Rekapituliert: Woche 9, College Football 2011/12

(Vorsicht, Spoiler!)

Vorausgeschickt: Auch ohne das Mitwirken von #1, #2 und #4 in der BCS-Wertung hatte das Wochenende etliches zu bieten und man kann mit Fug und Recht behaupten: Die Kniffe nehmen zu, in Sachen National Title Game und in Sachen Conferences.

Das Spiel des Tages habe ich soeben im Schnelldurchgang durchgesehen. Prädikat: Unterhaltsam. Außergewöhnlich. Ein Spektakel, was die USC Trojans und die Stanford Cardinal da lieferten, ein Spiel, das erst in der dritten Overtime entschieden wurde. Stanford gewann am Ende 56-48, weil USC mit einem ausgedünnt wirkenden Kader gegen Ende etwas die Power ausging, die Defense zu bröckeln begann und es einen Ball in die EndZone fumbelte.

Bei Stanford ragte die Coolness von QB Andrew Luck selbst nach einem potenziell verheerenden Return-TD heraus, aber auch Lucks Anspielstationen zeigten Nehmerqualitäten und bissen sich durch brenzlige Situationen, z.B. #25 Tyler Gaffney beim ersten Touchdown.

Stanfords Kader schaut sehr ausgeglichen, selbstbewusst aus, ist variabel für verschiedenste Situationen und auch in der Lage, zwei, drei Overtimes mit voller Kraft durchzuspielen. Allerdings dürfte es gegen Oregon eine Steigerung in der Defense brauchen, vor allem das Tackling war suboptimal. Stanford wirkt jedoch physisch in der Lage, Oregons Angriff einzubremsen und wird Heimvorteil genießen: Ein vermutlich ausverkauftes Stanford Stadium – mittlerweile die absolute Rarität, aber dieses Spiel wird enorme Auswirkungen in Pac-12 und BCS-Rankings besitzen.

BCS-Stoff

Pac 12 – #7 Oregon auf der anderen Seite walzte Washington State nieder und setzte dabei vor allem wieder die angeschlagenen QB Darron Thomas und RB LaMichael James ein, ein gutes Zeichen. Nun folgen die beiden Auswärts-Kracher @Wazzou und @Stanford an den nächsten beiden Samstagen.

ACC – Ich hatte es angekündigt: #5 Clemson wird a) kaum ungeschlagen durchkommen und b) gegen Georgia Tech mit seiner Triple-Option-Offense große Probleme bekommen. Gesacht, getan: Die Tigers vergeigten in Atlanta, verloren klar 17-31 und verabschieden sich damit aus dem BCS-Rennen, können jedoch noch über die schwache ACC in die Orange Bowl einziehen, wobei insbesondere in ihrer laschen Atlantic Division nicht viel Konkurrenz wartet und auch der mögliche ACC-Finalgegner #12 Virginia Tech eine alles andere als zufriedenstellende Offense besitzt.

Big 12 – Wenig überraschend ist auch #8 Kansas State, ein klassisch durch schwachen Schedule nach vorne gespültes Team, erstmals geschlagen. Augenöffner ist allenfalls die Klarheit der Heimniederlage gegen die #9 Oklahoma Sooners: 17-58. Und das, obwohl man anfangs recht gut mithalten konnte, ehe ab Ende der ersten Halbzeit sämtliche Dämme brachen und die Sooners trotz Verlust ihres Einser-RB Whaley locker drüberrollten (u.a. 505yds Passspiel für QB Landry Jones).

Big Ten – Die Conference bleibt eine Wundertüte par excellence. #15 Wisconsin entpuppt sich immer mehr als Knallfrosch, verlor gegen die in dieser Saison teilweise armseligen Ohio State Buckeyes und muss nun ernsthaft bangen, überhaupt den Einzug in das B1G-Finale zu erreichen. Denn: Die #21 Penn State Nittany Lions sind Raubkatzen mit mehr als sieben Leben. Unglaublich, wie sich die Elf von Joe Paterno (Karrieresieg Nr. 409!!) durchlaviert, trotz einer inexistenten Offense. Gegen Illinois brauchte es einen geblockten Punt und verschossenes Field Goal eines bis dato fehlerlosen Illinois-Kickers (in der Schlusssekunde an die Stange!), um ein 10-7 herauszuwürgen.

