NFL 2011/12, #6: Detroit Lions – San Francisco 49ers Preview

ESPN America zeigt heute Abend, 19h MESZ, nicht etwa Washington – Philadelphia, sondern tatsächlich das Duell der jahrelangen grauen Mäuse: Detroit Lions gegen San Francisco 49ers, ein 5-0 Team gegen ein 4-1 Team. Mal ehrlich: Wir hatten die Lions in etwa in diesen Sphären erwartet, aber bei den 49ers? 4-1? So richtige Referenzen haben sich die Niners ja noch nicht erarbeiten können, aber Bilanz und Optik sind eindrucksvoll genug, dass dieses Spiel plötzlich Spitzenspiel-Charakter bekommt und San Francisco seine Favoritenstellung in der NFC West untermauern kann.

Tristesse und Lichtblicke

Der von mir hoch geschätzte Dan Wetzel („Death to the BCS“, „Nevin Shapiro“) verfasste unter der Woche bei NFL/Yahoo eine Kolumne über die Heimspiel-Atmosphäre bei Lions-Heimspielen: Tailgating in den Innenstadt, eine Rarität in der NFL.

Detroit ist eine kaputte, wirtschaftlich darniederliegende Stadt. Vor 10, 15 Jahren begann in Downtown Detroit ein Wiederaufbauprogramm, um die verfallende Innenstadt zu reanimieren, unter anderem mit der Rückholaktion der Detroit Tigers (MLB) und Detroit Lions, denen mit dem Commercia Park und dem nur einen Steinwurf entfernten Ford Field zwei neue, wunderschöne Arenen im Stadtzentrum hingestellt wurden – Kontrastprogramm zum Trend, Heimspielstätten für Profiteams in die weiträumigere Peripherie zu verlegen.

Während die Innenstadt immer noch großteils Brachland ist, in dem man sich nachts möglichst nicht allein aufhalten sollte, herrscht dort nun wenigstens während der NFL-Heimspieltage Volksfeststimmung, mit Grillpartys allerorts – ein Phänomen, befeuert vom begeisternden Spiel der Lions in den letzten beiden Jahren. In Detroit ist wieder so etwas wie Stolz auf die Heimatstadt zu spüren, und das wird heute nicht anders sein.

Zum Sportlichen.

Wenn die 49ers den Ball haben

San Franciscos Stärke trifft auf eine Schwäche der Detroit Lions: Laufspiel. Auch unter dem neuen Head Coach Jim Harbaugh sieht der Angriff „bodenständig“ aus, verlässt sich größtenteils auf die Katze mit sieben Leben RB Frank Gore sowie den Rookie von Oklahoma State, RB Kendall Hunter, die sich die Carries im 3:1-Verhältnis teilen und 1st down auf 1st down auf 1st down holen, während QB Alex Smith nur dezent dosiert beim Werfen eingesetzt wird, aber wenigstens kaum Turnovers produziert.

Das soll Smith nicht madig machen. Smith feuerte gegen Tampa u.a. einen fantastischen Touchdown in eine eigentlich gut abgedeckte EndZone, aber Smith hatte dann auch wieder Glück mit fallen gelassenen INTs. Was allerdings auffiel und beeindruckte: Viele schnelle, hart geworfene Bälle über die Mitte, viel Einsatz der Tight Ends und sogar WR Michael Crabtree spielt mit Edwards im Verletztenstand plötzlich eine echte Rolle.

Es wird viel auf die Grabenkämpfe um die Anspiellinie ankommen, wo die Trümpfe recht eindeutig auf Seiten der Lions liegen sollten, insbesondere wenn der hoch gelobte Guard Mike Iupati nur angeschlagen oder gar nicht spielen sollte.

Wenn die Lions den Ball haben

Über die Offense ist viel geschrieben worden: Die Pass Protection ist suboptimal, das Laufspiel Sekundengenie, dafür läuft hier ein Pass-Angriff zur Hochform auf, wenn QB Matt Stafford den Angriff mit rattenscharfen Bällen das Feld hinuntertreibt.

Die Konzentration soll daher der Defense der 49ers gelten, die ein interessanter Gegner für Detroit sein wird, viel physischer als die Abwehr der Bears. Kernstück ist die Front Seven mit dem überragenden Linebacker-Duo Patrick Willis/Navorro Bowman. Wie viele Tackles hatte Willis gegen Tampa? 20? 30?

Die Front Seven sieht nicht bloß hard hitting aus, sondern auch athletisch genug, Tight Ends (hallo, Brandon Pettigrew!) abzudecken und besitzt mit dem Allrounder DE Justin Smith sowie dem Rookie-Pass Rusher Aldon Smith durchaus auch Leute mit großem Zug zum Quarterback. Dem Pass Rush dürfte erhöhte Bedeutung zukommen, da Detroit schon allein deshalb viel werfen wird, um den 49ers die ungeliebte „Nickel“-Defense (ergo: LB raus, DB rein) aufzuoktroyieren.

In der Secondary zerreißt sich alles das Maul über den CB Carlos Rogers, der in Washington jahrelang als Fliegenfänger galt, plötzlich in fünf Spielen 3 INTs machte. Noch beeindruckender gegen Tampa war der blutjunge Chris Culliver, der bitteschön einen Hochkaräter wie WR Mike Williams aus dem Spiel nahm.

Es gilt für diese Defense die Faustregel: Sie ist im Zulassen von Yards durchaus generös, aber in der RedZone werden die Schotten dicht gemacht (nur 1/4 der Drives in die RedZone enden in der EndZone). Entering WR Calvin Johnson, die ultimative Anspieloption, wenn die Räume eng sind. Johnson fängt auch in enger Deckung etliches, ist 1,98m groß. Locker 10-12cm Höhenunterschied zum größten Defensive Back der 49ers.

Ausblick

Das Spiel dürfte auch auf der emotionalen Schiene entschieden werden: Wie fokussiert sind die Lions nach der mentalen Kraftanstrengung gegen Chicago? Aber auch San Francisco wird sich vorbereiten müssen: Zuletzt zeigte sich, dass die Kombination „Silver Bullets“ + Lärm im Ford Field durchaus zu einem Flaggenfestival an Fehlstarts führen kann. Andererseits stehen die 49ers nicht im Ruf, undiszipliniert zu spielen.

Eine Prognose fällt schwer, da vieles davon abhängen wird, inwiefern es San Francisco gelingen wird, Johnson aus dem Spiel zu nehmen, der der integrale Bestandteil der Lions-Offense ist. San Franciscos dürfte dem die insgesamt komplettere Mannschaft mit einer Spielauffassung und -exekution, die Mike Singletary das Wasser in die Augen treiben dürfte, entgegenwerfen.

Könnte darauf hinauslaufen, welcher der beiden Quarterbacks Stafford/Smith die bislang jeweils gefährlichste Defensivmaschine besser respektive fehlerloser meistern wird.

Ein Kommentar zu “NFL 2011/12, #6: Detroit Lions – San Francisco 49ers Preview

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