BCS-Report 2011/12, vor dem Gruselfest

Letzte Woche hatte ich mich über das lahme BCS-Rennen in dieser Saison beklagt. Das vergangene Wochenende hat uns dann doch noch die eine oder andere Überraschung (Wisconsin) oder gar Sensation (Oklahoma) eingebrockt, was dem BCS-Titelrennen dann doch einige zusätzliche Kniffe verleiht. Ein Blick auf Titelrennen und automatische BCS-Bowleinladungen vor Woche 9.

Die BCS-Standings

#1 Lousiana State Tigers
#2 Alabama Crimson Tide

Beide Mannschaften gönnen sich am kommenden Hallowe’en-Wochenende ein Päuschen, bevor es am 5. November zum ganz großen Kracher der Saison in Tuscaloosa kommt. Ich werde langsam, aber sicher immer mehr zum heimlichen Bewunderer der LSU Tigers und ihrer seelenruhigen Spielweise in Offense und Defense. Mag man ihnen entgegenwerfen, was man wolle, sie werden nicht nervös, spielen ihren Stiefel runter als seien sie beim Nachmittagskränzchen ihrer Schwiegermütter. Ähnliches gilt für Alabama, die mit einer Handvoll herausragender Einzelspieler aber einen Tick mehr Rabatz veranstalten.

#3 Oklahoma State Cowboys
#4 Boise State Broncos
#5 Clemson Tigers
#6 Stanford Cardinal

Das Quartett, das ungeschlagen der Dinge harrt. Einzig Oklahoma State dürfte sein BCS-Endspiel-Schicksal in eigenen Händen haben: Die Computer sind verknallt in die Cowboys (#1 gerankt) und sollten sie die Sooners am letzten Spieltag killen, dürfte das auch entsprechend von den restlichen Abstimmenden gewürdigt werden, sprich National Title Game.

Stanford kann hauptsächlich auf den Faktor Luck und entsprechenden Hype hoffen, muss aber Oregon schlagen (woran ich noch nicht zu glauben vermag) und auf eine Cowboys-Niederlage hoffen.

Clemson ist immer noch suspekt, dürfte aber selbst im Falle einer Perfect Season den Makel der schwachen ACC mit sich schleppen und muss entsprechend auf höhere Mächte hoffen.

Boise State ist IMHO die beste Mannschaft in diesem Quartett, aber auch jene mit den schedulebedingt geringsten Chancen. Dazu kommt, dass der tapfere AP-Voter, der Boise seit Wochen an #1 rankt, für die BCS irrelevant ist. Bleibt Boise State jedoch ungeschlagen, werden die Broncos als Trostpreis in eine BCS-Bowl eingeladen – man hofft weiterhin auf die Sugar Bowl gegen die zweitbeste SEC-Mannschaft (aber eher muss man davon ausgehen, in der Fiesta Bowl auf den hoffnungslosen Big-East-Champ gematcht zu werden).

#7 Oregon Ducks
#8 Kansas State Wildcats

#9 Oklahoma Sooners
#10 Arkansas Razorbacks

Kansas State ist noch ungeschlagen, aber Kansas State wird nicht ungeschlagen durch den November kommen, insofern kann man die sympathischen Wildcats getrost außen vor lassen. Oregon ist für mich mit Abstand die beste Mannschaft in diesem Quartett, wird aber nur dann ins BCS-Endspiel kommen, wenn sie den restlichen Schedule zertrümmern und Alabama gegen LSU haushoch verliert. Verliert LSU gegen Alabama, ist Oregon draußen (remember: Oregon verlor recht eindeutig gegen LSU), kann sich aber aus eigener Kraft die Teilnahme an der Rose Bowl sichern.

Oklahoma ist eine sehr gute Mannschaft und bleibt mein Favorit in der Big 12, könnte aber durch die bittere Heimniederlage gegen Texas Tech das BCS-Endspielticket bereits verloren haben, es sei denn, man zertrümmert Oklahoma State nach Strich und Faden und eine Handvoll weiterer ungeschlagener Mannschaften baut zum rechten Zeitpunkt Mist.

