Tebow

Ich glaube weiterhin nicht, dass sich die Broncos mit Tebow eine rosige Zukunft angelacht haben. Tebows größter Wert liegt auf einer anderen Ebene. Zwei Lesetipps.


Okay, „Lesetipp“ dürfte hier nicht ironiefreie Zone sein. Es wird ernsthaft mit Sätzen wie diesem argumentiert:

As a father who has watched coaches try to teach his tall son the perfect long-range jumpshot when he just wants to bang around under the basket, get rebounds, putbacks and play like Dennis Rodman, well, it’s nice to see someone win with a style that doesn’t come from a cookie-cutter.

Trotzdem. Lesen von Greg Coachs (FOX Sports) Artikel ist erlaubt. Man mache sich ein Bild. Aber das Ding mit der Hautcréme im Hinterkopf behalten.


Am anderen Ende der Argumentationsskala kommt Grantlands Chuck Klosterman mit dem bisher besten Text über das Phänomen „Tebow“: The People Who Hate Tim Tebow. Klosterman begibt sich auf der Suche danach, warum Tebow die Massen spaltet. Viel mehr noch: Warum Tebow überhaupt die Massen bewegt. Wer die Schlussfolgerung gelesen hat, wir sich denken „Mönsch. Watt it daran nu‘ neu?” Bei Klosterman gilt jedoch die Devise: Der Weg ist das Ziel. Und es ist ein gutes Ziel. Klosterman at his best. Eine spannende Lektüre, nicht nur aufgrund solcher Gedankengänge:

It’s difficult to take an „anti-faith“ position. There’s no pejorative connotation of the word faithful. The only time „faith“ seems negative is when it’s prefaced by the word „blind.“ But blind faith is the only kind of faith there is. In order for someone’s faith to be meaningful, it has to be blind. Anyone can believe a hard fact that everyone already accepts. That’s easy. If you can see something, you don’t need faith. Faith in the seeable is meaningless. But meaningful faith is dangerous. It simplifies things that aren’t simple.

[…]

How do you refute the non-argument of meaningful faith?

You (usually) don’t. You (usually) lose.

Since Tebow was installed as the Broncos‘ starter, they are 6-1.

Trust the insane?

NFL-Schau 2011/12, Week 13

Im Anschluss an die Rankings von Andy Goldschmidt der vergangenen Woche heute eine hausgemachte Schau auf die NFL nach Woche 13, mit Schwerpunkt auf die nicht standardisierte Berechnung der pythagoreischen Erwartung. Ich habe weitere, vor Jahren gebastelte, aber seit längerem nicht weiterentwickelte Kennzahlen im Haus, die ich für eine eigene Bewertung der NFL-Teams verwende.

Pythagoreische Bewertung nach Woche 13

W = Siege, PF = erzielte Punkte, PA = kassierte Punkte, % = relative Siegerwartung, E16 = Siegerwartung nach 16 Spielen, E12 = Siegerwartung nach Woche 13, +/- = Soll/Ist Vergleich nach Woche 13

W = Siege, PF = erzielte Punkte, PA = kassierte Punkte, % = relative Siegerwartung, E16 = Siegerwartung nach 16 Spielen, E12 = Siegerwartung nach Woche 13, +/- = Soll/Ist Vergleich nach Woche 13

Errechnet wurde die Tabelle mit dem Defense-freundlichen Wert von 2,637.

Die Pechvögel

Der Pechfisch. Die Miami Dolphins haben die Performance einer Mannschaft, die im Schnitt am Saisonende eine 9-7 Bilanz hinknallt. Aufgrund zahlreicher knapper und knappster Niederlagen aktuell aber nur eine verhältnismäßig mickrige 4-8 Bilanz und praktisch aus dem Playoffrennen eliminiert.

Die Minnesota Vikings liegen 1,8 Spiele hinter ihrer erwarteten Leistung zurück, die Philadelphia Eaglesein Team, dessen missratene Saison Bill Barnwell bei Grantland letztens analysiert hatte – sind 1,7 Spiele aktuell hinter ihrer Performance.

Dass Indianapolis (-1,5) und Carolina (-1,1) nicht vom Glück verfolgt sind, wussten wir bereits. Die Panthers schönen ihre Saisonbilanz mittlerweile mit Siegen über den Bodensatz (zuletzt gegen die Freeman-losen Buccs), während sich Indy munter gen Luck loost.

Die Glücksritter

Die Green Bay Packers sind 2,88 Siege über ihrer Erwartung. Klingt nach puren Glückskindern, aber wer ungeschlagen bleiben will, braucht „Glück“. Weil Green Bay nicht über die beste Abwehr verfügt, zieht es die Gesamtbilanz runter. Man muss dazu wissen, dass die pythagoreische Erwartung mit dem Faktor 2,637 die Wertigkeit einer starken Defense über die Wertigkeit einer starken Offense stellt – nach dem Motto „Defense wins nicht nur Championships, sondern auch mehr Games“ (deswegen haben die 49ers trotz schlechterem Spread die höhere Erwartung).

