NFL 2011/12, Week 11 in der Nacht auf Dienstag: Foxboro gegen Foxboro West

Das heutige MNF-Spiel zwischen den New England Patriots und den Kansas City Chiefs (02h30 LIVE bei ESPN America und Sport1+) ist an mehreren Fronten ein Wiedersehen alter Bekannter und Freunde.

Die New England Patriots sind im letzten Jahrzehnt zur Vorzeigefranchise geworden, zu einem „Erfolgsmodell“, das quer durch die Lande versucht wurde, zu kopieren, entweder via Copyrightsverletzung oder über die alte Schule, sprich Abwerbung der besten Assistenzcoaches. Wie eine Fuge wiederholte sich allerdings ein leidiges Thema  über die Jahre immer und immer wieder: Belichicks Azubis floppten andernorts entweder dezent (Weis, Crennel) oder fuhren den Karren mit 180 gegen die Wand (Mangini, McDaniels).

Das hielt die Chiefs nicht davon ab, in nur zwei Jahren die größte Ansammlung ehemaliger „Patrioten“ zu schaffen. Hauptverantwortlich dafür ist General Manager Scott Pioli, einst der geniale Personalchef und Draftstratege der New England Patriots, ganz leise im Hintergrund von Bill Belichicks Reich operierend.

Seit Belichicks Herzensfreund Pioli nach der Saison 2008/09 in Kansas City angeheuert hat, liest sich die Liste der Einkäufe wie folgt: Head Coach Todd Haley, OffCoord Charlie Weis (mittlerweile wieder abgewandert), DefCoord Romeo Crennel, QB Matt Cassell, OLB Mike Vrabel (mittlerweile zurückgetreten). Sie alle waren mal wichtige Figuren in Belichicks System. Sie bilden oder bildeten gemeinsam das Gerüst für die aktuelle Chiefs-Mannschaft, auch wenn Cassell heute fehlen wird.

Der Chiefs-QB wird deswegen Tyler Palko sein, ein unbeschriebenes Blatt. Das macht den GamePlan der Chiefs aber auch interessant: Wird sich Palko heute Nacht gegen die furchtbare Secondary New Englands einen Wolf werfen? Immerhin sind die beiden Top-WRs Bowe und Jon Baldwin Hünen und überragen die größten Defensive Backs der Patriots locker um 20cm. Dazu lebt sich der unkoschere Baldwin auch schön langsam in der NFL ein, hatte vor drei Wochen einen tollen TD-Catch gegen San Diego und letzte Woche gegen Brian Dawkins einen sensationellen Catch, der sämtliche Physiker und Naturwissenschaftler aufhorchen ließ – und leider, leider, leider wegen einer Strafe nicht zählte.

Oder werden die Chiefs bevorzugt, trotz schlechtem Blockspiels und wenig effizienter Running Backs, am Boden operieren?

Bei den Patriots dürfte der Plan selbiger wie immer sein: Luftangriff über QB Brady und seine großartigen Ballfänger Welker/Gronkowski/Hernandez – derzeit für mich mit das beeindruckenste, was so über die NFL-Spielfelder trabt. Den Patriots bleibt derzeit auch keine andere Option. Ihr Laufspiel ist nicht mal mehr opportunistisch.

Weil die Chiefs zwar über vereinzelte starke Abwehrspieler verfügen, aber zu eindimensional im Pass Rush (OLB Hali) und eigentlich als Lauf-Defense konzipiert sind, dürfte das Skript heute Nacht vier, fünf längere Touchdown-Drives für die Patriots vorsehen, Punkte, die die Chiefs-Offense nicht zur Genüge wird ausgleichen können. Ergo läuft alles auf einen klaren Patriots-Sieg hinaus.

Wiederholung morgen, Dienstag, 22.11.2011 um 18h30 bei ESPN America, 8h30 und 18h25 bei Sport1+.

