Sach mir, woher die Voter kommen

Grade bei The Big Lead gefunden: Das Abstimmungsverhalten der einzelnen Voter im „Harris Poll“, das ein Drittel der BCS-Wertung ausmacht. Zum PDF-Link geht es hier. Ein paar Beispiele: Roy Kramer, ehemaliger SEC-Commissioner, wählt mal eben fünf SEC-Teams in seine Top-11. Der langjährige Michigan-Coach Lloyd Carr ist mit den BigTen-Vertretern Wisconsin (#6), Michigan (#9) und Michigan State (#11) recht großzügig, nachdem Michigan bei anderen Votern bis runter an #25 gerankt wird (von einem gar ACHT Plätze hinter Nebraska, das von Michigan jüngst 45-17 weggeräumt wurde und die Saison nur mit 9-3 im Vergleich zu Michigans 10-2 beendete).

Da gibt es Voter, die Virginia Tech mal eben 7-8 Plätze vor Clemson setzen, ein Team, gegen das VT mal eben zweimal mit insgesamt 48 Punkten (!) verloren hat. Überhaupt ist VT ein Phänomen in diesem Poll, wird an die #11 gerankt, ohne dass ich einen Schimmer hätte, warum.

Den Vogel schießt dann der greise George Wine (80 Jahre alt) ab, der Houston trocken an #5 rankt, vor Oklahoma State, das Sechster wird und der dann auch freimütig zugibt, sich auf die Votings nicht so gerne vorbereiten zu wollen.

/via The Big Lead

MNF, #13: Jacksonville Jaguars – San Diego Chargers

Das ist eines dieser Spiele, die kein Mensch sehen möchte. Jacksonville ist 3-8, San Diego 4-7. Bei den Chargers kann ich nicht fassen, wie diese Mannschaft in schöner Regelmäßigkeit so abschmieren kann; zuletzt setzte es den ultimativen K.o.-Schlag zuhause gegen Denver, als man mit mickriger Offensivleistung sich von QB-Wunder Tebow erst in die Overtime verjagen ließ, dann das siegbringende Field Goal verschoss und sich im finalen Drive ohne einen einzigen Passversuch überlaufen ließ. Schlimm sind auch QB Rivers‘ reine Zahlen vom Sonntag: 19/36 komplettierte Pässe, 188yds. 36 Passversuche für nur 188yds?

Stats, über die man beim Gegner nur lachen kann: Rookie-QB Blaine Gabbert produzierte letzte Woche folgendes: 13/29 für 136yds und 1 INT. Frappierend nahe an Gabbert Saison-Durchschnitt: 48,5% completion Rate, 137yds/Spiel, 6 TD, 6 INT. Die kumulierten Stats gegen Houston wären wohl etwas besser gewesen, hätte Gabbert durchspielen dürfen. Durfte er nicht. Gabbert wurde Mitte einer nicht hoffnungslosen Partie ausgewechselt und riskiert, früh als Flop abgestempelt zu werden.

Kernvorwurf gegen Gabbert: Er gilt als Weichei, der schon bei vermutetem Passrush in Nähe der Sperrzone panisch den Ball wegwirft und somit Spielzug auf Spielzug auf Spielzug verschenkt, bevor überhaupt ein Wide Receiver offen sein kann. Das „Torry-Holt“-Phänomen auf der Quarterback projiziert: Bloß keinen Hit kassieren.

Derweil geht hinter der brachliegenden Offense Jacksonvilles Defense völlig unter. Wie bereits Anfang November beobachtet, ist diese Defense eine der Geheimnisse der NFL-Saison, eine fantastische Unit, der allenthalben ein Top-Passrusher fehlt. Trotzdem schaut in der DVOA-Wertung immer noch ein dritter Platz heraus. Eigentlich umso ernüchternder, dass die aseptische Offense diese Saison so brutal gegen die Wand gefahren hat.

Nun liegt nach der Beurlaubung von Head Coach Jack DelRio und dem Owner-Wechsel Ungewissheit über der Franchise und ihrer Zukunft, sei sie kurzfristiger wie langfristiger Natur. Für dieses Spiel kann dies eine Unbekannte darstellen – zum Beispiel kann OffCoord Koetter nun Plays ansagen, ohne hinterher einen Rüffler DelRios befürchten zu müssen.

