NFL-Woche 2011/12, Woche 13: Sonntagsspiele im TV

Sterndeuten hat letzte Woche seine Sternstunde erlebt und nach langen Wochen ernüchternder nicht-kalkulatorisch basierender Prognosen (Sterndeuten 2011/12 ist Bauchentscheid) eine 14-2 Bilanz eingefahren. Zwischenbilanz damit nach 176 Saisonspielen: 112-64, ein Wert von .636, der im Saisonvergleich besser als 2010/11 abschneidet (damals nach 12 Spielwochen: .574), aber weit hinter dem kalkulierten Wert von 2009/10 liegt (damals auf analytischen Daten basierender Wert von .773 nach zwölf Wochen). Mal sehen, was der Saisonendspurt bringt.

ESPN Seher liegen in etwa auf demselben Level wie Sideline Reporter:

  • Jaworski (.683)
  • Mortensen (.608)
  • Schefter (.614)
  • Schlereth (0.670)
  • AccuScore-Computer (.699)

CBS bringt folgende Werte zustande:

  • Prisco (.636)
  • Judge (.688)
  • Freeman (.642)
  • Brinson (.597)

Bei Yahoo.com sieht die Sache so aus:

  • Silver (.716)
  • Cole (.631)
  • Carpenter (.693)

Recap Woche 12

Wenn ich mir die letzten Minuten bei Dallas-Miami ein zweites und ein drittes Mal durch den Kopf gehen lasse, komme ich immer mehr zum Entschluss, dass Tony Sparano hier eine große Chance liegen hat lassen. Spielstand Dallas 17, Miami 19, aber die Cowboys in der RedZone. Ich meine, Sparano hätte zwei Möglichkeiten gehabt: Einen TD verschenken. Oder mit aller Gewalt versuchen, einen Turnover zu produzieren. Sparano hätte einen All-Out Blitz oder sonst irgendetwas Außergewöhnliches ansagen sollen, einen Spielzug der Marke „No risk, no fun“: Geht es gut, Turnover und Sieg. Oder Incompletion und wenigstens probiert. Oder Touchdown. In letzterem Fall hätte man wenigstens den Ball zurückbekommen. Sparano spielte traditionelle Defense. Auf einen Fehler des Kickers zu spekulieren – oder darauf, dass Romo den Holder gibt – ich meine, das war die falscheste Entscheidung.

Ein anderes Ärgernis passierte in der Overtime bei San Diego-Denver am Sonntag: San Diego war richtig gut in Richtung Sieg-FG unterwegs, ehe Norv Turner drei Laufspielzüge in der Zone um 35yds Line ansagte. Kicker Novak verfehlte prompt den 53yder. Hatte nicht vor wenigen Wochen Advanced NFL Stats auch mit solchen Coach-Entscheidungen begründet, dass Mike Smiths 4th down die „richtige“ Entscheidung war? Dass Coaches sowieso dazu tendieren würden, in 45+yds FG-Reichweite langweilig zu werden und nur noch zu laufen? Smith schaut nun automatisch klüger aus, dank Norv.

Ärgernis zwei: Denver rannte danach den Ball in die gegnerische RedZone. Tebow wirft sich mit fast zwei Minuten auf der Uhr auf den Boden. Turner hatte noch eine Auszeit. Ich schrie Turner an „Nimm die Auszeit!“ Aber Turner verzichtete. Was, wenn der Kicker verkickt? San Diego hätte noch genügend Zeit für einen 2min-Drill gehabt. So war das Spiel verschenkt, schon BEVOR Prater den Kick versenkte.

Zum dieswöchigen NFL-Programm im Fernsehen: Woche 13 ist „top-heavy“, mit ein paar tollen Spitzenspielen, aber fast alles, was nicht gezeigt wird, ist für die Grütze. Insofern keine schwere Programmauswahl für die hiesigen Anstalten.

Pittsburgh Steelers – Cincinnati Bengals

19h LIVE bei ESPN America und SPORT1+

Das „Hinspiel“ vor ein paar Wochen zeigte uns, dass die Bengals for real sind. Vielleicht noch nicht weit genug, um die großen Zwei in der AFC North zu entthronen, aber das Gesamtpaket von Marv Lewis sieht richtig akzeptabel aus. Marvs Entscheidung, WR A.J. Green so exorbitant hoch einzuberufen, rechtfertigt sich mit jeder Woche mehr: Green ist der klassische Breaker, die Waffe, auf die eine Defense zu jedem Zeitpunkt achten muss, gefährlich auch dann, wenn sie nicht im Spielzug involviert ist. Im Hinspiel sahen die Bengals brillant aus, bis Green nach einem fantastischen TD-Catch mit verstauchtem Knöchel auf den Hometrainer verbannt wurde. Durchaus eine sehenswerte Mannschaft, die Bengals 2011/12.

