MNF, #12: New Orleans Saints – New York Giants

Ich präsentiere: Saints (7-3), halbes Spiel Vorsprung in der NFC South, vs. Giants (6-4), halbes Spiel Rückstand in der NFC East. Das heutige Monday Night Game hat nicht nur Auswirkungen auf die jeweiligen Divisionen, sondern könnte auch noch nicht unwesentlich zum Thrill um die NFC-Wildcards beisteuern, die kaum unter 10-6 weggehen dürften.

Aber irgendwie habe ich die Befürchtung, dass man bei zwei so wechselhaften Mannschaften abseits des Ergebnisses nicht allzu viel ablesen wird können. Die Giants kommen von einer Heimniederlage gegen die Eagles, die viel übler war als es das Ergebnis vermuten ließe, wackelten zuletzt bedrohlich häufig, gelten aber unter der Führung des QBs Eli Manning trotz allem als mittlerweile potent genug, um immer mal wieder einen Kracher rauszuhauen, selbst nach einer mickrigen Vorstellung wie gegen Philadelphia. Da kann man auch schon gegen eine schwache Run-Defense auf RB #44 Bradshaw verzichten (Bradshaw fällt aus).

Die Saints haben ihre spielfreie Woche hinter sich und werden sich gegen New York wieder einen Wolf werfen. QB Drew Brees ist auf dem Wege, als erster Quarterback der Ligageschichte zum zweiten Mal über 5000yds über die Saison zu werfen und könnte sogar den Pass-Rekord Dan Marinos brechen (5084yds). Volle Power über die Luft, heißt auch: Es werden putzige Grabenkämpfe, wenn Brees‘ Offensive Line Spielzug für Spielzug gegen New Yorks Pass-Rush bestehen muss.

02h30 geht es los, ESPN America und SPORT1+ übertragen LIVE. Wiederholungen morgen, 18h30 bei ESPNA, 16h20 bei SPORT1+.

We don’t care about our facial hair.

Bis heute genießt eine Unit im Football bei mir einen Ruf wie Donnerhall: Die Defensive Line der Carolina Panthers von 2003/04. Mike Rucker. Brentson Buckner. Christopher Jenkins. Julius Peppers. Und der Joker Shane Burton. Wo heute die Detroit Lions mit Suh und Vandenbosch Rabatz machen, war dieses Quintett einst das Kernstück einer Superbowl-Mannschaft, die trotz mäßiger Rest-Defense und ohne nennenswerte Offense mindestens eine Hand an der Lombardi Trophy hatte.

Der beste von allen war #77 Kris Jenkins, der höchst verletzungsanfällige Defensive Tackle, aber wenn fit ein Monster von einem Athleten, von zwei Offensive Linern kaum zu blocken. Wer es noch nicht kennt: Sports Science hat mal via Jenkins die Kräfte gemessen, die in den NFL-Schützengräben wirken. Gleich faszinierend wie erschreckend.

Kris Jenkins ist heuer im Sommer nach der xten schweren Verletzung zurückgetreten (worden), hat nun sein Kinesiologie-Studium abgeschlossen und für die New York Times einen spannenden Vierteiler über das Leben eines Defensive Liners geschrieben. Einblicke in die Psyche eines Jungprofis, warum Mangini ein Arschloch, Kunstrasen ein Verbrechen und Footballtrainer wie Zuhälter aus einer anderen Zeit sind, über Gewerkschaften auf den Straßen von Michigan, Omertá im Medizinschrank und das stille Geheimnis der Patriots – ich hatte Jenkins, der Naturgewalt, einen kritischen Geist ehrlich nicht zugetraut.

Lese- und Nachdenktipp.

(Disclaimer: Der zweite Teil des HGH-Absatzes überzeugt mich nicht. Aber da mache sich jeder sein eigenes Bild über die Muskelkonzentrationen, die heutzutage schon zwei Monate vor dem NFL-Draft auf der Waage stehen.)