In der anderen Division verloren die von mir so gelobten #14 Michigan State Spartans mit einer anämischen Offensivleistung in Nebraska und brachten dabei keine 200yds Offense zustande. Die Legends Division ist nun völlig offen: Michigan, Michigan State und Nebraska jeweils mit 3-1 Bilanz in der Conference.

SEC – Die Cocktail-Party in Jacksonville bot adäquates Programm auch auf dem Feld: #22 Georgia trotz 14-Punkte-Rückstand am Ende mit einem 24-20 Sieg über Florida, das seine Offense nicht wirklich in die Gänge bekam, hauptsächlich mit gewaltigen Big Plays vorankam, aber insgesamt enttäuschend auftrat. Georgias SEC-Träume hängen allerdings davon ab, dass South Carolina im Schlussspurt eines der folgenden beiden Spiele verliert: @Arkansas, vs. Florida. Die Gamecocks haben in der Zeit nach Garcia/Lattimore auf knackige Defense umgestellt.

#10 Arkansas seinerseits wurstelt sich seit längerer Zeit durch, ist recht abhängig von der Tagesform QB Tyler Wilsons, dürfte aber tatsächlich bereit stehen, wenn sich LSU einen Ausrutscher leistet. Stichwort „At-large“-Einladung in die BCS-Bowls.

Big East – Hier wird der Conference-Sieger ausgewürfelt. #25 West Virginia schlug diesmal die gehypten Rutgers Scarlet Knights, während Syracuse eine Woche nach dem Kantersieg über West Virginia sensationell klar gegen die knüppelharten Louisville Cardinals verlor. Eine Prognose ist ausgeschlossen, weil keine Mannschaft souverän genug wirkt, nicht noch eine oder zwei unmotivierte Niederlagen einzustreuen.

Non-BCS Stoff

C-USA – #17 Houston fuhr auf brutalste Weise über die kleinen Rice Owls drüber: 73-34 mit 534 Pass-Yards und NEUN Pass-Touchdowns für QB Case Keenum. In der C-USA dürfte keine Mannschaft ernsthafte Konkurrenz für Houston bieten (vielleicht Tulsa), man muss in Sachen BCS-Bowls allerdings weiterhin ungeschlagen bleiben.

MWC – Ereignisloses Wochenende, weil #4 Boise State spielfrei hatte und TCU nur ein non-Conference-Spiel bestritt, dabei BYU mit einigen Problemen schlug.

MAC – Toledo war diesmal spielfrei, ist allerdings in Ermangelung ernsthafter Außenseiterkandidaten weiterhin der Favorit und sollte dank zugeneigtem Schedule (Heimspiel gegen den größten Stolperstein NIU) und der zu Saisonbeginn gezeigten Stärke gegen Ohio State und Syracuse aussichtsreichster Kandidat auf den Gewinn der MAC bleiben.

Sun Belt – Die beiden Topfavoriten vor Saisonbeginn, FIU und Troy, matchten sich in einem unterhaltsamen Dienstagspiel, FIU gewann 23-20 in der OT. Allerdings dürften beide Unis keine Chance mehr haben, die Conference zu gewinnen, weil der Aufstand der Zwerge diesmal zu fruchten scheint: Die Winzlinge von Arkansas State, ULL und Western Kentucky mischen seit Wochen die Conference auf und dürften sich letzten Endes den Titel untereinander ausspielen. Wobei vor allem die kleinen Western Kentucky Hilltoppers sich als Dramaqueen herauskristallisiert haben (zwei OT-Siege, eine knappe Niederlage).

