Super Bowl Countdown 2012, T-minus 5: Spielzug + Spiel oder meine beste Super-Bowl-Erinenrung

Nachdem Korsakoff gestern den Tyree-Catch aus Super Bowl XLII rekapituliert hat (der ja, wie alle Patriots-Fans wissen, illegal war und vorher schon hätte abgepfiffen werden müssen, weil Eli Manning in the grasp war und das für gewöhnlich als Sack gewertet wird), soll heute das beste Play der Super-Bowl-Geschichte gefeiert werden: James Harrisons 100-Yard-Interception Return zum Touchdown in Super Bowl XLIII zwischen den Pittsburgh Steelers und den Arizona Cardinals.

Pittsburghs startet das Spiel ziemlich souverän und punktete mit den ersten beiden Drives, so das es zu Beginn des zweiten Viertels 10-0. Nachdem Arizonas Angriff zu Beginn stotterte, führte Kurt Warner die Cards anschließend über 83 Yards zum Anschluß-TD. Mit noch 2:46 Minuten in der ersten Hälfte fing Karlos Dansby einen Paß von Ben Roethlisberger ab und als Arizona mit noch 18 Sekunden an der 1-Yard-Linie stand, lag der momentum swing Richtung Arizona ganz schwer in der Luft. Der momentum swing der dann folgte, war dann aber ein ganz anderer.

Beim 1st&Goal von Pittsburghs 1-Yard-Linie versucht Warner einen kurzen Slant-Paß auf seinen Slot-WR zur Linken. OLB James Harrison hat beim Snap sehr aggressiv an der Line of Scrimmage gestanden und Pass Rush angetäuscht. Wie es aber bei Dick LeBeaus Defenses so ist, war das nur eine schöne Verschleierung eines Zone-Blitzes. Harrison geht also in Zonenverteidigung, aber er steht nicht einfach so rum, sondernn erkennt sofort, was Warner vorhat. So macht er auch noch zwei Schritte in die richtige Richtung, fängt den Ball und dreht das Spielgeschehen in die andere Richtung.

Es war nicht nur das längste Play in der Super-Bowl-Geschichte, sondern eine der besten Leistungen, die überhaupt jemals auf einem Footballfeld gezeigt wurden. Fast genauso beeindruckend wie der unfaßbare Return von Harrison ist der Einsatz, den Arizonas WR Larry Fitzgerald zeigt. In der Wiederholung kann man gut sehen, daß er mindestens 150 Yards sprintet. Er muß zickzack laufen und wird zwischendurch auch noch an der Seitenlinie von einem Mitspieler geblockt, was ihn aber nicht daran hindert, nochmal Harrison einzuholen, nur um dann das größtmögliche Pech zu haben – statt auf dem Boden landet Harrisons Knie auf Fitzgeralds Bein. Touchdown. 0:00 auf der Uhr.

Natürlich war es sehr passend, daß Pittsburgh Defense das beeindruckendste Play gemacht hat. Leider ist es ein wenig untergegangen, denn nach der Larry-Fitzgerald-Show im dritten Viertel lag Pittsburgh plötzlich hinten und es brauchte eine grandiosen Paß von Ben Roethlisberger und einen noch grandioseren Catch von Santonio Holmes um das Spiel zu gewinnen. Das alles zusammen, der gute Pittsburgh-Start, das leichte Aufbäumen Arizona, der Harrison-TD, das ganz starke Aufbäumen von Warner/Fitzgerald und schließlich als Kulminationspunkt der Game-Winner von Big Ben/Holmes machen das gesamte Spiel zu einem der besten aller Zeiten.

Wenn man sich das Video anschaut, merkt man auch nochmal deutlich, warum Al Michaels einer der besten Play-by-Play-Kommentatoren ist. Man vergleiche dagegen Joe Buck beim Tyree-Catch. Außerdem hört man noch John Madden, der seine Karriere als Kommentator mit genau diesem Super Bowl beendete. Viel mehr als „Boom!“ und „Wow!“ hat er am Ende zwar nicht mehr beizutragen gehabt, aber irgendwie ist es doch immer wieder schön, nochmal seine Stimme zu hören.

Superbowl-Countdown 2012, T-minus 6: Spielzug > Spiel oder meine beste Superbowl-Erinnerung

Vor einem Jahr hatte ich im Rahmen des „Never miss a Super Bowl Clubs“ die Ausgabe XLII in meiner persönlichen Superbowl-Hitliste an #1 gerankt. Super Bowl XLII war mit Sicherheit nicht das spielerisch beste NFL-Endspiel, seit ich Football verfolge. Aber vom Erlebnis: Ja, sicherlich.

