College Football 2011/12, vor dem Spiel des Jahres: Alabama Crimson Tide – Louisiana State Tigers

Bryant-Denny Stadium von Tuscaloosa - ©Latics/Wikipedia

Bryant-Denny Stadium von Tuscaloosa - ©Latics/Wikipedia

College Football wartet seit Wochen auf dieses Spiel, das so bedeutend ist, dass CBS es in die Primetime verlegt hat, was in der SEC selten genug vorkommt: In der Nacht auf Sonntag, 01h MEZ, matchen sich im Bryant-Denny Stadium zu Tuscaloosa die #2 Alabama Crimson Tide und die #1 Louisiana State Tigers. Auf dem Spiel steht der fast sichere Einzug in das BCS National Championship Game für den Sieger, wobei auch der Verlierer – sofern es ein halbwegs knappes Spiel werden sollte – noch ein Hintertürchen offen haben wird.

Pregame: HYPE

Ich kann mich nicht erinnern, dass in den letzten Jahren ein College-Spiel in der Regular Season so massiv hochgejazzt wurde. Vielleicht im Oktober 2006, als man den Ignoranten korsakoff mit völlig übersäuerter Aufmachung bei Ohio State – Michigan erstmals intensiver für College Football interessieren konnte. Damals ging die Sache am Ende verheerend aus (Ohio State wurde 51 Tage nach jenem „vorweggenommenen Endspiel“ im BCS-Finale in Grund und Boden gespielt).

Diesmal soll alles anders sein. LSU und Alabama werden heuer gemeinhin in einer anderen Hemisphäre gesehen, dem Rest der Konkurrenz meilenweit enteilt. Es handelt sich um zwei physische, kraftvolle, athletische Mannschaften mit knackiger Defense und auf Fehlerminimierung bedachter Offense, die bis dato auch über namhafte Gegner scheinbar mühelos drübergefahren sind.

Fix ist: Wie auch immer die Partie enden wird, die Diskussionen werden auch ab Sonntag nicht verstummen, ganz einfach weil die BCS auch kein Re-Match im BCS-Finale Mitte Jänner in New Orleans per se ausschließt.

Louisiana State Tigers

Wie tief muss ein Kader besetzt sein, wenn vor der Saison mit DT Drake Nevis, MLB Kelvin Sheppard und CB Patrick Peterson drei hohe Draftpicks in die NFL abwandern und die Defense in diesem Herbst dominanter als jemals zuvor auftritt? Die Tigers verfügen nicht über eine Defense, die wie weiland Baltimore für spektakuläre Videoclips sorgt, sondern eine Unit, die ihre Qualitäten auf andere Art und Weise auslebt: Sie legt sich auf den Gegner. Sie würgt den Gegner langsam und unauffällig ab. Sie macht keine Fehler.

Zwei Schlüsselspieler sind die Cornerbacks: Während #17 Morris Claiborne als Deckungsspieler brilliert, gehen #14 #7 Tyrann Mathieus Fähigkeiten darüber hinaus: Mathieu ist Punt Returner und Provokateur unendlich vieler Turnovers. Claiborne und Mathieu halten dem DefCoord John Chavis mehr Optionen offen, eine noch druckvollere Front Seven auf das Parkett zu stellen.

Hemmschuh war lange Zeit die Offense um ihre suspekten Quarterbacks. Gelöst hat man diese Sollbruchstelle mit einem sehr methodischen Spiel, sprich: Viel Einsatz der Running Backs, vornehmlich RB #11 Spencer Ware, dazu der instabile QB #12 Jarrett Lee gefüttert mit kurzen, risikoarmen Pässen und für zwischendurch der jüngst aus dem Knast zurückgekehrte QB #9 Jordan Jefferson für die Scrambles.

LSU kriegt schon die gesamte Saison viel Presse, weil es einen knüppelharten Schedule spielen musste: Zu den obligatorischen SEC-Spielen gesellten sich freiwillig aufgenommene Spiele gegen die Oregon Ducks und auswärts bei den West Virginia Mountaineers. Alles souveräne Vorstellungen nach dem selben Schema: Irgendwann im dritten Viertel musste der Gegenüber die Niederlage eingestehen, worauf häufig resignierte Schlussviertel folgten.

Das ist Louisiana States größter Fortschritt im Vergleich zum vergangenen Jahr oder besser: Im Vergleich zur bisherigen Regentschaft von Head Coach Les Miles, die im Ruf stand, außergewöhnlich viele sauknappe Spiele mit verrücktem Finish hervorgebracht zu haben. Miles war dabei nicht immer auf der Siegerseite.

2007/08 zum Beispiel verlor LSU zwei Saisonspiele, beide in der Overtime. Der eigenartig kultige Miles proklamierte damals seinen Slogan „We’re undefeated in regulation“, zog ins BCS-Finale ein und gewann einen National Title, für den er bis heute nicht die Anerkennung kriegt, die man erwarten würde. Grund hierfür: Der Tigers-Kader von damals war von einem anderen Coach zusammengestellt worden, einem Coach, der auch und vor allem LSUs Philosophie in den 2000ern grundlegend erneuert hatte und damit nicht nur 2003/04 den BCS-Titel geholt, sondern die Basis für ein auf Jahre hochklassiges Footballprogramm gelegt hatte.

Die Rede ist von Nick Saban.

