College Football 2011/12, bevor die Conferences ihre Sieger auswürfeln und die BCS ins Knobeln kommt.

Manchmal liegt der Teufel in der Wiederholung. Vor einem Jahr schrie Brent Musberger „Interception!“ und ich dachte, okay, ist Landry Jones. Dann kam die Wiederholung.

Jahrhunderttore sind größer als Jahrhundertspiele. Verrückte Spielzüge sind größer als verrückte Footballspiele. Dieser Spielzug ist der Beweis: Das Bedlam-Derby 2010 war ein Spiel für die Äonen, mit einem Schlussviertel wilder als Kraut und Rüben, aber der bleibende Eindruck ist diese eine wahnsinnige Interception. Gewonnen hat letztes Jahr übrigens trotzdem Oklahoma, trotz dieses Spielzugs. Aber wer weiß das schon noch?

Damals ging es um Ruhm, Ehre und den Einzug in das Big12-Finale. Heuer geht es um Ruhm, Ehre und den Titel in der Big 12 Conference. Der Sieger hat eine Fahrt nach Glendale zur Fiesta Bowl sicher, wobei es für die #3 Oklahoma State Cowboys bei einem dominanten, überzeugenden Heimsieg über die Sooners sogar noch ein kleines Hintertürchen in Sachen BCS-Finale geben könnte.

Das Duell Cowboy-Offense rund um das Top-Gespann QB Brandon Weeden/WR Justin Blackmon gegen die wackelige, aber letzten Samstag wieder stabilere Sooner-Defense dürfte dabei ebenso interessant sein, wie die Auseinandersetzung zwischen der von Verletzungen dezimierte Sooner-Offense und der Cowboy-Defense, die ich für sehr unzuverlässig halte, die aber statistisch hervorragende Werte aufweist und auf „Effizienz pro Drive“ standardisiert – man höre und staune – zu den drei besten des College Football 2011/12 gehört! In anderen Worten: Ein Shootout ist nicht ausgeschlossen, aber unwahrscheinlicher als man annehmen würde. Over/Under liegt übrigens trotzdem bei 74 Punkten.

Oklahoma State – Oklahoma. Samstag/Sonntag um 02h LIVE bei ESPN America. Wiederholung morgen, Sonntag, um 12h bei ESPNA.

SEC-Finale: #1 LSU Tigers – #14 Georgia Bulldogs

Samstag, 22h LIVE ESPN America
Donnerstag, 8.12. Aufzeichnung ESPNA um 12h00

#14 Georgia schaffte es nach langen Jahren, endlich mal die heuer durchwachsene SEC-East zu gewinnen, brauchte dafür allerdings einen einfachen Schedule und den Verletzungsteufel beim Kontrahenten South Carolina. Trotzdem: Zehn Siege in Serie sind, wenn auch „nur“ gegen Liga-Mittelmaß, nicht verachtenswert und sollten dem wenig geliebten Head Coach Mark Richt vorerst zum Verbleib helfen.

Georgia läuft immer noch gerne, verfügt um den starken, aber nicht sensationell starken RB Isiah Crowell über ein formidables Laufspiel, aber der wahre Trumpf ist der zuverlässige QB Aaron Murray, der nur wenige Fehler macht und in der RedZone höchst effizient spielt.

Trotzdem wäre alles andere als ein Kantersieg der LSU Tigers eine Überraschung. LSU ist in diesem Jahr so dominant, dass wohl nichtmal eine knappe Niederlage in diesem Spiel mehr die Teilnahme am BCS-Endspiel verhindern kann – aber es ist schwer vorstellbar, dass Head Coach Les Miles es überhaupt so weit kommen lässt. Man kann von einer 100% konzentrierten Leistung ausgehen, und einem unspektakulären Tigers-Sieg.

BigTen-Finale: #13 Michigan State Spartans – #15 Wisconsin Badgers

Sonntag, 18h Tape Eurosport 2 (90min)

Im Oktober zerstörte im „Hinspiel“ eine Hail Mary die in den Himmel gehypten Wisconsin Badgers. Jetzt kriegen die Badgers die Chance zur Revanche gegen Michigan State – allein, es scheißt sich niemand drum: Das erste Endspiel in der Geschichte der stolzen Big Ten Conference erlebt gerade sein ganz spezielles Debakel, da die Kartenpreise kollabieren (im Schnitt 65% Verfall der Eintrittspreise über die letzten acht Tage!) – sogar die Finaltickets der verlachten ACC und C-USA finden teurer ihre Abnehmer. Vom Sportlichen ist neben dem Rachefaktor auch noch der ewige Touchdown-Rekord von Barry Sanders in Gefahr. Sanders machte in den Achzigern mal 39TD in einer Saison. Wisconsins RB Montee Ball hält zwei Spiele vor Schluss bei 34.