WAC – Ich traue Hawaii und dem eigenartigen QB Moniz nicht, daher ist Nevada für mich der klare Favorit in diese Conference.

Independents – Notre Dame mit dem erwartet klaren, nie gefährdeten Heimsieg über die übermannte Navy.

4 Kommentare zu “Rekapituliert: Woche 9, College Football 2011/12

  1. Luck war sensationell, das wird seinem Heisman-Standing nur guttun nach den mäßigen letzten Wochen. Wenn man sich ansieht, wer sich da alles aus den Reihen der Ungeschlagenen verabschiedet, wird das Matchup gegen Oregon in zwei Wochen der kleine Bruder vom SEC-Duell LSU Bama. Damit haben wir noch drei ganz große Games:

    Bama – LSU (SEC)
    Oklahoma State – Oklahoma (Big 12)
    Stanford – Oregon (Pac 12)

    Ich bin mir übrigens nicht sicher, ob Boise nicht selbst bei einer Niederlage noch vor einem ungeschlagenen Houston bleiben wird. Boise würde dann wg. graupiger Big East wohl immer noch automatisch in einer BCS Bowl spielen.

  2. Wisconsin hat aber auch das Pech an den Füßen: Schon wieder durch eine Hail Mary verloren und Ohio State ohne die Hail Mary mit 49 Yards Pass-Spiel. So kann man Wisconsin auch sehen…

  3. Man konnte es nach dem gehyten Spiel gegen Wisconsin und dem ansonsten trotzdem recht biederen Auftritten schon fast erwarten, dass MSU „in ein kleines Loch fällt“ … aber hinterher hat man immer leicht reden.
    OSU hatte diese Saison durchweg eine sehr knackige Defense … aber ihre Offense war dermaßen inexistent.
    Unter dem Strich aber schon erstaunlich wie fragil die Big Ten Teams (mal wieder) sind.

    Für mich hat Stanford mit diesem Sieg erstmals in dieser Saison ein Statement abgeliefert. USC war der erste nennenswerte Gegner des Jahres…
    Der Tenor hier scheint ja, dass Luck dabei ebenfalls erstmals seine wahren Qualitäten gezeigt hat. Finde ich hinsichtlich einer Heisman-Kampagne nicht ganz unwichtig, denn trotz Luck war Stanford bisher ein run-first-Team. (siehe auch ~450 rushing yards letzte Woche)
    Das soll Lucks Qualitäten keinesfalls schmälern, aber er war für mich bisher nicht der MVP im Stanford-Team, weil das Laufspiel schlicht zu wichtig im Gameplan ist. (Da waren andere QBs in ihren Teams dominanter/wichtiger als Luck.) – Wird/Wurde Zeit, dass er seine Heisman-Ambitionen mit einer echt dominanten Leistung Nachdruck verleiht.

  4. Zur SEC: Carolina hat schon seit dem dritten Spieltag die Defense sattelfest bekommen, offensiv liegen die Problem, das war auch schon so, als Lattimore noch gespielt hat. Ich hoffe immer noch, dass Georgia wenigstens noch gegen Auburn stolpert, dann könnten sich die Gamecocks wenigstens noch einen Ausrutscher leisten. Angesichts der ganzen Unruhe um das Programm find ich die reinen Ergebnisse allerdings schon jetzt ganz ordentlich.

    Vor ein paar Wochen hätte ich den Cocks in Arkansas übrigens keine Chance gegeben. Wenn ich aber sehe, wie sich die Hogs gegen Vandy und Ole Miss einen abquälen… Naja. Gestern tat’s mir um Vandy richtig leid. Mit 8 Punkten vor, an der 5-yard Linie des Gegners und dann nen 95-yard-Fumble-Return-TD + 2-Point-Conversion. In den Schlußsekunden noch ein relativ kurzes Field Goal verschossen. Wie dumm kann es laufen !

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