Mit bislang fünf Saisonsiegen sind die Chiefs massiv über ihrer Erwartung (+2,5) – der Hail Mary-Sieg über Chicago ist nur ein weiterer glücklicher Moment, der die Schwäche der Chiefs 2011/12 kaschiert.

Die Denver Broncos (+2,0) mit ihren Comeback-Erfolgen sind ebenso ein Kandidat, auf lange Sicht dem Phänomen „regression to the mean“ zu erliegen, zumal ich weiterhin nicht davon ausgehe, dass sich die Tebow-Offense auf lange Sicht durchlavieren kann. Was die Broncos besitzen: Eine starke Defense mit einem sehr guten Pass Rush.

Auch Oakland ist mit aktuell 7-5 besser da als es die Performance annehmen ließe (+1,9). Dreimal AFC West „overrated“ – ein Trend?

Divisionsschau Soll

Gemessen wird hier die Performance jeder der 32 Mannschaften nach drei Vierteln der Regular Season (die Diskrepanz von 255 Siegen in der Simulation zu 256 tatsächlich absolvierten kommt durch Auf- und Abrunden zustande). Wohl gemerkt: Performance. Keine Ist-Bilanz. Miami (zu weit drunter) und Kansas City (bereits drüber) können ihren Soll/Ist-Vergleich nur noch mit massiven Kantersiegen oder hohen Niederlagen erreichen.

AFC East
New England 12-4
NY Jets 9-7
Miami 9-7
Buffalo 7-9

Miami ist weniger weit davon entfernt, playoffwürdig zu sein als man es angesichts eines 0-7 Starts in die Saison und einer 4-8 Bilanz erwarten würde. Buffalo, das derzeit so waidwund wirkt, bringt über die Saison immer noch die Performance eines 7-9 Teams. Wie schrieb ich im Sommer? Miami = Playoff-Team, Buffalo = gut, aber nicht tief genug besetzt für die Post Season-Qualifikation.

AFC North
Baltimore 12-4
Pittsburgh 11-5
Cincinnati 9-7
Cleveland 5-11

Im Verhältnis zur aktuellen Saisonbilanz recht überraschungsfrei, oder?

AFC South
Houston 13-3
Tennessee 9-7
Jacksonville 4-12
Indianapolis 2-14

Die Indianapolis Colts sind bei aller Schlechtigkeit immer noch unter Wert geschlagen und nach Punkte-Erwartung sogar nur das zweitschlechteste Team in der NFL. Houston ist ein statistisches Phänomen, sah gegen Atlanta aber auch auf dem Spielfeld phasenweise hervorragend aus, und der junge QB T.J. Yates sah nicht aus wie ein verschreckter Gockel.

AFC West
San Diego 8-8
Oakland 7-9
Denver 7-9
Kansas City 3-13

Wie im Sommer vermutet, sind die Chiefs die mit Abstand schlechteste Mannschaft der AFC West. Denver freakt sich von knappem Comeback-Sieg zu knappem Comeback-Sieg, könnte sich in die Playoffs tebowtieren, wird die Saison höchstwahrscheinlich über der Erwartung abschließen. Alles in allem eine schwache Division, die Chargers bringen die einzige .500-würdige Leitung (point spread -2).

NFC East
Dallas 9-7
Philadelphia 8-8
NY Giants 7-9
Washington 6-10

Dallas wie im Sommer vermutet die beste Mannschaft einer durchschnittlichen NFC East. Philadelphia performt wie die zweitbeste Mannschaft, die Giants kollabieren mal wieder, Washington schlecht, aber nicht schlecht genug, um einen Top-5 Draftpick zu bekommen.

NFC North
Green Bay 12-4
Chicago 10-6
Detroit 10-6
Minnesota 5-11

Kleines Kuriosum in Sachen Packers: Die aktuelle Saison ist 12,4 Siege „wert“. Man rate mal, wie es in den letzten beiden Jahren ausgesehen hat? 2009/10 war man 11-5, aber mit Siegerwartung 12,2. Letztes Jahr gab es „nur“ 10-6, aber eine Sieg-Erwartung von leicht besseren 12,5 Siegen. Das nenne ich mal Konstanz! (Letztes Jahr verlor man alle sechs Spiele mit maximal 3 Punkten).

Die pythagoreische Erwartung ist trotz aller Probleme immer noch in Detroit und Chicago verknallt. Für beide dürfte es mit 10 Siegen in realiter eng werden – Lions schedulebedingt, Bears, weil ohne Passspiel und mit einem nicht fitten RB Forté.

