Bowl Season 2011/12: Im Zeichen des Weihnachtssterns

Die Poinsettia Bowl ist das Paradebeispiel für den Versuch, den Tourismus anzukurbeln. San Diego hielt und hält traditionell die Holiday Bowl vor Silvester ab, seit einigen Jahren wurde für das Gastgewerbe in der letzten Adventswoche noch eine zusätzliche Bowl im Zeichen des Weihnachtssterns („Poinsettia“) eingeführt. Eine nicht unknackige Bowl, da die Ansetzung vertraglich zwei Topteams aus WAC und MWC garantiert. Das geräumige Qualcomm Stadium ist trotzdem meistens halbleer (Bowl-Schnitt in etwa 32.000 Zuschauer).

San Diego County Credit Union Poinsettia Bowl

#18 TCU Horned Frogs – Louisiana Tech Bulldogs

Mi/Do 21./22.12. 02h00 LIVE bei ESPN America
Tape: Do, 22.12. um 15h30 ESPN America

Die TCU Horned Frogs dürften nach einem großartigen Saisonfinish die Eier geschwollen haben, nachdem sie von der BCS mit der bizarren Formel 15 (Harris Poll) + 15 (Coaches Poll) + 17 (Computer) macht 18 (!) aus den BCS-Bowls gekickt wurden. Im letzten Spiel vor dem Wechsel der Horned Frogs in die Big 12 Conference soll nun noch einmal ein Feuerwerk zum Verabschiedung des „Mid-Majortums“ gezündet werden.

Und aufgepasst: „TCU“, das Synonym für „Defense“ über die letzten Jahre, war in diesem Jahr eine Offensivmacht, was ein Novum unter der Ägide von Coach Gary Patterson sein dürfte. Auf Dalton folgte QB Casey Pachall, ein mutiger, wenn auch grüner, Werfer, und Pachall begeisterte mit zahlreichen tiefen Bomben und gibt den Horned Frogs bereits jetzt genügend Buzz, um 2012 in der BCS-Conference zu bestehen.

Die größte Stärke im Angriff der Horned Frogs soll die Offensive Line sein, hinter der zahlreiche Running Backs tolle yds/Carry produzieren und den Raum frei machen für Pachall und seine Wide Receivers. TCU erläuft 210,2yds/Spiel und legt da nochmal 233,8yds Passspiel drauf! Da Louisiana Techs Defense als „soft“ gilt, sollte TCU massig Yards sammeln können, aber aufgrund der opportunistischen Spielweise der Bulldogs (20 INTs über die Saison, 11 in den letzten fünf Spielen) auf Turnovers Acht geben.

TCU hat seinerseits heuer eine Defense, die leicht unter den Erwartungen blieb und sich von Boise, Baylor und SMU 30-50 Punkte einschenken ließ. Wo jedoch ein Patterson coacht, war bislang stets Garantie für qualitativ gute Defenses: TCU hat immer noch den großen Leadertypen LB Tank Carder im Lineup.

Louisiana Tech, der Sieger der WAC, hat mit Verletzungen zu kämpfen und wird nur einen eindimensionalen Angriff entgegenstellen. Die Saison gilt ohnehin als Meisterwerk von Head Coach Sonny Dykes, der aktuell so ziemlich bei jedem frei gewordenen BCS-Trainerposten in die Gerüchteküche geschmissen wird. Es gilt allerdings als ausgeschlossen, dass die Bulldogs in dieser Partie eine Upset-Chance kriegen werden.

Mein Ranking favorisiert TCU mit zehn Punkten – ein Spread, der sich zu klein anfühlt.

