NFL 2011/12 TV-Guideline, Week 5: Man sieht sich im Ruder-Shop

Das zweite Saisonviertel beginnt, die ersten Teams können in den Bye Weeks Seelentherapie betreiben. Kaum eine Mannschaft wird dies notwendiger haben als die St Louis Rams, die mit dem angekündigt brutalen Start-Schedule noch sieglos sind und dafür in etlichen „Power Rankings“ ganz unten reingestuft werden. In Miami wurde spekuliert, ob man Head Coach Tony Sparano ob der spielfreien Woche feuern würde; ist bisher nicht passiert – was würde eine Promotion eines Mike Nolan zum jetztigen Zeitpunkt auch bringen? (Randinfo: QB Henne ist tatsächlich out for the season)

Woche 5 könnte auch die Woche sein, in der die Buffalo Bills endgültig auf den Boden der Tatsache zurückkehren – oder für voll genommen werden: Das Heimspiel gegen die desorientierten Philadelphia Eagles schaut aus wie ein möglicher Knackpunkt. Allerdings auch für die Eagles, die bei einem möglichen 1-4 mit @Redskins vor der Nase in 14 Tagen eine möglicherweise „fetzige“ Bye Week erleben könnten.

Woche 5 könnte auch im „Race for Luck“ eine Richtung vorgeben: In Indianapolis treffen Colts und Chiefs aufeinander, denen jeweils zugetraut wird, unterirdischste Saisonbilanzen hinzuknallen, um QB Andrew Luck zu holen. Bei den Chiefs bin ich mir noch nicht ganz sicher, weil sie trotz Verletzungspech immer noch mehr als eine Handvoll fantastischer junger Spiel im Kader haben. Pikanter ist die Situation in Indianapolis, wo ohne QB Peyton Manning so offensichtlich selbst krasse vereinzelte Individualleistungen (DE Mathis/DE Freeney) aufgrund einer darniederliegenden Offense umsonst sind. Solche Mannschaften tendieren gerne dazu, sich ob der Sinnlosigkeit irgendwann selbst aufzugeben. Andererseits käme Luck als Manning-Nachfolger womöglich zwei, drei Jahre zu früh.

Zu den Spielen im TV diese Woche. Sport1+ bringt am Sonntag um 19h Houston vs. Oakland, das Spiel, in dem vermutlich gelaufen wird bis sich sämtliche Ober- und Unterschenkelknochen abgerieben haben. Das Programm bei ESPN America und PULS4 wie folgt.

Carolina Panthers – New Orleans Saints

So, 19h LIVE ESPN America
Tape: Di, 11.10. um 11h/ESPN America

… oder: Brauche ich Ruderblätter?

So wie Panthers-QB Cameron Newton, der #1-Draftpick 2011, in den ersten Wochen aufgespielt hat, spiele ich mit dem Gedanken, mir die richtigen Instrumente dafür zu beschaffen. Für’s Zurückrudern nämlich.

Novize Newton scheint der lendenlahmen Panthers-Offense tatsächlich Leben eingehaucht zu haben, mit teilweise sensationellen tiefen Bällen, bevorzugt für WR Steve Smith, der in vier Partien 530yds gemacht hat und die Entscheidung, in Carolina geblieben zu sein, nicht bereuen dürfte.

Newton ist natürlich alles andere als fehlerfrei, vor allem bei kurzen und mittellangen Bällen und unter richtig Druck sind immer wieder „Rookie-Momente“ dabei. Dafür schaut die Symbiose Newton/Offensive Line vielversprechend aus: Newton kriegt zumeist viel, sehr viel Zeit, und wenn die Pocket doch mal unter Beschuss steht, findet der schwer zu fällende Mann oft so grazil wie souverän die Zeit, den langen Ball zu werfen, ohne abgeschossen zu werden.

Es ist im Prinzip ein simples Spielchen in einer etwas unkonventionellen Offense mit vielen Anspielstationen und viel Bewegung an der Line of Scrimmage, könnte bald durchschaut werden, daher nehme ich an, dass die Saints mit DefCoord Gregg Williams alle Versuche unternehmen werden, „Big Arm“ Newton mit notfalls durch Blitzes verstärktem Pass Rush durcheinander zu bringen um ihm a) die Zeit für tiefe Bälle zu nehmen und b) zu INTs zu zwingen.

Auf der anderen Seite dürfte den Saints in die Karten spielen, dass Carolinas Laufspiel trotz der großen Namen Williams/Stewart bisher wenig überzeugend aussieht, kann man sich dadurch doch einen oder zwei Defensive Backs mehr erlauben.

