Mercedes-Benz Safety Dome

Mercedes-Benz hat sich die Namensrechte am Louisiana Superdome für zehn Jahre gesichert (Quelle: nola.com/via @aasport). New Orleans steht für Wiederaufbau. Der Superdome steht als Symbol für die Krisenbewältigung nach Hurrikan Katrina, hat damals mehreren tausend Menschen Zuflucht, Unterkunft und Sicherheit gegeben. Da passt Sponsor Mercedes-Benz mit seiner neuen USA-Marketingstrategie „safety over luxury“ wie Arsch auf Eimer.

NFL-Scheinwerfer nach dem ersten Saisonviertel

Ein Viertel der Saison ist mit diesem vergangenen Wochenende um. Zeit, einen Blick auf den bisherigen Saisonverlauf zu werfen – ein Saisonverlauf, gekennzeichnet von sehr abwechslungsreichen Spielen und wechselhaften Vorstellungen vieler Mannschaften. So wechselhaft, dass ich noch nicht über die Klöten verfüge, ein klassisches Power Ranking aller 32 Teams vorzunehmen.

See You in February-Fraktion

As (nearly) always, eine Stellenbeschreibung, die zu diesem Zeitpunkt noch ohne konkrete Anfragen fristet.

See You in January-Fraktion

Es gibt drei Mannschaften, die in dieser frühen Saisonphase insgesamt recht rund wirken, bzw. über Schwächen verfügen, die nicht eklatant genug ausschauen, um die Stärken zu negieren.

Green Bay Packers (4-0). Während der Angriff um den MVP-Kandidaten Aaron Rodgers sehr überzeugend auftritt, bestehen in der Defense noch Fragezeichen, vor allem, wenn ein oder zwei weitere Defensive Backs ausfallen sollten. S Collins ist bereits out for the year.

New Orleans Saints (3-1).  QB Drew Brees bleibt sensationell, aber die Defense wirkt nicht souverän, wenn sie auf einen Angriff trifft, der mehr als ordinäre I-Formationen aufbietet.

Baltimore Ravens (3-1). Haarige Wahl, ich weiß, aber die Defense der Ravens war 2008 zum letzten Mal so rundum überzeugend. Diese Unit ist das LSU der NFL, spielt Down für Down mit einer fassungslosen Intensität. Insbesondere OLB Terrell Suggs gefällt mir heuer außerordentlich, und weil das Blog bald ein Jahr alt wird, kann man auch mal den Ravens-Spieler des Jahrzehnts, MLB Ray Lewis, erwähnen.

Noch Antworten schuldig

Vier Teams, die gute Bilanzen aufweisen, denen ich viel zutraue, deren gezeigte Schwächen bislang allerdings noch kein rundum positives Gefühl ob der Reife des Teams zulassen.

Houston Texans (3-1). Endlich der lange erhoffte Statement-Sieg, aber nun kommt der harte Teil: Verzicht auf WR Andre Johnson und spielen mit einem halbfitten RB Arian Foster. Die Defense hinterlässt seit dem Saints-Spiel noch unbeantwortete Fragen.

New England Patriots (3-1). Huch? Jo, Tom Bradys Offense war in Oakland wieder rundum überzeugend und schaute enorm vielfältig aus mit dem fantastischen Irrwisch Welker mittendrin, aber die Abwehr sprengt sämtliche Negativrekorde: Man kann sich nicht ewig auf wohlgetimte Interceptions verlassen – der Pass Rush muss verbessert werden (Imperativ!!).

San Diego Chargers (3-1). Die Mannschaft wirkt befremdlich steril in dieser Saison, was nicht zuletzt am eigenartig uninspirierten Auftritt QB Philip Rivers‘ liegt. Dazu sitzt S Bob Sanders wohl zum letzten Mal seiner Karriere auf der IR, und TE Antonio Gates wird heuer nicht mehr in topfittem Zustand zu sehen sein.

Detroit Lions (4-0). Die Comeback-Mentalität ist beeindruckend, aber das soll nicht über die deutlichen Schwächen hinwegtäuschen: Offensive Line, Lauf-Defense, Defensive Backfield. Bloß: Wenn ein Stafford unter Hochdruck einfach mal TD-Pässe auf einen WR Johnson in Doppeldeckungen werfen kann, wird es nicht bei vier Saisonsiegen bleiben.

Tampa Bay Buccaneers (3-1). Ich bin bekennender Freeman-Fetischist, aber hey: Ich greife auf der Suche nach weiteren Buccs-Charakteristika immer noch ins Dunkle. Bis auf die tausendundeins Comebacks, natürlich.

Die Glücklichen

Die Glücklichen sind Mannschaften mit gutem Saisonstart, bei denen ich Sorge habe, dass glückliche Umstände und Schedule die Bilanzen bislang geschönt haben.

New York Giants (3-1). Schauten besser als erwartet aus, vor allem im Angriff. Die Defense kriegt #72 Osi Umenyiora zurück. Was bleibt, ist der irrationale Faktor „Eli Manning“. Ich bin nicht immer fair, ich weiß.

