D’oh! Haynesworth in New England entlassen

New England mistet seinen Komödiantenstadel weiter aus, feuerte heute allem Anschein nach DT Albert Haynesworth. Haynesworth ist im wahrsten Sinne kein Leichtgewicht, galt noch bis vor kurzem als einer der allerbesten, obwohl nicht pflegeleicht. Der Mann ist erst im Sommer nach einem Trade aus Washington gekommen und schien wie Sonnenschein in New England. Bis Sonntag, wo es gegen die Giants an der Seitelinie hoch herging, Haynesworth sich mit einem Assistenzcoach fetzte. Ich muss gestehen, die Entlassung überrascht trotzdem auch wenn die Defensive Line weniger Dampf machte als erwartet: New Englands Defense wird nach und nach ausgedünnt, nachdem bereits die Safetys Meriweather/Sanders sowie vor wenigen Tagen CB Bodden rausgeschmissen worden waren.

Beschmutztes Weiß

Nach geschenkten Sportwagen, bezahlten Tattoos, bezahlten Nutten und verwischten Abtreibungen erreicht den College Football nun ein Skandal, der die nächste Eskalationsstufe zündet: Jahrelanger sexueller Missbrauch an Minderjährigen eines Assistenztrainers, über Jahre duldend von Trainerstab und Sportdirektorium hingenommen. An der Universität, die sich rühmte, jahrzehntelang ehrenhaft ohne NCAA-Regelverletzungen ausgekommen zu sein. Deren weiße Trikots so blütenrein wie das Image von Happy Valley daher kamen.

Jetzt steht Joe Paterno vor dem Abschuss (danke an NotreDame).

Paterno ist nicht irgendwer. Paterno ist in Pennsylvania eine Legende, machte in 62 Jahren im Trainerstab, 46 davon als Head Coach, die kleinen Nittany Lions zu einer Großmacht, nachdem er jahrzehntelang auf Anerkennung warten und viermal ungeschlagen bleiben musste, um genügend respektiert zu werden und zwei National Titles zu kassieren. Stark mitverantwortlich dabei: Jerry Sandusky, der Defensive Coordinator an der „Linebacker U.“ Penn State.

Jerry Sandusky hat mindestens 15 Jahre lang kleine Buben sexuell missbraucht. Paterno hat weggeschaut. Das Sportdirektorium geschwiegen. Es schweigt noch immer.

Zwei Lesetipps dazu:

BCS-Schau nach dem Topspiel

Die BCS strebt einem aufregenden Saisonfinale entgegen, das nicht ohne Streit enden wird. Das vermeintliche vorgezogene Endspiel zwischen Alabama und Louisiana State brachte aus BCS-Sicht das  denkbar ungünstigste Endergebnis: Ein sehr knappes Spiel, das die vermutlich insgesamt schwächere Mannschaft gewann, jedoch offensivschwach genug, um die Populisten zu füttern, ein Re-Match zu verdammen (siehe Gene Wojczekoswki/ESPN). Trotzdem war es IMHO ein würdiges Spiel einer #1 vs. #2, da die Defenses auf beiden Seiten bis auf ganz wenige Aussetzer außerordentlich gut gespielt haben.

Road to New Orleans

Das Rennen bleibt völlig offen, da die BCS keine Regeln kennt, dafür möglicherweise willkürlich oder unwillkürlich willkürlich (man sehe sich mal die Liste der Voter im Harris Poll an) die Endspielteilnehmer durch die Lostrommel jagt. Nichts ist ausgeschlossen. Kein Re-Match, keine Ausladung ungeschlagener Mannschaften, auch nicht eine Einladung eines Teams, das nichtmal seine eigene Conference gewinnen kann.

#1 Louisiana State Tigers

LSU kann sich ganz dick hinter die Ohren schreiben, auswärts bei Alabama gewonnen zu haben. Der Sieg war nicht „überzeugend“ in dem Sinne, dass er gefühlt noch mehr Alabamas Eigenfehler zuzuschreiben war, aber wenn die eigene Defense selbst in der Overtime den Gegner in den Boden walzt… Es bleiben noch Tests: Man kriegt zuhause Arkansas serviert, ehe eine Woche später im SEC-Endspiel ein vermeintlich einfaches Los mit Georgia oder doch South Carolina wartet.

#2 Oklahoma State Cowboys

Wie wunderschön diese Spread Offense der Cowboys ist, erzähle ich seit Monaten, aber Oklahoma States Defense ist schwach genug, dass ich mir eine Perfect Season noch nicht ausmalen kann. Tipp: OSU fällt gegen Oklahoma.

