NFL 2011/12, Woche 10: Cincinnati Bengals – Pittsburgh Steelers

[23h00] Zum Spiel Bengals – Steelers

Die Cincinnati Bengals sind kein Zufallsprodukt. Die Mannschaft gründet auf einer richtig guten Defense, gegen die nicht leicht laufen ist und die imstande ist, Druck auf den Quarterback auszuüben, selbst ohne den vermeintlich besten Pass Rusher DE Carlos Dunlap. Allenfalls das schlampige Tackling gibt Abzugspunkte.

Die Offense ist in Ansätzen überzeugend. QB Andy Dalton dürfte aus der Schublade „Grünling“ rausgenommen werden, auch die vielen Rollouts aus den Tapes haben getäuscht. Es war das erste Mal Dalton gegen die Steelers und da haben Quarterbacks auch schon ganz anders ausgeschaut. Die 2 INT täuschen. Dalton war nicht unterirdisch.

Pittsburgh hat trotzdem verdient gewonnen. Weil die Abwehr immer dann wenn nötig einen Gang höher zu schalten vermag. Weil QB Roethlisberger wie immer seine Zeit per Scramble kauft und immer den entscheidenden Mann findet. Weil sie heute WR Antonio Brown in ein hoffnungsloses Matchup bekommen haben.

[22h49] Denver hat tatsächlich mit ZWEI Completions für QB Tim Tebow das Spiel in Kansas City gewonnen!

[22h01] Pittsburgh schafft die notwendigen 1st downs und kann abknien.

[21h51] Die zweite prognostizierte Interception gegen Dalton. Na bitte. CB #22 William Gay spekuliert spitzfindig und hüpft in eine vorhersehbare Route. 2:27 to go, Cincinnatis Defense braucht einen schnellen „Stop“.

[21h48] Erstmals eine Strafe, die auch richtig weh tut. LT Whitworth wird ein fragwürdiges „Holding“ angehängt, und anstelle eines 1st downs muss Cincinnati punten, stoppt Pittsburgh aber mit einer aggressiven Defense sofort und kriegt ca. 4:30 den Ball wieder zurück.

[21h34] INT gegen Dalton. Abgefälschter Ball, den LB Timmons reaktionsschnell abfängt. Damit ist die erste von zwei prognostizierten INTs gegen Dalton da, auch wenn es einen angetippten Ball benötigte.

[21h26] Dalton wird zwar nicht panisch, wenn plötzlich drei Mann ungeblockt durchbrechen, aber auf Dauer tut sich Dalton schwer, unter solchem Druck die Pässe zu komplettieren. Schön aber, wie Dalton sich aus der Pocket rauswurstelt und wenigstens den richtigen Mann bereits ausfindig machen kann. Das ist definitiv nicht der „one-read“-QB, zu dem ihn manche Analysten noch letzte Woche reden wollten.

[21h18] In diesem Moment werden die CBS-Zuschauer von Dallas-Buffalo eingeklinkt. Dort sind in diesem Moment noch 16sek im dritten Viertel zu spielen. Kann man sich ein Bild von der „Spannung“ dort machen.

[21h15] Cincinnati 17, Pittsburgh 24/TD Mendenhall. Cincinnati muss für den Rest des Spiels auf CB Leon Hall verzichten. Ob es allein daran liegt, dass nun in fast jedem Spielzug 1-2 WRs weit offen sind? Auch das mäßige Tackling ist wieder da, Mendenhall brach beim TD locker 3-4 Tackles. Schöner, konsequenter Drive der Steelers.

[21h08] In Kansas City hat QB Tim Tebow eben seinen ersten Ball des Tages komplettiert. Nach 41 Spielminuten. Denver muss eine reine Lauf-Option Offense spielen, hat immerhin schon 202yds Rushing.