NFL Notizblock Woche 15, Ravens/Chargers, Steelers/49ers

Baltimore Ravens (10-3) @ San Diego Chargers (6-7)

– in der Kategorie „lustigste Spielervorstellung“ beim SNF hat Terrell Suggs jetzt „Ike Taylor, Swaggin´“ abgelöst mit seiner Selbstvorstellung als „Sizzle, Balls so Hard University“

– Ravens verschießen FG im ersten Drive; Chargers marschieren im Gegenzug locker mit ihrem Paßspiel übers Feld; Q1/4:47 TD

– LT Jared Gaither ist der beste „waiver wire pickup“ dieser Saison; ich weiß nicht, was dieser Typ als Mensch so für Probleme macht, nach seinen Leistungen 2008 und 2009 bei Baltimore konnte ich mir jedenfalls nicht erklären, warum man ihn hochkant rauswirft, mit seiner Leistung kann es nichts zu tun haben; mit seinen Verletzungen vielleicht, aber wahrscheinlich waren es charakterliche Probleme; die Chargers, die ihn von der Straße geholt haben, nachdem Mr. Haley ihn nach einem Snap (!) bei den Chiefs gefeuert hat, freuen sich jedenfalls über einen starken Left Tackle, den sie dringend gebrauchen können; 7-0 SD; vor allem Suggs haben die Chargers schön aus dem Spiel genommen, mit einigen Chips von TE/WR, aber auch mit starker Leistung von Gaither

– Q2/13:27: großartiger Catch von TE Ed Dickson zum TD on 3rd Down zum 7-7; Ravens overpowern San Diego mit ihrem Laufspiel

– selten jemanden gesehen, der so locker gegen die Ravens das Feld hoch- unter runterläuft: 3 Drives in der ersten Hälfte, 3 scores: 17 Punkte; Halbzeitstand 17-7 SD; Drives über 74, 53 und 80 Yards

– Suggs wird tatsächlich völlig ausm Spiel gewonnen von TE Randy McMichael und Gaither

– Q3/10:38: wieder über 80 Yards, wieder ein perfekter Paß von Rivers und wieder gegen Rookie Jimmy Smith; 24-7; ich glaub ich hab noch nie eine Mannschaft gesehen die in vier aufeinanderfolgenden Serien gegen Baltimore punktet

– Q3/6:23: ganz schlechter Paß von Flacco, den Takeo Spikes locker abfängt; 1st Down SD on BAL40

– Q3/4:05: fünfter Drives, vierter TD; der Gameplan von San Diego ist ziemplich simpel: TE McMichael hilft den OT gegen Suggs; Rivers attackiert dann immer Rookie Jimmy Smith

– Q3/2:50: Flacco auch im nächsten Drive mit ganz schlechtem Paß, der intercepted wird; 1st down SD on BAL 27; nur dieses Mal können die Chargers daraus kein Kapital schlagen; Novak mit Kick an den Pfosten

– die Chargers verteidigen das sehr gut, aber die Ravens kriegen einfach kein Paßspiel auf die Kette und mit dem großen Rückstand spielt auch das Laufspiel keine Rolle mehr; Baltimore nur mit Dumpoffs zu den RBs; ich kann aus den Fernsehbildern nicht erkennen, ob tief wirklich niemand frei ist, oder ob Flacco einfach zu zögerlich oder risikoavers oder einfach nur zu schlecht ist

– San Diego ist ein ganz seltsames Team: im Dezember und Januar haben Rivers/Turner erst zwei Spiele verloren – seit 2006; trotzdem haben sie jedes Jahr riesige Probleme in die Playoffs zu kommen, und schaffen manchmal nichtmal das

– Mitte des vierten Viertels vergeigt sogar Ray Lewis einen einfachen Tackle – game over; Baltimore hat heute in der Defense einfach keinen Playmaker; daß man Suggs aus dem Spiel nimmt – okay, mit zwei Mann gegen ihn kann das passieren; aber weder Reed noch Lewis noch Ngata haben irgendwelche Plays gemacht

– die 7 Drives der Chargers: TD, FG, TD, TD, TD, FG (miss), FG; das ist die Mannschaft, die vor der Saison alle erwartet haben, aber wo war sie so lange? Wenn die so weiter spielen, macht San Diego noch das Broncos-Märchen kaputt und könnten auch in den Playoffs noch was reißen. Baltimore war fürchterlich enttäuschend. Sollte es wirklich so einfach sein: man nimmt Terrell Suggs aus dem Spiel und die Defense fällt auseinander? Kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Dazu kommt, daß so ein Spiel in der Regel dazu führt, daß Ray Lewis der ganzen Mannschaft eine vorher unbekannte Energie einflößt. Oder einprügelt.

