11.11.11 um 11h11: Die NFL-Vorschau für die frühen Sonntagsspiele

Sunday Night Game und Monday Night Game werden hoffentlich noch folgen.

Cincinnati Bengals – Pittsburgh Steelers

Sonntag, 19h LIVE bei ESPN America und Sport1+

Das ist mal ein Matchup mit erhofftem Erkenntnisgewinn. Die Cincinnati Bengals dürfen mit Fug und Recht als Überraschungsmannschaft gelten, haben eine 6-2 Siegbilanz zur Saisonhälfte zusammengebracht, trotz mieser Stimmung in der Stadt, Zwistigkeiten zwischen Head Coach und Owner, neuem Offensive Coordinator (Jay Gruden) und rundum erneuertem Kern im Angriff. Nach der „Ära“ Carson Palmer hat nun der junge Rotschopf QB Andy Dalton von der Texas Christian University übernommen, ein klein gewachsener, aber mutiger und flinker Rookie.

Ich habe die Bengals noch nicht spielen sehen, aber zumindest wenn Passspiel ansteht, lassen die Tapes ein ähnliches System wie damals Plummer in Denver vermuten: Dalton mit vielen Rollouts rechts raus und dann mit dem Pass zum Wide Receiver in Einzeldeckung auf der „kurzen“ Spielfeldseite. Ein simples System, maßgeschneidert für Rookies. Dalton hat auch Waffen zur Seite: Den großartigen Top-Draftpick WR A.J. Green von Georgia, der die immensen Erwartungen zu erfüllen scheint, und eine Reihe weiterer junger Leute wie WR Gresham (ex-Texas) oder WR Simpson. Nur das Laufspiel kommt nicht in die Gänge, RB Cedric Benson schaut etwas träge aus, war aber noch nie der Burner, den man vermutlich in der Offseason holen wird.

Der zuverlässigere Mannschaftsteil ist trotz allem die Defense, die zu den besseren Units gegen das Laufspiel gezählt werden darf, und recht athletisch sein dürfte: Da spielen neben den Eigenbauprodukten wie CB Leon Hall oder den jungen DT Domata „Struppi“ Peko und DE Carlos Dunlap auch einige ehemals hohe Draftpicks mit, die in anderen Mannschaften enttäuscht hatten, wie OLB Manny Lawson oder CB Nate Clements. Die fehlende Aggressivität in Pass Rush und Deckung gilt allerdings als Schwachpunkt. Dumm, dass das Passspiel genau die große Stärke der Steelers-Offense ist, mit dem deep threat WR Mike Wallace an vorderster Front.

Die Bengals haben die bessere Saisonbilanz und Heimvorteil. Trotzdem gibt ihnen niemand eine Chance, ganz einfach, weil sie noch keinen ernsthaften Test bestehen mussten. Mit einem Rookie-QB und einer mäßigen Pass-Defense gegen die Steelers? Riecht nach 350yds für Roethlisberger und 2 INTs für Dalton. Ich kann mir noch nicht vorstellen, dass Cincinnati zu den ernsthaften Playoff-Anwärtern zählen wird, aber dieses Spiel wird Aufschluss über die Einordnung der Bengals in dieser Saison geben.

San Francisco 49ers – New York Giants

Sonntag, 22h LIVE bei ESPN America und Sport1+

Zwei Mannschaften, die in den 80ern und vor allem 2002/03 für mehrere gemeinsame Playoff-Klassiker verantwortlich waren, und auch wenn sie noch nicht richtig ernst genommen werden, gehören doch beide in der Saison 2011/12 bisher zu den positiven Erscheinungen.

Die 49ers sind unter dem neuen Head Coach Jim Harbaugh in Offense und Defense eine knallharte, physische Mannschaft, deren oberstes Interesse der Ballsicherheit und Fehlerminimierung gilt. Unansehnliche Spiele für geschmacklich Degenerierte,  viele Rhythmusunterbrechungen, aber San Francisco gewinnt sie. Man laviert sich mit einem überzeugenden RB-Duo Frank Gore/Kendall Hunter und einer dominierenden Front Seven durch, übertüncht den immer noch suspekten QB Alex Smith und eine unzuverlässige Secondary und würgte sich damit zu 7-1 Siegen zum Saisonstart. Fast durch die Bank hart umkämpfte Partien.

Spiele, die auch die Giants heuer zu gewinnen pflegen. Die Offense schaut sogar dann grundsolide aus, wenn sie die Balance zwischen den verkrampften RBs Bradshaw/Jacobs und QB Eli Manning nicht halten kann. Denn im Gegensatz zu vergangenen Jahren wirkt Manning weniger versteift in der Crunch Time. Man werfe dies gemeinsam mit einer variantenreichen, druckvollen Line um das goldene Quartett Umenyiora/Tuck/Kiwanuka/Pierre-Paul oben rein und unten kommt eine überraschende 6-2 Siegbilanz heraus.