Bowl Season 2011/12: Die Schüsseln sind aufgestellt

Man wünscht: Einen wunderschönen guten Morgen. Statt Schnee hat uns der Krampus selbst hier droben in den Bergen Plusgrade und fingernagelgroße Regentropfen serviert. Ach, und eben wurden im College Football die Paarungen der heurigen Bowl Season zugeschachtelt.

Bowls, das sind die Saisonabschlussspiele der Universitätsfootballer, stattfindend meistens in südlichen Gefilden in halbleeren, niedlichen Uraltstadien aus der Römerzeit. Beginnend am 17.12. über den Jahreswechsel finden fast täglich ein oder mehrere dieser freundschaftlichen Vollgasspiele statt, die vom Spielfeldlogo bis zum Filzstift durchkommerzialisiert sind und mal wieder in putzigsten Namen daherkommen.Meine Top-5 für dieses Jahr:

  1. Chick fil-A Bowl (Wertungssieger seit Jahren)
  2. Beef’O’Brady‘s Bowl
  3. S.D. County Credit Union Poinsettia Bowl
  4. Rose Bowl presented by Vizio
  5. Kraft Fight Hunger Bowl

Über die fünf größten Bowls gab es schon vor einem Jahr mal was zum Lesen, wie sich College Football und Lobbyisten zur Bowl Season verschmelzen, darüber habe ich im Sommer eine kurze Einleitung gegeben:

Genug der Vorrede. Hier das Programm 2011/12:

Sa, 17.12. New Mexico Bowl: Temple – Wyoming
Sa, 17.12.
Idaho Bowl: Ohio – Utah State
Sa, 17.12. New Orleans Bowl:
San Diego State – ULL

Di, 20.12. Beef ‚O’Brady’s Bowl: Florida International – Marshall

Mi, 21.12. Poinsettia Bowl: TCU – Louisiana Tech

Do, 22.12. Las Vegas Bowl: Boise State – Arizona State

Sa, 24.12. Hawaii Bowl: Nevada – Southern Miss

Mo, 26.12. Independence Bowl: Mizzou – UNC

Di, 27.12. Little Caesars Bowl: Western Michigan – Purdue
Di, 27.12. Belk Bowl:
NC State – Louisville

Mi, 28.12. Military Bowl: Toledo – Air Force
Mi, 28.12. Holiday Bowl:
Cal – Texas

Do, 29.12. Champs Sports Bowl: Florida State – Notre Dame
Do, 29.12. Alamo Bowl:
Washington – Baylor

Fr, 30.12. Armed Forces Bowl: BYU – Tulsa
Fr, 30.12. Pinstripe Bowl:
Rutgers – Iowa State
Fr, 30.12. Music City Bowl:
Mississippi State – Wake Forest
Fr, 30.12. Insight Bowl:
Oklahoma – Iowa

Sa, 31.12. Meineke Texas Bowl: Texas A&M  – Northwestern
Sa, 31.12. Kraft Fight Hunger Bowl:
Illinois – UCLA
Sa, 31.12.
Sun Bowl: Georgia Tech – Utah
Sa, 31.12. Liberty Bowl:
Cincinnati – Vanderbilt
Sa, 31.12. Chick fil-A Bowl:
Virginia – Auburn

Mo, 2.1. TicketCity Bowl: Houston – Penn State
Mo
, 2.1. Capital One Bowl: South Carolina – Nebraska
Mo, 2.1. Outback Bowl:
Michigan State – Georgia
Mo, 2.1. Gator Bowl:
Ohio State – Florida

Mo, 2.1. Rose Bowl: Oregon – Wisconsin

Mo, 2.1. Fiesta Bowl: Oklahoma State – Stanford

Di, 3.1. Sugar Bowl: Michigan – Virginia Tech

Mi 4.1. Orange Bowl: Clemson – West Virginia

Fr, 6.1. Cotton Bowl Classic: Kansas State – Arkansas
Sa, 7.1. BBVA Compass Bowl: SMU – Pittsburgh
So, 8.1. GoDaddy.com Bowl: Arkansas State – Northern Illinois
Mo, 9.1. BCS National Championshipo Game: Louisiana State – Alabama

Ich werde diesen Blogeintrag wieder als Kern-Eintrag hernehmen, von wo aus ich das TV-Programm täglich verlinken werde. Vorab nur ein paar Anmerkungen zu dem Programm.

