Vorschau New England Patriots vs. New York Jets/#1, 2011/12

In seiner in weiten Teilen erstaunlich präzisen Kadervorschau der New England Patriots im Juli hat Herrmann/Vier Viertel plus Nachspielzeit das Divisionsduell New England Patriots gegen New York Jets zu seinem persönlichen „Spiel der Saison“ gekürt. Heute Abend, 22h15 steigt die erste von zwei (oder doch drei?) Auflagen in dieser Saison 2011/12 zwischen den beiden stark rivalisierenden Franchises. Und Herrmann hat im Vorfeld dankenswerterweise wieder einen Blick auf den Zustand beider Franchises geworfen.


Herrmann, Patriots vs. Jets gehört zu den aktuell intensivsten Rivalitäten in der NFL, auf und neben dem Feld, und es ist stets eine gesalzene Prise Emotionalität mit im Spiel. Diesmal scheinen beide Mannschaften aber recht stark mit sich selbst beschäftigt zu sein, insbesondere die Jets scheinen sich in der Rolle der Gejagten nicht wirklich wohlzufühlen. Wer wird die Situation mental besser handeln?

Ganz klar die Patriots. Vor allem, weil New Yorks Offensive Coordinator Schottenheimer völlig den Verstand verloren zu haben scheint. Ich kann mir nicht erklären, warum Mark Sanchez, der ja für alle augenscheinlich kein guter QB ist, die Offense ganz alleine tragen soll. Daß das nicht funktionieren kann – und schon mal gar nicht hinter dieser Offensive Line ohne Center Mangold und RT Woody – hätte den Jets jeder vorhersagen können, der in den letzten beiden Jahren mal ein Jets Spiel gesehen hat. Die Defense ist gut wie immer, gerade die D-Line ist richtig stark mit den beiden Neuzugängen Rookie Wilkerson und No. 79 (war auf IR und ich kann mir einfach seinen komischen Namen nicht merken). Wenn CB Cromartie nicht wilde Sau spielt, ist die Ryan/Pettine-D immer noch mit das Beste, was man in der NFL bewundern kann (ja tatsächlich „bewundern, die Verteidigung ist sowas wie das Gegenstück zu einer Peyton-Manning-Offense). Die Jets scheinen auch besonders under pressure zu stehen, weil sie einerseits derzeit nur die Nr.3 in der AFC East sind und andererseits mit einer Niederlage schon 2,5 Spiele hinter den Patriots wären. Die großmäuligen Selbstdarsteller scheinen sehr große Angst vor diesem Szenario zu haben und entsprechend aufgeregt sind sie vor diesem Spiel. Es wird spannend sein, zu sehen, wie sie mit dem Druck umgehen.


Duell Passrush Patriots gegen Offensive Line Jets: Wer wird am Sonntagabend sein Image eher aufpolieren können und welche Unit steht in diesem Spiel unter größerem Druck?

Der Pass Rush der Patriots hat großes Potential. Gerade wenn die DEs Mark Anderson und Andre Carter in Topform spielen und Haynesworth wieder zurück ist. Die Offensive Line der Jets ist eine einzige Baustelle. Selbst wenn Center Nick Mangold spielen sollte, ist er ja nicht topfit. Die größte Schwachstelle ist RT Wayne Hunter; ich hab ihn in zwei Spielen (v Cowboys, Ravens) gesehen und der Typ würde nicht mal bei den Bears oder Steelers spielen. LG mit Ducasse oder Slauson ist auch schwach. Das sollte die große Möglichkeit für den Patriots Pass Rush sein, mal richtig einen vom Leder zu reißen; wenn sie es gegen diese Jets nicht schaffen, siehts wirklich düster aus.


Der Angriff der New England Patriots zeichnet sich heuer mehr denn je durch eine fassungslose Variabilität aus, es scheint abseits von Brady keinen Anhaltspunkt zu geben, auf den auszuschalten sich die Jets konzentrieren könnten. Reicht die Combo Pressure/Revis, um den rekordträchtigen Patriots-Angriff kaltzustellen oder auch nur einzudämmen?

In den ersten beiden Wochen haben die Patriots fast ausschließlich mit dem Set 2TE, 2WR, 1RB gespielt (Gronkowski, Hernandez, Branch, Welker, Woodhead/Green-Ellis). Nach der Verletzung von Hernandez hat New England in den letzten beiden Spielen mit deutlich mehr 3-WR-Sets gespielt, wobei sich Slater, Ochocinco und Edelman die Snaps geteilt haben; die 2-TE-Sets wurden reduziert, sind aber mit dem neuen TE Thomas Welch (der eigentluch OLiner ist) haben diese immer noch einen großen Anteil in den Gameplans. Das entscheidende Matchup ist für mich auch nicht Wideouts gegen Cromartie/Revis, sondern was machen die Jets mit Gronkowski und Welker?

In den letzten Jahren hat sich gezeigt, daß man Welker ausschalten, also doppeln muß, um die Pats kräftig einzubremsen. In dieser Saison hat New England einen sozusagen „zweiten Welker“ mit TE Gronkowski. In allen vier Spielen war es bis jetzt so, daß entweder Welker gedoppelt wurde (Miami, San Diego) oder eben Gronkowski (Buffalo, Oakland) und der jeweils andere hat Riesenspiele gemacht. Das ist die Frage: doppeln die Jets Gronk oder Welker? (Das Laufspiel sollte für die Patriots das Spiel nicht gewinnen, da die D-Line plus LB Davis Harris und Bart Scott zu stark ist.)