#3 Alabama Crimson Tide

Trotz Niederlage ist man nur einen Spot gefallen. Das ist IMHO auch nicht falsch, da man im „Spiel des Jahres“ zumindest ebenbürtig war. Negativ fällt die unterirdische Overtime-Vorstellung mitsamt Strafen und Sack (!) gegen QB McCarron ins Bild, wie auch die fehlenden Adjustments in der Offense und natürlich die Fehlkicks, auch verursacht durch ungünstiges PlayCalling in der Zone zwischen 20 und 30yds-Line. Dass Alabama zwar 70 Top-Recruits im Kader hat, aber keinen Kicker, der mal einen Versuch aus über 45yds reinnagelt, erstaunt und war bislang nicht so sehr ins Gewicht gefallen. BCS-Finalchance: Durchaus noch gegeben.

#4 Stanford Cardinal

Die Cardinal sind eine physische Mannschaft in der Offense, die von knackigem Laufspiel lebt und sich auf QB Andrew Luck verlassen kann, aber man muss mit mittlerweile erheblichen Verletzungssorgen leben und hat noch zwei große Prüfungen vor Augen: Oregon nächste Woche und Ende November die fiese Defense von Notre Dame. Kommt Stanford ungeschlagen durch, riecht es nach BCS-Endspielticket.

#5 Boise State Broncos

Es gilt selbiges wie immer: Boise muss nächste Woche TCU klar schlagen, ungeschlagen durchkommen und hoffen. Hoffen auf mehrere Ausrutscher der obigen Teams, oder hoffen auf wenigstens einen attraktiven Gegner in der Bowl Season (z.B. Oklahoma in der Fiesta Bowl, Alabama in der Sugar Bowl).

#6 Oklahoma Sooners

Den Sooners geht eine Offensivsäule nach der anderen verloren (RB Whaley, WR Broyles), aber die Mannschaft hängt noch irgendwo am Straßeneck und lauert auf einen Ausrutscher anderweitig. Man hat sein Schicksal hinsichtlich Big 12 noch in der eigenen Hand, dürfte dank solider Defense durchaus favorisiert gegen Oklahoma State sein und sollte selbst bei Niederlage gegen die Cowboys aussichtsreichster Kandidat in Sachen „Fiesta Bowl“ sein.

#7 Oregon Ducks

Ohne das Spiel gesehen zu haben: Oregon bot in Seattle gegen Washington wieder seine Stamm-Offense auf, QB Thomas und RB James mit ansprechenden Zahlen, aber ins Auge stechen die Stats in der Defense: RB Polk abgewürgt, QB Price abgefangen und gesackt. Gewinnt man nächsten Samstag in Stanford, ist wenigstens die Rose Bowl griffbereit, dank LSU-Sieg gibt es noch ein klitzekleines Hintertürchen in Sachen „BCS-Endspiel“. Der Spalt ist aber nicht breiter als 1,5cm.

#8 Arkansas Razorbacks

Ich habe die Hogs noch mit reingenommen, auch wenn das knappe Endergebnis bei LSU-Bama ungünstig gewesen sein dürfte. Doch man hat wenigstens noch eine kleine Chance auf den Gewinn der SEC West (die wissenschaftliche Aufsplittung kommt weiter unten). Arkansas‘ Passangriff sieht eindrucksvoll aus, allerdings wurde man gegen Alabama abgewürgt und muss noch nach Baton Rouge, zu LSU…

Conference-Anschnitt

Nach den Razorbacks dürfte die Zone der Teams beginnen, die selbst bei den verrücktesten Szenarien keine BCS-Endspielchancen mehr haben. Bleibt der Anker „BCS-Bowls“.

Big Ten Conference

Penn State Nittany Lions – Am Wochenende wurde in Happy Valley eine recht abartige Form von sexuellem Missbrauch an Minderjährigen publik. Mitten drin: Ein ehemaliger Assistenzcoach der Nittany Lions unter Legende Joe Paterno. Paternos Statement hinsichtlich Mitwisserschaft liest sich etwas halbgar und sorgt für einige Kritik. Man rechnet seit einer Weile mit dem Rücktritt Paternos zum Saisonende (der Mann wäre dann 85), insbesondere im Falle einer Rose Bowl-Qualifikation. Dieser Fall wird Paternos Erbe nicht umstoßen, aber vermutlich einen Kratzer auf der ansonsten weißen Weste hinterlassen.

Leaders Division – Penn State (5-0) ist in der Conference noch ungeschlagen, muss aber noch nach Wisconsin. Selbst eine Niederlage dort würde zum Einzug ins B1G-Finale reichen, wenn man Ohio State (3-2) schlägt. Mal schauen, welche Kreise der Sexskandal ziehen wird und ob die Offense in der Lage ist, gegen die Buckeyes (3-2) tatsächlich zu vergeigen. So gesehen haben Ohio State (hält auch den Tie Breaker gegen Wisconsin) und Wisconsin noch mehr als realistische Endspielchancen.

Legends Division – Unglaublich, aber Iowa (3-2) hat sein Schicksal in den eigenen Händen, erreicht mit Siegen gegen Michigan State und Nebraska das B1G-Finale! Auf der anderen Seite: Die komplette Conference sieht heuer keine Mannschaft, der man nicht auch zwei überraschende Pleiten zutrauen muss.

