College Football 11/12: Biggest East, Kadetten, Heisman Trophy und Playoff-Football

The East Just Got Bigger

Also doch. Die Big East Conference expandiert nun auch offiziell gen Westen. Die Neuen lesen sich bizarr: University of Houston, Southern Methodist University, Boise State University, San Diego State University (!!!), dazu die University of Central Florida aus dem sonnigen Orlando. Conferences organisieren sich dank einer kartellrechtlichen Gerichtsentscheidung gegen die NCAA seit fast 30 Jahren selbst und müssen keine Rücksicht mehr auf geographische Gegebenheiten richten, aber so weit hat es noch keine Conference getrieben. Treibende Kraft hinter dieser Expansion: Der drohende Kollaps der Big East und der mögliche – nicht unverdiente – Entzug des AQ-Status in Sachen BCS, ein Thema, das im März 2012 diskutiert werden wird (möglicherweise fallen sämtliche AQs).

Mal kurz einen Blick auf die Additionen geworfen: Houston bringt einen großen TV-Markt mit sich. Ditto SMU (liegt in einer Enklave von Dallas). UCF liegt in Florida, einem anerkannt großartigen Gebiet für Recruiting, und UCF pfeffert seit Jahren sagenhafte Summen in sein Footballprogramm (brandneues Stadion, teure Facilities). Boise State hat sich innerhalb weniger Jahre zu einer großen Sache entwickelt, zieht als der Underdog schlechthin große Massen vor die TV-Schirme und sollte auch sportlich ein Faktor bleiben: Head Coach Chris Petersen wird gehalten. Bleibt San Diego State am Arsch der Welt Big East, aus dem Südwesten (!) der Staaten. Bei allen über Bord geworfenen Logiken: Hier könnte das solide Recruiting-Gebiet Südkaliforniens mitgespielt haben (USC greift die besten Talente ab, rekrutiert ansonsten aber traditionell landesweit).

Es sollen noch zwei weitere Universitäten aufgenommen werden, um den Mitgliederstand im Football auf 12 zu bringen und ein Championship-Game abhalten zu können (im Gespräch: das neue Yankee-Stadium). Air Force und BYU sollen jedoch bereits abgesagt haben. Nur am Rande: Die Big East Conference möchte auch in Zukunft Big East Conference heißen.

Die kleinen Boise State Broncos werden erst 2013 wechseln, gliedern ihre anderen Sportabteilungen dann zurück in die WAC: Das Basketball-Team der Broncos ist beispielweise eine ganze Nummer zu klein für die Big East-Giganten. Interessant sind die vielen Klauseln im Vertrag der Broncos: Ausstiegsklausel für $ 5 Mio., die sich verkleinert, sollte der TV-Vertrag niedriger als erwartet ausfallen, der AQ-Status fallen, und, sollten keine weiteren Mitglieder in westlichen Gefilden gefunden werden, sogar entfällt (!).


Militärderby

Heute Abend, 20h30 MESZ (live bei ESPN America), findet der traditionelle Abschluss der Regular Season im College Football statt, mit dem ewigen Klassiker Army Black Knights – Navy Midshipmen, heuer aus dem FedEx Field zu Landover, wobei beide bereits ihre Bowl-Teilnahme verspielt haben. Army-Navy, das heißt auch Unmassen Militärs und patriotischer Overkill für den TV-Zuseher. Kann beklemmend wirken, aber die sehr „amerikanische“ Inszenierung lässt sich mit etwas Abstand auch bewundernd bestaunen und wenn in einem 90.000er Stadion dreißigtausend Uniformierte hocken, hat das auch was. Sportlich dürften wir ein paar tausend rushing yards erleben, nachdem beide traditionell die Option-Offense spielen, die Navy sogar die famose Flexbone-Triple Option unter dem Coach Ken Niumatalolo.

Stat des Tages: Die Army wirft pro Spiel 8 Pässe und komplettiert davon 36% für 48yds. Wie gesagt: Im Schnitt PRO SPIEL. Die Navy ist etwas wurffreudiger im Angriff, lässt aber 74% Completions in der Defense zu. Könnte für die Army-Receiver ein Freudentag für die nächsten drei Jahre werden.