Ich glaube nicht, dass Carolina eine Chance in diesem Spiel hat, da die Saints über ein zu breites Arsenal in der Offense verfügen und selbst im unwahrscheinlichen Fall des Zusammenbruchs der Luftwaffe darauf bauen können, dass die Panthers über die Mitte leicht zu überlaufen sind. Ah, und dann wären da noch die Special Teams der Panthers, die bereits zwei entscheidende Return-TDs zugelassen haben. Die Saints warten mit dem exzellenten Returner #43 Darren Sproles auf. Feldposition, ick hör dir trappsen…

New England Patriots – New York Jets

So, 22h LIVE ESPN America, Sport 1+ und PULS4
Tape: Di, 11.10. um 13h/ESPN America

Ein Dauerbrenner in den letzten Jahren, der quer durch die hiesigen TV-Stationen übertragen wird. Die Patriots haben in den letzten 13 Spielen jeweils über 30 Punkte/Spiel erzielt, mit der einen Ausnahme: In den Playoffs 2010/11 gegen die Jets wurde die Offense überrollt. Diesmal treffen unterschiedliche Spielauffassungen, unterschiedliche Stimmungslagen und im Vergleich zu damals unterschiedliche Voraussetzungen aufeinander.

Ein Lieblings-Matchup in dem Spiel für mich: TE Rob Gronkowski gegen die winzigen, fußlahmen Safetys der Jets. Alles weitere wird es am Sonntag in einer detaillierten Analyse geben, für die ich einen besser informierten Experten gewinnen konnte.

Atlanta Falcons – Green Bay Packers

So/Mo, 02h LIVE ESPN America
Tape: Di, 11.10. um 13h/ESPN America (*)
(*) Uhrzeit/Wh. dürfte ohne Gewähr sein

Wie Pats vs Jets war auch dieses Spiel in den Divisional Playoffs 2010/11 das Duell #1 gegen #6. Auch in diesem Spiel hat damals die #6 auswärts souverän gewonnen. Es war das Spiel, in dem die Atlanta Falcons von QB Aaron Rodgers und dessen blindem Verständnis mit den Wide Receivers auseinandergenommen wurden und hernach realisiert hatten, dass ihnen zwei wichtige Komponenten zu einer kompletten Mannschaft fehlten: Besserer Pass Rush und variablere, modernere Offense.

Die Schlüsse führten zu den Einkäufen von DE Ray Edwards und WR Julio Jones. Resultat: Während der Pass Rush ordentlich ist, klappt die Sache mit der Offense bisher nicht so gut. Jones schaut noch nicht wie die angedachte „tiefe Bedrohung“ für die Secondarys aus, fängt zwar alles, was bei drei nicht im Kofferraum verstaut ist, aber eben nur die kurzen Bälle, gerne auch die Screen-Pässe für Raumverlust. Dazu kommen eklatante Protection-Probleme (LT Baker, Mike Smith’s looking at you!) und ein schwerfüßiger RB Michael Turner, der als Block-Unterstützung für Passspielzüge so unbrauchbar ist, dass sich anhand der Präsenz eines Michael Turner auf dem Spielfeld für die Defense leicht lesbare Muster ergeben:

If Turner auf dem Spielfeld, then run play.
Maßnahme: 8 Mann in die Box.

If Turner nicht auf dem Spielfeld, then pass play.
Maßnahme: Entsprechende Aufstellung einnehmen.

Solche Spielchen sind natürlich immer dann besonders tödlich, wenn die eigene Defense einen Angriff abwehren muss, dem sie kaum gewachsen ausschaut. Die Atlanta Falcons haben keine unterirdische Abwehr, aber es schaut schwer vorstellbar aus, dass sie Rodgers’ Timing mit seinen Receivers unterbinden kann. Rodgers wirft oft quicker als es dem Pass Rush möglich ist, durchzukommen und selbst wenn die Entwicklung des Spielzugs länger dauert: Green Bay hat so viele Waffen, ich sehe kaum wie die Coverage Atlantas dagegen vorgehen möchte: WR Jennings, WR Jones, WR Nelson, WR Driver, TE Finley, TE Crabtree, FB Kuhn. Eine Anspielstation auszuschalten ist einhergehend mit einer anderen Anspielstation den nötigen Freiraum mehr zu geben. Und wenn nichts klappt, ist Rodgers auch noch gut bei Fuß.