ACC-Finale: #5 Virginia Tech Hokies – #20 Clemson Tigers

Sonntag, 9h30 Tape ESPN America

Das Spiel gab es schonmal Anfang Oktober, als die Überflieger von Clemson Virginia Tech 23-3 wegräumten und sich damit für einige Zeit ins BCS-Rennen einklinken konnten. Mittlerweile hat sich bestätigt, was eh alle wussten: Clemson ist zu unbeständig, und als der sensationelle Freshman-WR Sammy Watkins mit Verletzungen etwas abflaute, begannen die überflüssigen Niederlagen gegen Teams wie Georgia Tech oder North Carolina State.

Virginia Tech dagegen spielt eine so unauffällige Saison, da war der 38-0 Kantersieg im direkten Duell um den Divisionssieg gegen Virginia letzten Samstag das ganz große Highlight. Die Hokies mussten sich lange Zeit an ihrer gewohnt starken Defense festklammern, um das unbeständige Spiel ihres jungen, aber als hoch talentiert geltenden QB Logan Thomas zu kaschieren.

Man ist 11-1 und zu meinem Erstaunen #3 im Coaches Poll, vor Teams wie Oklahoma State oder Stanford, die trotz allem über mehr Resümee verfügen dürften. Erstaunlich auch, weil man nur einen richtigen „Statement“-Gegner vorgeworfen bekommen hat – Clemson – gegen den wie besagt klar verloren wurde.

Das Pendel dürfte im Lauf der Saison umgeschlagen haben und so gilt im „Rückspiel“ im ACC-Finale Virginia Tech als favorisiert, sollte den Einzug in die Orange Bowl klarmachen. BCS-Träume sind auch mit 12-1 und klarem Finalerfolg unrealistisch.

C-USA Finale: #6 Houston Cougars – #24 Southern Miss Golden Eagles

Sa, 18h LIVE bei ESPN America

Houston, mein dark horse für die Top-25 im Sommer, ist neben LSU die einzige noch ungeschlagene Mannschaft der FBS und steht einen einzigen Sieg vor dem größten Erfolg seiner Geschichte. Die Cougars sind an #6 gerankt und wären als Conference-Sieger der C-USA automatisch für eine BCS-Bowl qualifiziert.

Die Coogs zeichnet eine ungemein effiziente Offense rund um den alle Rekorde pulverisierenden QB Case Keenum aus. Keenum hatte schon 2009/10 tolle Werte, war letzten Herbst verletzt (die Coogs schmierten danach böse ab), bekam ein sechstes Uni-Jahr zugestanden und spielt die Saison seines Lebens. Nur als Einordnung: 4.726 Pass-Yards in 12 Spielen (394yds PRO SPIEL), 43 Touchdowns, 3 (!) Interceptions. 467 Pässe und nur 3 INTs! Keenum gilt als allerdings „System-Quarterback“, was für seine NFL-Chancen nicht förderlich ist – riecht nach einer Backup- oder CFL-Karriere.

Potenzielles Störfeuer könnte neben dem Nervenflattern auch das Gerüchteln um die Zukunft des schwarzen Head Coaches Kevin Sumlin sein, der derzeit so ziemlich überall als Außenseiterkandidat gilt, wo ein Trainerposten frei geworden ist.

Um das Endspiel werden schon Verschwörungstheorien gebastelt, die im Zweifelsfall parteiische Schiedsrichterauslegungen befürchten, um der C-USA bloß nicht die historische erste BCS-Bowleinladung zu versemmeln. Dabei gelten die Golden Eagles von der Southern Mississippi University durchaus als nicht ungefährliche Mannschaft. Die Defense ist etwas unbeständig, aber die Offense schwer ausrechenbar.