Arkansas dürfte nach der Schlappe in Tuscaloosa aus dem Titelrennen sein, aber bei entsprechendem Saisonverlauf (Sieg über LSU) durchaus noch Chancen auf eine „At-large“-Einladung in die Sugar Bowl besitzen.

#11 Michigan State Spartans
#14 Nebraska Cornhuskers
#15 Wisconsin Badgers
#18 Michigan Wolverines
#19 Penn State Nittany Lions

Hier wird es interessant, was die Conferences und die damit verbundenen automatischen BCS-Bowleinladungen angeht. Beginnend mit der Big Ten Conference, die gleich FÜNF Mitglieder auf einem Haufen aufbietet, alle mit einer einzigen Niederlage, alle damit wohl aus dem Rennen um den National Title, aber alle noch mit Chancen auf die Rose Bowl.

Michigan State (3-0 in der Conference) und Nebraska (2-1) in der Legends Division, Penn State (4-0) und Wisconsin (2-1) in der Leaders Division haben es alle in eigener Hand, sich für das B1G-Finale zu qualifizieren, in dem sie die direkten Duelle gegen den jeweils anderen und ihre Divisionen gewinnen. Faszinierend wäre natürlich ein Re-Match Michigan State – Wisconsin um den Einzug in die Rose Bowl. Die Michigan Wolverines müssen dagegen auf entsprechende Ergebnisse zwischen Nebraska und Michigan State hoffen, um noch eine Finalchance in der Big Ten zu bekommen.

#12 Virginia Tech Hokies
#13 South Carolina Gamecocks

South Carolina dürfte in der SEC verletzungsbedingt früher oder später Probleme bekommen,  Virginia Tech hat alles in seiner Hand, muss „nur“ seine völlig offene Coastal Division in der ACC gewinnen, ehe es im ACC-Endspiel gegen vermutlich Clemson um den Einzug in die Orange Bowl geht. VT wurde von Clemson heuer bereits 23-3 abgewürgt, aber wenn es im Endspiel um alles oder nichts geht… Clemson, Flatternerven, anyone?

#16 Texas A&M Aggies
#20 Texas Tech Red Raiders

Texas A&M sowie Texas Tech müssen in der Big 12 Conference auf höhere Mächte hoffen, um das Endspiel der Big 12 und die Fiesta Bowl zu erreichen, wobei insbesondere die Chancen der Red Raiders minimal sein dürften (bereits 2 Conference-Niederlagen).

#17 Houston Cougars

Interessant sind die Houston Cougars aus der kleinen C-USA. Noch unbesiegt und mit QB Case Keenum einen Außenseiterkandidaten auf die Heisman Trophy, und sollte Houston – woran ich noch nicht glaube – ungeschlagen durchkommen und Boise State ein Spiel verlieren, werden die Coogs mit hoher Wahrscheinlichkeit eine automatische BCS-Einladung bekommen. Wie gesagt: Beide Szenarien, die dafür nötig sind, halte ich für recht unwahrscheinlich.

#21 Arizona State Sun Devils

Arizona State dürfte spätestens nach der Abschlachtung von UCLA die Süddivision der Pac-12 und damit den Finalplatz in der Pac-12 sicher haben, wird im Endspiel aber krasser Außenseiter gegen Stanford oder Oregon sein. BCS-Bowlchancen: gering.

#22 Georgia Bulldogs
#23 Auburn Tigers

Selbiges gilt in der SEC für die Georgia Bulldogs, die man mittlerweile als Favoriten in der SEC East sehen kann, die aber krasser Außenseiter im SEC-Finale sein werden, wenn sie es denn erreichen sollten. Auburn ist spielerisch in der knüppelharten SEC West zu limitiert, aber trotz dreier verheerendener Niederlagen und zweier hauchzarter Siege im Schedule die #15 in den Computer-Rankings!