Buffalo Bills (3-1). Rauschhafte Comebacks, aber im Gegensatz zu den Detroit Lions habe ich nicht das Gefühl, dass die Bills-Offense über einen langen Zeitraum den insgesamt doch etwas zu mäßigen Gesamt-Kader kaschieren kann. Die kommenden „NFC East Wochen“ werden richtungsweisend sein (PHI/NYG/WAS up next).

Washington Redskins (3-1). RB Hightower gefällt mir trotz der mäßigen Stats gut, die Defense ist im Vergleich zum Vorjahr nicht wiederzuerkennen, aber qua prinzipieller Skepsis gegenüber QB Rex Grossman wage ich das „P-Wort“ wenigstens noch eine Handvoll Wochen nicht in den Mund zu nehmen.

Pittsburgh Steelers (2-2). WTF? Ich glaube, ohne das Colts-Spiel würden einige NFL-Experten rund um Pittsburgh nervös werden. Die Offensive Line ist ein Torso, die Defense ungewöhnlich „Star-abhängig“, kurzum: der Gesamtauftritt wirkt bisher sloppy, wie die Amerikaner zu sagen pflegen würden. Potenzial für deutlich mehr sollte aber da sein.

Tennessee Titans (3-1). Hui, RB Chris Johnson wird Woche für Woche abgewürgt und Tennessee gewinnt trotzdem? Defense und QB Hasselbeck kriegen gute Kritiken, aber mit WR Britt ist die gefährlichste Passwaffe auf der IR.

San Francisco 49ers (3-1). Meine Fresse, Alex Smith mit einem fast epischen Comeback nach 20-Punkte-Rückstand IN Philadelphia? Jim Harbaugh-Effekt?

Cincinnati Bengals (2-2). Die Bilanz wird geschönt durch wenig überzeugend ausschauende Erfolge über Cleveland und Buffalo. Aber: QB Andy Dalton wirkt reifer als erwartet und WR A.J. Green ist eine richtig überzeugende Waffe – ein ROY-Kandidat mit Sicherheit, sieht deutlich gefährlicher aus als Kumpane Julio Jones in Atlanta.

Die Nervösen

Da sind einige Mannschaften, die ambitioniert in die Saison gegangen sind, aber unerhört unsicher wirken. Potenzial für Playoffsiege ist da, aber auch genügend zerstörerische und selbstzerstörerische Tendenzen für einen Kollaps.

Dallas Cowboys (2-2). Die Dramaqueens der ersten Wochen. Kein Spiel ohne erhöhte EKG-Belastungen in Dallas: Mal ist QB Tony Romo der Hero, mal der Sündebock (am Sonntag bsp. wieder Geschmacksrichtung “Depp der Nation“/Romo wurde auch hier diskutiert). Trotz einer überzeugenden Abwehr bleibt vor allem nach dem Lions-Spiel die Sorge, dass Romo jederzeit in der Lage ist, ein eingetütetes Spiel noch in den Eimer zu kippen.

Atlanta Falcons (2-2). Ich bin besorgt ob des dilattantischen Laufspiels der Falcons. Turner ist eindimensional wie eine Scheibe Toastbrot, blockt und fängt bedrohlich schlecht und kann diese Schwäche aktuell nicht durch kraftvolles Laufspiel kaschieren, unter anderem auch aufgrund einer porösen Offensive Line. Schaut gefährlich aus für Atlantas Ambitionen.

Philadelphia Eagles (1-3). Das angebliche “Dream-Team” sollte man aufgrund der potenziellen Explosivität im Angriff noch nicht abschreiben, aber wenn grad von „Explosivität“ die Rede ist: Auch die Startbilanz birgt Sprengstoff. Insbesondere Philadelphia ist dafür bekannt, dass die Stimmung schnell kippen kann und man sollte die Eigendynamik eines Negativ-Laufes nicht unterschätzen – die Ära Andy Reid hängt in diesen Wochen an einem seidenen Faden (und Vicks fragilem Gesundheitszustand).

Chicago Bears (2-2). Die Heimsiege gegen Atlanta und Carolina kann man ohne allzu große Übertreibungen auf glückliche Umstände schieben (Fumbleglück gegen die Falcons, Big Plays gegen die Panthers). In den Niederlagen gegen die wurfgewaltigen Topfavoriten New Orleans/Green Bay sahen zudem Defense und offensiver Gameplan besorgniserregend aus – MNF gegen Detroit wird Aufschlüsse bringen.

New York Jets (2-2). Trotz des Raiders-Spiels habe ich kaum Bedenken ob der Abwehr-Stabilität, aber die Jets erleben nun, wie hilflos QB Mark Sanchez ohne adäquate Laufspiel-Bedrohung ist. Sanchez ist ein one-trick pony, für mich nur bei Play-Action NFL-reif. Und das wird die Jets früher oder später killen. Okay, und man sollte es sich trauen zu sagen: Die Protection für Sanchez schaut fürchterlich aus. Ob es am Ausfall von C Nick „Brett Keisel“ Mangold lag?