[20h58] Cincinnati 17, Pittsburgh 17/TD Gresham. Dalton nimmt die Bengals an der Hand, findet immer einen offenen Mann auf der Mitteldistanz, obwohl WR Green nur noch auf dem Hometrainer sitzt. Eindrucksvoll auch der TD, als Dalton auch mit einer Klette an den Heinen (Harrison?) cool bleibt und TE Gresham im linken Eck der Endzone findet.

[20h31] Halbzeit Cincinnati Bengals 10, Pittsburgh Steelers 17.

Ein angenehm anzuschauendes Spiel, was vornehmlich an der kaum vorhandenen Strafen liegt. Cincinnatis Defense hat sich nach schlechtem Start im ersten Viertel erfangen und hat mit ihrer Front Seven die Schützengräben unter Kontrolle. Die Deckung hat allerdings Probleme, wenn Pittsburgh mit drei oder mehr Wide Receivers aufgestellt ist, da ist immer einer ungedeckt.

Beide Offenses leben vornehmlich vom Luftangriff, nachdem am Boden einzig End-Arounds erfolgversprechend aussahen. Dazu eine Serie an artistischen Einzelleistungen der Wide Receivers.

[20h24] Cincinnati 10, Pittsburgh 17. Antonio Brown, Antonio Brown, Antonio Brown, Antonio Brown… Massiver Drive der Steelers, die sich trotz aller Widrigkeiten fast 90yds durchwalzen und in kritischen Momenten immer auf WR #84 Antonio Brown gehen: 74yds für Brown in diesem Drive. Bedenklich ist allerdings, wie oft Roethlisberger gesackt und niedergeschlagen wird. Sogar die Schuach musste der Mann schon zusammenklauben gehen. Und Ian Eagle legt mit jedem Sack ein paar dB zu.

[20h01] Cincinnatis Defense erhöht die Schlagzahl, zerbröselt die Protection von innen und außen und würgt die Steelers nun schneller ab als Roethlisberger aus der Pocket scrambeln kann. Wir bekommen einen Eindruck, warum diese Mannschaft „6-2“ ist.

[19h51] Cincinnati 10, Pittsburgh 14. WR #16 Andrew Hopkins war für mich ein völlig neuer Name. Im vorherigen Drive ein Super-Catch, nun ein End-Around zum 1st down. Cincinnati mit einfallsreichen Ansagen, hält Dalton die Pass Rusher recht geschickt vom Leib.

[19h45] INT gegen Roethlisberger! Heath Miller fängt einen leicht inakkuraten Ball nicht sofort, CB Leon Hall hüpft rein und verleibt sich das Ei gedankenschnell.

[19h40] Cincinnati 7, Pittsburgh 14/TD Green. Ein Spiel! Wir haben ein Spiel! Cincinnatis Wide Receivers mutieren zu Artisten, fangen einige phantastische Bälle, u.a. A.J. Green beim Touchdown in der EndZone, zwischen zwei Safety-Kalibern wie Polamalu und Clark. Green war eigentlich eng abgedeckt. So einen Catch machen nur ganz wenige Wide Receivers, aber Green könnte sich dabei den Fuß verstaucht haben.

[19h26] Cincinnati 0, Pittsburgh 14/TD Mendenhall. „Kaum mit Running Backs“ wie „Riesen-Raumgewinn nach Pass zum RB, 1yds-TD Lauf“. Cincinnatis Defense leidet unter schwachem Tackling, hat auf den Mitteldistanzen gegen die Herren Ward/Miller/Mendenhall bisher kein Rezept.

[19h20] Die neuen AP-Polls sind raus. Boise State bleibt darin sogar noch vor Houston in den Top-10.

