College Football: Das Trainerkarussell kommt in Schwung

Auch College Football kennt so was wie seinen „Black Monday“. Ein paar interessante Moves, die da gestern gemacht wurden.

  • UCLA Bruins: Die Bruins schmissen Head Coach „Slick“ Rick Neuheisl, den schon lange umstrittenen Cheftrainer, unter dessen Ägide die Bruins vor allem durch peinliche, hohe Niederlagen zerstört wurden. Pikant: UCLA qualifizierte sich trotz einer 0-50 Schlappe am Samstag im „Stadtderby“ gegen USC für das Finale der Pac-12 (findet am Freitag statt), das Neuheisl nun nicht mehr coachen wird. UCLA dürfte allerdings in Oregon haushoch verlieren, was die bizarre Situation hervorruft, dass die Bruins dann eine 6-7 Bilanz hätten, was im Gegensatz zur 6-6 Bilanz ohne Finalteilnahme eine Bowl-Teilnahme unmöglich macht.
    Die Kandidaten für den UCLA-Job: Wie vor einigen Wochen schon spekuliert, gilt Boise States Chris Peterson als heißer Kandidat. Peterson könnte klar geworden sein, dass es mit den kleinen Broncos so schnell nicht zu Höhenflügen langen könnte (als man überragend war, wurde man in der BCS-Bowls frecherweise auf TCU gematcht) und in Boise stünde ein Umbruch bevor. Andererseits ist UCLA dann auch nicht der Traumjob eines jeden College-Starcoaches: Dort gilt Football nicht als Priorität #1 – UCLA ist eine Top-Bildungsanstalt – und das „Heimstadion“, die berühmte Rose Bowl, steht ein paar Kilometer abseits des Campus und gilt deswegen als sehr ungeliebt.
    Ein zweiter Kandidat wäre Kevin Sumlin, der gerade Houston mit seinem Super-QB Case Keenum zu ungekannten Höhenflügen coacht, aber ohne Keenum nicht viel auf die Reihe gebracht hatte.
    Dritter Kandidat, man höre und staune: Tom Cable. Yep. Der Tom Cable.
  • Ohio State Buckeyes: Der neue Mann an der Front ist also tatsächlich Starcoach Urban Meyer geworden. Meyer, der in den letzten beiden Jahren in Florida nach jeweils großen sportlichen Enttäuschungen (2009 ein SEC-Finaldebakel gegen Alabama, 2010 eine lustlose Saison) gezickt hatte und aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten war.
    Meyer vermisste das Coachen. Meyer könnte den Buckeyes mit seinen Connections in Florida ein bissl vom berühmten „Southern Speed“ abzwacken und das eine oder andere Toptalent aus den Schmieden in den südlichen Sümpfen einkaufen. Die Verpflichtung ist nicht unumstritten: Der renommierte Pat Forde prangert Meyers fehlende Glaubwürdigkeit an – eine recht gute Zusammenfassung der letzten beiden Jahre „Urban Meyer“. Man darf gespannt sein, was Meyer in Columbus aufstellen wird: Meyer gilt als top, wenn „es läuft“. Andererseits verliert der Mann schnell die Lust, wenn Dinge aus dem Ruder laufen und erfindet alle möglichen Ausreden, um sich vom Hof machen zu können.
  • Arizona State Sun Devils: Dennis Erickson ist raus. Erickson ist nicht irgendwer. Erickson coachte einst als „Player’s Coach“ die Miami Hurricanes in ihrer dominantesten Zeit, übernahm von Betonfrisur Jimmy Johnson eine hochkarätige Mannschaft und gewann 89 und 91 den National Title mit den markantesten Mannschaften der großen Hurricanes-Dynastie. In der NFL lief es für Erickson weniger gut, in Seattle und San Francisco waren die Erfolge eher bescheiden. Arizona State galt heuer als „Dark Horse“, enttäuschte aber mal wieder massiv. Für Erickson könnte das das Karriereende sein (der Mann ist, wenn ich das richtig sehe, 64 Lenzen als).
    Als Nachfolger ist mir jetzt noch nichts an interessanten Namen untergekommen.
  • Arizona Wildcats: Beim „Lokalrivalen“ Arizona aus Tucson ein paar Meilen weiter nördlich gab es den Knaller schon letzte Woche, als der in Michigan furios gescheiterte Rich Rodriguez als Nachfolger des glücklosen Mike Stoops eingestellt wurde. Rodriguez’ Verpflichtung trat sofort eines los: Aufmerksamkeit via Twitter-Welle quer durch die Lande. Eine Neuigkeit in Arizona, das bislang auf nationaler Ebene kaum wahrgenommen wurde. Viele glauben, dass das Offensivgenie Rodriguez in Arizona sehr viel leichteres Arbeiten hat als bei den Michigan Wolverines, wo Rudi Assauer und Rainer Calmund jeden Tag ihren Senf in die Suppe streuten und es besser wussten, wie man es anno 76 schon gemacht hätte.
  • Illinois Fighting Illini: Ron Zook gefeuert? Illinois galt heuer lange als Überraschungsteam, war eine zeitlang in den Top-25, ging dann aber ein und verlor die letzten sechs Spiele in der Big Ten. Zook war in Florida einst Nachfolger von Legende Steve Spurrier. Gewann zwar, aber nicht genug. Wurde gehasst. Wurde gefeuert. Urban Meyer kam und sahnte die National Titles ein. Zook war gebrandmarkt und ging nach Illinois, wo er nie akzeptiert wurde. Aber eines hat der Mann vorgemacht: Er hat Top-Recruits aus Florida ins windige Illinois geholt. Urban Meyer wird zugeschaut haben.