MAC-Finale: Northern Illinois Huskies – Ohio Bobcats

Sa, 12h30 Tape bei ESPN America (Aufzeichnung von heute Nacht)

Die beiden Preseason-Favoriten spielen nach einem wilden November mit einigen fassungslosen Shootouts in der Mid-American Conference wie erwartet und zwischendurch nicht mehr geglaubt das Endspiel aus, wobei rein gefühlt die Toledo Rockets prinzipiell die beste Mannschaft der Conference stellten – allein, die Rockets erspielten im November Freak-Ergebnisse wie „60-63“ oder „66-63“ und fielen durch solche unkontrollierten Spiele noch aus dem Finale. Das „60-63“ der Rockets war gegen die NIU Huskies und brachte Northern Illinois den entscheidenden Tie-Breaker zur Endspielteilnahme.

Bei NIU dürfte die Genugtuung vor allem bei Coach Dave Doeren groß sein, der im ersten Jahr eine trotz allem überraschende 9-3 Bilanz erspielte, vor allem auf Basis des starken, mobilen Quarterbacks Chandler Harnish. Doeren könnte ein Kandidat bei den Illinois Fighting Illini aus der Big Ten Conference werden, auf alle Fälle sind die Loblieder auf den Mann recht hymnisch.

Big East Conference

Morgen, Sonntag um 7h gibt es das Tape von Cincinnati – UConn. Die Big East Conference ist eine Glückslotterie, die sich so präsentiert (WVU schlug am Donnerstag USF):

  1. West Virginia (5-2)
  2. Louisville (5-2)
  3. Cincinnati (4-2)

Louisville gewann den direkten Vergleich mit West Virginia und wäre bei Gleichstand Conference-Champ. Nun könnten allerdings die Cincinnati Bearcats das Spiel gegen UConn noch gewinnen. Folge: Ein Dreiergespann an der Spitze, wobei West Virginia dann wohl das höchste BCS-Rankings erhielte und die Einladung in eine BCS-Bowl erhielte. In anderen Worten: Cincinnati ist fast chancenlos, kann aber den Louisville Cardinals noch die Laune versauen. Die Big East gilt jedoch als so unattraktiv, dass sogar beim Conference-Sieg des attraktivsten Teams – West Virginia – die Mannschaft nur den letzten Platz in den BCS-Bowls bekommt. Heuer muss die Orange Bowl als letztes picken und müsste knirschend die Mountaineers einladen. Ach, und: West Virginia wird irgendwann in naher Zukunft in die Big 12 Conference wechseln. Wahrscheinlich 2012, vielleicht aber auch erst später. Wie verzweifelt diese Conference ist? Als West Virginias Nachfolger werden die 2000 Meilen weiter westlich beheimateten Boise State Broncos gehandelt…

Tapes der nächsten Woche

#17 Baylor – #22 Texas und noch einmal ein Blick auf den famosen QB Robert Griffin III, der möglicherweise die Heisman Trophy gewinnen wird und nächstes Jahr entweder einen Anlauf gen NFL oder auf die Olympischen Sommerspiele von London unternehmen könnte. Tape am Donnerstag, 8.12. um 9h30.

Vor dem Spiel gibt es auch sich intensivierende Gerüchte über einen Rücktritt von Texas-Trainerlegende Mack Brown, der nicht mehr motiviert sein soll. Zweiter Hintergrund: Texas könnte seine ambitionierten Assistenzcoaches Bryan Harsin (Offense) und Manny Diaz (Defense) verlieren, nachdem bereits letztes Jahr der langjährige Zögling Will Muschamp (DefCoord bei Texas) die Geduld verloren hatte und zu Florida gegangen war. Möglicherweise sind die Longhorns nicht ganz abgeneigt, wenn der als fantastischer Recruiter bekannte Brown abtritt. Mehr bei Burnt Orange Nation.

Hawai’i – BYU, wobei die Warriors einen Sieg brauchen, um sich für die Heimbowl am Heiligabend überhaupt zu qualifizieren. Hawaii ist eine der ganz großen Enttäuschungen dieser Saison, während BYU nach einem horrenden Saisonstart wenigstens eine 8-3 Bilanz herausgewürgt hat und somit keine unterirdische erste Saison als Independent. Die wahren kritischen Fragen werden eh abseits gestellt, da trotz zahlreicher Dementis die Gerüchte nicht verstummen wollen, dass BYU doch wieder zurück in eine Conference möchte.