BCS-Schau nach Woche 11

College Football steuert mal wieder auf ein bizarres Finish in der Regular Season zu, nachdem in Woche 11 mit Boise State und Stanford zwei weitere Ungeschlagene gefallen sind. Sechs Teams sind noch in der Lostrommel auf die beiden Tickets für das BCS-Finale. Ein kurzer Rückblick auf Woche 11.

Boise State vs. TCU – Aufatmen beim Establishment. Ich habe das Spiel nicht gesehen, erlaube mir aber das Einbetten dieser Spielzusammenfassung:

Paar Anmerkungen:

  • Die arg verletzungsgeschwächte Secondary ließ den Wide Receivers massivste Räume zum Arbeiten.
  • Die Pass Interference gegen TCU im letzten Boise-Drive spottet im Prinzip jeder Beschreibung und dürfte in die Kategorie „Heimschiedsrichter“ fallen.
  • Erstaunlich, dass Chris Petersen mit seinem erwiesenermaßen unzuverlässigen Kicker in der spielentscheidenden Situation QB Kellen Moore einfach in die Mitte tauchen ließ, anstelle das Spiel mit seiner Offense zu gewinnen.
  • TCU wird nächstes  Jahr in der Big 12 ein interessantes Team. Casey Pachall schaut aus wie der beste Quarterback der Big 12 von 2012/13 und die heuer junge, umgebaute Defense wird unter Gary Pattersons Anleitung eher besser den schlechter werden.

Stanford vs. Oregon – das Spiel entwickelte sich recht genau nach meinem Skript, allein Oregons Defense war vielleicht noch den einen Tick besser, machte mächtig Dampf auf die Pocket und war wie erwartet auch noch im Schlussviertel auf Hochtour gegen den Lauf unterwegs. Das Duell „Oregon Offense“ gegen die 3-5 Defense Stanfords war ein hoffnungsloses Mismatch und die Running Backs kamen zu einfachsten Big Plays über klaffende Löcher. Ein Spiel, das mit einem 23pts-Unterschied ein treffendes Endresultat hat.

Road to New Orleans

#1 Louisiana State Tigers
#2 Oklahoma State Cowboys
#3 Alabama Crimson Tide
#4 Oregon Ducks
#5 Oklahoma Sooners
#6 Arkansas Razorbacks

Wo soll man anfangen? Vielleicht treffen wir uns in drei Wochen und LSU und Oklahoma State sind noch immer ungeschlagen. Die Entscheidung wäre einfach. Die Gewinner der beiden stärksten Conferences, beide ohne Niederlage, ein Jahr ohne Streit in der BCS. Traum-Szenario? Vielleicht. JetztkommtdasgroßeABER…

Es gibt noch Fallen und es gibt Fallen, die zu verworrenen Szenarien führen. Das geht soweit, dass die Oregon Ducks am Samstag direkt nach dem Spiel weniger über ihre dominante Vorstellung sprachen, sondern schonmal vorsichtig darauf verwiesen, dass sie vor Monaten ja eigentlich mehr Yards als LSU im direkten Duell zurückgelegt hatten.

In anderen Worten: Das Reizwort „Re-Match“ wird nun an zwei Fronten geführt, sollte Oklahoma State noch stolpern. Alabama ist trotz Niederlage an #3 gerankt und war mindestens auf gleicher Augenhöhe wie LSU, hat aber selbst rechnerisch kaum mehr ein Szenario, in dem es die SEC-West gewinnen kann. Das ist Oregons Vorteil, da die Ducks nun freie Bahn zum Gewinn der Pac-12 haben und vor allem auf die großartigste aller Offenses im College Football verweisen können. Am Samstag geht es gegen USC, das wegen Bowl-Ausschluss von der BCS nicht beachtet wird, aber nach Oregon und Stanford drittstärkste Kraft der Pac-12 ist.

Der X-Faktor im Rennen in den Louisiana Superdome ist Oklahoma, das an #5 gerankt ist und am letzten Spieltag in drei Wochen die Oklahoma Sooners im „Old Bedlam“-Derby serviert bekommt. Oklahoma hat eine sensationelle Heimniederlage gegen Texas Tech mit 3 Punkten, die es runterzieht, aber mit einem Paukenschlag in der letzten Woche – wer weiß? Die Sooners würden am „Re-Match“ vorbeiargumentieren können und hätten mit Florida State auch einen harten non-Conference Brocken geschlagen.