Griffin for Heisman

Später um 02h nachts: Die Verleihung der Heisman Trophy 2011/12. Der ethische Wert dieser Trophäe leidet seit Jahren massiv (Stichworte Bush, Newton), „Heisman“ wird jedoch so schwer gehypt, dass sich unmöglich eine Saison Uni-Sport ohne verfolgen lässt. Die Kandidaten 2011:

  • Andrew Luck, QB Stanford. Luck galt als der haushohe Favorit in der Preseason und ließ sich auch nicht allzu viel zu Schulden kommen. Auf der anderen Seite fehlte Luck der Moment, und Luck schmierte im entscheidenden Kracher gegen Oregon eher ab, sodass man gemeinhin nicht mehr von einem Heisman-Sieger Luck ausgeht.
  • Tyrann Mathieu, CB LSU. Der Anti-Luck, Spitzname „The Honey Badger“. Als völlige Unbekannte in die Saison gestartet und abseits des Spielfelds als Kiffer aufgefallen, war Mathieu die „Big Play“-Waffe schlechthin, mit fassungslos vielen INTs/TD-Return und Puntreturn-TDs. Mathieus Nachteil: Neben seiner Sperre ist er Defensivspieler, die traditionell kaum Chancen in Sachen „Heisman“ besitzen.
  • Montee Ball, RB Wisconsin. Steht bei 38 Touchdowns und könnte in der Bowl Season den ewigen Rekord von Barry Sanders knacken (annodazumal 39 in zwei Spielen weniger). Balls Nachteil: Seine eigene Universität hypte über Monate den QB Russell Wilson, wechselte zu spät das Lager auf Ball.
  • Trent Richardson, RB Alabama. Ein aussichtsreicher Kandidat: Hatte nun über Monate den Hype auf seiner Seite und mit 1910yds Offense und 22 TDs auch entsprechende Stats. Ah, und spielt im BCS National Championship Game. Richardson könnte aber unter dem einen irrationalen Faktor leiden: Dass vor zwei Jahren mit Ingram ein anderer Running Back der Alabama Crimson Tide schonmal die Trophäe gewann.
  • Robert Griffin III, QB Baylor. Deswegen gilt es als nicht ausgeschlossen, dass der famose Robert Griffin zum Sensationssieger gewählt wird. Codename „RG3“, ein wuseliger Sprinter mit adäquater Wurftechnik, der sich möglicherweise nebenher als Hürdensprinter für die Olympischen Spiele qualifizieren könnte. Ein Charakter, der sich nichts zu Schulden hat kommen lassen, freakische Stats (267/369 für 3.998yds, 36 TD, 6 INTs, 123 Carries für 644yds, 9 TD), und, am wichtigsten: Fulminante Siege in Eigenregie zu den wichtigsten Zeitpunkten: Am Saisonbeginn Friday Night gegen TCU, dann im November über Oklahoma und letzte Woche gegen Texas.

Zwei Lesetipps:

Zu sehen gibt es die Verleihung der Trophäe ab 02h LIVE, heute Nacht bei ESPN America.


Football aus den Niederungen

Sonst noch so: Die Playoffs in der „Unterstufe“ (FCS/Football Championship Subdivision) neigen sich dem Ende zu. ESPN America heute und morgen mit zwei Viertelfinal-Aufzeichnungen, plus dem Finale der SWAC:

  • 10.12./10h:  #4 Montana – #5 Northern Iowa
  • 11.12./6h30:  #1 Sam Houston State – Montana State
  • 11.12./9h30: SWAC-Finale Alabama A&M – Grambling State

SWAC – Whudat? Die Southwestern Athletic Conference aus dem Bible Belt beteiligt sich nicht an den FCS-Playoffs, sondern spielt ihre eigene Meisterschaft aus, was politisch/historische Gründe hat: Es handelt sich hier um „schwarze Unis“, gegründet nach den Bürgerkriegen im 19. Jhd., will damit ihre Eigenständigkeit bewahren (wer das Endspiel Alabama A&M – Grambling State live sehen will: heute, 19h LIVE im kostenpflichtigen ESPN-Player).

Der ESPN-Player zeigt dieses Wochenende auch die anderen Viertelfinals der FCS sowie Halbfinalpartien aus der Division II und Division III.