Die Unglücklichen

Mannschaften, die IMHO bislang unter Wert geschlagen wurden, sei es durch Eigenfehler oder einfach nur durch einen brutalen Schedule zum Start.

Oakland Raiders (2-2). RB Darren McFadden schaut exzellent aus, die Defense scheint auch mit der richtigen Dosierung an Intensität zu spielen, sogar gelegentliches vertikales Passspiel auf WR Heyward-Bey klappt. Allein… dann kommen immer wieder diese Momente, in denen QB Jason Campbell gefordert ist, und die falschen Antworten darauf gibt.

Carolina Panthers (1-3). QB Cameron Newton gefällt streckenweise außerordentlich mit tollen tiefen Bällen, schaut aber auf Kurz- und Mitteldistanzen noch sehr ungeschliffen aus. Die Panthers hätten mit bissl Glück, einer etwas besseren Defense und halbwegs soliden Special Teams minimum einen Sieg mehr geholt – man glaube es kaum, dank Newton.

Minnesota Vikings (0-4). Okay, die Niederlagen waren desaströs und großteils selbstverschuldet und QB McNabb sieht furchtbar aus, aber „0-4“ kann ich eigentlich trotzdem nicht fassen. Ist es möglich, dass die Vikings bei entsprechendem Saisonverlauf auf Chris Ponder scheißen, um Luck zu kriegen?

St Louis Rams (0-4). Die in den Previews geäußerte Befürchtung, dass dieser Saisonstart für die jungen Rams zu happig werden könnte, scheint einzutreffen – und noch ist kein Ende der knüppelharten Strecke in Sicht. Die Mannschaft sieht nicht unterirdisch aus, muss jetzt aber trotz Niederlagenserie kühlen Kopf bewahren, was schwer genug ist.

Miami Dolphins (0-4). Ich kann trotz aller negativen Vorzeichen zu Beginn des Spieljahres (QB/Trainer) nicht fassen, dass die Dolphins noch sieglos sind. QB Chad Henne gefiel mir eigentlich besser als früher, aber, liebe Güte, die Defense ist bedrückend lahm im Pass Rush. Ich bin nicht weit weg davon, die Mannschaft eine oder zwei Klassen runterzustufen.

Die netten Jungs vom Straßeneck

Teams mit Startbilanzen, die sich „richtig“ anfühlen, also in etwa in dem Bereich, in dem man sie erwarten konnte: Nichts aufregendes, aber keine Trümmerhaufen.

Jacksonville Jaguars (1-3). Der Erfolg über Tennessee sieht in der Retrospektive etwas besser aus und QB Blaine Gabbert ist zumindest nicht gänzlich überfordert. Allerdings sind die Playoffs heuer ein unrealistisches Ziel, würde ich mal aussm linken Schulterblatt heraus behaupten.

Arizona Cardinals (1-3). Ich bin nicht weit weg davon, die Cardinals eine Ebene nach unten zu setzen. Da fehlt noch einiges, und ein desaströses Defensive Backfield ist nicht das einzige Problem.

Denver Broncos (1-3). Die Rufe nach Tebow werden nicht verstummen, solange Kyle Orton schlecht getimte INTs produziert und die Defense nicht effizienter die Spielfeldmitte abdeckt.

Cleveland Browns (2-2). Zwei/zwei gegen einen Schedule mit CIN/IND/MIA/TEN? Schaut passend aus, im Gegensatz zu QB Colt McCoy, der mich von Woche zu Woche skeptischer macht.

Lucky Loosers: „Suck for Luck”-Topfavoriten

Die WTF-Fraktion aus dem vergangenen Jahr hat heuer ein ehrliches Ziel: “Suck for Luck”. Ein Triplett an Mannschaften hat sich bereits positioniert.

Seattle Seahawks (1-3). Der ordentliche Auftritt gegen die Atlanta Falcons und die unterirdische NFC West können nicht über meine abgrundtiefe Skepsis für das, was Pete Carroll da im kühlen Nordwesten schustert, hingwegtäuschen.

Indianapolis Colts (0-4). Ob Peyton Manning der erste NFL-MVP wird, ohne ein einziges Down gespielt zu haben? Es ist noch nicht alle Hoffnung verloren in Indianapolis, nur kriegt die Offense einfach keine Konstanz rein, und wenn es dumm läuft, kommt es zur bizarren Situation Luck vs. Manning – was auf den gleichen Blick so sensationell wie bedrückend ausschaut.

Kansas City Chiefs (1-3). Meine Skepsis war groß und offenbar berechtigt. Todd Haley ist nach einem Saisonviertel dead man walking und wird angesichts der vielen jungen, exzellenten Spieler im Kader vielleicht noch vor Saisonende rasiert werden.