Pittsburgh Steelers (10-3) @ San Francisco 49ers (10-3)

– schon vor dem ersten Snap humpelt Roethlisberger (verletzter linker Knöchel); C Pouncey; WR Edwards und LB Willis fehlen verletzt, LB Harrison suspendiert

– Q1/10:37: INT Carlos Rogers in der Endzone, schlechter Paß von Big Ben, zurückgetragen zur SF 27

– Steelers werfen viele Blitzes gegen Alex Smith und seine O-Line, SF kontert das mit vielen kurzen, schnellen Pässen

– Q1/0:15: Roethlisberger in der zweiten Serie mit der zweiten INT; kein furchtbarer Paß, aber etwas zu hoch und durch die Hände von Heath Miller segelt der Ball in die Arme von S Dashan Goldsen; aber auch daraus können die Niners nicht mehr als ein FG machen; 6-0 SF (Q2/12:13)

– Pittsburgh hat einen für ihre Verhältnisse ungewöhnlichen Gameplan: viel mehr Läue als sonst; was sie aber nicht daran hindert bei jedem 3rd Down zu passen, auch wenn nur 10cm zum 1st Down fehlen; überraschenderweise funktioniert das Laufspiel gegen die beste Run-D der Liga nicht besonders gut

– aber schon im zweiten Viertel hört Pittsburgh auf zu laufen und lädt das Spiel auf Roethlisbergers Schultern, der mit seinem kaputten Knöchel gefühlte 10 Minuten braucht, um von der Bank aufs Feld zu kommen

– mit den vielen, schnellen Pässen, von denen einige erfolgreich sind, sieht Alex Smith aus wie ein richtiger QB, der sogar gegen die Steelers den Ball bewegen kann; das sieht in großen Teilen aus wie die Stanford-Offense der letzten drei Jahre – und wenn Smith da schon gut aussieht wird früher oder später die Debatte beginnen, ob Andrew Luck wirklich der No.1 pick werden sollte – aber das gehört hier nicht her

– in der ersten Hälfte war das ein ganz schönes Gewürge, zwei gute Verteidgungsreihen gegen mittelmäßige Offenses; SF mit zwei FGs nach Interceptions, dazu ein Punt; Pittsburgh mit zwei Interceptions, einem Punt und vertrotteltem 2-min-drive, der die Halbzeit beendet hat

– der Gamewinner scheinen mal wieder die Special Teams für San Francisco zu sein, die Steelers beginnen beinahe jeden Drive innerhalb der eigenen 20-Yard-Linie

– Q3/6:08: Pittsburgh nach fast 40 Minuten mit den ersten Punkten nach 51-Yard-FG; 6-3 SF

– Q3/3:44: San Francisco macht drei gute Plays (TE Davis, RB Hunter), steht plötzlich an der 1-Yd-Linie und macht den ersten TD des Spiels; 13-3

– Aldon und Justin Smith machen Pittsburghs Offense um den fußlahmen Big Ben fast alleine kalt; sehr gut gefällt auch der Backup von Patrick Willis, ein gewisser Larry Grant; und weil Pitts Special Teams viel schlechter sind als SFs verschießt Suisham auch den 48-Yard-Versuch zum Anschluß

– Q4/11:31: Justin Smith sackt Roethlisberger, schlägt den Ball frei und SF hat einen ersten Versuch an PIT18; Pittsburgh hat keine Chance gegen diese Defense mit dieser OLine und diesem angeschossenen Big Ben noch Punkte zu machen; nach ganz fragwürdiger Strafe gegen LB Timmons beim FG-Versuch bekommt SF auch noch einen ersten Versuch an PIT6; w/9:06 TD Gore, 20-3 – game over

– die Niners waren insgesamt nich viel besser, aber Pittsburgh war blöder: 2 Interceptions und 1 Fumble haben zu 13 Punkten geführt, dazu hat man noch ein FG verschossen