#24 Texas Longhorns

Texas hat nur noch minimalste theoretische Chancen, in der Big 12 etwas zu reißen, wird die verbleibene Saison als Aufbaujahr für 2012/13 nutzen.

#25 West Virginia Mountaineers

WVU wurde am Freitag von Syracuse in Grund und Boden gespielt (49-23 Niederlage), was für West Virginia und vor allem für die Big East Conference verheerend ist. Denn obwohl die Mannschaft gerankt bleibt, besteht plötzlich die Möglichkeit, dass eine andere Uni als WVU die Conference gewinnt und die automatische BCS-Bowleinladung bekommt, was zu einem weiteren Debakel und Diskussionen um die BCS-Würdigkeit der gesamten Conference führen dürfte.

Meine Top-10

#1 Alabama
#2 Louisiana State
#3 Boise State
#4 Oregon
#5 Oklahoma State (+1)
#6 Michigan State (+1)
#7 Stanford (+2)
#8 Oklahoma (-3)
#9 Texas A&M (-1)
#10 Clemson (NR)

Die Rankings bleiben eine harte Nuss, da es nur 3-4 rundum überzeugende Mannschaften (Oregon mit Abstrichen) gibt, dazu die Schönspieler von Oklahoma State, Oklahoma und Clemson sowie die weiterhin schwer einzuschätzenden Michigan State Spartans und Stanford Cardinal. Michigan State hat wie erwartet Wisconsin geputzt, aber hinlänglich Angriffsflächen geboten (spielt der gegnerische Angriff zügig, ist die Defense in Bedrängnis zu bringen, eigene Offense wird gegen starke Lauf-Defense große Probleme kriegen), bei Stanford hängt die Saison am Duell mit Oregon, und, sollten sie dieses wider Erwarten gewinnen, am letzten Spieltag gegen die fiese Defense von Notre Dame. Texas A&M bliebt mit zwei Freak-Niederlagen in den Top-10.

4 Kommentare zu “BCS-Report 2011/12, vor dem Gruselfest

  1. Was passiert eigentlich wenn:
    -Oklahoma State gegen Oklahoma verliert
    -Stanford gegen Oregon verliert
    -Clemson im ACC-Championship Game verliert

    hätte dann Boise State eine Chance oder würde dann ein 11-1 Alabama/LSU dann vorgezogen?

  2. Eine Frage, die dir niemand beantworten kann, da kein Mensch die Computer-Formeln kennt, die intransparent – und womöglich gar willkürlich – sind. Eigentlich ein Skandal, aber solange sich die Bowl-Lobby halten kann und nicht von außen – Politik, Medien – der Druck intensiviert wird, wird sich an dem Zustand nichts Grundlegendes ändern. Die Fassade der BCS beginnt allerdings zu bröckeln, trotzdem schaue man sich auch mal die Namensliste durch, die im „Harris Poll“ abstimmen, das 1/3 der BCS-Rangliste ausmacht: Ein erlesener Trupp alteingesessener BigCow-Lobbyisten.

    Trotzdem kann man von einigen Dingen ausgehen:

    – Oklahoma State wird bei Niederlage gegen Oklahoma kaum ins National Championship Game einziehen, da sie das direkte Duell mit den Sooners verloren hätten. (Angenommen, OU gewinnt alle seine verbleibenden Spiele)
    – Selbiges gilt für Stanford bei Niederlage gegen Oregon (eventuell würde Stanford dann nicht mal ins Pac-12 Finale einziehen).
    – Selbiges gilt im Übrigen auch für Oregon bei gleicher Saisonbilanz wie LSU (direktes Duell)
    – Clemson dürfte nur ungeschlagen eine kleine Chance auf das Finale haben; eine Niederlage wäre aufgrund der schwachen ACC der Dolchstoß.
    – Alabama/LSU dürften am ehesten auch mit einer Niederlage für das BCS Title Game in Betracht gezogen werden, da die SEC einen Ruf wie Donnerhall genießt.
    – Boise State auf der anderen Seite MUSS ungeschlagen bleiben UND auf allerhand Freak-Ereignisse hoffen (z.B. Alabama – LSU endet in einem Kantersieg, OU, Oklahoma und Co. kassieren ein weiteres Upset) – ich würde nicht darauf wetten, dass Boise mit 12-0 Unis wie Oklahoma/Oklahoma State UND LSU/Alabama UND Stanford/Oregon UNDUNDUND vorgezogen würde, wenn all die Letztgenannten mit maximal einer Saisonniederlage die Regular Season beenden würden.