NFC South
New Orleans 12-4
Atlanta 9-7
Carolina 7-9
Tampa Bay 4-12

Carolina liegt bei sieben Siegen ziemlich genau dort, wo ich sie im Sommer erwartet hatte. Allein, ich hatte die Defense deutlich besser und die Offense um QB Cam Newton klar schwächer eingestuft gehabt. Tampa hatte ich bei Spox ein 5-11 prophezeiht, da sind wir ebenso nicht weit von entfernt.

NFC West
San Francisco 13-3
Seattle 7-9
Arizona 7-9
St Louis 2-14

Man nehme den Ausreißer San Francisco raus (S.F. dank schwachem Schedule die #1 der Erwartung, ligaweit!) und die Division gleicht frappierend der „anderen“ West-Division. St Louis ist ein negativer Ausreißer, laut pythagoreischer Erwartung die schwächste Mannschaft in der gesamten NFL – die Rams hatten zu Saisonbeginn einen Mörder-Schedule, aber das erwartete „2-14“ ist damit allein nicht erklärt, zumal man nach zwei Siegen in 12 Partien sogar einen halben Sieg über der Erwartung liegt.

Sideline-Ranking

#1 Green Bay. Wackelt mit einer nicht überzeugenden Defense, aber QB Rodgers ist weiterhin auf Rekordkurs. Eine #1 mit Sternchen, denen ich noch nicht voll traue.

#2 Baltimore. Ich bin nahe dran, die Ravens an die Eins zu stufen, da ich die Defense für die mit Abstand beste in der Liga halte.

#3 New Orleans. Überzeugenster Pass-Angriff der NFL, der eine zeitweise suspekte Defense überdeckt.

#4 Houston. Da hält der Kubiak-Faktor dagegen, aber die Texans scheinen trotz Verletzungsmisere endlich der Ligaspitze anzugehören.

#5 Pittsburgh. Irgendetwas stimmt mit der Defense nicht, und auch die Offense um Roethlisberger ist wechselhafter als gewohnt: Verbrennt WR Wallace die Defense nicht mit 40yds-Catches, stottert Pittsburgh.

#6 New England. Die blasse Defense gefällt mir überhaupt nicht und hat im Gegensatz zu einer Unit wie New Orleans auch kaum potenzielle Playmaker.

#7 San Francisco. Die Stats sind da, aber durch den schwachen Schedule wird man den Wert der 49er-Bilanz nicht vor den Playoffs abschätzen können. QB Smith sorgt für zusätzliche Skepsis.

#8 N.Y. Jets. Alles deutet darauf hin, dass die Jets-Abwehr die zweitbeste der NFL ist. Aber solange der Angriff im kritischen Moment auf QB Sanchez angewiesen ist, bleibt Skepsis.

#9 Atlanta. Die Offensivvorstellung gegen Houston war dann doch eher enttäuschend, aber über die letzten Wochen schaute das Gesamtpaket bei den Falcons immer runder aus, die Offense begann, zu schnappen.

#10 N.Y. Giants. Die Trendkurve zeigt nach unten, aber die Mannschaft zuckt noch. Die Defensive Line bot dem variantenreichen Angriff Green Bays einen langen Grabenkampf, hielt aber

#11 Dallas. Hinreichend Fragezeichen bei den Cowboys, wobei mir die Secondary die meisten Sorgenfalten bereiten würde.

#12 Miami. Wenn ich die Dolphins-Defense dieser Tage mit jener vom September vergleiche: Das ist eine andere Unit geworden. Dazu kommt: Sie ist blutjung. Wenn der Angriff wenigstens ein bisschen kreativer wäre…

#13 Detroit. Der Angriff wird aufgrund der ewigen Shotgun-Formationen immer ausrechenbarer und die vielen Strafen steuern das Ihrige zum Misslingen bei. Der Schedule ist recht happig, aber das Wildcardrennen und Seed #6 könnten aufgrund der erbärmlichen Bears-Offense und, der schwachen NFC-Bilanz der Giants und des gewonnenen direkten Duells gegen die Cowboys aber trotzdem auf Seiten der Lions stehen.

#14 Cincinnati. Die Bengals zahlen gerade Lehrgeld, werden für kleinste Fehler gnadenlos abgestraft, sind aber voll im Playoffrennen: Mit St Louis und Arizona warten zwei schlagbare Gegner, aber dazu kommen mit Houston und Baltimore noch Hammer-Gegner.

#15 Tennessee. Ich traue mir noch kein endgültiges Urteil zu, aber am Sonntag werden wir schlauer sein. Dann spielen die Titans bei ESPNA gegen New Orleans. Und Tennessees Defense war heuer verdammt anfällig gegen Defenses mit mehr als zwei Playmakers, da sie in der Front Seven nicht genügend Druck gen Quarterback hinkriegt und gleichzeitig mehr als zwei Topspieler abdecken kann. (Achja, und Johnson…)

#16 San Diego. Die Eagles bleiben knapp außen vor. San Diegos QB Rivers hat abseits der vielen INTs großartige Zahlen.