NFL-Schau 2011/12, Woche 15

Die Bilder werden klarer.

W = Siege, L = Niederlagen, PF = erzielte Punkte, PA = kassierte Punkte, % = relative Siegerwartung, E16 = Siegerwartung nach 16 Spielen, E14 = Siegerwartung nach Woche 15, +/- = Soll/Ist Vergleich nach Woche 15

W = Siege, L = Niederlagen, PF = erzielte Punkte, PA = kassierte Punkte, % = relative Siegerwartung, E16 = Siegerwartung nach 16 Spielen, E14 = Siegerwartung nach Woche 15, +/- = Soll/Ist Vergleich nach Woche 15

Kansas City groovt sich zu einem absoluten dark horse, ist nach dem Sensationssieg über Green Bay potenziell zu einem Faktor im Playoffrennen geworden – aktiv (noch mit Chancen) oder passiv (kann Oakland und Denver noch runterschießen, s.u.): Die 6-8 Bilanz ist unglaubliche 2,73 Siege über der Erwartung, ein so großer Spread wie Indianapolis 2009 nicht mehr. Ansonsten gilt weiterhin: Die AFC West hat anarchische Tendenzen, bis auf die Chargers liegen alle weit über ihrer Erwartung.

Ein Team, das langsam zum Canossa-Gang bittet: Seattle. Die so verpönten Seahawks liegen mittlerweile über .500 und haben eine durchaus realistische Chance, das letzte Playoffticket der NFC zu ergattern. Sind die ’Hawks nur mehr einen ernsthaften Quarterback von der Relevanz entfernt?

Bei den Chicago Bears kann man über eine Huldigung für den ungeliebten Franchise-QB Jay Cutler nachdenken. Seit Cutler weg ist, sind die Bears zahnlos und in sämtlichen Rankings durchgereicht worden. Cutler, nicht Forté oder Hester, ist der MVP-Kandidat aus Windy City.


Damit zu den Playoff-Bildern, die heuer wirklich interessant sind, und ich gelobe, diesmal kein Detail zu übersehen.

AFC

Fix durch sind die Houston Texans (10-4), die aufgrund ihrer Schlappe gegen Carolina sich jedoch schwer tun werden, noch das Freilos für die erste Playoffrunde zu ergattern. New England (11-3) hat zwei Matchbälle für eben jenes Ticket und hat es mittlerweile sogar in der eigenen Hand, erneut den #1-Seed zu holen. Baltimore ist mit 10-4 aussichtsreichster Anwärter auf den #2-Seed, während die Steelers (10-4) aktuell nur den #5-Seed halten, bei entsprechenden Ergebnissen aber noch nach vorne an die #1 rutschen können.

Der #4-Seed wird mit hoher Wahrscheinlichkeit an die AFC West gehen – und das Rennen hat nach dem vergangenen Wochenende wieder mächtig an Thrill gewonnen. Denvers Geerdete (8-6) führen die Division noch an, aber sowohl Oakland als auch San Diego (beide 7-7) sitzen im Nacken und auch die Chiefs (6-8) sind plötzlich wieder in der Lostrommel. Weil noch drei divisionsinterne Duell anstehen (KC-OAK/DEN-KC/OAK-SD) und der Spielplan entsprechend gestaltet ist, ist sogar das Szenario mit vier 8-8 Teams noch möglich. Beste Karten haben die Broncos, die als einzige ihr Schicksal in eigenen Händen halten und zwei „machbare“ Gegner bekommen (@BUF, KC).

Hammer-Szenario wäre natürlich am letzten Spieltag Denver vs. Kansas City aus Mile High, wenn es vielleicht im direkten Duell um bizarrste Konstellationen für den Gruppensieg geht. Tebow gegen Orton. Orton gegen die Fans.

Das Wildcard-Rennen um den Seed #6 wird noch eng. Die New York Jets (8-6) halten derzeit eine enge Führung über die Bengals (8-6).  Beide haben noch einen hinterhältigen verbleibenden Schedule mit NYG/@MIA (Jets) und ARI/BAL (Bengals). Aufgrund des einfacheren AFC-Gegners für die Jets dürfte Gang Green einen leichten Vorteil genießen.

Noch dazwischenfunken könnten die Tennessee Titans (7-7), selbst nach dem Knieschuss gegen Indianapolis. Es gibt auch noch gewagtere Szenarien, in denen ein Team aus der AFC West den sechsten Seed einfahren könnte. Nur über den – unwahrscheinlichen – Divisonssieg wird Kansas City durchrutschen.

NFC

Die Perfect Season der Packers ist zerschossen, doch mit 13-1 sind die Packers nur einen Erfolg vom #1-Seed entfernt, den ansonsten nur mehr San Francisco (11-3) holen kann. New Orleans (11-3) ist ebenso durch, hat noch Chancen auf das Freilos, kann aber auch noch den Divisionssieg verlieren.

