College Football 2011/12, #8 Preview: Rivalitäten, lokal und cross-country

Heute Nacht findet eines der größten, traditionellsten Spiele im College Football statt: Notre Dame Fighting Irish gegen die University of Southern California Trojans, eine er wenigen klassischen, überregionalen Rivalitäten im Universitätssport, nachdem Auseinandersetzungen wie Alabama/Auburn, Miami/FSU, Michigan/Ohio State, Cal/Stanford oder Texas/Oklahoma doch eher geographischer Natur sind.

Die Legende will es, dass die 1926 kreierte Rivalität eine ausgemachte Sache der Ehefrauen von Notre Dames legendärem Coach Knut Rockne und USC Sportdirektor war – Mrs. Rockne wollte des schönen Wetters wegen unbedingt nach Los Angeles reisen. Tatsächlich gründet die Serie aber wohl eher auf wirtschaftlichen Überlegungen und der blanken Not Notre Dames, in der 20ern adäquate Gegner in der eigenen Region zu finden. Außerdem war man sportlich unter dem Football-Philosophen Rockne nicht unerfolgreich und hatte als große katholische Universität auch an der Westküste breite Anhängerschaften.

Dass beide Universitäten häufig im Rennen um den Landesmeistertitel involviert waren, dass beide durch großes Medieninteresse zig Heisman-Trophy-Sieger produziert haben, dass es auch mal ein Duell #1 gegen #2 gab, das alles half wie viele charismatische Spieler und Coaches, die Rivalität zu einem Kassenschlager inklusive Traum-Ratings für TV-Anstalten zu machen.

Gespielt wird um die „Jeweled Shillelagh“ (man buchstabiere: dschuelld Schuuleiliiiii), ein Knüppel aus irischem Eichenholz, der jedes Jahr verziert wird mit dem Logo des Siegers: Ein dreiblättriges, smaragdgrünes Kleeblatt für Notre Dame, ein Trojanerkopf für USC, ein gemeinsames Logo für die früher erlaubten, fünf Mal geschehenen Unentschieden.

Im Laufe der Jahrzehnte gab es immer wieder lange Siegesserien einer der beiden Unis. Fünf Jahre, acht Jahre, elf Jahre… die 2000er, die unsägliche Ära Carroll vs. Weis, dominierte USC nach Strich und Faden, ehe im letzten Jahr Notre Dame das Spiel im Würgegriff hatte, am Ende aber nur hauchdünn schloff und das 20-16 über die Zeit wurstelte.

Dieses Mal ist Notre Dame – USC aus rein sportlicher Sicht das Duell um den wahrscheinlichen Einzug in die Top-25 für den Sieger. Beide Unis haben bisher wechselhafte Leistungen gezeigt, wobei ich Notre Dame klar favorisieren würde: Die Defense um den kommenden NFL-Pick LB #5 Manti Te’o überzeugt an allen Fronten und ist dominant genug, dass ich USC mit dem sympathischen Sunnyboy-QB #7 Matt Barkley eine ungemütliche Nacht prophezeihe. Umgekehrt ist USCs Abwehr nicht die Dampfwalze, wogegen die Irish zuletzt wenigstens Anzeichen von geschmierter Offensivmaschinerie versprüht haben.

Für Notre Dame hat die Partie eine zusätzliche, langfristige Bedeutung: Man hat für heute haufenweise hoch talentierte Highschool-Footballer eingeladen, die man auf der Recruiting-Schiene mit einer dominanten Vorstellung beeindrucken möchte. Eine Aktion der Marke high risk, high reward.

Das Spiel gibt es morgen, Sonntag 23. Oktober, 9h als einstündige Zusammenfassung bei Eurosport 2. Einstündig.

Clemson Tigers – North Carolina Tar Heels

18h LIVE bei ESPN America

Die #7 Clemson Tigers spielen einen ungemein gepflegten Ball in der Offense, was für die Amtszeit von Chefcoach Dabo Swinney was völlig Neues ist: Bisweilen wurde da mit massiver Defense alles abgewürgt, während der eigene Angriff keine drei 1st downs in Serie zustande brachte. Dieser Herbst ist konträr zu allem bisher Gewesenen von großartiger Pass-Offense gekennzeichnet, was man in allererster Linie dem unglaublichen Freshman-WR Sammy Watkins zuschreibt.

