NFL-Woche 8/2011: Willkommen zum Süßes-sonst-gibt’s-Saures-Spieltag

Letztes Wochenende im Oktober 2011. Das bedeutet:

  • Weil die Amerikaner eine Woche später die Uhr zurück auf die Winterzeit stellen, werden die Partien an diesem NFL-Spieltag um eine Stunde früher angepfiffen. Sprich: 18h, 21h30 und 1h20 am Sonntag, 1h30 in der Nacht auf Dienstag.
  • Mit dem letzten Oktober-Wochenende werden wir auch zum letzten Mal für 2011 die teilweise urkomischen Farbkombinationen mit rosa zur Erinnerung an die Brustkrebsrisiken erleben. Ich frage mich so oder so Jahr für Jahr, ob die NFL mit dieser Aktion schon die richtige Kundschaft anspricht?
  • Schließlich: Die Baseball-Saison ist um. In anderen Worten: ESPN America kann wieder zu seinem gewohnten Spielplan zurückkehren, was uns GamePass-lose Gesellen besonders freut.

Zum Hallowe’en (oder wie meine Musik-Kollegen zu sagen pflegen „Hallo, Wein!“) Spieltag der NFL. Trick or Treat?, bei dem NFL-Fernsehprogramm an diesem Wochenende erübrigt sich diese Frage.

Tennessee – Indianapolis
Washington – Buffalo (Mo/15h30 Tape ESPN America)
Baltimore – Arizona
Houston – Jacksonville (18h LIVE Sport1+)
Carolina – Minnesota
St Louis – New Orleans
New York Giants – Miami (18h LIVE ESPN America)
Denver – Detroit (23h20 PULS4, Mo 13h30 Tape ESPNA)
Pittsburgh – New England (21h LIVE ESPN America)
San Francisco – Cleveland (21h LIVE Sport1+)
Seattle – Cincinnati
Philadelphia – Dallas (01h LIVE ESPN America)
Kansas City – San Diego (Mo/Di 01h LIVE ESPN America)

13 NFL-Spiele und ACHT davon im TV? Wie geil ist das denn?

Houston Texans – Jacksonville Jaguars

Sonntag, 18h LIVE bei Sport1+

Trick. Das Spiel gewinnt durch den sensationellen MNF-Sieg der Jags gegen Baltimore an Intensität, aber vom rein ästhetischen Standpunkt darf man nicht von einem Kracher ausgehen. Die Jaguars besitzen eine erstaunlich gute Defense, die in der Lage ist, mit ihrer Defensive Line Lauf- und Passspiel zu attackieren und auch im Defensive Backfield im Vergleich zum vergangenen Herbst nicht wiederzuerkennen ist. Unter diesem Gesichtspunkt dürfte der erneute Ausfall von Texans-WR Andre Johnson für Houston noch bitterer sein. Auf der anderen Seite dürften die Texans mit ihrem ordentlichen Pass Rush QB Blaine Gabbert unter Zugzwang bringen können.

New York Giants – Miami Dolphins

Sonntag, 18h LIVE bei ESPN America

Trick. Sieht aus wie eines der uninteressantesten Matchups, das man über eine NFL-Saison bekommen kann. Die New York Giants führen zwar immer noch die NFC East an und kein Mensch kann sie so richtig einschätzen: Siege über Eagles und Bills, Niederlagen gegen Redskins und Seahawks (!).

Diesen Sonntag bekommen die Giants Fischstäbchen vorgeworfen. Die Miami Dolphins sind meilenweit davon entfernt, mein Playoff-Geheimtipp zu sein, viel näher sind die Dolphins dran, NFL-Bodensatz zu werden. Nicht, dass man es nach all den Stänkereien in der Offseason (Sparano, Henne) nicht hätte erwarten können, aber dass mit der Defense das Prunkstück der Mannschaft derart abschmieren würde, war nicht abzusehen.

Vergangene Woche wurde zuhause gegen Denver zu allem Überfluss ein Spiel gegen einen weiteren Bodensatz-Topfavoriten Denver verloren, ein Spiel, in dem die Siegchancen 5:23 Minuten vor Spielende bei 99.2% gelegen hatten. Neunundneunzigkommazwei, und dann verliert man gegen QB-Grünschnabel Tim Tebow. Zuhause.

Head Coach Tony Sparano ist nur noch dead man walking, und weil dies jeder – inklusive Sparano himself – weiß, darf man sich getrost wundern, warum der Mann seine Mannschaft weiterhin so stockkonservativ auftreten lässt. Mut zum Risiko ist ein Fremdwort – dabei hätte der Mann nichts mehr zu verlieren!