7-1 gegen 6-2. Top-5 Teams in Power Rankings quer durch die Lande. Für mich ist das Spiel am interessantesten deswegen, weil die 49ers endlich auf eine ernsthafte Pass-Offense treffen. Gemeinhin nimmt man an, dass Green Bay in der NFC am ehesten von San Franciscos Defense gestoppt werden kann. San Franciscos Defense gegen die bisherigen Quarterbacks:

Tavaris Jackson 21/37 für 197yds, 2 TD, INT
Tony Romo 20/33 für 345yds, 2 TD (in drei Vierteln)
Andy Dalton 17/32 für 157yds, 2 INT
Michael Vick 30/46 für 416yds, 2 TD, INT
Josh Freeman 17/33 für 187yds, 2 INT
Matthew Stafford 28/50 für 293yds, 2 TD
Colt McCoy 22/34 für 241yds, TD, INT
John Beck 30/47 für 254yds, TD, INT

Gegen die unterklassigen Pass-Offenses mit unerfahrenen Quarterbacks eine okaye Bilanz, aber Quarterbacks wie Romo oder Vick legten da doch mächtig Yards zurück. Elite Manning dürfte in der bisherigen Form eher Romo/Vick als dem Rest zugeordnet werden.

Atlanta Falcons – New Orleans Saints

Montag, 14h30 Tape bei ESPN America

Die Atlanta Falcons haben genau einen großen Rivalen: Die Saints. Die haben wiederum ihrerseits genau einen großen Rivalen: Die Falcons. Atlanta – New Orleans ist das größte Spiel in der NFC South. Auch heuer, wo diese beiden Teams vermutlich die einzigen mit Playoff-Potenzial sind. Obwohl bei Unbekannte sind.

Die Saints schrauben mal wieder daran, Last von den Schultern von QB Drew Brees zu nehmen, der fast alles und ohne Protection allein machen muss. Auch die Abwehr stimmt noch nicht, ist recht löchrig in der Defensive Line, was gegen Atlanta mit einem kräftigen Back wie Michael Turner ins Auge gehen könnte. Die Falcons ihrerseits versuchen seit Wochen, Schwung in die Offense zu bekommen, wo WR Julio Jones bis auf die Sensations-Catches gegen Indianapolis das Versprechen eines #6-Picks noch nicht abgegeben hat.

Beide wirken instabil. Beide wirken bei Zeiten explosiv, bringen aber keine souveräne Leistung über 60min auf das Spielfeld. Könnte ein unterhaltsames Scheibenschießen werden.

Chicago Bears – Detroit Lions

Sonntag, 23h20 zeitversetzt bei PULS4
Montag, 16h30 Tape bei ESPN America

Weil die Chicago Bears immer wieder kleine Überraschungen schaffen und insbesondere die engen Spiele gewinnen, gewinnt dieses „Rückspiel“ gegen die Detroit Lions plötzlich massiv an Bedeutung in einer NFC, in der es nicht mehr ausgeschlossen ist, dass beide Wildcards über die NFC North vergeben werden. Eine Niederlage für die Bears dagegen könnte verheerend sein, da sie den Tie-Breaker gegen Detroit 0-2 verloren hätten, bei gleichzeitiger weiterer Niederlage gegen Green Bay.

Um die Lions ist es im Vergleich zu jenem aufgejazzten MNF-Hinspiel Mitte Oktober etwas ruhiger geworden – und das Etwas ist betont kursiv: Zwar ist die Offense in Verletzungssorgen und Ungeschlagenheit passé, dafür sorgt die Mannschaft mit pubertärem Verhalten für Schlagzeilen, ist dabei, sich ein Bad-Boy-Image anzulachen, das US-Sportfans an eine Basketballmannschaft in den 80ern erinnert. Diese Basketballmannschaft nennt sich Pistons und kommt aus Detroit.

Insbesondere der als harmloser Charakter beschriebene DT Ndamukong Suh sieht sich mit seiner ungestümen Spielweise immer stärker ins Fadenkreuz des Boulevards gedrängt, während Teamkollegen nach Verhöhnung verletzter (Ryan) oder besiegter (Tebow) Gegenspieler völlig zurecht in den Senkel gestellt werden.

Dabei fragt sich der gemeine Zuschauer, ob die Lions dies wirklich notwendig haben. Die Defense spielt auf einem Level, das man selbst in Anbetracht der Lobeshymnen vom Sommer nur als „erstaunlich“ ansehen kann, entwickelt einen ungeheuren Zug zum Quarterback und ist überraschend verlässlich in der Deckung sowie beim Stoppen des Laufspiels geworden.

In der Offense ist die Mannschaft dabei, wieder Schwung ins dezimierte Laufspiel zu bringen, während man sich im Angriff einen zusammenholpert, aber genügend Big Plays über WR Calvin Johnson oder WR Titus Young produziert, um wie eine Klette im Spiel hängen zu bleiben.

Trends, die schon in jenem famosen Hinspiel erkennbar waren und sich nur logisch fortgesetzt haben. Weil die Bears aber weiterhin eine schwache Protection kaschieren müssen und in der Offense auf die Einzelwaffe RB Matt Forté angewiesen sind, halte ich einen Auswärtssieg Detroits und den einhergehenden Sweep dieser Divisionsserie für durchaus möglich.