SNF #13: New Orleans Saints – Detroit Lions, Preview

… oder “gut” gegen “böse”. Die “Bösen” sind die Detroit Lions, deren Ruf seit Wochen unter einer aggressiven Spielweise leidet, was nach einem sturzdummen Ausschlussfoul gegen DT Ndamukong Suh zu Thanksgiving in einem medialen Aufschrei kumulierte, der seinesgleichen sucht. Zugegeben: Suhs Aussetzer ist in die Schublade „hirntot“ zu stellen. Der wichtigste, markanteste Spieler dieser Mannschaft darf sich ein Nachtreten nicht leisten, nicht in einem landesweit übertragenen Spiel, nicht mit dieser von einigen Medien hochgepushten Vorgeschichte. Die Zweispielesperre fühlt sich gerechtfertigt an und sollte Suh zum Nachdenken verleiten. Offensichtlich ist jedoch mittlerweile die gesamte Mannschaft auch bei den Referees gebrandmarkt, es wurden gegen Green Bays zwei, drei Phantom-Personal Fouls gepfiffen, insbesondere gegen Vandenbosch. Die stigmatisierten Lions sind in New Orleans also neben der Wildcard-Jagd auch darauf aus, ihren Ruf wieder aufzupolieren. (Suhs Beitrag heute Nacht: nicht alkoholisiert gegen einen Baum gefahren)

Kurzfristig dürfte jedoch Priorität besitzen, wieder Schwung in die stotternde Offense zu bekommen: QB Stafford kriegt für die vielen INTs der letzten Wochen (9 in drei Spielen) ordentlich auf die Mütze, wobei Stafford überproportional viele Passspielzüge machen muss und WR Calvin Johnson nicht jede Woche 8 Catches und 2 TD produzieren kann. Mit sämtlichen Running Backs im Verletztenstand zeigen sich die Schwächen von OffCoord Scott Linehans Shotgun-Offense. Es zeigt sich auch, wie richtig der Gedanke war, mit Mikel LeShoure einen Running Back zu draften (LeShoure war allerdings schnell auf der IR, wie auch Jahvid Best).

Interessant wird auch die suhlose Defense sein und wie wuchtig die mittlerweile ausgedünnte Defensive Line (DE #79 Young, Suh, DE #94 Jackson fehlen) ohne ihren besten Mann sein kann. #99 Corey Jackson und #98 Nick Fairley gelten als potent, aber nicht durchhaltevermögend und legen gerne mitten im Spiel ein Päuschen ein. Die gesamte Defense ist jedoch mit ihrer grünen Secondary insbesondere gegen eine Passorgie wie New Orleans auf konstanten, dominanten Pass Rush angewiesen.

Auf der anderen Seite: Detroit schaffte es jüngst, QB Aaron Rodgers über eine komplette Halbzeit kaltzustellen und ward selbst mit zunehmendem Spielverlauf nicht richtig mürbe. Kann die Offense im Superdome wenigstens bissl mehr aus ihrem Potenzial umsetzen, dürfte durchaus Upset-Potenzial vorhanden sein.

Es gibt noch einen X-Faktor: Das laute Heimpublikum in New Orleans. Detroit ist selbst im eigenen Ford Field gegen False Starts anfällig und zerstört sich seine Drives häufig mit solchen oder ähnlichen Undiszipliniertheiten. Realistisch muss man im lauten Superdome also einen Saints-Erfolg erwarten. 02h20 LIVE bei ESPN America/Wh. Morgen, 18h30 bei ESPNA.

10 Kommentare zu “SNF #13: New Orleans Saints – Detroit Lions, Preview

  1. Suh ist und bleibt ein schmutziger Spieler, der immer unsympathischer wird. Was die Lions angeht: Das war mal eine nette Geschichte, der Turnaraound, aber mit dieser Art und Weise beim Spielen verkehrt sich das mittlerweile ins Gegenteil! BEtrifft Coach, Team und Suh. Aber da dieser Blog voreingenommen ist, wird da vorbeigesehen…

  2. @Bayron

    Dieses Blog ist nicht „voreingenommen“. Dieses Blog ist bloß „hype-resistent“.

    Suhs Ruf gründet neben seiner Dominanz auf 4-5 Plays, die bis auf den Delhomme-Hit nach Regelwerk „clean“ waren. In der übergehypten Welt der ESPN-„Journaille“ verselbstständigt sich sowas schnell. Suh wird zum „schmutzigen Spieler“. Detroit zum „schmutzigen Team“. Wahrnehmung wird zur scheinbaren Realität. Referees reagieren unbewusst. Wofür Baltimore oder Green Bay als „konsequent“ oder „physisch“ gepriesen werden, kriegen Detroit oder Pittsburgh die 15yds-Strafe.