Pittsburgh Steelers – New England Patriots

Sonntag, 21h LIVE bei ESPN America

Treat, Steelers (4-2) gegen Patriots (5-1) gehört zum Feinsten, was die NFL zu bieten hat. Zusätzlichen Thrill gewinnt diese Partie, weil beide mittlerweile wenigstens punktegleich ihre jeweiligen Divisionen anführen, was insbesondere bei den Steelers noch bis vor wenigen Wochen verwundert hätten.

Schließlich spielte die Mannschaft über Wochen uncharakteristisch fehlerhaft und schlampig, erlaubte sich dutzende völlig überflüssige Strafen und erzwang mit ihrem Prunkstück, der Defense, kaum Turnovers. Diese Defense laviert sich bereits seit Wochen mit Verletzungssorgen durch und musste kürzlich einen massiven Schlag ins Kontor einstecken, als DE Aaron Smith, ein alter Recke, auf die Injuried Reserve gesetzt wurde.

Dagegen kommt im Angriff langsam, aber sicher das Laufspiel um RB Rashard Mendenhall in die Gänge, während die Steelers seit Wochen ein Passspiel aufziehen, das man bis dato eher von den nebenan spielenden Studenten von der University of Pittsburgh gewohnt war: Fassungslose tiefe Bälle für WR Mike Wallace, der über die Saison sensationelle 20.3yds/Catch macht, und WR Emanuel Sanders, da erblasst ein ehrenwerter Kämpe wie Hines Ward nur noch.

Erblassen ist ein Tunwort, das auch beim Gegner zutrifft: Was die New England Patriots um QB Tom Brady für einen Passangriff hinstellen, gehört zum Besten, was ich in fast einem Jahrzehnt NFL bislang gesehen habe und übertrifft IMHO die 2007er-Ausgabe meilenweit, da diesen Herbst ohne deep threat operiert wird – höchst erfolgreich operiert wird. Wird interessant zu sehen sein, wie Pittsburgh mit all seinen Sorgen diese Offense einzubremsen gedenkt: Mit enorm physischen Cornerbacks wie zuletzt gegen Arizona, als man dafür haufenweise Strafen kassierte?

Die Patriots kommen aus der spielfreien Woche, in der Vergangenheit meist ein Alarmsignal für den Gegner, heuer aufgrund der unzuverlässigen Defense vielleicht sogar essenziell. Belichick dürfte an einigen Stellschrauben in der Front Seven geschraubt haben und mit einiger Sicherheit die wunden Punkte in der Offensive Line der Steelers offenlegen.

Ansonsten verlief die Bye Week eher patriots-untypisch: TE Rob Gronkowski sorgte für Aufsehen, als er sich mit einem Pornostar ablichten ließ und unmittelbar darauf im Namen der amerikanischen Prüderie zu einer Entschuldigung gezwungen wurde.

Wird ein interessantes Spiel. Vor einem Jahr marschierten die Patriots mit dicksten Klöten auf das Heinz Field und legtem mit einem sensationellen Kurzpass-Stakkato Ei um Ei in der EndZone ab – damals Startschuss zu einer gewaltigen Siegesserie, während in Pittsburgh ein Umdenken stattfand, das letzten Endes gar zum Durchmarsch in die Super Bowl führte.

San Francisco 49ers – Cleveland Browns

Sonntag, 21h LIVE bei Sport1+

Trick. Weder ein Augenschmaus, noch spannend zu werden verspricht dieses Duell. Trotzdem ist es ein wichtiges Spiel, für San Francisco geht vielleicht schon um ein gutes Seeding in den Playoffs, die Cleveland Browns dagegen können in der erstaunlich offenen AFC North weiter dran bleiben. Was eigentlich ein Witz wäre. Ich kann nämlich nicht fassen, wie schlecht diese Offense ist. Vergangene Woche gegen Seattle ganze SECHS Punkte gemacht (und BTW trotzdem gewonnen!). Sechs Punkte durch zwei Field Goals. Aus 52yds und 53yds. Ohne Worte. (FGs aus 24yds und 48yds wurden verkickt).

San Francisco dürfte klarer Favorit sein, weil die Offense der Browns immer noch allein auf den schmalen Schultern vom jungen QB Colt McCoy lastet und sich RB Peyton Hillis weiterhin im Clinch mit der Vereinsführung wiederfindet.

Denver Broncos – Detroit Lions

Sonntag, 23h20 LIVE bei PULS4
Montag, 13h30 Tape bei ESPN America

Treat. Wie wohl die Quoten bei PULS4 aussehen, nachdem man bereits mitten in der Saison beginnt, Livespiele zeitversetzt zu senden und stattdessen Quark wie „QUIZ TAXI eXtrem“ bringt?