Ich traue den Jets zu, einen Gameplan zu basteln, der die New England alt aussehen läßt. (Ich bin da immer noch verliebt in die Gameplans gegen Indy und New England letztes Jahr. Es wird viel zu wenig wertgeschätzt, daß die Jets in den Playoffs nacheinander erst Peyton Mannings Offense und die Belly/Brady-Offense kaltgestellt haben.) Ich glaube, sie haben zwei Möglichkeiten. 1) Die Michael-Jordan-Taktik: soll doch einer so viele Yards machen, wie er will, das lassen wir zu, aber die anderen neun (also 11 minus Brady plus entweder Gronk oder Welker) machen wir so dicht, daß die gar nichts auf die Reihe kriegen und die sollen uns schlagen (Revis nimmt dann Welker, vielleicht mit Safety-Help. Gronk ist dann der wichtigste Mann. Alle anderen wie Ochocinco, Branch, Edelman oder Slater können die restlichen Jets verteidigen). Wenn sie uns trotzdem schlagen, okay, dann sind sie eben zu gut. Oder Variante 2) ähnlich wie letztes Jahr in den Playoffs: konsequent acht Mann in Coverage schicken, das Paßspiel abwürgen und darauf vertrauen, daß a) die Laufverteidung so gut ist, daß da nichts anbrennt und b) man trotzdem Druck auf Brady bekommt, nicht weil die DLine so gut gegen den Paß ist, sondern weil sie soviel Zeit haben, da die Coverage mit acht Mann so dicht ist.

Das läuft auf ein Katz-und-Maus-Spiel hinaus. Angenommen, Belichick antizipert das, was ich erwarten würde, dann wird er sich sicherlich etwas ausdenken, was das kontern könnte. Zum Beispiel Matt Slater oder Ochocinco ständig tief schicken, weil sie 1-v-1 verteidigt werden. Oder unglaublich viel 2TE-Sets spielen und die ganze Zeit laufen, wenn die Jets ständig in Nickel- oder Dime-D rauskommen. Oder Brady immer No-Huddle spielen lassen, wenn er eine bestimme Aufstellung sieht, die ihm gefällt. Also beispielsweise: Jets kommen in Nickel- oder Dime-D aufs Feld, daraufhin läßt Brady in der No-Huddle ständig laufen. Oder andersrum: Jets kommen mit Base-D aufs Feld, dann wirft Brady die ganze Zeit mit Gronkowski, Branch, Ochocinco, Welker und Woodhead auf dem Feld (gerade weil Woodhead auch einen sehr guten WR im Slot gibt) und gibt den Jets keine Chance, mehr Defensive Backs einzuwechseln.

Auf der anderen Seite werden Rex Ryan und Mike Pettine das wiederum ja auch alles antizpieren, die wissen ja noch deutlich mehr als ich und Du. Sie könnten mit ihrer Base-D aufs Feld kommen und ständig acht Mann in Coverage schicken. Oder sie kommen mit Nickel-/Dime-Personnel aufs Feld (vielleicht sogar mit RB Joe McKnight, wie letzte Woche) und blitzen sich dann ganz wilde Sachen zusammen und bringen fünf oder sechs Männer gegen Brady.

Dieses Spiel sollte ein Leckerbissen werden für alle Fans, die ein Faible für Taktik haben. Etwas besseres, vor allem spannenderes, in Sachen Gameplanning wird man so schnell nicht wieder sehen.


Was sind abseits davon für dich die Schlüssel-Matchups in dieser Partie?

Das entscheidende ist in meinen Augen der Gameplan der Jets Offense. Wenn Schottenheimer wieder so einen Käse zusammencalled wie in den letzten Wochen, können sich die Pats die Hände reiben. Die Jets brauchen ein funktionierendes Laufspiel, denn sonst funktioniert das ganze Play-Action-Game nicht – und das ist das einzige, was Sanchez kann. Und zweitens scheint Sanchez auch noch überhaupt keine Chemie mit seinen neuen WR Plaxico Burress und Derrick Mason gefunden zu haben. Wenn die Defense dann TE Keller aus dem Spiel nimmt, ist Sanchez hilflos.

Und andererseits das oben beschrieben Dilemma: wen doppelt man, Welker oder Gronkowski? Das wird das Entscheidende sein, weil die anderen WR zu schlecht sind für die Paß-D der Jets.

Ein drittes Matchup könnte Woodhead gegen LBs/Safeties sein. So gut der Plan der Defense auch ist, der Holzkopf kann jeden Verteidiger im eins-gegen-eins schlagen und die entscheidenden Extra-Yards rausholen.


Und schließlich: Wer wird gewinnen?

Um nicht allzu blöd auszusehen am Ende, sage ich einfach das, was immer stimmt: Ein Spiel zwischen zwei einigermaßen gleichstarken Teams wird traditionell von drei Dingen entschieden: 1) Turnovers 2) Penalties 3) Special Teams Play. Wenn ich mich aus dem Fenster lehne, sage ich New England. Weil die Patriots wissen, was sie machen wollen und was sie machen können, auf beiden Seiten. Die Jets wissen weder das eine noch das andere in der Offense.

3 Kommentare zu “Vorschau New England Patriots vs. New York Jets/#1, 2011/12

  1. Großartig die Matchups auseinander genommen, ich fühle mich sehr gut informiert, da ist eigentlich nicht mehr viel hinzuzufügen, außer dass ich vom Gefühl mehr Pluspunkte für die Patriots sehe, weil die Jets keine Air Attack haben und die Pats das Running Game halbwegs unter Kontrolle haben werden.

    In einer halben Stunde geht es lo-hooos!

  2. Pingback: NFL 2011/12, Week 5: New England Patriots – New York Jets « Sideline Reporter

  3. Pingback: Vorschau Woche 10, SNF Patriots@Jets « Sideline Reporter

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.