Weis Kansas, was es da macht?

D’oh. Charlie Weis wird neuer Head Coach der Kansas Jayhawks. Das ist insofern überraschend, als dass ich überzeugt war, Weis wäre für den Posten als Head Coach im College Football verbrannt.

Weis’ Zeit bei Notre Dame zeigt ziemlich klar das Eine, mit dem so viele Coaches ihre Probleme haben: Sie gewinnen zu Beginn mit den Spielern anderer Trainerstäbe, aber ab Jahr drei oder vier kollabiert das System, da es am eigenen Recruiting hakt. Weis war zu Beginn in Notre Dame recht erfolgreich, aber die Jahre 3-5 waren ziemlich unterirdisch. Dazu war Floridas Offense heuer so schwach, dass man Weis trotz der Bekundungen von Ende November („Ich werde noch lange hier bleiben. Sie müssen mich schon rausschmeißen.“) nur sehr dezent Tränen nachweint.

Auf der anderen Seite auch auf den ersten Blick nicht klar, warum Weis sich die Kansas Jayhawks ausgesucht hat. Das ist ein vergleichsweise kleines Programm, das nur seltenst Top-Talente aus der Highschool abgreifen kann. Eine Uni, die einen Coach braucht, der aus inferioren Athleten eine Mannschaft basteln kann.

Weis’ Karriere in NFL und College Football schien mir bislang eher das genaue Gegenteil gewesen zu sein. Immerhin: Die Jayhawks werden in der öffentlichen Wahrnehmung allein durch den Namen „Weis“ an Relevanz gewinnen.

NFL 2011/12, TV-Guideline für Woche 14

Die Minnesota Vikings intensivieren den Druck auf die Twin Cities in Sachen Stadionbau. Zumindest deuten alle Zeichen darauf hin, nachdem der Vorstand durchsickern lässt, dass neben Los Angeles eine zweite Stadt an den Vikes interessiert sei. Eine zweite Stadt neben L.A.? Mangels Alternativen im übersättigten US-Markt (auch mangels attraktiver TV-Märkte, die die Twin Cities ausstechen könnten) dürfte es sich hierbei um eine klassische Phantom-Stadt handeln, um sich „Lieferantenmacht“ zu sicher. Stichwort: Der verdeckte Nebenbuhler.


WR Justin Blackmon von Oklahoma State hat gegenüber ESPN.com seine Intentionen in Richtung NFL klar gemacht: Blackmon möchte in die NFL. Nun gibt es heuer einige Mannschaften, die ganz hoch händeringend nach einem Wide Receiver Ausschau halten dürften (St Louis, Cleveland!), und neben Blackmon könnten noch Kaliber wie Floyd (Notre Dame) oder Jeffery (South Carolina) in den Draft kommen. Blackmon gilt als überragender Mann fürs College. Ob der Mann bei 1,85m Körpergröße aber tatsächlich in den Top-5 geht?


Großkampftag am Sonntag in der NFL am Sonntag und für uns an den TV-Schirmen. Woche 14 bringt Intensität in das Playoffrennen, und obwohl das absolute Topspiel fehlt, können sich die Partien diesmal sehen lassen. Ein Ausblick auf den Sonntag im TV.

Tennessee Titans – New Orleans Saints

19h LIVE bei ESPN America

Common sense im Sommer war: Die Titans würden die Saison mit neuem Trainerstab und neuem Quarterback eh abschenken. Nach drei Vierteln der Regular Season muss man der Mannschaft attestieren, wie in den letzten Jahren zum guten NFL-Durchschnitt zu gehören. War man vergangenes Jahr mit 6-10 klar unter Wert geschlagen, gewinnen die Titans in dieser Saison, in der die AFC South durch Mannings Ausfall so offen wie lange nicht ist, immerhin gegen fast alle Teams auf Augenhöhe.

Ein Kaliber wie die Saints hat Tennessee allerdings noch nicht gesehen. Man attestiert dem neuem DefCoord der Titans, Jerry Gray, einen grundsoliden Job, aus einer grauen Masse an durchschnittlichen Verteidigern eine solide Defense gebastelt zu haben, die gegen gute NFL-Defenses mit guten NFL-QBs bestehen kann. Allerdings fehlen die ganz großen Pass Rusher, um die Top-Offenses wie Houston, Pittsburgh oder New Orleans einzubremsen. Dabei wäre gerade gegen die Saints eine explosive Defense händeringend benötigt: Tennessee verliert immer, wenn es über 20 Punkte zulässt.

