Al Davis ist tot

Laut Raiders-Homepage ist Al Davis heute 82jährig verstorben.

Details sind noch nicht bekannt, die Raiders wollen noch eine Erklärung abgeben. Auf der Homepage der Oakland Raiders gibt es einen Lebenslauf Davis‘, vom Head Coach zum Owner der Raiders, zum AFL-Commissioner, zum streitsüchtigen Heimsuchenden, Oakland/Los Angeles/Oakland, bis hin zur dahinsiechenden Franchise der letzten Jahre, die im Gegensatz zum dreifachen Superbowl-Sieger der 70er und 80er nur mehr verkrustete Strukturen aufbieten konnte.

RIP, Al Davis.

Könige der Heartlands: Vor der „Red River Rivalry“ 2011

Cotton Bowl
Die Cotton Bowl zu Dallas – Heimstätte der Red River Rivalry

Heute am späten Nachmittag, 18h MESZ (live bei ESPN America) findet in der uralten Cotton Bowl zu Dallas das größte College-Footballspiel der Great Plains statt: Die #11 Texas Longhorns treffen in der Red River Rivalry (Aufgabe für heute Nachmittag: zehnmal hintereinander „Red River Rivalry“ aufsagen!) auf die #3 Oklahoma Sooners, in Dallas, das auf halbem Weg zwischen beiden Universitäten (Norman/Oklahoma und Austin/Texas) liegt.

Es ist die intensivste Rivalität in der Region, zurückgehend noch auf die Zeiten, in der beide Unis ihre jeweiligen Stamm-Conferences Big 8 (Sooners) und SWC (Longhorns) anführten, ehe Mitte der 90er im Zuge der Fusion die Big 12 Conference entstand, deren Wohl und Wehe mittlerweile primär am Gehabe von UT und OU hängt.

„Red River Rivalry“, das ist eine Anspielung auf den Red River, der über mehr als 1000km die natürliche Grenze zwischen den beiden Bundesstaaten Texas und Oklahoma bildet, zwei Staaten, in Liebe und Hass miteinander vereint, die beiden Kernländer der Rednecks, der „Heartlands“, wie die Regionen entlang des Mississippi genannt werden.

Red River Rivalry für Eventzuschauer

Und heute treffen die beiden Aushänge-Universitäten beider Staaten aufeinander: Die University of Texas aus der texanischen Hauptstadt Austin und die University of Oklahoma aus dem Kleinstädtchen Norman. Beide Universitäten mit riesigen Anhängerschaften, die liebevoll sämtliche Klischees pflegen: Die arroganten, egozentrischen Cowboys aus dem wirtschaftsstarken Texas gegen die einfältigen Hinterwäldler aus dem ländlicheren Oklahoma.

Für den in Spurenelementen vorhandenen Minderwertigkeitskomplex, der die Oklahomans im täglichen Leben vor dem Texaner automatisch 5cm schrumpfen lässt, gibt es im Footballstadion allerdings keine Begründung. Denn obwohl die Sooners im mehr als hundertjährigen „ewigen Duell“ 41-59-5 zurückliegen, obwohl man in Anbetracht der Größenwahnsinnigen in Austin das Gegenteil annehmen würde: Sooners Football war über die vergangenen fünf Jahrzehnte das deutlich erfolgreichere, konstantere Footballprogramm, während die Longhorns die Aura des ewigen Underachievers umgibt – eine Uni, die trotz paradiesischer Voraussetzungen nur selten den Landesmeistertitel holte.

Ein Reiz des Spiels liegt auch in der Stadionatmosphäre: Die Schüssel der Cotton Bowl ist ein uraltes, ehrwürdiges Stadion, das abseits der Red River Rivalry nicht mehr viele Highlights erlebt, aber 92.000 Zuschauer fasst. Die beiden Fanlager werden an der Mittellinie getrennt, wobei die Südhälfte traditionell von Oklahomas weinrot/weiß dominiert wird, während die Nordhälfte bevorzugt braun/orange/weiß daherkommt – nach jedem Spielzug geht es in einer Hälfte der Schüssel hoch her, während die andere darauf wartet, im nächsten Play zurückschlagen zu können. Das überträgt sich gerne auch auf das Spielfeld, wo die hitzigen Wortgefechte in kleinere Rangeleien und Prügeleien ausarten.

Einen Ausflug in die lange Geschichtes des Duells gibt es bei ESPN.com.

Red River Rivalry für Taktik-Liebhaber

Zum Sportlichen. Das 106te Aufeinandertreffen an diesem heutigen Samstag, 8.11.2011 wartet mit zwei ungeschlagenen Mannschaften auf. Während man bei Oklahoma nichts anderes erwartet hatte – die Sooners galten als Topfavorit auf den BCS-Titelgewinn – hat sich HC Mack Browns Texas nach einer problematischen Saison 2010/11 diesmal mit zwei neuen Coordinators unauffällig zu 4-0 durchgeschmuggelt.

