine Verpflichtung: Mit Owner Pat Bowlen und dem sportlichen Leiter John Elway säßen eigentlich eher offensiv denkende Leute im Front Office – aber nach dem Stress mit McDaniels scheint man sich nach ruhigeren Zeiten zu sehnen.

Die Offense

Die Fox’sche Footballphilosophie in der Offense: Run the ball. Eine Philosophie, für die allerdings das Spielermaterial in Denver nicht optimal zu sein scheint. Die Offensive Line ist noch aus McDaniels’ Zeiten dafür gebaut, für das Passspiel zu blocken und besitzt mit LT Ryan Clady nur einen herausragenden Mann. Und dann ist da Running Back Knowshon Moreno, ein Mann, der 4.3yds/Carry macht, aber trotzdem nicht wie der Franchise-Back aussieht. Als Sicherheitsoption wurde erstmal RB Willis McGahee aus Baltimore eingekauft, ein nicht jünger werdender, aber vielseitiger Spieler, der Moreno entlasten soll.

Weil das Laufspiel vermeintlich noch nicht dominant genug sein wird, lastet der Druck vorerst eher auf dem Passspiel, das nach einem zeitweise unrühmlichen Theater wie erwartet auf QB Kyle Orton lastet, einem Mann, der wie die Faust aufs Auge auf eine Offense von John Fox passt: Säufer der alten Schule, Frisur aus den 60ern und ein Spiel, so blässlich und verlässlich wie Fox es nicht besser kriegen könnte. Ortons limitierte Fähigkeiten im Lesen von Abwehrschemen müssen allerdings mit simplifizierten Gameplans kaschiert werden.

Anspielstationen sind zur Genüge da: WR Brandon Lloyd hatte 2010/11 sein Coming Out und 18.8yds/Catch über 77 Catches (11 Touchdowns), dazu gesellt sich der solide WR Eddie Royal – und, erfreulich, womöglich irgendwann im Lauf der Saison auch WR Demaryius Thomas, dem hohen Pick von 2010, der nach einer schweren Achillessehnenverletzung überraschend von der PUP-Liste genommen wurde.

Ortons Backup wird vorerst der noch blassere Brady Quinn sein, während der eigentliche Superstar in dieser Mannschaft, QB #15 Tim Tebow, nach seiner famosen Karriere am College weiterhin ein Schattendasein fristet und trotz vehementer Fanproteste beim alteingesessenen Fox wohl über längere Sicht keine Chance auf den #1-Posten hat. Allerdings: Orton wird früher oder später Fehler machen, und dann geht das Theater wieder los.

Die Defense

Die Fox’sche Footballphilosophie in der Defense: Stop the run. Fox baute in Carolina innerhalb kürzester Zeit eine starke Defense um seine dominante Defensive Line auf. Tendenzen dazu gibt es auch in Denver und es sind Bestandteile da: DE Elvis Dumervil kehrt von einer schweren Verletzung zurück – sollte Dumervil an seine Form von 2009/10 anknüpfen können, ist der Pass Rush automatisch verstärkt. Der zweite Defensive End dürfte ein bislang gefloppter, gehypter ehemaliger hoher Draftpick sein: Robert Ayers oder der Neuzugang aus Jacksonville, Derrick Harvey, da DE Ty Warren erstmal mehrere Wochen, vielleicht Monate ausfallen wird. Der Ankermann der Defense dürfte der aus Philadelphia über bizarre Umwege gekommene DT Broderick Bunkley sein, eine händeringend benötigte Verstärkung auf der Innenseite.

Sollte die Line den Erwartungen halbwegs genügen, könnte Denver schneller als gedacht eine mehr als formidable Front Seven besitzen, denn die Linebackers lesen sich richtig gut: MLB wird der junge, hoch talentierte Joe Mays sein, die Outside Linebackers werden vom athletischen ehemaligen Miami Hurricane D.J. Williams und dem heuer an #2 gedrafteten Top-Pick Von Miller gebildet. Vor allem Miller ist ein Typ, dem man sehr viel Empathie entgegenbringen kann, ein großartiger Charakter und ein großartiger Athlet – und der vermeintliche neue Star-Pass Rusher der Broncos.

Der Trümmerhaufen der vergangenen Jahre war das Defensive Backfield, trotz zweier großer Namen. CB Champ Bailey ist einer der Spieler des Jahrzehnts, die ihre Karriere in mittelmäßigen Mannschaften verschwenden mussten, und Bailey gilt auch mit 33 noch als potenzieller Pro Bowler, der sich auf keiner tiefen Route verarschen lässt. Sämtliche weiteren Cornerback-Positionen sind allerdings so mau besetzt, dass sogar der aus New England in sehr unguter Erinnerung gebliebene Jonathan Wilhite ein möglicher Starter sein könnte.

Der zweite big name ist der feurige Leadertyp SS Brian Dawkins, ein mittlerweile auf die 40 zugehender knochenharter Hitter, dessen letztes Karriereziel sein dürfte, den Tutor für den jungen Free Safety von der University of California/Los Angeles, Rahim Moore, zu geben. Moore ist vom Drafttag in Erinnerung geblieben, als er mit literweise Tränen im Gesicht ein paar warme Worte für die Möglichkeit, an Dawkins’ Seite zu spielen, gab.

Ausblick

Bleibt nur noch abzuwarten, wie holprig die Umstellung von 3-4 auf 4-3 verlaufen wird, zumal große Teile der Defense noch sehr jung sind und über kaum NFL-Erfahrung verfügen – ein Problem, das in abgespeckter Version auch für die Offense gilt. Prinzipiell halte ich bekanntermaßen große Stücke auf Fox, und ich glaube an eine deutlich bessere Saison in Denver, irgendwo in der Region der .500, sollte der Sport und nicht die Debatte um Tebow im Fokus bleiben. Der Schedule hält in den ersten drei Wochen drei mögliche Siege bereit und auch danach wäre es nicht vermessen, an das eine oder andere Upset zu glauben.

Wk #1 vs Raiders (MNF)
Wk #2 vs Bengals
Wk #3 @Titans
Wk #4 @Packers
Wk #5 vs Chargers
Wk #6 BYE
Wk #7 @Dolphins
Wk #8 vs Lions
Wk #9 @Raiders
Wk #10 @Chiefs
Wk #11 vs Jets (Donnerstag)
Wk #12 @Chargers
Wk #13 @Vikings
Wk #14 vs Bears
Wk #15 vs Patriots
Wk #16 @Bills
Wk #17 vs Chiefs

Die AFC West ist eine interessante Division mit einem klaren Favoriten (San Diego) und einem IMHO völlig offenen Rennen um den zweiten Platz, eine mögliche Wildcard. Die Broncos müssen vermutlich aber sehr verletzungsfrei bleiben, um diese zu ergattern.

Das Zeiteisen verrät: 378 Minuten verbleiben. WordCount nach 21 Teams: 20293.