    Boise State ist ein Zwerg unter Giganten, eine winzige Uni am Arsch der Welt in Idaho, würde die TV-Ratings zerstören und verfügt zudem über den offensichtlichen Nachteil des schwachen „Strength of Schedule“. Ich lasse mich gerne belehren, aber ich kann mir aktuell kein Szenario ausmalen, in dem Boise State von der BCS ins Finale eingelassen wird.

  3. Lassen wir mal jegliche BCS-Kartell-Geschichten, die definitiv nicht vollkommener Unfug sind, außen vor:

    Boises Schedule ist lausig, eicgentlich sogar extrem lausig.
    Keine Ahnung wie stark Boise tatsächlich im Vergleich zu anderen Schulen ist, aber wenn die einzige Bewährungsprobe gegen #22 Georgia war, hat man nur mäßige Argumente. (Stichwort „Qualitätssiege“)
    (Wie die allgemeine Denke ist, sieht man ja auch an der Einschätzung des Autors, der erwiesenermaßen Boise-Fan und BCS-Kritiker ist, zu Houston. ;))

    Ein 11-1 SEC-Team würde Boise sicher vorgezogen werden.
    Die realistischste Chance für Boise auf das Championchip Game? Georgia gewinnt das SEC-Championship Game gegen Bama/LSU.

    Oregon hat m.E. nur eine Chance, wenn LSU Bama schlägt. Andersrum eher nicht.

    Das ungeschlagene Stanford sehe ich auch schwächer als Oregon. Denke die Ducks werden die Cards schlagen.
    (Und bei allem Respekt vor Stanford und Luck: EIn echter Statement-Sieg fehlt ihnen noch.)

    Die Sooners halte ich auch für stärker als OSU.
    Andererseits hat Texas Tech gezeigt, dass die OU in high-scoring-Games schlagbar sind (und nichts anderes kann/will OSU).

    Mein Respekt vor der diesjährigen Big Ten ist auch noch etwas weiter gesunken. Tendentiell würde ich noch 1-2 weitere SEC-Teams stärker als die Big Ten Spitze sehen…

    Houston ist sicherlich kein Contender, aber eine ungeschlagene Saison traue ich ihnen aber durchaus zu.
    Ihr Schedule ist nicht wirklich stark und den ultimativen Test im weiteren Verlauf der Saison sehe ich nicht unbedingt. (evtl. SMU?)

  4. Re: Boise State Broncos

    (Wie die allgemeine Denke ist, sieht man ja auch an der Einschätzung des Autors, der erwiesenermaßen Boise-Fan und BCS-Kritiker ist, zu Houston. 😉

    Der kleine, aber feine Unterschied: Houston wackelt sich gegen Graupentruppen wie UCLA oder Lousiana Tech zu schmeichelhaften Siegen, während Boise State seit Jahren überzeugend und fast ohne Wackler das Establishment an die Wand spielt.

    Ergebnisse sind nicht alles.

    Boises #3-Ranking hat nichts mit persönlicher Zuneigung zu tun. Es ist die objektivst-mögliche Einschätzung, die sich aus mehreren Jahren Entwicklung unter diesem fantastischen Trainerstab ergibt.

    Ein eher schwacher Schedule kann an dieser Überzeugung nur bedingt rütteln. Punkt ist: Wird Boise zu einer schlechteren Mannschaft, weil sie gegen schwächere Gegner spielen? Nope.

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