Auch hier ist Seed #4 noch in der Luft respektive in der NFC East, und wir werden ein deutlich klareres Bild nach diesem Wochenende haben: Die Ergebnisse vom Woche 15 waren haargenau maßgeschneidert, dass die Eagles noch zucken. In der eigenen Hand hat es Philadelphia nicht mehr, aber wenn sie Dallas am Samstag schlagen und die Giants das Big Apple-Derby verlieren, herrscht Anarchie (in dem Fall würde ein eigener Sieg über WAS und ein NYG-Heimsieg über DAL zum Weiterkommen reichen). Das ist eines von vielen, vielen Szenarien. Bitte am Wochenende mit dem Sieb anrücken.

Die Wildcards sind gehen im Moment an Atlanta (9-5, noch @NO/TB) und Detroit (9-5, SD/@GB), wobei man davon ausgehen kann, dass die Falcons sich den einen notwendigen Sieg holen werden. Detroit hat sehr gute Karten, selbst mit zwei Niederlagen durchzurutschen: Man gewänne Tie-Breaker gegen Dallas und wohl Chicago und NY Giants. Den direkten Tie-Breaker gegen Arizona würde man wohl gewinnen, jenen gegen Seattle allerdings verlieren (NFC-Bilanz). Chicago zuckt nur noch, wenn es das Sunday Night Game in Green Bay gewinnen sollte. „Dreiköpfige“ Szenarien liefen auf kompliziertere Tie-Breaker hinaus.

Bowl Season 2011/12: Frohnapfel ist nicht fit

Zweiter Spieltag der Bowl Season 2011/12. Nach der spektakulären New Orleans Bowl vom Wochenende heute derdiedas Bowl mit dem genialen Namen „Beef’O’Brady’s Bowl“. „Beef’O’Brady“ ist nicht etwa – wie ich aussm Petto vermutet hätte – sowas wie Roastbeef, sondern eine landesweite Sportbar-Kette (vielleicht wird dort Rindviech ausgegeben). Das Spiel findet im Tropicana Field statt, dem verhassten Baseball-Dome der Tampa Bay Rays.

Beef’O’Bradys St. Petersburg Bowl
FIU Golden Panthers – Marshall Thundering Herd

Di/Mi 20./21.12. 02h00 LIVE bei ESPN America
Tape: Do, 21.12. um 19h30 ESPN America

Die Golden Panthers von der Florida International University aus der Sunbelt Conference sind noch immer ein junges Footballprogramm, sind aber unter dem intelligenten Head Coach Mario Cristobal auf dem Weg nach oben, wähnten sich heuer sogar eine zeitlang in aussichtsreicher Position auf eine „Perfect Season“, ehe sie dann doch einen auf Green Bay machten und streckenweise die an sich solide Lauf-Defense kollabierte. Was FIU faszinierend macht: Der explosive WR T.Y. Hilton, der alles ein bissl macht – fangen, laufen, returnen – und möglicherweise auch in der NFL seinen Platz finden wird. Zweite Schlüsselfigur ist der QB Wes Carroll, dem heuer ein sichereres Abzugshändchen nachgesagt wird (nur mehr 4 INTs im Vergleich zu 16 letztes Jahr).

Möglicher Unruheherd in diesen Tagen: Cristobal gilt als heißer Anwärter auf den Cheftrainersessel bei den vogelwilden Pittsburgh Panthers, soll bereits ein Vorstellungsgespräch absolviert haben und intern mit einem Wechsel liebäugeln. Offiziell wird noch dementiert.

Beim Gegner ist die Stimmung etwas wechselhaft: Marshall aus der C-USA hatte seine Glanzzeit Ende der 90er mit QB Pennington und Randy Moss, ist in jüngerer Vergangenheit froh, seine sechs Saisonsiege zusammenzukratzen um Bowls spielen zu dürfen. Heuer hatte man Probleme mit vielen Verletzungen, u.a. der QB, RB und der Backup-QB mit dem genialen und deutsche Wurzeln vermuten lassenden Namen Blake Frohnapfel gingen flöten (Frohnapfel könnte heute fit genug sein). Depth Chart im Thundering Herd bei den QBs heute: Freshman Rakeem Cato. Und Rakeem Cato.

Marshall verlässt sich generell recht stark auf eine lauflastige Offense, die eine unsichere eigene Defense übertüncht und mit langen Possessions die Spiele bis in die Crunch Time eng halten soll. Ohne Absicherung hinter Cato dürfte das Laufspiel heute Nacht in extremis betrieben werden.

Beide Teams putzten heuer mit couragierten Leistungen in engen Spielen die Louisville Cardinals aus der Big East Conference. Ich wage allerdings nicht allzu viel herauszulesen: FIU wurde im Vergleich zu Marshall von Louisville deutlich an die Wand gespielt, gewann nur dank eines INT-Returns, während Marshall einen späten Drive zum Sieg-TD verwertete.

Gefühlt würde ich den Golden Panthers zutrauen, die bessere Mannschaft zu stellen: Balanciertere Offense, leicht bessere Defense und den X-Faktor Hilton als Ass im Ärmel der Special Teams. Mein Ranking-System favorisiert FIU mit 3,4 Punkten. Könnte auf so was wie 27-20 für FIU hinauslaufen.