Dabei hat das Spiel einiges an interessanten Facetten zu bieten, selbst wenn man den Würgegriff des Themas Tebow und seiner Wiederauferstehungsgeschichten mal weglässt. Tim Tebow hat sich beim Debüt in Miami als enorm schwerfällig im Ausgucken der Defense herausgestellt. Kein gutes Vorzeichen, wenn man gegen eine der wildesten Defensive Lines der NFL antreten muss. Sacks und Hits scheinen vorprogrammiert.

Auf der anderen Seite ist Tebow auch ein Quarterback, der schnell aufgibt, wenn seine erste Anspielstation abgedeckt ist, und einfach mal drauflos scrambelt. Detroit wird in dieser Hinsicht eine Lösung brauchen, wie die Lions auch ihre schwache Lauf-Defense gegen die Herren Moreno/Ball aufpeppen müssen.

Auch Detroits Angriff ist eindimensional wie Weißbrot, hängt allerdings am Tropf von QB Matt Staffords Gesundheit (Stafford aktuell „questionable“), nachdem ein Running Back nach dem anderen auf die Verletztenliste wandert. Zuletzt sah der Angriff dann auch nicht besonders elegant aus und diesmal wird WR Calvin Johnson gegen einen der besseren Cornerbacks der Liga gematcht werden: CB Champ Bailey.

Nicht zu unterschätzen ist der Pass Rush der Broncos, der mit Top-Athleten wie Rookie Von Miller (ex-Texas A&M) und Elvis Dumervil nicht ungefährlich ist und sich auch auf den großartigen OLB D.J. Williams verlassen kann, TE Brandon Pettigrew als schnelle Anspielstation ordentlich abzudecken.

Eine spielentscheidende Frage wird auch sein: Verfügen die Lions über die Nerven, sich nach zwei missratenen Vorstellungen dem Druck zu stellen und vor der spielfreien Woche in die Siegerstraße zurückzukehren? Schließlich scheint ein Hauch von Resignation eingekehrt zu sein, während Denver trotz einer weitestgehend schwachen Vorstellung gegen Bodensatz Miami im Stimmungshoch ist.

Philadelphia Eagles – Dallas Cowboys

Sonntag/Montag, 01h20 LIVE bei ESPN America

Treat. Durch das 253yds-Spiel vom ex-Oklahoma Sooner RB DeMarco Murray gegen die St Louis Rams muss man sich plötzlich fragen, ob wir es hier mit einem klassischen „top vs. Bottom“-Duell zu tun haben werden: Cowboys-Laufangriff gegen die fürchterliche Defense der Philadelphia Eagles. Unter diesem Gesichtspunkt dürfte Dallas auch auswärts leichter Favorit sein, jedoch schaut es für die Eagles nur wie eine Frage nach der Zeit aus, bis der Schnapper „klick“ macht und die Stärken die teilweise eklatanten Schwächen dauerhaft überdecken können.

Buffalo Bills – Washington Redskins

Montag, 15h30 Tape bei ESPN America

Trick. Das jährliche Kanadaspiel der Bills, ein paar Kilometer übern See in Toronto ausgetragen. Washington kommt mit einer namenlosen Offense des Weges: QB John Beck, RB Roy Helu, TE Fred Davis, WR Anthony Armstrong, LT Sean Locklear, LG Will Montgomery, C Erik Cook, RG Chris Chester, RT Jammal Brown, WR Jabar Gaffney (okay, den kennt man), FB Darrel Young.

Bei den Bills hat QB Ryan Fitzpatrick einen frischen Sechsjahresvertrag in der Schublade: 59 Mio. Dollar für den Mann, der einst als hoch intelligenter Wandervogel und Backup fürs Leben galt, unter dem höchst interessanten Head Coach Chan Gailey aufgeblüht ist.

Kansas City Chiefs – San Diego Chargers

Montag/Dienstag, 01h30 LIVE bei ESPN America

Treat. Der überlegene Sieg der Chiefs über die hoch eingeschätzten, aber quarterbacklosen Raiders kam genau zum richtigen Zeitpunkt, denn plötzlich ist dieses Monday Night Game gegen die Chargers ein wichtiges in einer offenen AFC West. Genaueres dann am Montag.

2 Kommentare zu “NFL-Woche 8/2011: Willkommen zum Süßes-sonst-gibt’s-Saures-Spieltag

  1. Vielleicht gibts doch einen Grund, Giants – Miami zu schauen… Der Wetterbericht meldet Schnee!!

  2. Pingback: NFL 2011/12, Woche 8: New York Giants – Miami Dolphins « Sideline Reporter

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