    Die Aktion gegen Green Bay bewegt sich auf einem anderen Level: Es war ein Ausraster, analog einer „Tätlichkeit“ im Fußball. Spieler quälen sich jahrelang täglich, um dann 16x auf dem Spielfeld zu stehen. Kommt eine Provokation. Hey, kann passieren! Das Verhalten Suhs in den Tagen danach war allerdings überdenkenswert, die Bestrafung okay.

  3. Ich muss korsakoff beispringen. Der Lions/Pittsburgh-Satz stimmt, wenn man ein zweites Mal drüber nachdenkt. Auch die Berichterstattung steht in keinem Verhältnis zu dem, was passiert ist. Zeigt aber wohl, dass die Lions mittlerweile so gut sind, dass sie den Trouble wert sind und auch die Geister scheiden muss man sich erst erarbeiten. (Yup, ich bin für die vikes)

  4. Ich gebe zu, das Ausraster-Argument hier schon mal gelesen zu haben, als es nicht um die Lions ging (glaube bei Seymour gegen Ben). Stimmt, die Post Play Aktion ist eine andere Kategorie, aber bei den Lions „stimmt“ das Gesamtpaket: Überaggressives Spiel und schmutzige Hits nach Endes der Plays und Suh der sich nicht kontrollieren kann. Ich wage die these: Schwartz coacht seine Spieler gezielt, über der Grenze zu spielen. Suh, Wer erinnert sich noch an Haynesworth und Finnegan?

  5. Es ist typisch, dass aus drei Spielern (!) der Trend abgelesen wird, Schwartz‘ Coaching-Philosophie wäre ein unlauter. Warum überrascht mich das nicht?

  6. Keinem gegenüber böse gemeint, aber es ist schwer hier Argumente abzuwägen, wenn die wesentlichen Ansatzpunkte „Fan“/“Homey“ bzw. „ESPN-Hype-Machine“ sind.

    Ich habe die Lions zuletzt im letzten Jahr an Thanksgiving gesehen. Das ist lange her, wird daher der aktuellen Mannschaft nicht gerecht und ist im Gedächnis zu angestaubt um es hier zu verwenden (und, wenn ja, wüsste ich nicht wie).

    Der Grad zwischen aggressivem Spiel und übertriebener Härte ist marginal.

    Korsakoff hat sicher nicht unrecht, dass die „öffentliche Stimmung“, die öffentliche Wahrnehmung diesen schmalen Grat bei der Entscheidungsfindung/Bewertung durch die Schiedsrichter bei verschiedenen Teams unterschiedlich sein kann (und vermutlich sein wird). Bei PIT und GB finde ich es diese Saison recht augenscheinlich.
    Strafen sind nicht reviewable oder challengable. Damit wird die intuitive Bewertung einer Aktion durch den Schiedsrichter einzig entscheidendes Kriterium und damit ein geistges Zurücktreten und (erneutes) objektives Beurteilen unmöglich. Bei diesen (notwendigen) instant calls von Strafen/Flaggen ist aber die Gefahr im Zweifelsfall vom sentiment beeinflusst zu werden am größten…
    (Das führt dann dummerweise mal zu Phantom-PIs zugunsten GBs oder Phantom-Personal Fouls gegen PIT. (Wobei ich persönlich die aktuellen PI- bzw. übertriebene Härte-Regeln für nicht optimal halte.(teilweise nicht verhältnismäßig bzw. stark interpretationsfähig)

    Gleichzeitig ist die Gradwanderung für Spieler (und Trainer) aber auch extrem: Realistisch betrachtet muss man möglichst nah an diese Grenze zwischen aggressivem Spiel und übertriebener Härte herankommen um in der NFL richtig erfolgreich zu sein. Nur extrem selten findet man mal eine solche Ansammlung überragender Spieler, die „es nicht nötig hat“ diese Grenze auszuloten.

