Beschmutztes Weiß

Nach geschenkten Sportwagen, bezahlten Tattoos, bezahlten Nutten und verwischten Abtreibungen erreicht den College Football nun ein Skandal, der die nächste Eskalationsstufe zündet: Jahrelanger sexueller Missbrauch an Minderjährigen eines Assistenztrainers, über Jahre duldend von Trainerstab und Sportdirektorium hingenommen. An der Universität, die sich rühmte, jahrzehntelang ehrenhaft ohne NCAA-Regelverletzungen ausgekommen zu sein. Deren weiße Trikots so blütenrein wie das Image von Happy Valley daher kamen.

Jetzt steht Joe Paterno vor dem Abschuss (danke an NotreDame).

Paterno ist nicht irgendwer. Paterno ist in Pennsylvania eine Legende, machte in 62 Jahren im Trainerstab, 46 davon als Head Coach, die kleinen Nittany Lions zu einer Großmacht, nachdem er jahrzehntelang auf Anerkennung warten und viermal ungeschlagen bleiben musste, um genügend respektiert zu werden und zwei National Titles zu kassieren. Stark mitverantwortlich dabei: Jerry Sandusky, der Defensive Coordinator an der „Linebacker U.“ Penn State.

Jerry Sandusky hat mindestens 15 Jahre lang kleine Buben sexuell missbraucht. Paterno hat weggeschaut. Das Sportdirektorium geschwiegen. Es schweigt noch immer.

Zwei Lesetipps dazu:

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10 Kommentare zu “Beschmutztes Weiß

  1. Unglaubliche Tragödie und gut, dass diese Schweinereien ans Tageslicht kommen. Es gibt nichts Abartigeres als Kindermissbrauch! Die Herren, die weggeschaut haben, gehören genauso zur Verantwortung gezogen, mich würde interessieren ob Paterno für das bewusste Wegschauen nicht sogar polizeilich belangt werden kann. Denn Kinderschänder stehen wie ich meine in den USA noch eine Stufe tiefer im Ansehen als Mörder!

  2. Es führt kein Weg vorbei:
    Die Herrschaften können noch so gut gearbeitet haben, sich noch so verdient um die Mannschaft/Uni/Stadt/den Sport gemacht haben: Wenn bewiesen werden kann, dass diese Herrschaften ein Verbrechen geduldet haben, dann müssen sie mit allen Konsequenzen zur Rechenschaft gezogen werden.

    Rechtlich reicht da eig. schon ein „harmlose“ Strafttat aus, um wie viel größer ist es aber bei einer solch moralisch verdammungswürdigen Straftat wie Kindesmissbrauch!

    Wichtig ist auch die Signalwirkung: Es muss gezeigt werden, dass es bei niemanden toleriert wird, egal ob er Täter ist oder „nur“ zuschaut und nichts unternimmt: jeder wird mit aller Härte des Gesetzes zur Verantwortung gezogen.

  3. Eine kleine Klarstellung: „Mindestens 15 Jahre lang“ liest sich im aktuell verfügbaren Textmaterial in amerikanischen Medien so: Von 1994-2009 werden Sandusky 40 Missbräuche an insgesamt 8 Jungen zur Last gelegt. Sandusky gab bislang zu, „vielleicht“ den einen oder anderen Jungen an intimen Stellen berührt zu haben.

  4. Mehr oder weniger offiziell: Joe Paterno wird mit Saisonende zurücktreten.

    Es ist irgendwie traurig. Ich war vor Jahren Austauschschülerin an einer amerikanischen High School in Virginia und mein Host Daddy war leidender Fan der Cincinnati Bengals und Abgänger der Penn State University und entsprechend leidenschaftlicher Fan auch von JoePa. Die ganze Familie war stolz auf diese Universität, obwohl er der einzige Abgänger der Penn State war.
    Ich hatte keine Ahnung von Football, aber ich wusste was Penn State war, ich wusste um die Bedeutung von Penn State und als ich mal den Campus sehen durfte, war ich beeindruckt. Ich war später Studentin an der FSU, aber einen Campus in der Güteklasse Penn State gibt es nur einmal. Der schönste, den ich bisher gesehen habe. Und ein friedvoller, freundlicher Ort. Dass die Ära JoePa so enden würde, ist für diese Leute ein ziemlicher Schock, da bleibt für immer ein großer Makel hängen.
    Ich glaube übrigends auch, dass Joe Paterno aus Schamgefühl geht. Ich glaube, dass man ihn so als straighten Mann mit straighten Werten einschätzen kann und ein gewolltes Fehlverhalten seinerseits würde seinem restlichen Lebenslauf und -stil DIAMETRAL gegenüber stehen.

  5. Der Vollständigkeit halber erlaube ich mir, hier die volle Rücktrittserklärung zu posten:

    STATE COLLEGE, Pa., Nov. 9, 2011 — I am absolutely devastated by the developments in this case. I grieve for the children and their families, and I pray for their comfort and relief.

    I have come to work every day for the last 61 years with one clear goal in mind: To serve the best interests of this university and the young men who have been entrusted to my care. I have the same goal today.

    That’s why I have decided to announce my retirement effective at the end of this season. At this moment the Board of Trustees should not spend a single minute discussing my status. They have far more important matters to address. I want to make this as easy for them as I possibly can. This is a tragedy. It is one of the great sorrows of my life. With the benefit of hindsight, I wish I had done more.

    My goals now are to keep my commitments to my players and staff and finish the season with dignity and determination. And then I will spend the rest of my life doing everything I can to help this University.

  6. Dieser Fall läßt einen (zumindest mich) absolut sprachlos, denn er steht in so starkem Kontrast mit Allem, für das Penn State, Happy Valley und Joe Paterno standen.
    Oben verlinkter Artikel von Weinrebs bei Grantland stellt dieses Gefühl ziemlich gut dar (wobei ich selbst nie dort war).

    Ich mag nicht gerne am Monument JoePa’s kratzen, da ich ihn, seine (zumindest öffentliche) Einstellung zum College Sport und „seiner“ Universität ganz, ganz weit oben auf meiner Respektskala hatte, aber Rücktritt nach der Saison und auch diese Erklärung halte ich für extrem dürftig und – man verstehe das als Respektbekundung – seiner nicht angemessen.

    Dieser OpEd aus der NYTimes bringt es ziemlich gut auf den Punkt:
    http://www.nytimes.com/2011/11/09/opinion/dowd-personal-foul-at-penn.html?_r=1&adxnnl=1&ref=opinion&adxnnlx=1320837697-fUQRYZAHX2A9EbVL1ki8PA

    (Korsakoff darf die Formatierung des Links gerne bearbeiten. Ich kann es nicht…)

  7. So groß seine Verdienste auch sind, ich habe null Respekt und nur Verachtung für jemanden übrig, der im Interesse seines Colleges/Teams bei Kindesmissbrauch wegschaut oder die Sache sogar noch vertuscht.

  8. Mit ein paar Jahren Abstand dürfte sich Paternos „Imageproblem“ legen. Die Zeit heilt diesbezüglich die Wunden, sofern mir diese in diesem Fall recht ungelückliche Floskel gestattet sei. Wäre Paterno letztes Jahr zurückgetreten, hätte der jetzt aufgedeckte Skandal wohl nichtmal einen Kratzer an seinem Denkmal hinterlassen, so grausig das Geschehene auch ist.

  9. Pingback: Die fünfte Kerze brennt | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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