SNF-Preview, #15: San Diego Chargers – Baltimore Ravens

In Kürze beginnt das Sunday Night Game zwischen den San Diego Chargers und den Baltimore Ravens (02h20 LIVE bei ESPNA). Obwohl die Diskrepanz in den Saisonbilanzen (SD 6-7, BAL 10-3) anständig ist, begegnen sich die beiden Teams fast auf Augenhöhe. SD-Offense gegen BAL-Defense:

  • San Diego gehört zu den wuchtigsten Angriffs-Mannschaften in der NFL und ist mit 36,3yds/Drive und 2,23pts/Drive jeweils die #4, scort häufig Touchdowns trotz nicht immer optimaler Starting Field Position (nur #17) und gehört zu dem exklusiven Club jener Mannschaften, die sich einen Punter fast sparen könnten (nur 31% der Drives enden in Punts, #3 der NFL). Knackpunkt, und das dürfte mittlerweile keinen mehr überraschen: Die Turnovers. San Diego verschenkt in fast jedem fünften Drive den Ball und es sind nicht nur die heuer viel diskutierten INTs von QB Rivers, sondern auch außerordentliches Pech: Man verliert viel zu viele Fumbles.
  • Baltimore dagegen dominiert sämtliche Defensivkategorien, würgt die Drives im Schnitt bereits nach 22,3yds Raumgewinn für den Gegner ab, lässt bloß 1,17pts/Drive zu und zwingt dem Zuschauer ein Punt-Festival auf (49% der Drives enden in Punts!). Die Pass-Defense ist auch dank eines starken Pass Rushs die dominanteste ligaweit, während das Laufspiel mindestens zu den Top-5 gezählt werden muss.

Die Ravens haben im Angriff heuer einen großen Trumpf: RB Ray Rice, der IMHO zu Unrecht in keiner MVP-Diskussion auftaucht. Rice ist ein legitimes double threat und dürfte für die auf allen Vieren daherkriechende Chargers-Defense ein enormes Problem präsentieren. Vermutlich wird DefCoord Manusky gezwungen sein, einen Safety wie Weddle auf den vielseitigen Rice abzustellen – was im Umkehrschluss tödlich sein könnte, wenn der pfeilschnelle WR Torrey Smith die Lücken in der dann entblößten Secondary nutzen kann.

Vielleicht vergisst man Rice, weil der rundum komplette DE/OLB Terrell Suggs die Saison seines Lebens spielt und durchaus einen Zweikampf mit Revis um den Titel des Defensivspielers des Jahres nicht scheuen muss. Die Grabenkämpfe werden entscheidend sein: Kommen Suggs und Konsorten schnell genug zu Rivers durch, bleibt den Chargers mit ihren tiefen Routen und lang in ihrer Entwicklung dauernden Spielzüge nicht genügend Zeit um die besten Optionen nutzen zu können, was in der Vergangenheit häufig genug zu Sacks und Turnovers führte (Ed Reed, ich dachte an Sie!).

NFL Week 15 Previews: Pats/Broncos; Jets/Eagles

NFL-Programm von heute Abend:

19.00 Uhr
New York Giants – Washington Redskins (SPORT1+)
Seattle Seahawks – Chicago Bears (ESPN America)

22.15 Uhr
Denver Broncos – New England Patriots (SPORT1+ und ESPN America)

23.15 Uhr
Denver Broncos – New England Patriots (PULS4 „as-live“)

2.20 Uhr
San Diego Chargers – Baltimore Ravens (SPORT1+ und ESPN America)
morgen als Tape: 17.25h SPORT1+, 18.30h ESPNA

Weitere Aufzeichnungen von morgen

14.30 Uhr
St. Louis Rams – Cincinnati Bengals

16.30 Uhr
Oakland Raiders – Detroit Lions


New England Patriots (10-3) @ Denver Broncos (8-5)

Tebow schon wieder mit Comeback Win. Bill Belichick gegen Tebow. Tebow gewinnt sechs in Folge. Brady gegen Tebow. McDaniels hatte recht mit Tebow. New Englands Secondary gegen Tebow. Tebow-Skeptiker gegen Tebow. John Elway gegen Tebow. Ohne Barber wär Tebow gar nicht Tebow. Und ohne Ponder auch nicht. TebowTebowTebow. Wenn das so weitergeht, wird “Tebow” auch noch im deutschsprachigen Raum Unwort des Jahres. Damit zum Spiel. Ohne Glaube-Liebe-Hoffnung-Abschnitt von, über und mit Tebow. Nur Taktik und Matchups.

