Notizblock NFL Woche 13 Colts/Patriots; Bengals/Steelers

Indianapolis Colts (0-11) @ New England Patriots (8-3) [Gamecenter] [Gamebook]

Jeopardy:

– „weiche“ Tampa-2 Defense, ohne Schnörkel, ohne Abwechslung, die CBs und LBs beim Snap mindestens 10 Yards von der Line of Scrimmage entfernt.

Antwort 1) die Lieblingsdefense von Brady, gegen die er so sicher 30 Punkte macht, so lange ein Footballfeld nicht quadratisch ist
Antwort 2) der Gameplan des neuen DC Mike Murphy und HC Jim Caldwell gegen Brady und seine Patriots.

Beides richtig.

Das war wirklich unfaßbar anzusehen, wofür werden diese Leute bezahlt? Ich hab seit 2006 jedes Patriots-Spiel gesehen und noch nie hat eine Mannschaft einen derart lächerlichen Gameplan aufgeboten. Man wußte vorher immer schon was passieren wird und Color Commentator Rich Gannon hat das dann auch öfter mal gemacht. Es war entweder Welker „underneath“ zwischen zwei Linebackers, Branch mit 8-Yd-Curl an der Seitenlinie oder Hernandez mit Catch auf der Höhe zwischen LBs und Safeties. Und in der Redzone immer Gronkowski, der drei kinderleichte Touchdowns gemacht hat. So ein Gameplan ist Arbeitsverweigerung! Da kann man auch den Spielern gar kein Vorwurf machen, das geht alles auf die Kappe von DC Murphy und HC Jim Caldwell. So war es dann ein leichtes für Wes Welker in drei Vierteln 11 Bälle für 114 Yards zu fangen (bei 11 Targets), für Gronk drei Touchdowns zu machen und für die gesamte Offense 31 Punkte zu machen. (Die Offense hat übrigens ohne Center Nr. 1, 2 und 3 gespielt. Dafür kam jemand mit dem Namen Nick McDonald aus der Practice Squad in die OLine und ist nicht mal negativ aufgefallen. RT Sebastian Vollmer war inactive wegen seiner Rückenverletzung, was unsere Befürchtungen der letzten Wochen bestätigt.)

Daß Indy dann im viertel Viertel nach 3-31 noch drei Touchdowns gemacht hat – geschenkt. Da haben die Backups von Koutouvides, Slater und Jones gespielt. Ja, diese drei Herren kamen diese Woche aus Bill Belichicks Zauberkugel um das Spiel in der Defense zu beginnen. Matt Slater, im normalen Leben Special Teams Captain und Backup-WR, war der sechste Starting Safety in dieser Saison; Niko Koutouvides, normalerweise in der Practice Squad und manchmal Special Teamer, war der neunte (!) Starting OLB und Nate Jones, der bis Mittwoch noch arbeitslos war, hat am Sonntag die Rolle von Julian Edelman als Nickelback übernommen. Am Ende hat die Defense nicht besonders gut gespielt, aber mit guter Redzone Defense und auch wieder einer starken Interception (Jerod Mayo) hat Indy nicht mehr als 3 Punkte in drei Vierteln aufs Scoreboard gebracht. Die wenigen Punkte sind auch das Einzige, was Dan Orlovskys Leistung vom Label „Offenbarung der Saison“ fernhält: 30/37, 353yds, 2TDs, 1INT.

Glück im Unglück für Indy: mit 0-12 läuft man immer noch volle Kraft voraus Richtung Andrew Luck. (Wann beginnt eigentlich die Diskussion „Sooooo gut ist Luck jetzt auch wieder nicht. Es sollte eigentlich Spieler X Nr.1 Pick werden, mit dem gewinnen die Colts dann auch wieder den Super Bowl“?) New England kämpft mit Baltimore, Pittsburgh und Houston, die auch alle 9 Siege auf dem Konto haben, um den Nr.1-seed in der AFC und tut das mit relativ leichtem Schedule: @Washington, @Denver, vs Miami, vs Buffalo.

Cincinnati Bengals (7-4) @ Pittsburgh Steelers (8-3) [Gamcenter] [Gamebook]

Auch beim Spiel Cincinnati @ Pittsburgh können wir uns den ausführlichen Notizblock sparen. Die Bengals-Offense fängt ganz gut an, bewegt im ersten Viertel den Ball ganz ordentlich, aber durch Strafen und Dummheiten springen keine Punkte dabei raus. Mit 10:12 im 2nd Quarter stehts nach zwei Big Plays von WR Wallace und Brown plötzlich 14-0. Man mag das manchmal gar nicht glauben und es geht auch oft im GB/NO/NE-Hype unter, aber Pittsburghs Offense ist tatsächlich eine der explosivsten der Liga. QB Roethlisberger kann immer wieder Sacks entkommen und mit dem Duo Mike Wallace/Antonio Brown haben die Steelers zwei der schnellsten Spieler der NFL.