#1 LSU
#2 Oklahoma State
#3 Alabama
#4 Oregon
#5 Oklahoma
#6 Arkansas
#7 Clemson
#8 Stanford
#9 Virginia Tech
#10 Boise State
#11 Houston
#12 Michigan State
#13 Georgia
#14 South Carolina
#15 Wisconsin
#16 Kansas State
#17 Nebraska
#18 USC
#19 TCU
#20 Michigan
#21 Penn State
#22 Southern Miss
#23 Florida State
#24 Notre Dame
#25 Baylor

[19h12] Cincinnati 0, Pittsburgh 7/TE Cotchery. Den ersten Eindrücken nach zu urteilen, dürfte Pittsburgh heute kaum mit Running Backs zum Erfolg kommen. Reicht, solange Roethlisberger dem Pass Rush ausweicht, rausscrambelt und trotzdem seinen Cotchery in der EndZone findet.

[19h06] N’Abend. Vor nicht voll ausschauendem Stadion in Cincinnati wurden die Bengals im ersten Drive schnell gestoppt. Die Kulisse im Stadion (bei Catch für TE Heath Miller) lässt ein verhältnismäßig Steelers-lastiges Publikum vermuten.

Vorschau Woche 10, SNF Patriots@Jets

Wie in der Früh angekündigt, wird hier in Zukunft Herrmann regelmäßiger Beiträge schreiben. Heute geht es um das Sunday Night Game von heute Nacht.


As the world turns… Als wir uns das letzte Mal dem Klassiker Jets-Patriots gewidmet haben (und man lasse sich nur nicht einreden, das sei gar keine “echte” große Rivalry), hingen die Blätter noch an den Bäumen, die Patriots-Offense war das heißeste Ding seit Erfindung des Geldes und der Schreiberling selbst war noch kein Sidelinereporter an der Seite von korsakoff. Seitdem haben die Jets drei Spiele in Folge gewonnen und teilen sich mit einem 5-3-record den ersten Platz in der AFC East mit den Mannschaften aus New England und Buffalo.

Das soll hier keine Executive Summary werden, sondern wir wollen uns auf einen Punkt konzentrieren: New Englands Offense gegen New Yorks Defense. Das Matchup Pats-D gegen Jets-O soll hier nur ganz kurz und nicht umfassend abgehandelt werden: wenn das Laufspiel New Yorks funktioniert, funktioniert auch der Rest. Wenn nicht, funktioniert gar nichts. Und die Lauf-D der Patriots ist nicht die allerschlechteste.

Die Patriots seit haben dem letzten Spiel gegen den Divisionsrivalen in Woche 5 das große Zittern bekommen, seitdem nicht ein Mal mehr als 20 Punkte gemacht (20 gegen die Cowboys, 17 gegen die Steelers und 20 gegen die Giants) und sahen ihre hochgelobte Offense entzaubert. Am schlimmsten sah der Angriff um Tom Brady gegen Pittsburgh aus und das Überraschendste daran war, daß die Steelers es mit einer anderen taktischen Marschroute geschafft haben als die Jets bei ihrem letztjährigen Playoffsieg.

Die Grundidee beider, der Jets wie der Steelers, war gleich: die WR an den Seitenlinien verteidigt man 1-gegen-1, das reicht aus, weil Branch, Ochocinco, Taylor Price oder auch TE Hernandez vielleicht mal einen oder zwei Bälle fangen, aber uns nicht das Genick brechen werden. Der Unterschied lag in der Defense, die sie zwischen den Seitenlinien gespielt haben.

Pittsburghs Dick LeBeau, gebranntes Kind nach der Klatsche gegen New England letztes Jahr, als Brady genüßlich Zone-Coverage um Zone-Coverage auseinandergenommen hat, versuchte einfach mal was ganz Neues, was sich (seltsamerweise?) bis jetzt noch niemand getraut hat: Mann-Verteidigung mit Bump-and-run an der Line of Scrimmage und als Highlight oben nur einen Safety. Damit waren die Receivers der Pats völlig überfordert und das gewohnte Timing zwischen QB und WR war wie weggeblasen. Weil der zweite Safety – in der Regel ein Herr namens Polamalu – damit “in the box” war, wurde einerseits Bradys beliebte Mitte für die TEs und Welker mit einem Extramann abgedeckt und andererseits hatte auch das Laufspiel einen zusätzlichen Verteidiger gegen sich.

