MNF #14 Preview: Seattle Seahawks – St Louis Rams

Die Spielauswahl der NFL für die Primetime soll hier nicht das Thema sein. Heute Nacht, 02h30 (LIVE EPSN America) ein eher wertloses Duell aus der NFC West, Seattle Seahawks vs. St Louis Rams, das „Re-Match“ des letztjährigen „Playoff-Spiels“ zum Ausklang der Regular Season. Auf die Seahawks und ihre aufstrebende Defense hatte ich vor zehn Tagen geschaut. Nehmen wir diesen seltenen TV-Auftritt der Rams mal als Vorwand, einen Blick auf St Louis zu werfen, das mit „2-10“ die zweitschwächste Bilanz aller NFL-Teams hält.

Hauptverantwortlich dafür ist die inferiore Offense, die kein Bein in den Boden bekommt und mittlerweile ernsthafte Zweifel an OffCoord Josh McDaniels weckt. Verletzungen sind nicht unschuldig: Beide Tackles und fast alle nennenswerten Wide Receivers sind auf den IR. Die Line soll jedoch auch mit den Tackles Smith/Saffold labil genug gewesen sein, was das schwache Laufspiel um den bemitleidenswerten RB Steven Jackson hemmte und in katastrophalem Passspiel kulminierte. Passspiel, wo McDaniels doch als Koryphäe gilt.

Der junge QB Sam Bradford entwickelt ohne einen QB-Coach (!) im Trainerstab sich einfach nicht weiter und hat mit Verletzungen und Armut an brauchbaren Anspielstationen zu kämpfen, ist aber immer noch ein Upgrade gegenüber dem Wandervogel A.J. Feeley. Beide sollen heute Nacht jedoch ausfallen und der Third Stringer Tom Brandstater – der Name lässt Wurzeln irgendwo in den Alpen vermuten – ran.

Das Erstaunliche an der Rams-Offense: Sie produziert sehr wenige Interceptions (1 pro 25 Drives), gibt aber trotzdem oft den Ball her (1/8 Drive), was für Fumble-Pech spricht. Die Probleme gehen aber tiefer: St Louis startet meistens sehr weit in der eigenen Platzhälfte (am Sonntag gegen S.F. 20-20-13-20-20-18-23-20-18-21-12-20) und macht kaum Yards mit seiner lahmen Offense (23,4yds/Drive). Wenig überraschendes Ergebnis: Die Rams sind trotz nicht verheerender Turnover-Zahlen die ineffizienteste Mannschaft der NFL, scoren mit 0,94pts/Drive weniger als alle anderen Teams in der NFL.

Das liest sich alles ähnlich der Situation in Cleveland. Auch die Rams suchen neben einem verlässlichen Offensive Tackle händeringend einen großen #1-Wide Receiver zur Entlastung Bradfords (nur 54% Completion Rate!), nachdem sich die vielen Einkäufe der Offseason (plus WR Lloyd) nicht bezahlt gemacht haben.

Auf der anderen Seite gehört die Defense der Rams zu den grundsoliden, ist gebaut um einen guten, unspektakulären Pass Rush, hat aber Probleme, wenn der Gegner mit massiertem Laufspiel daherkommt (RB Lynch, hallo!). Eine sehr interessante Facette an der Rams-Defense ist das Abdecken der Wide Receiver:

  • vs. TE: #1 (27.0yds/Spiel)
  • vs. #1-WR: #12 (64.8yds/Spiel)
  • vs. #2-WR: #25 (50.6yds/Spiel)
  • vs. #3/4/5-WR: #23 (50.7yds/Spiel)
  • vs. RB: #25 (35.5yds/Spiel)

IMHO ein Zeichen für noch zu geringe Tiefe in der Pass-Deckung, v.a. bei den vielen unbekannten Cornerbacks. Ich bezweifle jedoch, ob Head Coach Steve Spagnuolo die Zeit bekommen wird, den Kader diesbezüglich zu verbreitern: Die Rams stagnieren seit Spagnuolos Amtsantritt nicht weniger als vor dessen Ankunft. Sprach anfangs der Stimmungsaufschwung noch für einen Verbleib, dürfte angesichts des trotz vieler Draftpicks mittelmäßig gebliebenen Kaders der Geduldsfaden langsam reißen. Eine Rasur Spagnuolos halte ich für wenigstens nicht unwahrscheinlicher als einen Verbleib.