Den Kickoff nach dem zweiten Touchdown fumblet Brandon Tate und Wallace macht das 21-0 (Q2/8:33). Die Steelers haben drei Touchdowns in weniger als viereinhalb Minuten gemacht. Damit ist an dieser Stelle das Spiel vorbei, denn niemand holt gegen eine Steelers Defense in Pittsburgh 21 Punkte auf – bei allen Verletzungen und (vermeintlichen) Formschwächen. A.J. Green beweist dann zwar noch, daß er einer der besten WR der Liga ist und auch in die Rookie-of-the-Year-Diskussion gehört und macht auch kurz vor Halbzeit noch das 7-21. Da wollen die Steelers aber gar keine Zweifel aufkommen lassen und Antonio Brown trägt den Punt nach völlig verunglücktem 2-min-Drive über 60 Yards direkt zurück in die Endzone.

In der zweiten Hälfte will dann die Verteidigung auch noch mal auf sich aufmerksam machen und reißt QB Dalton immer immer wieder zu Boden und läßt ihn wie einen Rookie aussehen. Zu Beginn des vierten Viertels hat er so viel eingesteckt, daß er verletzt raus muß und Backup-QB Gradkowski die Schläge einsteckt.

Die Bengals müssen sich trotzdem nicht grämen. Sie haben gegen eines der besten Teams der NFL in deren Stadion verloren. Und sie sind mit 7-5 auch noch voll im Wild-Card-Race mit den Jets, Titans, Raiders und Broncos, die auch alle sieben Siege auf dem Konto haben. Schedule ist nicht einfach, aber drei Siege sind machbar: vs Houston, @St. Louis, vs Arizona, vs Baltimore. Pittsburgh kämpft mit Baltimore um die AFC-North-Krone und muß am Donnerstag gegen Cleveland ran, dann ein Monday Night Game in San Francisco, gegen St. Louis und zum Schluß in Cleveland.

9 Kommentare zu “Notizblock NFL Woche 13 Colts/Patriots; Bengals/Steelers

  1. Mein Eindruck ist, das man bei den Colts schon sehr früh in der Saison den Luck-Modus aktiviert hat. Natürlich ist Manning wichtig, aber das das Team ein solcher Trümmerhaufen ist glaube ich auch nicht. Vielleicht geht´s inzwischen darum allen anderen Teams (z. B. den Vikings) zu zeigen, uns holt ihr nicht mehr ein. Schade für Painter, dessen NFL-Karriere geopfert wird und vor allem deshalb, weil ich in der NFL bisher den Eindruck hatte, das unabhängig von der Bilanz immer versucht wird, zu gewinnen. Die Colts beweisen das Gegenteil. Wie funktioniert eigentlich die NFL-Draft, ähnlich wie in der NBA mit einer Lottery oder hat Indy mit 0-16 den First Pick schon sicher?

  2. @deion
    Es gibt keine Lottery. Die Teams, die nicht in die Playoffs kommen, draften in aufsteigender Reihenfolge nach Siegen, d.h. mit 0 Siegen bekommt man auf jeden Fall den ersten Pick (es sei denn, es gibt zwei Teams mit 0 Siegen, dann entscheidet das Los).

    Die Playoffteams schließen sich daran an. Wer zuerst rausfliegt, „pickt“ zuerst (nach den nicht-Playoff-Teams). Der Super-Bowl-Gewinner hat also den letzten Pick der ersten Runde.

  3. Laut NFL.com hat Brady nur 2 TD Pässe geworfen.
    Der 3 TD von R. Gronkowski wird als Rushing TD gewertet.
    Warum auch immer….

  4. @Herrmann: Danke für die Info.

    Dann wird´s Zeit, das anzugehen. Hat man in der NBA nach der 84er Draft auch getan, als Houston und Chicago in der Vorsaison auf Niederlagenjagd gegangen waren. Es gibt wenig, was es an der Organisation der NFL zu verbessern gibt, das gehört dazu.

  5. @Herrmann
    Wenn 2 Teams die gleiche Anzahl an Siegen haben, entscheidet nicht das Los, sondern das Team das den leichteren Schedule hatte, bekommt den höheren Pick.

  6. @deion: Nope. Die NFL fährt über 70 Jahre großartig mit ihrem Draft-System. Weil einmal in 10 Jahren ein Quarterback wie Luck verfügbar ist, nach dem alle lechzen, braucht es keine Änderung des Drafts, in dem ein 6-10 Team plötzlich den #1-Pick geschenkt bekommt, weil es mal zwei Verletzungen zu viel hatte und eine Saison abschenkte. Wegen Luck ein blendend funktionierendes System auf den Haufen zu werfen, wäre blankes Überreagieren und würde ich eher dem italienischen Staat zutrauen als der NFL.

  7. @Little Piccolo
    Yep, stimmt natürlich. Tiebreakers sind 1) strength of schedule 2)divisional record und 3)conference record bevor es zum Coin Toss kommt.

  8. Pingback: 2011/12 Divisional Playoffs – Giants, John Fox, Patriots, Jenkins | Sideline Reporter

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