Die Jets hatten einen ähnlichen Ausgangspunkt, haben den Rest aber ein wenig anders gemanaget. Also auch: außen eins gegen eins. Und auch: Mitte zu. Aber Rex Ryans Jungs aus den Meadowlands haben das getan mit Zonenverteidigung. Bis auf zwei Cornerbacks haben alle Spieler der Secondary (die Jets haben hauptsächlich Dime gepielt) im Umkreis der Hash Marks ihre Zonen verteidigt. Und oftmals haben sie nur 3 Pass Rusher aufgeboten und 8 Mann (!) in die Paßverteidigung geschickt. New England hat das diese Saison in Woche 5 mit viel hard-nosed Laufspiel gekontert. Aber wenn die Jets ihre Strategie mit der Steelers-Taktik verbinden, wird auch das wohl nicht funktionieren.

Der Angriff von Belichick, Brady und OC Bill O´Brien braucht eine neue Idee, einen neuen wrinkle. Irgendetwas Neues. Mehr 3-WR- oder 4-WR-Sets vielleicht, ein kreativeres Laufspiel, ein Pärchen Ocho/Brady, das endlich lernt, miteinander zu spielen oder einfach nur einen Deep Threat. Brandon Tate war es nicht, Vielleicht kann es Taylor Price sein,

Ich möchte keinesfalls klingen wie ein “Fan, der vom Gestern lebt” (Uli Hoeneß), aber wo ist der Deep Threat – formerly known as Randy Moss? Es hat schon einen Grund, warum alle guten Mannschaften so einen in ihren Reihen haben und sogar ein Schüler Belichicks wie Thomas Dimitroff  seine Karriere aufs Spiel setzt, um einen Julio Jones zu draften. Das ist kein Plädyer pro Moss, aber von irgendwoher muß er kommen, der schnelle Receiver mit den langen Schritten, der tief gehen kann.

Für die Patriots ist dieses Spiel sehr viel wichtiger als für die Jets. Es könnte das erste Mal seit 2002 werden, daß Bellys Pats drei Spiele in Folge verlieren. Wenn man dazu nimmt, daß New England seine letzten drei Spiele in den Playoffs verloren hat und der letzte Sieg in diesen aus der Saison 2007 datiert, kann man tatsächlich so langsam mit dem Abgesang auf die Patriots der Belly/Brady-Ära beginnen.

Oder, wenn man nochmal den letzten Optimismus zusammenkratzen will, könnte dieses Aufeinandertreffen einen Wendepunkt markieren wie das Spiel in Woche 5 der Saison 2003 (38-30 gegen die Titans), das den Beginn der längsten Siegesseries der NFL-Geschichte einläutete: 21 Spiele in Folge ungeschlagen und Siege in den Super Bowls XXXVIII und XXIX.

Es wird sich zeigen und das Spiel hat als Sunday-Night-Ansetzung auch einen würdigen Platz dafür.

Sideline Reporter im Sideline Reporter

Interne Meldung aus den Redaktionsstudios: Sideline Reporter wird in Zukunft verstärkt durch einen Co-Autor, der sich schon mehrmals zu Gastbeiträgen hat hinreißen lassen, und nun regelmäßiger und „offizieller“ hier auftreten wird. Die Rede ist von Alexander Herrmann, unterwegs als „Herrmann“, Patriots-Fan und Betreiber des Blogs Vier Viertel plus Nachspielzeit. Herrmann ist nun im Boot, um zusätzliche Inputs über Spieltaktik und GamePlanning zu geben.

Ich möchte auch gleich „vorwarnen“, dass es womöglich nicht die letzte Addition bleiben wird. Künftige Zeitengpässe und das Streben nach einem etwas breiteren Themenspektrum sind die Gründe dafür.