Instant Classic: Michigan State Spartans – Wisconsin Badgers 2011

Eine Spoilerwarnung voraus für den, der das Spiel noch sehen und genießen will (Mittwoch, 16h ESPN America). Michigan State vs Wisconsin war wieder eines dieser Spiele, über die man sagen könnte „Wahnsinn! Geil! Einfach verrückt!“. Oder man sagt: „College Football eben“.

Für Wisconsin lief eigentlich alles recht souverän. Erstes Viertel, die Offense rollte, RB Montee Ball mit vielen Läufen über 4yds, 5yds, und Wisconsin schien über die Spartans drüberzufahren. Bis QB Russell Wilson gegen Ende des Viertels einen Ball direkt in die Hände von S Trenton Richardson warf. Ein Spielzug, der nach einem Missverständnis mit WR Nick Toon aussah. Von da an spürte man, dass sich die Stimmungslage in East Lansing zu drehen begann.

Freilich konnte man nicht vorausahnen, was für ein zweites Viertel folgen würde. Wisconsin zückte die Pistole und schoss sich Drive für Drive mit einem lauten Knall in die eigenen Knie. Erst wurde Wilson unter Druck in der EndZone zu einem absichtlichen Wegwerfen („Intentional Grounding“) gezwungen – Safety. Direkt im Anschluss ein EndAround über WR Keyshawn Martin durch die bereits waidwunde Badgers-Defense, 14-9.

Die letzten Minuten der ersten Halbzeit. Erst blockte Michigan State ein reichlich kurzes Field Goal Wisconsins (30yds), dann packte Head Coach Mark Dantonio die dicken Eier aus, ließ 1:27 vor Ende ein 4th and 2 in Fieldgoal-Reichweite (35yds-Linie) ausspielen, QB Kirk Cousins auf WR B.J. Cunningham, der von vier Mann umgeben mit einer Drehung sämtliche Verteidiger ins Leere laufen ließ, den Turbo zündete und zum 16-14 einschenkte.

45 Sekunden vor Halbzeit, Wisconsin beim Punten. Plötzlich stürmen fünf Grüne daher, der Punt wird geblockt, kullert in die EndZone, wo sich fünf Spartans um das Ei prügeln und schließlich irgendwie jemand doch noch unter Kontrolle bringt, 23-14 zur Pause.

Im dritten Viertel beruhigte sich die Szenerie zwischenzeitlich, Michigan State scheute plötzlich das Risiko, während Wisconsin merklich unter dem phasenweisen Ausfall von RB Montee Ball litt, ohne den sie die Offense nicht mehr in die Gänge bekamen, nur ein Field Goal machten.

Michigan State packte erst gegen Viertelende wieder einen langen Drive aus, setzte primär auf den kräftigen RB La’Veon Bell, ehe in der RedZone bei 3rd und 11 erneut WR Martin angespielt wurde. Wisconsins schon seit Wochen schlampiges Tackling schien wieder durch, Martin zwar nicht auf der Direttissima, aber auf Umwegen in die EndZone, 31-17 und ein frenetisches Publikum.

Aber Wisconsin war noch nicht ausgeknockt, Wilson riss das Team am Riemen, scrambelte und pumpfakte sich zum Anschluss-TD, ließ sich von einer weiteren sinnlosen INT nicht aus dem Konzept bringen, die Special Teams plötzlich mit langen Returns, während Michigan State mit einem Mal NICHTS mehr zustande brachte, serienweise Three’n’Outs produzierten.

1:26 vor Schluss, nach einem wilden tiefen Ball auf Toon, zwei Plays später der Ausgleich, 31-31, mit kurzem Chip zum zurückgekehrten RB Ball.

Michigan State bewies Eier, während Wisconsins Head Coach Bret Bielema sich den Zorn der eigenen Anhängerschaft mit einem sinnlosen Timeout zugezogen haben dürfte (mir wäre nicht bekannt, dass Bielema mal Schottenheimers Assistent war). Die Spartans an die WIS44, 4sek zu spielen.

QB Cousins nimmt den Snap auf, wartet, als der PassRush durchkommt mit dem Wurf auf einem Bein, die Hail Mary fliegt in hohem Bogen in die EndZone durch die Hände von Wisconsins Safety Aaron Henry, wird drei Yards tief in der EndZone abgefälscht, springt heraus, direkt in die Arme von WR Keith Nichol. Henry mit der geistesgegenwärtigen Reaktion, reißt Nichol zu Boden. Nach dem Video-Replay wird der Touchdown gegeben, eine haarige, aber IMHO korrekte Entscheidung. 37-31, die hochgejazzten Wisconsin Badgers geschlagen und wohl aus dem BCS-Rennen.

Meine Fresse, Nichol, was für eine Geschichte: War vor fünf Jahren ein gehypter QB auf der Highschool, wollte nach Michigan State, ehe dort der neue Coach Mark Dantonio eingestellt wurde. Nichol ging nach Oklahoma, sah dort gegen Sam Bradford kein Land, wechselte zurück zu Michigan State, verlor den teaminternen Wettstreit mit Kirk Cousins. Ließ den Kopf nicht hängen, schulte auf Wide Receiver um und macht nun den Touchdown, über den man in East Lansing noch 30 Jahre sprechen wird.

Oder Kirk Cousins: Seit Highschool-Zeiten stets auf Umwegen über die Ersatzmannschaften und Scout-Teams den Weg zum Starter geschafft, ein staubtrockener Typ von einem Charakter, furzlos bis in die Knochen, aber was eine coole Leistung und was ein Wurf 4sek vor Schluss.

Oder Mark Dantonio. Letztes Jahr nach einem ultraengen Heimsieg über Notre Dame zusammengeklappt und mit Herzinfarkt ins Krankenhaus eingeliefert. Am Samstag der noch wüstere Krimi, wie dem Mann an dem Abend wohl war?

Ins Rennen um den BCS-Titel werden die beiden Teams heuer wohl nicht mehr eingreifen können, was jedoch den Titel in der Big Ten Conference angeht, ist ein Re-Match im Conference-Endspiel Anfang Dezember in Indianapolis nicht ausgeschlossen. Beide dürften gute Chancen besitzen, ihre jeweiligen Divisionen zu gewinnen.

Wenn Michigan State weiterhin so diszipliniert (Strafen in diesem Spiel: null, nach sechs Personal Fouls letzte Woche gegen Michigan) und fehlerlos (nur ein verlorener Fumble gleich zu Spielbeginn) auftritt, traue ich es ihnen durchaus zu. Seit Dantonio dort Coach ist, haben die Spartans auch nicht mehr den Ruf, auf große emotionale Momente sinnlose Niederlagen gegen scheinbar unterlegene Gurkentruppen einzufangen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.