Und dann sind da noch die kleinen Hogs: Die Arkansas Razorbacks dürfen wir, Änderungen am Sendeplan mal ausgeschlossen, nun zweimal bei ESPNA betrachten. Heimspiel in Little Rock, Auswärtsspiel bei LSU. Letzteres Duell könnte bei Hogs-Sieg Anarchie in die SEC-West bringen und dafür sorgen, dass am Ende der Fahnenstange weder LSU, noch Alabama, sondern Arkansas das Endspiel der SEC erreicht. Das BCS-Finale würde ich in einem solchen bizarren Szenario nicht ganz ausschließen, ist aber extrem unwahrscheinlich.

„At-large“-Kandidaten

#7 Clemson Tigers
#8 Virginia Tech Hokies
#9 Stanford Cardinal

Stanford hat wie erwartet sein Heimspiel gegen Oregon verloren, überraschend war allenfalls der Klassenunterschied zwischen Cardinal und Ducks, und auch über die Leistung von QB Andrew Luck wird noch geredet werden. Nicht bloß, dass Luck damit wieder das Rennen um die Heisman Trophy eröffnet hat: Auch ESPN und Konsorten jubeln, besteht nun plötzlich die Möglichkeit der Fehlbarkeit Lucks – das QB-Rennen zum Draft dürfte hochgejazzt werden. Und Stanford braucht plötzlich einige glückliche Fügungen, um wieder als aussichtsreicher „At-large“-Kandidat zu gelten.

Clemson (ist fix) und Virginia Tech (fast fix) dürften das ACC-Endspiel bestreiten. Der Sieger wird automatisch in der Orange Bowl spielen. Der Verlierer wird kaum Chancen auf eine „at-large“-Einladung in die BCS-Bowls kriegen. Erstens, weil er kaum Top-10 bleiben wird. Zweitens, weil beide Unis nicht als top-attraktiv gelten.

Die Mid-Majors

#10 Boise State Broncos
#11 Houston Cougars
#19 TCU Horned Frogs
#20 Southern Miss Eagles

Boise States überraschende Heimniederlage bringt eine interessante Nuancierung in das Rennen um den möglichen automatischen BCS-Platz für die Mid-Majors ins Spiel. Diesen gibt es, wenn ein Conference-Sieger (!) mindestens an #12 gerankt ist oder an #16 bei gleichzeitigem Fehlen einer BCS-Conference in den Rankings (nicht ausgeschlossen, weil die Big East nichts hervorbringt).

Boise State wird die MWC kaum mehr gewinnen können. TCU müsste in drei Spielen zweimal verlieren – das hält man für ausgeschlossen. Somit freie Bahn für die Houston Cougars, die aber auch noch die C-USA holen müssen – dort noch zwei Tests haben: Tulsa und im Endspiel womöglich die ebenso gerankten Southern Miss Eagles. Stolpert Houston, ist plötzlich TCU in einer nicht aussichtslosen Position.

Boise States „at-large“-Chancen dürften minimal sein und davon abhängen, was die Teams

Big Ten Conference

Legends Division – #15 Michigan State hat das wichtige direkte Duell mit Iowa gewonnen und die Hawkeyes damit innerhalb einer Woche von „kann es aus eigener Kraft schaffen“ auf „zu 95% eliminiert“ geschossen. Die Spartans haben ihr Schicksal nun in der Hand, dürfen sich aber keinen Ausrutscher leisten, da #16 Nebraska lauert.

Leaders Division – #21 Penn State ist innerhalb einer Woche zum verhasstesten Team des Landes geworden, führt aber nach wie vor die Division an. Dass es nicht zum Horror-Szenario „Penn State und sein Sexskandal in der Rose Bowl“ kommt, dafür kann Wisconsin sorgen, das mit einem Sieg über die Nittany Lions aus eigener Kraft durch ist. Ohio State hat sich überraschend selbst aus dem Rennen geschossen.

Jo, ist etwas simplifiziert dargestellt. Es gibt kaum „sichere“ Teams in der Big Ten und auch Upsets abseits der Spitzenspiele dürften noch zu erwarten sein.