Atlantic Coast Conference

Atlantic Division – Florida State (4-2) kommt ins Rollen, trotzdem sind die Chancen minimal, noch an Clemson (5-1) vorbeizuziehen, da die Tigers dafür beide verbleibenden Spiele verlieren müssten. Wake Forest (4-2) hält auch noch eine Trumpfkarte.

Coastal Division – Mehrere Teams noch mit Chancen, aber im Szenario „jeder kann jeden schlagen“ setzt der gemeine Verstand auf die seit Jahren grundsoliden Virginia Tech Hokies.

Southeastern Conference

SEC West – LSU muss sein Heimspiel gegen Arkansas gewinnen, wäre damit durch. Größter Gewinner des Wochenendes könnte aber Arkansas gewesen sein: Die Hogs kriegen nun gar die kleine Chance auf das SEC-Finale. Man muss auf alle Fälle gegen LSU gewinnen. Und dann könnte der achte (!) Tie-Breaker entscheiden:

The tied team with the highest ranking in the Bowl Championship Series Standings following the last weekend of regular-season games shall be the divisional representative in the SEC Championship Game, unless the second of the tied teams is ranked within five-or-fewer places of the highest ranked tied team. In this case, the head-to-head results of the top two ranked tied teams shall determine the representative in the SEC Championship Game.

Nur mal interessenhalber durchexerziert:

  • LSU, Alabama, Arkansas wären alle 7-1 und 1-1 gegeneinander und alle anderen Tie-Breaker wären unentschieden. Es käme auf das BCS-Ranking an.
  • Dort fiele der Drittplatzierte gleich raus. Der Erstplatzierte wäre durch, falls er mehr als fünf Plätze vor dem Zweiten gerankt wäre.
  • Falls der Erstplatzierte und der Zweitplatzierte innerhalb von fünf Plätzen gerankt wären (sagen wir #1 und #6), würde das direkte Duell entscheiden.
  • Für Arkansas hieße dies Hoffen auf die Vergesslichkeit der Voter (Alabama-Arkansas fand vor Wochen statt und dürfte etwas weniger Gewicht haben) und Hoffen darauf, mindestens an BCS-#6 gerankt zu sein. Dann wäre man im Finale.

Ich möchte keine Beschwerden mehr über komplizierte UEFA-Rechnereien hören. Die minimalen rechnerischen Chancen dürften jedoch selbiges sein: Minimal. Egal, wer es nun schafft, er wird hoher Favorit im SEC-Endspiel sein.

SEC East – Georgia (5-1) hat sein Schicksal in der Hand, muss aber noch daheim Auburn schlagen und kämpft mit internen Reibereien (RB Crowell ist Grasliebhaber). South Carolina hat Pech mit dem Schedule, muss mittlerweile trotz Sieg im direkten Duell auf einen Ausrutscher von Georgia hoffen.

Pac-12 Conference

Northern Division – Das Endspielticket wird im Duell Stanford – Oregon am nächsten Samstag vergeben.

Southern Division – UCLA ist sensationellerweise wieder im Rennen und kann es aus eigener Kraft schaffen, hat aber noch drei knifflige Aufgaben: @Utah, @USC, vs. Colorado… Nein, so richtig glaube ich nicht dran. Arizona State ist seinerseits anfällig genug, dürfte aber Endspielfavorit bleiben, trotz der fassungslosen 28-29 Niederlage bei den Bruins am Samstag.

Conference USA/Houston Cougars

Houston bleibt weiterhin ungeschlagen, QB Case Keenum fabriziert unglaubliche Statistiken, aber für Houston wird das Auswärtsspiel am letzten Novemberwochende mit den punktgleichen Tulsa Golden Hurricane entscheidend hinsichtlich Einzug in das Conference-Finale sein (selbst wenn man gegen SMU verliert).

Für die BCS-Bowls braucht es wohl weiterhin eigene Ungeschlagenheit und eine Niederlage von Boise, es sei denn man platziert sich weit genug vorne in den BCS-Rankings (sagen wir #6), sodass es sich die BCS politisch nicht mehr leisten kann, die Coogs außen vor zu lassen. Zumal hinter Houston ein TV-Markt von Gewicht steht, auch wenn dieser sich bis dato nicht für College Football interessiert.

Big East Conference

Keine Prognosen hier, weil die Conference auf und abseits des Spielfeldes vogelwild bleibt: Auf dem Spielfeld führt mittlerweile Cincinnati, aber keine Mannschaft wirkt stabil genug, um nicht noch alle ausstehenden Spiele gewinnen oder verlieren zu können. Abseits des Spielfeldes hat man in seiner Verzweiflung die Fühler nach dem 2000km weiter westlich, im obersten „linken“ Eck auf der Landkarte befindlichen Boise State ausgestreckt!