Alabama Crimson Tide

Dieser Nick Saban wanderte ein Jahr nach jenem BCS-Titelgewinn mit LSU ab in Richtung NFL, wo er in zwei Jahren Miami Dolphins nicht glücklich wurde, sich schließlich nicht ohne Kontroversen vom Hocker machte und im Herzen der SEC bei den Alabama Crimson Tide anheuerte. Resultat: Bereits im dritten Jahr holte sich Saban mit Alabama den BCS-Titel.

Sabans Mannschaften haben Wiedererkennungswert: In Offense und Defense werden sämtliche Basics diszipliniert und fehlerlos exekutiert, den Unterschied macht am Ende des Tages die furztrockene Defense, das Prunkstück des Kaders, reichlich mit gewissenhaft rekrutierten Einzelspielern bestückt.

Alabama ist allerdings etwas „zentralistischer“ gebaut, abhängiger von Einzelspielern als LSU. Im Angriff läuft sehr vieles über die Allzweckwaffe RB #3 Trent Richardson, der bislang 989yds und 17 (!) Touchdowns fabrizierte und von RB #42 Eddie Lacy nicht gleichwertig ersetzt werden kann. Richardson ist auch eine große Entlastung für den unerfahrenen QB #10 A.J. McCarron, der feuriger spielt als früher Greg McElroy, aber noch nicht annähernd eine Defense der Tigers-Kategorie gesehen hat und mit WR #4 Marquise Maze über bloß einen Vertrauen erweckenden Ballfänger verfügt.

Auffällig an Alabamas Offense: Sie ist in der Lage, lange Drives auszuspielen, wird jedoch schnell konservativ, wenn sie in Nähe von Punkten gelangt. Ersteres wird essenziell werden, da LSU über einen großartigen Punter verfügt und den Gegner häufig hinten reinnagelt, letzteres ist auch darauf zurückzuführen, dass man mit einem unerfahrenen Passspiel und guter Defense lieber jeden Punkt mitnimmt.

Die Defense ist klar durchstrukturiert und im Kern dafür gebaut, dem Gegner das Laufspiel wegzunehmen. Bei genauem Hinsehen fällt schnell auf, wie diszipliniert die Defensive Line ihre Aufgaben erfüllt, lieber die Löcher stopft als den Sack zu suchen, um dem großartigen LB #30 Dont’a Hightower den Rücken freizuhalten. Wie Hightower ist auch Nebenmann OLB #41 Courtney Upshaw gebaut wie ein hoher NFL-Pick, im Saban’schen System jedoch zu allererst für den Pass Rush zuständig.

Im Vergleich zum Vorjahr die entscheidende Verbesserung ist Alabama in der Secondary gelungen, wo mit CB #21 Dre Kirkpatrick und vor allem dem grundsoliden S #4 Mark Barron zwei Eckpunkte auf hoch dotierte NFL-Verträge warten. Trotz allem hege ich von allen Units in dieser Mannschaft – Quarterback abgesehen – das geringste Vertrauen in die Secondary.

Die Rivalität

Alabama und LSU teilen eine urige Historie, spielten bereit 1895 zum ersten Mal gegeneinander, morgen zum 75. Mal. 2011 dürfte das bis dato hochkarätigste Matchup ergeben, was Vorfreude produziert, angesichts der testosterongeschwängerten Duelle der letzten Jahre. 2010 schenkte uns ein brutal intensives Duell, in dem LSU trotz anfänglichen Schwierigkeiten knapp gewann – und Les Miles sich mittlerweile legendär als Grasfresser entpuppte:

Miles vs. Saban, das ist nicht nur Nachfolger gegen Vorgänger, sondern auch ein Clash der Charaktere, wo Miles immer noch unter dem langen Schatten Sabans ächzt.

Das Matchup 2011

LSU ist an #1 gerankt und bekam aufgrund des spektakulären Auftaktprogramms auch die größeren Lettern in den Zeitungen, aber ich halte Alabama nicht bloß aufgrund des Heimvorteils für recht klar favorisiert: 10 Punkte. Ganz einfach, weil ich glaube, dass Bama Louisiana States Laufspiel wird kontrollieren können und meine Skepsis gegenüber dem QB-Duo Lee/Jefferson noch nicht abgelegt ist. Auf der anderen Seite halte ich Alabamas Offense für den Tick variantenreicher und Saban für gefinkelt genug, um beim Zusammenbruch des Laufspiels die richtigen Karnickel aus dem Zylinder zaubern zu können und den Weg ins SEC- und BCS-Endspiel frei zu machen.

9 Kommentare zu “College Football 2011/12, vor dem Spiel des Jahres: Alabama Crimson Tide – Louisiana State Tigers

  1. Das Spiel wird so stark gehypt, dass es die Erwartungen eigentlich nur enttäuschend kann. Ich hoffe auf eine angemessene Defensivschlacht und ein lange spannendes Spiel, bin überrascht dass Alabama hier Favorit mit 10 Punkten ist. Die meisten sehen das deutlich enger. Mein Tipp ist mittlerweile eher LSU, aber lassen wir uns überraschen. Das zweite SEC-Topspiel hat es ja auch in sich.

  2. @AU: Thx, ist ausgebessert. Mathieu hatte letztes Jahr die #14. (Ich habe in dieser Offseason keine Datenbank-Erneuerung vorgenommen, aber normalerweise bleiben die Nummern eh ident)

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