„Sehenswert“ ist das Antonym, wenn man Pittsburghs letzten Auftritt illustrieren möchte. Die Steelers kommen von einem richtigen Graupenspiel. Das Sunday Night Game in Kansas City war so schlecht, da war das Gelaber von Bob Costas in der Halbzeitpause noch das erinnerungswürdigste. Pittsburgh schien sich auf die zwangsweise kommenden Eigenfehler der Chiefs unter Backup Tyler Palko zu verlassen, spielte eine brutal konservative Offense mit einigen sehr merkwürdigen Momenten (das Timeout beim Punt von der gegnerischen 38yds war ein klassischer WTF-Moment, den ich Tomlin nicht zugetraut hatte), und war unkonzentriert (viele fangbare Bälle wurden fallen gelassen).

Besorgniserregender – ich lege mich da mal fest: Mit der Steelers-Defense stimmt etwas nicht. Seit Wochen habe ich dieses Gefühl, das sich intensiviert. Sie spielt nicht mit dieser Wucht der vergangenen Tage. Ist es die scheinbare Überalterung? Sind es die Verletzungssorgen (Polamalu, Woodley, Harrison)? Oder ist es doch bloß das Ross, das nicht höher springen mag als es muss?

New York Giants – Green Bay Packers

22h15 LIVE bei ESPN America und SPORT1+
23h20 as-live bei PULS4

Packers auf dem Weg zur Perfect Season, die Zwölfte. Prinzipiell kann man das Spiel darauf reduzieren, dass das „gute“ New York eine Chance hat, das „schlechte“ New York keine. Vergangene Woche sahen wir das „schlechte“ New York. Zu lauer Passrush und schon ward eine dezimierte Defense so brutal zerbröselt wie es Herrmann nach dem Eagles-Spiel für einen guten Quarterback prognostiziert hatte.

Green Bays Quarterback ist nicht „gut“. Rodgers spielt eine fantastische Saison, statistisch sogar eine der besten ever, sah zu Thanksgiving in Detroit allerdings eine Halbzeit lang genervt aus, hatte keinen Rhythmus gegen eine wilde Front Four und mit ein, zwei schmerzhaften Drops sah Green Bay dort plötzlich verwundbar aus. Fraglich, ob auch die Giants mit ihren unterdurchschnittlichen Linebackers bedingungslosen Pass Rush spielen können, aber prinzipiell dürfte auch von Big Blue dieses unglaubliche Timing gestört werden können.

Green Bay ist natürlich favorisiert, aber man sage mir nicht, dass da nicht der eine oder andere Schalthebel für die Giants gegeben wäre. Wie reagieren die Packers gegen eine knackige Defense, wenn das Spiel eingangs Schlussviertel noch offen ist? Was passiert, wenn Manning sogar ohne RB Bradshaw einen Shootout länger mitgehen kann, als man es ihm zutrauen würde? Oder kollabieren die Giants ab drittem Viertel wieder mal völlig in der Secondary?

New Orleans Saints – Detroit Lions

02h20 LIVE bei ESPN America und SPORT1+
Tape: Montag, 18h30 ESPN America

Das Sunday Night Game – ein Schmankerl von einem Matchup. Für eine ausgedehntere Vorschau bitte um die Mittagsstunde nochmal vorbeischauen.

Tapes von morgen

Atlanta Falcons – Houston Texans

Montag, 12h Tape bei ESPN America

Großes Matchup. Leider ist QB Matt Schaub bei seiner Rückkehr in den Georgia Dome verletzt auf der IR, aber die Texans sind eines der Teams der Saison, führen die beiden wichtigsten mathematischen Rankings (DVOA von Football Outsiders und WPA von Advanced NFL Stats) an – mit jeweils  deutlichem Vorsprung vor den Packers! – sind aber nach Leinarts Verletzung bei ihrem dritten Quarterback angekommen: T.J. Yates, ein Rookie von UNC und mir vom College in unsouveräner Erinnerung geblieben.

Daher wohl auch der Noteinkauf der letzten Tage, die Re-Aktivierung von QB Jake Delhomme, dem ich nichts mehr gönnen würde als noch einmal eine Chance auf die Superbowl. Man kann über Delhomme stänkern wie lange man will und schon vor seinem ersten ernsthaften NFL-Pass seit über einem Jahr die Rostkeule auspacken, aber Delhomme, der blasse Verwalter, hat seit 1. Februar 2004 noch ein Versprechen einzulösen. Delhomme ist offiziell als Mentortyp für Yates gedacht – mal schauen.