8 Kommentare zu “NFL 2011/12, Week 11 in der Nacht auf Dienstag: Foxboro gegen Foxboro West

  1. Naja, am letzten Spieltag hatte es nicht so den Anschein, dass die Chiefs besonders gut in Run-D sind… Aber auch mit einer solchen würde es heute wohl eine Klatsche setzen. Wenn nicht Hali, Dorsey und Flowers total dominieren, werden die chiefs keinen stich machen. Aber ohne Starting QB und den besten RB der NFL hätten auch bessere Teams in Foxboro Probleme.

  2. Ich habe irgendwo gelesen, dass für die Patriots das super TE Spiel nur deswegen funktioniert weil sie mit Hernandez noch einen zweiten auf dem Spielfeld haben, der wie ein WR spielt und deswegen Mismatches kreiert. Die Pats bringen wirklich oft beide zugleich.

  3. Hallo korsakoff, bin jedesmal vom blog hier beegeistert .

    Kleine Gegenrede zum Satz mit Mangini.
    Ich finde nicht, dass Mangini als COACH den Karren gegen die Wand fuhr.
    Wenn ich nicht täusche musste Mangini die Jets nach einer 9 – 7 Saison abgeben (zuuvor 10-6 und 4 – 12).
    Einer Saison in der er Favre auf das Auge gedrückt bekam (fiel er dann nicht am Schluß aus?)
    Einen Trümmerhaufen hat er dort nicht hinterlassen (anders als Crennell in Cleveland) , denn seinem Nachfolger Ryan gelang dann auch eine 9 – 7 Saison ( also identisch).

    In Cleveland übernahm er eine desolate Mannschaft ( zuletzt hiess es Camp Crennell) und die QBs Anderson und Quinn. Manginis Fehler in Cle war vor allem die eine draft die er hatte.
    Damals eine sonderbare Situation, weil der damalige GM (Kokinis) ein Flop war und nach wenigen Monaten wieder verschwand.
    Mangini als Coach in Cle. Nach Anfangsschwierigkeiten legte er am Saisonende ein Serie von 4 Siegen hin (was zeigt, dass die Mannschaft auf seiner Seite war und das Training griff).
    U.a. auch ein Heimsieg gegen die Steelers die wegen dieser Niederlage deshalb mit die Playogffs verpassten (PIT gewann dann noch die letzten drei hatte aber mit 9 – 7 gegenüber BAL den schlechteren tiebreaker).

    Dann bekam Mangini einerseits Holmgren schon während seiner ersten Saison vor die Nase gesetzt , andererseits auch einen hammerharten Schedule in Jahr 2. Damit war faktisfch klar, dass Mangini Jahr zwei nicht in seiner Position überlebt.
    Zudem setzte Holmgren ihn noch Delhomme, Wallace und McCoy zusätzlich auf das Schoss. Delhomme für 7 Mios, der für den enormen Betrag nur Spiele vergeigte ( Leider gleich das erste SPiel gegen TB was eigentlich gewonnen war) oder verletzt war.
    Ein Witz hoch zehn, was Holmgren da machte.

    Nachem Wallace auch bald verletzt war , musste Rookie McCoy ran.
    Mit McCoy gelangen Mangini ein geiler Auswärtssieg beim damaligen SB Sieger New Orleans, ein Heimsieg gegen Belichik und Co ( in der Saison 14-2 nur von Jets und Cle besiegt).
    Belichik wurde damals von Mangini outgecoached. Ich schaue mir immer noch gerne die Szenen des Spiels auf HD an und das saure Belichik Gesicht nach dem Spiel beim Interview.
    Ferner noch eine sehr unglückliche Heimniederlage gegen die Jets in OT , als leider ein Cle WR in FG Range in OT fumbelte und das Spiel noch verloren wurde.
    Danach ging es bergab, vielleicht auch weil das Team wusste, dass Mangini unter Holmgren dann dead man walking war.

    Ich würde das nicht gegen die Wand fahren nennen. Die einzige Katastrophe war seine einzige Draft mit Kokoinis zusammen.

    Ich würde heute jederzeit Mangini gegenüber den jetzigen Trainer Shurmur bevorzugen. Ich finde die Browns waren während seiner zwei Saisons konkurrenzfähiger als sie das nun unter Shurmur sind.
    Was er konnte: Nobodies ins Team einbauen (und auch durch Zustastztrainingseinheiten damals) und diese so pärperieren , dass sie gut mitspielen konnten.