    All that said, denke ich schon, dass die Lions aufpassen müssen nicht zu sehr in Bad Boys-Schublade gesteckt zu werden.
    – Suh ist diese Saison _wiederholt_ auffällig geworden (und die jeweilige Reaktion im weiteren Verlauf danach war auch nicht gerade optimal.
    – Fairley hat „eine gewisse Geschichte“ aus College-Zeiten. (M.W. hat er sich in seiner NFL-Karriere bisher nichts signifikantes zu schulden kommen lassen und es gibt genug Athleten, die nach belasteten College-Karrieren in der NFL mustergültige Profis waren, aber – Hand auf’s Herz – beim aktuellen Image der Lions und Fairleys Vergangenheit wird eine Marginalie genügen um die Geister zu rufen…)
    – Young und Pettigrew haben diese Woche erneut Wasser auf die Mühlen der „Hype-Maschinerie“ gegossen. Das war, to say the least, sehr dumm. Nachdem ihr Star-DL gerade sein erstes Spiel Sperre nach einem Aussetzer vor national television absitzt, direkt 2 solche Aktionen…
    – Die Lions kassieren 7,9 Strafen und 68,2 yards Strafen pro Spiel (jeweils 4th in the league) und geben dem Gegner damit 2,2 first downs via Strafen pro Spiel (2nd in the league). Diese Woche 11 Strafen für 107 yds. – Diese Undiszipliniertheiten kosten sie Spiele…
    (Gegen Drew Brees kannst du dir keine 100 yds Strafen erlauben. Diese Strafen kosten den einen oder anderen eigenen Drive das Leben und erhlaten den einen oder anderen Saints-Drive mit First Downs am Leben, was Drew Brees mit größter Wahrscheinlichkeit in Punkte umwandelt.)

    Ich möchte mir kein Urteil darüber erlauben, ob die Lions ein „schmutziges“ unfaires Team sind – (auch) mangels eigener Beobachtung, aber ganz unbeteiligt aus der Ferne gesprochen sollten sie dringenst ihre Strafen reduzieren … insb. die Art Strafen, die in allen Highlight-Reels durchgenudelt werden.

  7. Die Lions kassieren 7,9 Strafen/Spiel. Tampa Bay 8,0. Oakland 8,5. San Francisco 7,5. Kein Mensch bezeichnet diese Teams als „schmutzig“. Detroits Gegner kassieren, harhar, im direkten duell sogar 8,1 (!) Strafen, also sogar mehr als die Lions. Trotzdem kommt kein Mensch auf die Idee, Detroits Gegner seien „schmutzig“. Obwohl im Green Bay-Spiel sogar ein Packer wegen Unsportlichkeit ausgeschlossen wurde.

    Fazit: „Anzahl der Strafen“ korrelliert zwar mit „Undiszipliniertheit“, nicht aber mit „schmutzigem Spiel“. Ich stimme dir zu, dass die Lions-Spiele aufgrund der schieren Masse an Strafen teilweise über mehrere Viertel Augenkrebsrisiko erhöhen. Viele Strafen sind aber False-Starts oder Holdings gegen die Offensive Line, was nicht zwangsläufig auf „dreckiges Spiel“ zurückgeführt werden kann (wohl aber Undiszipliniertheit). Dazu ein wie ich objektiv meine nicht unbeträchtlicher Teil an zweifelhaften Personal-Fouls gegen die Defensive Line (ich komme immer wieder zurück auf Vandenbosch, auf den man sich zu Unrecht eingeschossen hat), bei der Dehnbarkeit des Regelwerks und diesem Ruf auch nicht völlig überraschend.

    Wie Suh den Packers-Blocker malträtierte, war eine Tätlichkeit, ergo „schmutzig“. Das macht man nicht. Auch nicht in der Hitze der Spielsituation. Unsauber, aber kein Grund für tagelange Hysterie mit im Stundentakt geschalteten Blog-Updates. Eine Tätlichkeit ist auch eine andere Diskussions-Ebene als die schiere Wucht, oder Aggressivität, mit der ein Suh im Alleingang eine halbe Offense Line zerbröselt. Suhs Ruf wurde aber zu Unrecht auf letzterem begründet. Thanksgiving diente, obwohl eine andere Ebene, nur als willkommener Anlass zu dessen Zementierung.

  8. Hehe, „Fanboy“ oder noch schlimmer „Homey“ zu sein glaube ich wurde korsakoff in seinem Leben noch nicht vorgehalten. Gibt jeden Tag was Neues zu lernen 🙂

  9. Es kommt gar nicht darauf an, ob das schmutzig ist. Entscheidend ist: das ist furchtbar dumm! Wie kann man denn drei Personal Foul Flags in wichtigen Situationen in so einem Spiel wie gegen NO bekommen? Einen Schiedsrichter schubsen, really?!? Wie kann ein Nate Burleson drei (!) OPI-Strafen bekommen? Und im Laufe der Saison die unzähligen Holdings und False Starts?

    Das fällt auch auf den Coaching Staff zurück, nicht, weil der irgendwie „böse“ oder „über-aggressiv“ ist, sondern weil er zuläßt, daß mit solchen Dämlichkeiten immer wieder gute Möglichkeiten einfach verschenkt werden. Das ist bad coaching. Das muß sich Schwartz und sein ganzer Staff ankreiden lassen.

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