4 Kommentare zu “MNF #14 Preview: Seattle Seahawks – St Louis Rams

  1. Danke. Ich sammle ja originelle Gründe, warum aus Bradford nicht Brady werden will. Verletzter RB, kein Laufspiel, Receiver droppen, Receiver werden getraded, Receiver kaputt, er kaputt, O-Line kaputt und jetzt neu: Kein QB Coach.

    Gibt es (QB Coach) übrigens auch nicht als solche ausgewiesen in Minnesota, Oakland, Baltimore, Kansas City, bzw. in New England übernehmen das Assistants, ohne es auf der Business Card stehen zu haben.

    Die Möglichkeit in Betracht ziehend, dass er einfach nicht so gut ist, wie man sich dachte/hoffte, dem haftet etwas blasphemisches an, wer das sagt, der kennt sich nicht aus, kennt die schwierige Situation in St. Louis nicht, welche dort ja noch schwieriger ist als…

    usw. usf. etc. pp.

    Wäre Bradford bei den Jets, wäre er wie Sanchez.
    Wäre er bei den 49ers, wäre er wie Smith.
    Wäre er bei den Saints, wäre er dort weg getraded worden.
    Wäre er bei Carolina, dann würde er so aussehen wie bei St. Louis.

  2. Vergessen wir mal, dass Sam Bradford keine feuchten Träume verursacht wie Cam der Große. Die von Ihnen in Absatz 1) so wunderbar herausgearbeiteten Gründe reichen ohne die scheinbar „originelle“ Ausflucht, um die schlechte Leistung eines jungen Quarterbacks zumindest mit einem Sternchen zu versehen. Zu viele Talente sind allein im letzten Jahrzehnt aufgrund solcher – wir können uns auch bloß auf Offense Line oder Inkonsistenz beim Trainerstab konzentrieren – Probleme gescheitert. Bei Sam Bradford kumulieren die einzelnen Wehwehchen zu einem Stillstand, der die Philosophie einer ganzen Franchise in Frage stellt. Ich würde mich jedoch hüten, nach eineinhalb Jahren und nur mit einem einzigen ernsthaft gesehenen Spiel (das NFCW-„Finale“ 2010/11) dem Quarterback Sam Bradford das Schildchen mit dem „Flop“ umzuhängen.

  3. Sind wir per Sie?

    Ich sah ein paar mehr Spiele als das Trauerspiel 2010. Es war ein ganzer Zyklus des Versagens und ich traue mich einiges des produzierten Unfugs an Bradford festzumachen. Er ist nicht der kommenden Wunderwuzzi, sondern Mittelmaß in der Mülltonne der NFL.

  4. Hm. Ich kann hauptsächlich beurteilen, dass ich Bradford am College trotz seiner gewaltigen Stats „blasser“ fand als er bei ESPN und FOX gesehen wurde. Locker eine Stufe über einem Landry Jones heute, aber ich war seinerzeit überrascht, dass Bradford an #1 ging. Soll nichts heißen, da schon ganz andere QBs plötzlich in der NFL aufgegeigt haben.

    Ich sehe bei Bradford in St Louis bloß die typischen Probleme, die schon anderen QBs die Karriere kaputt gemacht haben, nur eben in einer bis dato ungesehenen Massierung: Da kommt einfach alles zugleich zusammen, von der Trainersituation über die schwache Offensive Line hin zum zusammengebrochenen Laufspiel und den unterklassigen Receivern.

    Du bist allerdings nicht allein. Bradfords Rookie-Saison wurde vor Monaten an mehreren Stellen runtergebrochen, mit teilweise verheerenden Schlussfolgerungen. Die aktuelle Saison 2011/12 war da noch weit entfernt.

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