Spricht also auch nicht für den mächtigsten Angriff. Auch gegen die Saints dürften die Titans auch kein Feuerwerk an Punkten veranstalten, werden primär darauf bedacht sein, das Laufspiel um den wiederhergestellten RB #28 Chris Johnson auf Trab zu bringen und QB-Oldie Hasselbeck eher nicht mit Brees um die Wette werfen lassen. Das Skript dürfte etwas ähnliches wie einen 35-14 Sieg für die Saints im ungemütlichen Nashville vorsehen.

Cincinnati Bengals – Houston Texans

19h LIVE bei SPORT1+
Montag, 14h30 Aufzeichnung bei ESPN America

Tennessees Divisionsrivale Houston steht vor einer lösbaren Aufgabe bei den Cincinnati Bengals, die ihrerseits mit den Titans auf Augenhöhe im Wildcard-Playoffrennen stehen (beide 7-5). Am Sonntag verlor ein verschrecktes Cincinnati allzu hoch gegen die Steelers, kriegt nun mit Houston den nächsten Kracher serviert. Die Texans könnten sich mit einem Auswärtssieg den ersten Matchball für die Playoffs servieren, müssen aber schon wieder auf WR Andre Johnson verzichten.

Die Aufzeichnungen von letzter Woche zeigten, wie Houston nach Johnsons Verletzungsausfall begannen, mutloser im Angriff zu werden, sagten plötzlich haufenweise Ballübergaben an RB Arian Foster an, während der furchtlose QB T.J. Yates seine coolen tiefen Bomben in der Schubladen behalten musste. Ist es der Kubiak-Faktor? Oder war es nur eine Vorsichtsmaßnahme?

Auf alle Fälle bietet Cincinnati vs. Houston das Duell zweier mutiger Grünschnäbel auf der QB-Position, dazu zwei grundsolide, starke Defenses und dazu adäquate Spannung durch die engen Punktekonstellationen in der AFC. SPORT1+ überträgt live, ESPNA als Tape.

Green Bay Packers – Oakland Raiders

22h15 LIVE bei ESPN America und SPORT1+

Auch die Oakland Raiders sind mit 7-5 in Kandidat im Wildcard-Rennen, sofern sie nicht ihre AFC West gewinnen sollten. Die letzten Wochen waren wechselhaft, zuletzt setzte es eine happige 14-34 Schlappe gegen eine elektrisiert aufspielende Dolphins-Mannschaft, und QB Carson Palmer sah teilweise furchtbar aus. Befürchtungsweise werden die Raiders in Lambeau gegen Green Bays suboptimale Secondary aber sowieso nicht allzu viel werfen, sich eher darauf konzentrieren, mit ihren Dutzenden Running Backs im Kader möglichst lange Drives hinzulegen, um die Anzahl der Angriffsserien für Green Bay zu minimieren, selbst wenn RB McFadden wie erwartet nicht spielen könnte.

Die Packers mit QB Rodgers sahen zuletzt zwei stürmische Defensive Lines, überstanden die Angriffs der Lions und Giants mehr oder weniger eindrucksvoll. Rodgers fasziniert immer wieder mit drei Tippelschritten nach links, einem nach rechts und dann dem simplen Pass über halbrechts auf den in die Endzone rollenden Jennings zum TD. Die Raiders werden eine weit sterilere Front Seven schicken, deren Ankermann „dirty“ DE Richard Seymour (zuletzt Platzverweis nach Allerweltsaktion) verletzungsbedingt fraglich ist und möglicherweise auch noch gesperrt wird.

Arizona Cardinals – San Francisco 49ers

23h20 Aufzeichnung bei PULS4

Interessante Spielauswahl bei den Österreichern, wo der Sieger der NFC West, San Francisco, in Arizona antritt. Die Cardinals haben jüngst das gemacht, was sie immer machen – die Dallas Cowboys überraschend schlagen – und ihren Aufwärtstrend fortgesetzt. Mit QB Kevin Kolb, dessen Einkauf im Sommer für mich Grund genug war, Arizona über San Francisco als Divisionsfavorit zu setzen. Obwohl ich Kolb für bestenfalls unterdurchschnittlich hielt und halte.