Nach dem spektakulären Comeback-Sieg vergangenes Wochenende gegen Maryland dürfte der Buzz um Watkins seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht haben.

Maryland führte 35-17. Watkins scorte per 13yds-TD Catch.
Maryland führte 38-27. Watkins scorte per 15yds-TD Catch.
Maryland führte 45-42. Watkins scorte per 89yds-Kickoff Return.

Dazu ein weiterer 70yds-Return. Rastamann Watkins ist kein ganz großer klassischer Wide Receiver, sondern mit 1.83m vergleichsweise klein, aber explosiv und für seine 18 Jahre ein Brocken von Mann, den fast kein College-Verteidiger abdecken kann. Sein Auftauchen auf der Szenerie lässt schon jetzt erste feuchte Mäuler zusammenlaufen, wenn dieser Junge in einigen Jahren in die NFL geht.

Einhergehend mit Watkins’ sensationellem Einschlag gehen die plötzlich großartigen Leistungen von QB Tajh Boyd, der gegen die mäßige Passdefense von UNC erneut Yards zurücklegen sollte. Ein Punkt, der mir im Hype um Watkins/Boyd untergeht, ist das effiziente Laufspiel Clemsons, allen voran RB Andre Ellington, das gegen UNCs überragende Lauf-Defense keinen allzu einfachen Stand haben dürfte.

So oder so sollten Clemsons verbleibende Spiele ein Hingucker bleiben, da man historisch bedingt Woche für Woche einen Kollaps befürchten muss, zumal die eigene Defense heuer zu den weniger vertrauenswürdigen zählt.

Louisiana State Tigers – Auburn Tigers

21h30 LIVE bei ESPN America

Das Spiel lässt Erinnerungen aufkommen. Ziemlich genau vor einem Jahr, nach einem wilden Wochenendstart, nur auf Felgen am Samstagabend das letzte Spiel mitnehmend, aber es lohnte sich. QB Cameron Newton hatte sein Coming Out im College Football. Gegen LSU. Mit diesem sensationellen Scramble.

Auburn gewann ein klassisches, hart geführtes SEC-Derby mit einem Touchdown Differenz gegen ein junges LSU-Team und war von da an ernsthafter BCS-Titelkandidat. Heuer sind die Vorzeichen umgekehrt: #20 Auburn ist der Außenseiter, #1 LSU im eigenen Stadion hoch favorisiert, insbesondere aufgrund der bekannt großartigen Defense, die allerdings nach einer internen Sperre (Grund: unerlaubtes Kiffen) auf einige ihrer besten Spieler verzichten muss, u.a. auch auf die extrem gehypte Allzweckwaffe CB Tyranne Mathieu. Ein weiteres Problem züchtet sich Head Coach Les Miles gerade in der Offense heran, wo ich immer mehr das Gefühl bekomme, dass Miles einen Quarterback-Wechsel vornehmen möchte.

QB Jarrett Lee hat zwar 10 TD vs. 1 INT geworfen, bleibt aber blasser als ungesalzene Spaghettata, während der Kneipenschläger-QB Jordan Jefferson seit seiner Freilassung in immer größeren Salamischeiben eingesetzt wird und mit seinen Scrambles Raumgewinn macht, was heute nicht unwichtig werden könnte, da mit RB Spencer Ware auch der beste Laufspieler suspendiert wurde.

Den QB-Wechsel haben die anderen Tiger, Auburn nämlich, schon hinter sich. QB Clint Moseley hat die Odyssee von von #1b zu #3 zu #2 zu #1 gemeistert und zuletzt den besten Eindruck aller Auburn-QBs in dieser Saison hinterlassen. Nun wird LSU nach der Sperre seiner beiden besten Cornerbacks möglicherweise etwas weniger aggressiv zu Werke gehen können – könnte nach einer erleichterten Aufgabe für Moseley sprechen.

Trotzdem bleibt LSU favorisiert, zumal daheim. SEC-interne Rivalitäten wären aber nicht zum ersten Mal überraschend ausgegangen…

TV-Programm am Sonntag

Purdue Boilermakers – Illinois Fighting Illini/So, 6h30 ESPN America.
Northwestern Wildcats – #21 Penn State Nittany Lions/So, 8h Eurosport 2.

