Letztes Haleyli

Arbeitssuchender des Tages: Todd Haley, Ex-Coach der Chiefs. Haley ist heute gefeuert worden. Ich zitiere mich selbst aus einem Eintrag, den ich gestern Abend geschrieben habe und der demnächst online gehen sollte:

Kansas Citys Todd Haley steht seit Monaten in der Kritik. Kurzzeitig gab es mal einen Aufschwung gegen schwache Gegnerschaft, aber seitdem ist die Offense ins Bodenlose gefallen. GM Pioli gilt nicht als Heißsporn, aber durchaus bereit, den Coach zu wechseln, zumal die beiden nicht immer 100%ig gemeinsam ihre Entscheidungen tragen.

Ging schneller als gedacht. Ich merke gerade, dass mein DMS (Dokumentenmanagementsystem) nicht umsonst erst in der Frühphase des Entwicklungsstadiums befindlich ist, denn ich finde jenen sensationellen Blogeintrag nichtmehr, der schon im Frühjahr, kurz vor oder nach dem NFL-Draft mit der steilen These aufhorchen ließ, dass die Chiefs 2011/12 zu den miserabelsten Teams gehören würden und Haley „zu 90+x%“ spätestens am Saisonende gefeuert werden würde. Der Eintrag war damals für mich der Anstoß zu einer statistischen Analyse, aufgrund derem ich selbst zum Schluss kam, die Chiefs seien Kandidat für den letzten Platz in der AFC West. Wenn ich jenen Eintrag noch finden sollte, werde ich ihn nachreichen.

Wir dürfen nun gespannt sein, ob Pioli sich seinen McDaniels anlacht oder doch eher auf Nummer „sicher“ geht. Es geistern schon die üblichen Verdächtigen durch den Raum, Stichwort Fisher und Cowher.


Nachtrag: So, einen habe ich gefunden. Nicht jenen vom NFL-Draft. Aber einen vom 1. September 2011, von Bill Barnwell/Grantland: Mega-Preview, The Pretenders:

Worst-case scenario: Cassel’s never healthy, and his interception rate spikes back up after last year’s ridiculous 1.6 percent rate. The team starts 0-5 before its bye and then quits on Haley, who gets canned by the end of the year.


[22h14] Und der nächste: Tony Sparano in Miami gefeuert. Das hatte man schon lange erwartet, da scheint die zwischenzeitliche Siegesserie „dazwischen gekommen“ zu sein.

MNF #14 Preview: Seattle Seahawks – St Louis Rams

Die Spielauswahl der NFL für die Primetime soll hier nicht das Thema sein. Heute Nacht, 02h30 (LIVE EPSN America) ein eher wertloses Duell aus der NFC West, Seattle Seahawks vs. St Louis Rams, das „Re-Match“ des letztjährigen „Playoff-Spiels“ zum Ausklang der Regular Season. Auf die Seahawks und ihre aufstrebende Defense hatte ich vor zehn Tagen geschaut. Nehmen wir diesen seltenen TV-Auftritt der Rams mal als Vorwand, einen Blick auf St Louis zu werfen, das mit „2-10“ die zweitschwächste Bilanz aller NFL-Teams hält.

Hauptverantwortlich dafür ist die inferiore Offense, die kein Bein in den Boden bekommt und mittlerweile ernsthafte Zweifel an OffCoord Josh McDaniels weckt. Verletzungen sind nicht unschuldig: Beide Tackles und fast alle nennenswerten Wide Receivers sind auf den IR. Die Line soll jedoch auch mit den Tackles Smith/Saffold labil genug gewesen sein, was das schwache Laufspiel um den bemitleidenswerten RB Steven Jackson hemmte und in katastrophalem Passspiel kulminierte. Passspiel, wo McDaniels doch als Koryphäe gilt.

Der junge QB Sam Bradford entwickelt ohne einen QB-Coach (!) im Trainerstab sich einfach nicht weiter und hat mit Verletzungen und Armut an brauchbaren Anspielstationen zu kämpfen, ist aber immer noch ein Upgrade gegenüber dem Wandervogel A.J. Feeley. Beide sollen heute Nacht jedoch ausfallen und der Third Stringer Tom Brandstater – der Name lässt Wurzeln irgendwo in den Alpen vermuten – ran.

Das Erstaunliche an der Rams-Offense: Sie produziert sehr wenige Interceptions (1 pro 25 Drives), gibt aber trotzdem oft den Ball her (1/8 Drive), was für Fumble-Pech spricht. Die Probleme gehen aber tiefer: St Louis startet meistens sehr weit in der eigenen Platzhälfte (am Sonntag gegen S.F. 20-20-13-20-20-18-23-20-18-21-12-20) und macht kaum Yards mit seiner lahmen Offense (23,4yds/Drive). Wenig überraschendes Ergebnis: Die Rams sind trotz nicht verheerender Turnover-Zahlen die ineffizienteste Mannschaft der NFL, scoren mit 0,94pts/Drive weniger als alle anderen Teams in der NFL.

Das liest sich alles ähnlich der Situation in Cleveland. Auch die Rams suchen neben einem verlässlichen Offensive Tackle händeringend einen großen #1-Wide Receiver zur Entlastung Bradfords (nur 54% Completion Rate!), nachdem sich die vielen Einkäufe der Offseason (plus WR Lloyd) nicht bezahlt gemacht haben.

Auf der anderen Seite gehört die Defense der Rams zu den grundsoliden, ist gebaut um einen guten, unspektakulären Pass Rush, hat aber Probleme, wenn der Gegner mit massiertem Laufspiel daherkommt (RB Lynch, hallo!). Eine sehr interessante Facette an der Rams-Defense ist das Abdecken der Wide Receiver:

  • vs. TE: #1 (27.0yds/Spiel)
  • vs. #1-WR: #12 (64.8yds/Spiel)
  • vs. #2-WR: #25 (50.6yds/Spiel)
  • vs. #3/4/5-WR: #23 (50.7yds/Spiel)
  • vs. RB: #25 (35.5yds/Spiel)

IMHO ein Zeichen für noch zu geringe Tiefe in der Pass-Deckung, v.a. bei den vielen unbekannten Cornerbacks. Ich bezweifle jedoch, ob Head Coach Steve Spagnuolo die Zeit bekommen wird, den Kader diesbezüglich zu verbreitern: Die Rams stagnieren seit Spagnuolos Amtsantritt nicht weniger als vor dessen Ankunft. Sprach anfangs der Stimmungsaufschwung noch für einen Verbleib, dürfte angesichts des trotz vieler Draftpicks mittelmäßig gebliebenen Kaders der Geduldsfaden langsam reißen. Eine Rasur Spagnuolos halte ich für wenigstens nicht unwahrscheinlicher als einen Verbleib.