    Ich bin auch sicher, wenn Mangini wieder einen HC Job bekommt und die Voraussetzungen einigermassen stimmen, dass er dort einen guten Job abliefert.
    Gruß aus Bayern bzw Franken nach Südtirol, alexander

  4. Merci auch von mir für den Baldwin Catch. Kannte ich auch nicht.

    Freue mich schon auf Donnerstag und die drei Spiele. Heisst, ich muss rechtzeitig zu Hause sein.

    Gibts live Blogging?

    Servus, alexander

  5. Nun, Mangini bekam Favre nicht „vorgesetzt“, sondern wollte Favre tödlich für sein Team aus dem Ruhestand holen (war da nicht das Versprechen, sogar den Sohnemann nach Favre zu taufen für den Fall eines Wechsels?) Auch Kokinis hat sich Mangini selbst als GM ausgesucht.

    Meiner Erinnerung nach verscherzte es sich Mangini in Cleveland sofort mit Fans und Team (Bruch mit Traditionen, überharte Strafen für einen zugegeben disziplinlosen Haufen).

    Für mich war es stets ein ähnliches Problem wie McDaniels in Denver: Blutjunger Coach mit der Nase im dritten Stockwerk, der sich nicht so schnell was sagen lässt. Kann bei allem vorhandenen Know-How in einer Welt der Bonzen wie im Football schnell mal schief gehen.

    Ich habe BTW Mangini jüngst als ESPN-Experte gesehen. Sehr eloquent und gute Analysen, das wirkte konträr zum Bild des Disziplin-Nazis.

    Re: Liveblogging. Da ich die Thanksgiving-Woche liebe wie kaum eine zweite im Jahr, wird es soviel wie möglich (ergo wieviel Studium und Arbeit hergeben) Vorschau und Liveblogging geben.

  6. Hallo Korsakoff,

    zu Favre: ich meine dass Tannebaum Favre wollte und nicht Mangini. Favre passte auch nicht so recht in Manginis Philosophie.
    Und, was man in Cleveland auch gesehen hat, ist Mangini kein Freund von Spielern mit übersteigerten Ego.

    Kokinis hat er sich tatsächlich ausgesucht. Das war ein Riesenfehler.
    Vielleicht hat er danach auch niemanden anderen bekommen, Videogate war ja noch nicht lange vorbei.

    Stimmt: magini wurde schnell unbeliebt bei den Fans. Da war aber viel die Presse dran schuld mit der er es sich als ersten verscherzte.
    Vieles erschein dann im Nachhiniein in einem anderen Licht und kam erst viel später an die Oberfläche.

    Bsp. Ess gab Ärger, weil er ein Wandbild aus den glorreichen tagen entfernen liess.
    Die grössten Teile der örtlichen Presse hassten ihn von anfang an ( wahrscheinlich weil er ihnen nicht in den Hintern kroch) und macht ein Fass daraus auf,.
    Später kam meine ich heraus, er hat es in einen Raum hängen lassen, wo sehr viel die Spieler waren, damit die die Geschichte vor Augen hatten.

    Zu den Strafen. Auch wegen den 1701 $$ die ein Spieler zahlen musste weil er im Hotel eine Flasche Wasser nicht bezahlte.
    Später kam heraus dass es Edwards war, aber vor allem auch, was er sich zuvor schon alles an zu spät kommen, einschlafen etc geleistet hatte.

    Die 10 Std Busfahrt mit den jungen Spielern war natürlich überidiotisch, das würde ihm wohl heute nicht mehr passieren.

    Das Rundenlaufen bei Konzentrationsfehlern im Training war wohl auch mehr Symbolik. Allerdings half es dass tatsächlich weniger Strafen und Fehler gemacht wurden im Lauf der Zeit.

    Mangini ist im zweiten Jahr sehr viel lockerer geworden. Er hat enorm abgenommen und trat relaxter auf.
    Seine TV Auftritte jetzt bestätigen dies.

    Gruß´alexander

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