Die vergangenen Duelle haben gezeigt, dass Texas vs. Oklahoma ein Duell vieler Play-Action-Spielzüge ist, was im Umkehrschluss bedeutet, dass es für beide gilt, ihr Laufspiel in die Gänge zu bekommen. „Laufspiel“, das ist eigentlich nicht etwas, bei dem Oklahomas Head Coach Bob Stoops feuchte Träume bekommt, auch wenn er mit RB #4 Dominique Whaley über einen unerwartet gefährlichen Back verfügt.

Stoops liebt es zu werfen. Das lädt die Last auf die Schultern von QB #12 Landry Jones, dessen Stats durch die inzestuösen Passfeuerwerke in der Big 12 prächtig sind, der aber unter Druck des Pass Rush zu hirnlosen Pässen und INTs neigt. Für den neuen, gehypten Longhorns-DefCoord Manny Diaz bedeutet dies: Blitzes bekommen erhöhte Bedeutung. Was spannend ist, da a) Diaz eher im Ruf von bend but don’t break steht, aber b) sich angedeutet hat, dass die Offensive Line der Sooners auf ihrer verwundbaren rechten Seite zum blinden Stürmen förmlich einlädt.

Für die Sooners wird es also essenziell sein, schnell werfen zu können. Weil WR #85 Ryan Broyles und WR #4 Kenny Stills eher die deep threats sind, könnte dabei den dritten und vierten Receivers erhöhte Bedeutung zukommen, auch unter dem Hintergrund, dass Texas zwar über eine phänomenale Linebacker-Crew um #18 Emmanuel Acho verfügt, aber in der Secondary die Starter grün bis hinter die Ohren sind – und deren Backups sollen noch unerfahrener sind.

Auf der anderen Seite ist die Offense der Longhorns im Wandel begriffen. Der neue OffCoord Bryan Harsin (kam von Boise State) steckt noch immer in der Anpassungsphase, aber einige Muster haben sich bereits herauskristallisiert: Texas baut auf hartes Laufspiel rund um den Freshman-RB #28 Malcolm Brown, der allen Vorschusslorbeeren gerecht zu werden scheint und meistens über die Mitte geschickt wird. Browns Backup #2 Foswhitt Whittaker wird dann meistens in der RedZone eingesetzt. Beide machen um die 5,0yds/Carry.

Das viele Laufspiel hat seine Gründe, da nach der überfälligen Enteierung des blassen Garrett Gilbert die beiden reinrotierten und rotierenden Quarterbacks #6 Case McCoy (Colts Bruder) und #14 David Ash noch sehr unerfahren und vermutlich zu wenig cool unter Pass Rush sind. Mit WR #8 Jaxon Shipley (Jordans Bruder) gibt es wenigstens einen großartigen Mann für tiefe Bälle, für den ich Manndeckung fordern würde.

Für Harsin und Texas gilt es auszuloten, inwiefern man die Fünf-Mann-Front der Sooners nach „hinten“ ziehen kann, um den Pass Rush zu mindern und speziell für den sehr mobilen QB Ash auch Räume zum Scrambeln öffnet. Aufzupassen gilt auf MLB #28 Travis Lewis und den S/LB #1 Tony Jefferson, der vergangene Woche gleich drei INTs in einem Spielviertel machte.

Als X-Faktor gelten – natürlich, der Mann kam aus Boise – Harsins Trickspielzüge, die in schöner Regelmäßigkeit eingestreut werden, meistens zum tödlichsten Zeitpunkt, und vergangene Woche gegen Iowa State funktionierte so einer dann auch blendend:

Ausblick

Oklahoma hat mehr zu verlieren, während für Texas alles andere als eine Niederlage mit 1-2 TD kein wirklicher Beinbruch wäre. Als langjähriger Bewunderer der von Harsin mitkreierten fabulösen Boise-Offense glaube ich auch an einige Karnickel, die Harsin aus dem Zylinder zaubern wird und Oklahomas Defense verbrennen werden. Fakt am Rande: Man hörte in den letzten Jahren immer, dass der junge Sooners-DefCoord Brent Venables (nein, nicht Terrys Bruder) sich noch keine Meriten in Sachen „in-Game Adjustments“ erworben hat, was tödlich sein könnte, wenn Harsin völlig überraschende Aufstellungen bringt, beispielweise die bisher kaum gezeigten, aber ebenso charakteristischen Sets mit 4 oder 5 WR.

Ich sehe durchaus Upset-Potenzial, aber prinzipiell würde ich meine Jetons doch eher auf einen Favoritensieg der Oklahoma Sooners setzen, die etwas abgewichster sein dürften (hey, das ich so was über die Sooners mal sagen würde!) und die Landry Jones plus Laufspiel nur den Tick genügend Zeit und Raum verschaffen müssen.