Zweimal Big Ten Conference, wobei die beiden Favoriten jeweils auswärts antreten müssen. Illinois kassierte am vergangenen Wochenende seine erste Niederlage, Penn State laviert sich mit einer inexistenten Offense und fürchterlichen Quarterbacks, aber mit einer großartigen Defense durch die Saison.

#8 Stanford Cardinal – #25 Washington Huskies/So, 9h ESPN America. Für Stanford und seinen QB Andrew Luck wird es das erste “richtige” Spiel in dieser Saison sein, nachdem man den Saisonstart in der Anonymität bestritten hat, sich gegen zweit- und drittklassige Gegner keine Blöße gab. Was Stanford so drauf hat, weiß niemand, man ist qua Reputation und Luck an #8 im Ranking, wogegen der Gegner Washington wenigstens Namhaftes  im Schedule hatte (Niederlage gegen Nebraska). Die Huskies leben in der Offense vom präzisen Werfer QB Keith Price, RB Chris Polk und WR Jermaine Kearse. Insbesondere für Price ist das Spiel die Chance zum Coming Out, auch im Rennen um die Heisman Trophy, das bislang von Gegenüber Luck dominiert wird. Stanford gilt dennoch gemeinhin als hoher Favorit. Nach dem Spiel dürfte das Leistungsvermögen der Cardinal besser einzuschätzen sein.

Aktuell sind noch weitere Spiele im Verlauf der nächsten Woche gelistet: Alabama – Tennessee (Di/11h), Miami – Georgia Tech (Mi/13h30), Michigan State – Wisconsin (Mi/16h). Dazu gesellen sich das Spiel der beiden einstigen Sunbelt-Topfavoriten FIU – Troy (Di/Mi 2h LIVE, Mi/18h30 Tape) und UConn – Pitt (Do/16h), die technisch bereits zum kommenden Wochenende zählen.

Spartaner & Dachse: Wem gehört die Big Ten Conference?

Eben kurz angedeutet, aber bei ESPN America erst am Mittwoch/16h als Tape zu sehen: Heute Nacht balgen sich in East Lansing/Michigan die beiden vermeintlich besten Footballteams der Big Ten Conference: Die #16 Michigan State Spartans schweben eine Woche nach dem emotional furiosen Heimsieg über den großen Bruder Wolverines auf Wolke 7 und haben die Chance, mit ihrer schmutzigen Defense die #6 Wisconsin Badgers vom hohen Ross herunterzuholen.

Wisconsin gilt mit dem mobilen QB Russell Wilson vorneweg als haushoher Favorit in der Big Ten Conference, muss ähnlich Stanford heute Nacht (02h LIVE ESPNPlayer) aber sein erstes ernsthaftes Spiel bestreiten, vor allem: Die Badgers sehen die erste akteptable Defense in dieser Saison. Umgekehrt hat auch MSU noch keine annähernd gleichwertige Offense gesehen: Das Duell Offense Line/Wisconsin gegen Defense Line/Michigan State hat Potenzial zu faszinieren. Gespannter noch bin ich aber, was passieren wird, wenn Michigan State mit seinem grundsoliden QB Kirk Cousins und dem mehrdimensionalen Laufspiel auf Wisconsins bislang wenig überzeugende Lauf-Defense trifft.

Gefühlt müsste dieses Spiel für Wisconsin eine ganz harte Nuss werden. Man werfe unberechenbare Größen wie die Winde von East Lansing und das Nervenkostüm der Badgers in den Mixer und freue sich über Upset-Potenzial.

4 Kommentare zu “College Football 2011/12, #8 Preview: Rivalitäten, lokal und cross-country

  1. Klasse Vorschau, danke! Ich freue mich auf Clemson, über die man nur gutes hört, aber insbesondere auch auf das Abendspiel. Werde mir heute mal einen College Football Abend gönnen 🙂

  2. Danke, Desmond, der Big Offensive Line in Wisconsin Counter ist eröffnet…

    Ich habe hinsichtlich der Nittany Lions heute Bedenken. Northwestern kann eigentlich kaum viermal in Serie verlieren und Dan Persa ist ein guter. Da muss die Offense heute dringend die Running Backs auf Trab kriegen.

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