Beeindruckend sind jedenfalls sowohl Offense (DVOA #4 Passspiel um WR Johnson, #5 Laufspiel über RB Foster plus erstklassige Offensive Line) als auch Defense (DVOA #4 Pass, #11 Lauf trotz Ausfall des wichtigsten Spielers, DE/OLB Williams). Man ziehe ein paar Schönheitspunkte aufgrund der schwachen Division und des nervösen Coachings Kubiaks ab und die Texans sind vielleicht mit bloß „normalem“ Quarterbacking ein echtes dark horse.

Atlanta seinerseits scheint immer besser in Schwung zu kommen: RB Turner wirkt plötzlich wieder wie eine Walze, WR White fängt wieder seine 10 Bälle/Spiel, WR Jones deutet immer konkreter seine vermeintlichen deep threat-Eigenschaften an und auch die Rücktrittsgedanken von TE Gonzalez lassen wieder Wehmut aufkommen, weil niemand diesen großen Athleten verlieren will. Man bedenke, dass die Texans in den letzten Spielen gegen Offenses ohne nennenswerte Passfänger spielen durften, sehe sich Atlantas Waffen an und erwarte neben einem insgesamt exzellenten Matchup vor allem einige Erkenntnisgewinne über die wahre Stärker zweier möglicher Playoff-Teams.

San Francisco 49ers – St Louis Rams

Montag, 14h Tape bei ESPN America

Das große Geheimnis der 49ers: Die Starting Field Position. San Franciscos Gegner beginnen ihre Drives durchschnittlich an der eigenen 24yds Line (#1 der Liga), während die Niners ihrerseits an der eigenen 32yds Line beginnen (ebenso #1 der Liga). San Francisco macht im Schnitt weniger Yards/Drive als der Gegner, scort aber im Schnitt pro Drive 0,67pts mehr als der Gegner. Neben der Feldposition wird das nur noch erklärt durch die Ballsicherheit in der eigenen Offense (1 TO pro acht Drives, #3 NFL-weit), während die Defense alle fünf Drives einen Ballverlust erzwingt. Man werfe dies alles und einen der schwächsten Schedules in die Mischmaschine und wir bekommen eine 9-2 Bilanz, obwohl die pythagreische Erwartung bislang eigentlich nur 7,2 Siege erwarten würde!

Dort, wo die 49ers brillieren – in der Effizienz – sind die Rams NFL-Bodensatz: Ein Touchdown wird nur alle 12 Drives erzielt, ligaweit ist die McDaniels-Offense die ineffizienteste (0,94pts/Drive, 56% der Drives enden in Punts) – und sie ist mit einer geringen Varianz ineffizient. Was fehlt, sind Waffen, auf die sich der junge QB Sam Bradford verlassen könnte. Dazu gesellt sich einiges Pech: Die Rams werfen kaum Interceptions, verlieren aber ungewöhnlich viele Fumbles.

Der Counterpart, die Defense, ist um einiges stärker einzuschätzen, vor allem dank des Pass Rushs, lässt jedoch etliche Schwächen gegen das Laufspiel verorten. Sieht in diesem Matchup summa summarum für die Rams suboptimal aus.

Allfälliges

In Minneapolis steigt das Duell des ehemaligen FSU-Quarterbacks Christian Ponder gegen den ehemaligen Gators-Quarterback Tebow. Stichwort Tebow: Minnesota will ein neues Stadion. Nun kommt mit Tebow das heißeste, was die NFL seit 50 Jahren produziert hat, und die Vikings mussten mehrere tausend Tickets selbst kaufen, um ein „Blackout“ zu verhindern.

New England sieht mal wieder den Klassiker Patriots – Colts, der sich in der Retrospektive als Klassiker New England – Manning herausstellt. Schade, das war eines der Spiele in den jeweils letzten 10 Jahren NFL, die angenehmste „Rivalry“ in der National Football League.

Und in Cleveland müssen die Ravens mal wieder nach einem massiven Sieg gegen einen Underdog ran. Bisherige Bilanz nach solchen Statement-Siegen in diesem Jahr: Niederlagen gegen Titans, Jaguars, Seahawks…

3 Kommentare zu “NFL-Woche 2011/12, Woche 13: Sonntagsspiele im TV

  1. mal eine gute Gelegenheit bei den (für mich) uninteressanten Frühspielen heute NFL Redzone zu sehen

  2. Fragt die packers doch lieber vorher schon, ob sie den Extra Punkt schießen wollen. Die 6 Punkte bekommen sie eh geschenkt, so offen wir Driver da in der Endzone Kaffee getrunken hat.

    Kommt der pass rush nicht ordentlich durch und Rodgers bekommt mehr als 3 Sekunden Zeit, kommt die completion. Unvermeidbar. Vorallem weil der Kerl auch noch so schnell ist und rechtzeitig aus dem Pocket kommt.

    Und da ist auch schon das nächste Geschenk mit dem Fumble…omg.
    Hoffe es wird als incompletion gewertet -.-

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