#1 LSU – #2 Alabama ist das „Re-Match“. Möglicherweise die beiden besten Mannschaften, aber ich finde es rein von der Logik keine gute Wahl, hätte es bevorzugt, wenn der Sieger der besten Conference 2011/12, Oklahoma State, an Alabama vorbeigerutscht wäre. Nur ein weiterer Sargnagel auf die BCS in der aktuellen Form. Das Spiel selbst dürfte jedoch durch den „Einkauf“ von Alabama an Rassigkeit gewinnen.

Die BCS-Bowls: Rose Bowl war vertraglich klar, da trifft die Super-Offense der Ducks gegen Wisconsin, die ebenso einen großen Angriff verfügen, physisch sein dürften, aber nicht die sicherste Laufabwehr haben. Die Fiesta Bowl ist so was wie ein heimliches BCS-Finale, mit Oklahoma State gegen den gehypten QB Andrew Luck und seine Stanford University.

Fürchterliche Paarungen in den anderen beiden Spielen: #12 Michigan – #11 Virginia Tech in der Sugar Bowl, wenn Teams wie Boise State oder Kansas State auf dem Tablett gewesen wären (Arkansas/South Carolina waren vertraglich nicht „eligible“). Virginia Tech hatte heuer eine sterile Saison wie lange nicht, verlor gegen den einzigen Gegner mit Rang und Namen zweimal haushoch und wird dann an #11 gerankt und bekommt eine BCS-Bowl… Mache sich jeder sein eigenes Bild dazu. Michigan bekam die Einladung wie erwartet: Großer Name und dass das Conference-Finale für so manche eigenartigen Situationen sorgt, war in einer Big 12 Conference über Jahre ein Problem. Für Michigan State brachte es im Nachhinein auch deutlich mehr Nachteile als Vorteile. So gesehen war der Sieg im „Derby“ gegen die Wolverines ein klarer Nachteil für die Spartans.

In der Orange Bowl ACC-Sieger #15 Clemson gegen #23 West Virginia, die erwartete Graupenpartie (rein vom Vergleich, was ohne Vertragsstricke möglich wäre).

Hochwertigste non-BCS Bowl dürfte die Cotton Bowl sein, die Kansas State und Arkansas aufbietet, zwei Top-10 Teams. Eine Reminiszenz an die alten Tage gibt es in der Champ Sports Bowl, wo die alten Rivalen aus den 90ern FSU und Notre Dame aufeinander gematcht wurden. Notre Dame durfte vertraglich einmal bis 2013 von dieser Bowl genommen werden, was bei einem Gegner wie FSU natürlich zu praktisch ist.

Interessantes Gunslinger-Duell in der AlamoBowl, mit der interessanten Offense der Wazzou Huskies gegen Baylor und den famosen Robert Griffin III, auch Houston traf es nicht ganz brutal, bekam mit Penn State wenigstens einen großen Namen (ich weigere mich mal angesichts der Umstände von „attraktiv“ zu sprechen) zugematcht bekam.

Steile Partie ist am 2.1. natürlich die Gator Bowl Ohio State – Florida. Ohio State hat sich jüngst Urban Meyer eingekauft, den ehemaligen Meistercoach der Gators. Boise State vor Weihnachten gegen Arizona State, mal wieder in der Maaco Las Vegas Bowl. Boise State wurde dort wie erwartet dem MWC-Meister TCU vorgezogen, das nun gegen den WAC-Champ Louisiana Tech spielen darf.

Eröffnet wird die Bowl Season 2011/12 von Temple und Wyoming. Bei Wyoming spielt mit Linebacker Oliver Schober ein Deutscher mit.

UCLA bekam trotz negativer Bilanz die erwartete Einladung, weil die Pac-12 Coference aufgrund der Ausladung Southern Californias ein qualifiziertes Team zu wenig aufweisen konnte. Dafür musste Western Kentucky aus der kleinen Sunbelt Conference draußen bleiben. Wurde so schon vor dem Prozedere entschieden, ist aber in der Retrospektive diskussionswürdig. Die Western Kentucky Hilltoppers sind ein blutjunges FBS-Team, im vierten Jahr zum ersten Mal „bowl-eligible“ gewesen, u.a. mit dem sagenhaften RB Bobby Rainey und einem interessanten, lokal verwurzelten Coach.

Wer sich das Spektakel noch einmal ansehen will: Heute Nachmittag, 16h45 die Aufzeichnung bei ESPN America (auch am Abend, 22h).