Die Cardinals besitzen eine in allen Belangen mittelmäßige Offense, verlieren in jedem sechsten Drive den Ball per Turnover und sind erstaunlicherweise trotz eines Returnspielers wie Patrick Peterson eine der schlechtesten Mannschaften, was Starting Field Position angeht (#29 NFL-weit). Resultat: eine ineffiziente Offense, die im Schnitt trotz längerer Drives als San Francisco (27,2yds zu 27yds) einen sagenhaften halben Punkt pro Drive weniger scoren (1,45 zu 1,90). Mitschuldig daran ist auch der immer noch schlechte Luftangriff, der trotz des großartigen WR Larry Fitzgerald regelmäßig verhungert.

Dallas Cowboys – New York Giants

02h20 LIVE bei ESPN America

Erstaunlich wenig auf die Fresse gab es unter der Woche für den Cowboy-Chefcoach Jason Garrett für jene völlig unnötige Auswärtsniederlage in Arizona, verschuldet hauptsächlich durch unverständliches Handling mit den Auszeiten in der Schlussphase (hier runtergebrochen bei Advanced NFL Stats). War es die Nervosität vor dem ersten Duell gegen die Giants? Immerhin ist hier – weil der Fachausdruck so schön ist – die season on the line. Dallas (7-5) gegen die Giants (6-6), es geht es die Divisionsvorherrschaft in der NFC East, aber nebenher auch um das Wildcard-Rennen. Vor allem die New York Giants stehen diesbezüglich schwer unter Druck, dürfen sich eine Niederlage fast nicht erlauben.

Mit Dallas bekommt man nun einen schwer ausrechenbaren Angriff vorgeworfen. Ich werde wöchentlich mehr zum Fan von RB DeMarco Murray, ein Back, der nicht lange fackelt und meistens straight den direkten Weg gen EndZone sucht. Murray war mir aus Sooners-Zeiten mehr als Zauderer in Erinnerung geblieben, wird mit diesem Spielstil gegen die Giants interessant: Wird DefCoord Perry Fewell die „Box“ zustellen und das Risiko eingehen, gegen die Herrschaften Witten, Robinson, Bryant bei Play-Action blank zu stehen? Ich würde nicht dagegen wetten, da Murray bei entsprechender Lücke dazu tendiert, eine Defense böse zu verbrennen.

Auf der anderen Seite dürfte auch Rob Ryan, der Defensive Coordinator der Cowboys, im Brennpunkt stehen. Giants-QB Eli Manning werden wöchentlich dickere Eier im Erkennen und Verbrennen von Blitzes nachgesagt, und just jene Blitz-Formationen gelten als Spezialität Ryans. Wird der kleine Rex sturschädeln, oder ist die Angst vor dem „blauen Welker“ #80 Victor Cruz zu groß dafür sein?

Denver Broncos – Chicago Bears

Montag, 16h30 Tape bei ESPN America

(Egomanen-freie Zone.) Die Broncos sind die Bears von 2011, kriegen haufenweise Backup- und Rookie-QBs vorgeworfen, und in diesem Spiel auch eine löchrige Offensive Line, die für Denvers drückenden Pass Rush ein gefundenes Fressen sein dürfte, selbst wenn der hoch gelobte Rookie-OLB Von Miller ausfallen sollte. Chicagos Pocket dürfte eine eher unsichere Zone sein, nie ein gutes Zeichen, wenn ein unerfahrener Mann wie Caleb Hanie die Offense dirigieren muss. Hanie scheint zudem weder über Selbstvertrauen, noch über allzu großes Zutrauen seitens OffCoord Mike Martz zu verfügen, trotzdem soll kein Ersatz aus dem Sümpfen von Mississippi reaktiviert werden. Negativ: Diesen Sonntag soll mit RB Forté auch noch der beste Angriffsspieler ausfallen.

Auf der anderen Seite machen die Broncos seit Wochen einen bewundernswerten Job auch in ihrer Offense, wo die Schwächen von Tebow mit viel RB McGahee und risikoarmen Pässen kaschiert werden und die Broncos sich erstaunlicherweise immer noch durchlavieren können. Zuletzt 35 Punkte in Minnesota gescort. Hallo? Tebow glänzt bis dato mit enorm wenigen Interceptions. Chicagos Defense ist jedoch die hungrigste, die Tebow sehen wird, macht alle acht Drives eine INT.