Pittsburgh Steelers – Tennessee Titans

Tape Di, 9h00 ESPN America (*)
(*) Uhrzeit dürfte ohne Gewähr sein

Man würde es kaum glauben, aber die Tennessee Titans sind die Mannschaft mit der besseren Bilanz (3-1 vs 2-2) in dieser Saison. Hätten die Titans das schwache Eröffnungsspiel gegen Jacksonville gewonnen – und es wäre leicht zu gewinnen gewesen – wir würden über eine von drei ungeschlagenen Mannschaften sprechen. Um das Ganze zu relativieren: Erfolge über Denver und Cleveland taugen noch nicht als Qualitätsbeweis, während immerhin in Woche 2 die Baltimore Ravens geputzt wurden.

Was macht Tennessee 2011/12 also aus? Es ist eine Kombination aus mäßigem Strength of Schedule, unspektakulärer, aber fehlerarmer Defense, richtig guter Offensive Line und – den Highlight-Reels gegen Cleveland  nach zu schließen – haarsträubender Fehler gegnerischer Defenses. Das soll die Leistung des Pass-Spiels um den alternden Glatzkopf QB Matt Hasselbeck nicht schmälern, der mit dem mit Abstand besten WR Kenny Britt auf der injuried reserve sehr ordentliche Stats produziert. Die größten, wichtigsten Big Plays gegen die Browns waren aber blown coverages. Für Tennessee essenziell: RB Chris Johnson scheint nach dem langen Vertragsstreik besser in Form zu kommen, hatte in Cleveland endlich wieder einen dieser schönen Hakenschlag-Läufe.

Tennessee ist also noch nicht eindeutig einzuordnen, und auch der Gegner spielt jenseits der Erwartungen – halt eben drunter. Was zum Beispiel QB Big Ben Roethlisberger für eine „Protection“ bekommt, spottet jeder Beschreibung und lässt sogar die Line der Steelers aus dem letzten Jahr gut aussehen. Weil die Steelers auch kein adäquates Laufspiel durchbringen, muss man sich auf gelegentliche sehenswerte Plays Big Bens verlassen. Wären die Texans am Sonntag nur einen Tick konsequenter, konzentrierter, fehlerärmer gewesen, die Steelers (die Steelers!) wären zertrümmert worden.

Für beide Teams dürfte das Spiel eine Standortbestimmung sein – Tennessee, ob es for real ist, Pittsburgh, ob die sich andeutenden Schwierigkeiten temporärer Natur sind, oder doch Stellschraubendrehen mit höherer Oktanzahl notwendig sein wird.

San Francisco 49ers – Tampa Bay Buccaneers

Tape Mi, 12.10., 11h ESPN America (*)
(*) Uhrzeit dürfte ohne Gewähr sein

ESPN tut uns den Gefallen und bringt unkonventionelle Teams im TV. „Unkonventionell“, obwohl beide heuer 3-1 sind. Die 49ers sagen mir im Moment noch nicht viel, allerdings scheint der Angriff um QB Alex Smith, RB Frank Gore, WR Michael Crabtree und TE Vernon Davis mit entsprechender Protection für Smith potenter zu sein als jemals angenommen.

Die jungen Buccs bleiben ein Mysterium: Gewinnen mehr als man es ihnen zutrauen würde, machen sich aber immer wieder mit schwacher Offensive Line und schwachen ersten und zweiten Vierteln das Leben schwer. Das ist keine geschmiert laufende Mannschaft – Gott bewahre – aber immer wenn man am Schirm geistig bereits abschalten möchte, legen Josh Freeman und Co. einen Schalter um und machen genau die Plays, die es für den herausgewürgten Sieg braucht. Als Langzeitstrategie verdammenswert, aber zuzuschauen macht es definitiv Spaß.

Die Begegnung gegen San Francisco dürfte zwei junge, aber sehr, sehr gute Defensive Lines aufbieten, was angesichts der Block-Units eher ein Pluspunkt für San Francisco sein sollte. Andererseits werden die Buccs selbst bei Zwei-TD Rückstand fünf Minuten vor Schluss mit einem potenten gegnerischen Laufspiel nicht nervös…

Detroit Lions – Chicago Bears

Mo/Di, 10./11.10., 02h30 LIVE ESPN America und Sport1+
Tape: Di, 15h30/ESPN America

Das erste Monday Night Game in Detroit seit Menschengedenken. ESPN wird seinen Opener „Are You Ready For Some Football“ von Hank Williams nach dem Obama/Hitler-Vergleich auch in Zukunft nicht mehr ausstrahlen: Williams ist gefeuert. Ah, und: „Richtige“ Vorschau wird es am Montag geben.

Ein Kommentar zu “NFL 2011/12 TV-Guideline, Week 5: Man sieht sich im Ruder-Shop

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