Interessant wird der Gameplan der Broncos gegen diese Patriots-D. Anbieten würde sich ein paßlastiger Angriff mit dem man die “Secondary” der Patriots aggressiv angreift. Dummerweise hat Denver nicht den paßstärksten QB der Welt und verläßt sich in der Regel auf das Laufspiel. Und ausgerechnet das macht New England noch am besten. Die Verteidigungsreihen von Belichick zeichnen sich seit Jahren durch eine in Sachen gap discipline sehr disziplinierte Front-7 aus. Da sollte es nicht allzu viel Platz für Tebows Scrambles geben. Ähnlich übrigens wie Chicago letzte Woche, die unter Lovie Smith ebenso diszipliniert spielen und Tebow bei 49 Yards aus 12 Läufen gehalten haben. Darüber hinaus haben die Patriots mit NT/DT/DE Vince Wilfork, DE Andre Carter und ILB Jerod Mayo drei der ligaweit besten Verteidiger gegen den Lauf in ihren Reihen.

Mehr Erfolg sollten Tebow, WR Eric Decker und WR Demariyus Thomas gegen eine Paßverteidigung haben, in der Julian Edelman auch schon mal Starter ist (als Nickelback) und ST/WR Matt Slater seit zwei Wochen beinahe jeden Snap als Safety spielt. Der andere Saftey James Ihedigbo spielt schon seit Wochen verletzt (Schulter) und wird auch allsonntäglich zweimal auf dem Spielfeld behandelt. Pat Chung wird wohl wieder nicht spielen. CB Devon McCourty spielt immer noch in einem Zustand, der wohl eine Mischung aus nur-halbfit/sophmore-slump ist. Gerade Möglichkeiten für tiefe Bälle gibt es gegen diese Secondary immer wieder, weil Kommunikation und Abstimmung zu oft nicht stimmen.

Was New Englands Defense dagegen sehr gut macht, ist: in der Redzone verteidigen und Ballverluste provozieren. Nur Green Bay hat mehr als New Englands 20 Interceptions gesammelt und obwohl sie die meisten Yards aller NFL-Teams zu lassen, sind sie im Punkte-kassieren auf Platz 13.

Andersrum ist das entscheidende Matchup Von Miller/Elis Dumveril gegen Matt Light und Nate Solder. Sebastian Vollmer wird wahrscheinlich mit seiner Rückenverletzung eine weitere Woche aussetzen. Das ist ein sehr schlechtes Zeichen; er wurde als College Junior schonmal am Rücken operiert und in dieser Saison war er seit der Preseason nie richtig fit. Da hilft es natürlich, daß man Matt Light noch im Kader hat. Und Vollmers Verletzung wird Light wohl auch helfen, nächstes Jahr noch im Kader zu stehen, denn mit seinen Leistungen bei dem Gehalt würde er gegen ein fittes Duo Solder/Vollmer (mit Backup Marcus Cannon) wohl den kürzeren ziehen.

Wie auch immer: gegen den Defensive Rookie of the Year Von Miller und Elvis Dumervil werden beide einen sehr schweren Stand haben. Dumervil spielt zwar nicht mehr ganz so stark wie noch vor seiner Brustmuskelverletzung, die ihn das ganze Jahr 2010 auf IR zwang, aber einer der besseren DEs der Liga ist er allemal. Wahrscheinlich werden die Tackles viel Hilfe bekommen. TE Gronkowski wird wohl öfter mal “chippen” bevor er seine Route läuft; Solder wird wahrscheinlich wieder einige Male TE spielen, während Cannon auf RT geht und Kevin Faulk und sein Nachfolge Stevan Ridley werden im Backfield versuchen, aufzuhalten, was durchkommt. Wenn die Broncos es schaffen, mit 4 Mann Druck auf Brady auszuüben, haben sie gute Chancen, der Offense die Luft zu nehmenn. Bei allen tollen Statistiken und den vielen Punkten, darf man nicht vergessen, daß Brady in einigen Spielen in dieser Saison erschreckend schlecht ausgesehen hat. Vor allem in den Wochen 6-10 gegen Dallas, Pittsburgh, NY Giants und in der ersten Hälfte gegen die Jets. Auch letzte Woche gegen Washington hat er in der ersten Halbzeit wieder Accuracy- und vor allem Timing-Probleme gehabt.