Andere Universitäten, die auf Trainersuche sind: FAU, wo sich der 78jährige Howard Schnellenberger, Architekt der Miami-Dynastie (die später von Johnson und eben Erickson zu ungekannten Höhen getrieben wurde), schon im Sommer zurückgezogen hatte. Schnellenberger holte am Samstag wenigstens noch einen Saisonsieg, verhinderte eine peinliche 0-12er Saison zum Abgang. Ole Miss, wo Houston Nutt gegangen wurde. Memphis und Akron, zwei Bodensatz-Programme, wo die jeweiligen Coaches Larry Porter und Rob Ianello bereits im Sommer vor meutereiähnlichen Zuständen in der eigenen Mannschaft gestanden hatten.

Und die University of Alabama/Birmingham (UAB Blazers). Dort wurde Neil Callaway gefeuert. UAB hat als Programm ein Problem: Es ist im Hochschulsystem von Alabama so eingegliedert, dass die relevanten Entscheidungen ein paar Kilometer weiter südwestlich getroffen werden. In Tuscaloosa, bei den Alabama Crimson Tide. Die wollen sich natürlich nicht so was wie eine kleine Konkurrenz heranzüchten. Der großartige Paul Myerberg hat darüber vor Wochen einen exzellenten Artikel geschrieben.

Bei Penn State wird man schauen, ob Interimscoach Tom Bradley behalten wird. Ich bin jetzt nicht so in der Diskussion drin, aber ich habe bislang nichts über die dortige Situation gehört, außer dass Al Golden bei den Miami Hurricanes bis 2020 (?) verlängert hat. Golden galt nun jahrelang als Favorit auf Joe Paternos Nachfolge.

Die New Mexico Lobos haben den ehemaligen NotreDame-Headcoach Bob Davie verpflichtet. Davie sagt mir jetzt als Coach nicht viel, war 11 Jahre lang kein Coach mehr, aber unerfolgreicher als andere Trainer der Fighting Irish in den letzten 20 Jahren war auch Davie dort nicht.

Wenn ich mir die allgemeine Unzufriedenheit anschaue, die im College Football aktuell herrscht, werden das nicht die letzten Moves geblieben sein. Insbesondere in der MAC gab es in den letzten Jahren regelmäßig regelrechte Wüteriche in den Sportdirektorien, wo Coaches nach 1-2 Jahren sofort wieder per Knopfdruck auf der Straße lagen.

5 Kommentare zu “College Football: Das Trainerkarussell kommt in Schwung

  1. Soweit ich das mitbekommen habe wird Neuheisel Freitag gegen Oregon coachen und bei dem fast unmöglichen Falle eines Sieges und anschließenden Bowl-Game übernimmt Offensive coordinator Mike Johnson.

  2. Ja, stimmt. Wird ausgebessert.

    Übrigens soll Jack DelRio ein ernsthafter Kandidat bei UCLA sein. DelRio ist in diesen Minuten bei den Jacksonville Jaguars entlassen (DefCoord Mel Tucker wird angeblich Interimscoach).

  3. Erwähnenswert wäre auch, dass die Kansas Jayhawks ihren Headcoach Turner Gill nach nur 2 Jahren gefeuert haben und auch Washington State haben sich von Wulff getrennt.

    Kevin Sumlin soll auch heißer Kandidat bei Arizona State sein. Aber da Houston wahrscheinlich in einem BCS-Bowl spielen, wird er wohl erst nach dem 1. Jänner verfügbar sein, was eine starke recruiting class von Erickson gefährden könnte, außer Sumlin macht einen auf Brian Kelly.

    Dazu noch: Mark und Mike Stoops haben ein Angebot von FAU abgelehnt und Houston Nutt soll bei Memphis im Gespräch sein.

  4. Bei Washington State gilt übrigens Robb Akey seit Jahren als heißer Kandidat. Akey coacht ums Eck bei den Idaho Vandals aus Moscow, anderes Bundesland, aber ebenso Hinterwäldler und zwei Unis, die aufgrund der geographischen Nähe (keine 10km) extrem rivalisiert sind.

    In den letzten Tagen kamen auch Gerüchte über Mike Leach auf, dessen passgewaltige Offense die WSU-Fans an die Zeiten in den 90ern erinnern soll. Leach wäre auch kein „Leichtgewicht“ wie Akey.

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