Was Brady immer wieder hilft, auch wenn er mal schlecht spielt, sind die Yards, die Welker, Hernandez und Gronkowski immer wieder nach dem Catch machen. Mit Gronkowski hat er auch die gefährlichste Redzone-Waffe der Liga; schon drei Spiele vor Toreschluß hat er den Rekord für die meisten TD eines TE in einer Saison gebrochen. Wenn er so weiter macht, wird er der dritte Spieler mit mindestens 20 TDs in einer Saison. Die anderen beiden: Jerry Rice 1987 und Randy Moss 2007. Gute Gesellschaft.

New England kämpft mit Baltimore, Pittsburgh und Houston um den Heimvorteil in den Playoffs. Die Patriots haben zwei Spiele Vorprung vor den Jets plus den Tiebreaker. Denver ist in der AFC West ein Spiel vor den Oakland Raiders und hat mit dem 8-5 Record auch noch Chancen auf die Wild Card, sollte es mit dem Divisionstitel nichts werden. Mit 8-5 um die Wildcard kämpfen auch die Jets. Außerdem im Rennen sind noch Raiders, Bengals, Titans (alle 7-6) und die wie jedes Jahr um ein Wunder kämpfenden Chargers (6-7) Auch der dieswöchige Gegner New Yorks, die Philadelphia Eagles, haben trotz nur 5 mickriger Siege noch Chancen auf die Playoffs.

New York Jets (8-5) @ Philadelphia Eagles (5-8)

Die Jets haben in den letzten drei Wochen gegen drei ziemlich schlechte Teams drei unbeeindruckende Siege eingefahren: v BUF 28-24; @Was 34-19 und v KC 37-10. Die Siege gegen Buffalo und Washington waren viel, viel knapper als es das Ergebnis verrät. Mark Sanchez´ mittelmäßige Leistungen wurden überdeckt von seinen TD-Zahlen und der bissigen Defense (und im Spiel gegen Buffalo vom einstelligen IQ Stevie Johnsons).

Am Sonntag gegen die Eagles wirds für die Sanchize besonders schwierig, weil er öfter mal DEs Trent Cole und Jason Babin im Gesichtsgitter haben wird. Wer auch immer der beiden gegen RT Wayne Hunter spielt, hat gute Chancen NFC Defensive Player of the Week zu werden. Seine beiden besten Wide Receivers, Santonio Holmes und Plaxico Burress werden gegen CBs Asamugha und Samuel spielen, während man für die große Mitte, die Schwachstelle der Eagles-D, keinen zuverlässigen Playmaker hat. TE Keller und Rookie Slot-WR Kerley sind bestenfalls Durchschnitt. Die Jets-O ist genau der richtige Gegner für diese komische Verteidigung der Eagles.

Was den Jets helfen könnte, ist das Laufspiel um Shonn Green. In den letzten drei Wochen hat er mit 59 Läufen 295 Yards gemacht – wie gesagt, gegen schlechte Gegner, aber das sind die Eagles in Sachen Run-D auch.

Philadelphia könnte am meisten helfen, daß sich der QB der Jets-D, Safety Jimmy Leonhard, verletzt hat und den Rest der Saison ausfällt. Leonhard hat alle Calls gemacht, für die richtige Abstimmung und Kommunikation untereinander gesorgt. Er wird schmerzlich fehlen.

Trotzdem kann diese Verteidigung immer noch jeden stoppen: 5,7 Net Yards/Paßversuch (fünftbester Wert der NFL) und nur 3,9 Yards/Rush (6.) sprechen eine deutlich Sprachen. Zu allem Überfluß ist so eine komplexe und kreative Defense wie die von Rex Ryan und Mike Pettine das letzte, womit Michael Vick umgehen kann.

Es wird wohl auf ein Low-Scoring-Game hinauslaufen, daß durch Special Teams und Big Plays entschieden wird.

Von Bronco zu Bronco

Es ist nicht immer ganz einfach, Sportfan zu sein. Sicher, man kann sich mit jedem darüber unterhalten, wie Juve, Milan und Bayern am Wochenende gespielt haben, dass Lindsey Vonn bald wieder Tebow Kildow sein wird oder Vettel die fünfundachzigste Pole Position hintereinander herausgefahren hat. Kritischer wird die Sache für den, dessen Hemmschwelle, sich um 2h15 mittwochnachts Temple gegen Gonzaga im College Basketball reinzuziehen, gen Nullpunkt tendiert.

Sportübertragungen sind wunderbar. In Zeiten, in denen deutsches und italienisches TV sich immer ähnlicher werden, in denen selbst Politdiskussionen im Schweizer „Club“ zu polemischem Geschwätz verkommen und Klassiker wie Blue Velvet selten werden, bleiben Temple und Gonzaga und der Anker „Sport“.

Zugegeben, in mindestens drei Vierteln der Fälle bleibt auch Livesport in einem gewissen Rahmen des Erwarteten und Erwartbaren. American Football ist so ein Beispiel, das sich größtenteils auf das Warten auf den einen Moment reduzieren lässt. Taktische Aufstellungen, Trainerentscheidungen, kurze und lange Drives – alles ehrenwerte Momente, interessiert verfolgbar und Stoff für endlose Analyseansätze. Aber richtig „geil“ wird auch Football erst dann, wenn die Partie vom Skript abweicht.

Wie die Fiesta Bowl 2007, der irrste Event seit Erfindung der Leberwurst. Ich würde Football heute wohl nur beiläufig verfolgen ohne jenes Spiel, als die kleinen Boise State Broncos die Hosen runterließen und in der Crunch Time Trumpfass auf Herzkönig zückten und das Äquivalent zum Championsleague-Sieg von Unirea Urcizeni über Barcelona schafften und damit die Messlatte legten für alles, was Sport im Allgemeinen und Football im Besonderen so einzigartig unterhaltsam macht. Und Football ist ein Spiel geblieben, das von Zeit zu Zeit die Sehnsucht nach dem Zauber dieses „einen“ Moments befriedigt.

Tyree. Johnson. Fitzgerald. Griffin. Belichick. Bettis. Baldwin. Miles. Jackson. Und seit Sonntag Prater. Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind.

Bei aller Hoffnungslosigkeit, dass sich ein Siegeslauf mit einem derart apathischen Passspiel auf Dauer halten wird können, so ist das doch faszinierend, wie die Denver Broncos Tag ein, Tag aus plötzlich in den letzten 4:30min diesen imaginären Schalter umlegen und ein Feuerwerk von Comeback starten. Mal ist es ein Onside Kick, mal ein All Out-Blitz, mal eine völlig unmotivierte Prevent Defense, aber Tebow und Konsorten lavieren sich durch.

Denver 2011/12 ist „unlogisch“, aber aufregend und es ist schwer, sich der Magie dieser Wiederauferstehungswunder zu entziehen. Diese Latte an glücklichen Fügungen über sieben, acht Wochen – bislang ungesehen. Wann wird der Bogen überspannt sein?

Heute Abend treffen die Wunder-Broncos auf die meilenweit beste Offense, seit die Serie im Oktober in Miami begonnen hat: Die New England Patriots. Déja-vu? Es wird sich zeigen, ob die Defense gegen die variantenreiche Kurzpass-Offense Bradys erneut das Feld für einen Lazarus bestellen kann. Die Logik sagt – mal wieder – „Nope!“.

Trotzdem ist es höchste Zeit, sich der Grundsätze von Sideline Reporter zu besinnen und die Underdogs und Unkonventionellen zu ehren. Denver Broncos 2011/12, das ist unabhängig vom Ausgang die Story der Saison und stellt sogar die Rekordjagden der Packers und Colts in den Schatten. Gucken, staunen, genießen und danke sagen.