Um kurz auszuholen: Ein Jahr zuvor waren die Patriots nicht wirklich eine große Mannschaft gewesen, hatten sich zum Teil mit mehr Glück als Verstand durch die Playoffs gewürgt, nur um dann in einem phänomenalen – ich meine: PHÄNOMENALEN – AFC-Endspiel in Indianapolis mit wehenden Fahnen – und buttrigen Fingern – unterzugehen. Als Reaktion auf jene Partie hatte Belichick seine Spielphilosophie etwas abgewandelt, sich in der Offseason teure Wide Receivers wie Randy Moss, Stallworth oder Welker eingekauft und galten spätestens nach der Verpflichtung des OLBs Adalius Thomas bereits im April als Titelfavorit.

Während der Saison waren Belichicks unlautere Tricks im Zuge von Spygate aufgeflogen, und in der Retrospektive gewann eine Verschwörungstheorie an Drive: Dass Belichick Spygate selbst und absichtlich hatte auffliegen lassen, um das Team hinter sich zu einen. Die Patriots waren Killer. Sie fuhren in der ersten Saisonhälfte über alles drüber – auch Kaliber wie Dallas (damals 13-3) – ehe es mit dem Einbruch der kalten Jahreszeit immer zäher wurde. Im Halbfinale hatte nur noch ein mutloser gegnerischer Chefcoach Norv Turner den Endspieleinzug gegen eine waidwunde Patriots-Elf verhindert.

Dann das Endspiel. Wir hatten in unserem Bezirk an jenem Tag das Skirennen der Musikkapellen, und es war ein stundenlanger innerer Kampf, dem Fest aus dem Weg zu gehen, um zu nächtlicher Stunde fit genug für den Grabenkampf zu sein. Der Gegner der Patriots: Die Giants. Ein Team ohne große Identifikationspunkte. Unbekannt und zur Saisonmitte bereits abgeschrieben. In den Playoffs mit ein paar hart erkämpften Auswärtssiegen über das Establishment. Und mit dem „kleinen“ Manning als Quarterback.

Der GamePlan der Giants war gleichwohl simpel wie faszinierend: Die Pocket mit vier Mann zerbröseln, den durch Fußverletzung immobilen Brady zum Abschuss freigeben. Und obwohl die Patriots lange 7-3 führten, wuchs in mir gegen Ende des dritten Viertels die Gewissheit, dass die Giants das Spiel verlieren würden. Im Schlussviertel ein letztes Aufzucken der Patriots, mit einem abgewichsten Drive zum 14-10 kurz vor Schluss – ich dachte, Mönsch, jetzt haben sie sich doch noch durchgewürgt, aber irgendwie war datt enttäuschend, da bleibt ein Makel hängen.

Dann kam Manning, riss sich umzingelt von Seymour und Konsorten los, feuerte diesen Verzweiflungspass downfield, für Tyree, der diesen Verzweiflungspass per Helm aus der Luft klaubte. Manchmal ist ein einziger Spielzug größer als ein ganzes Spiel. Superbowl XLII – das waren stundenlange Grabenkämpfe, die Kraft kosteten, die die Teams zermürbten. Die Patriots hatten nicht mehr die Power, Manning zu Boden zu reißen. Das Spiel gewann dadurch nicht nur an Thrill und Dramatik – das Spiel definiert sich mit diesem einen Wunder-Catch noch heute. Dass Burress ein paar Sekunden später den siegbringenden Touchdown machte, war nur noch „logisch“ und „notwendig“, um Tyree zum Glitzer auch noch die notwendige Bedeutung zumessen zu können.

Ich schaltete hernach den Fernseher aus. Ich konnte mir denken So was wie Perfektion gibt es einfach nicht. Rückwirkend stimmt das nicht, da die Patriots zu diesem Zeitpunkt längst „nur“ noch eine der besseren NFL-Teams waren, nur noch ein Abglanz der ersten Saisonwochen. Ein Jahr nach jenem AFC-Finale sollte sich eigentlich der Kreis schließen – und ich hatte innig darauf gehofft, dass sich der Kreis schließen würde. Ich hatte noch jene Bilder vor Augen, als diese schwer angeknockten Patriots im RCA Dome von Indianapolis besagten absolut faszinierenden Schlagabtausch mit den „on mission“ Colts geliefert hatten. Nun schlich Brady erneut mit hängendem Kopf vom Feld. Belichick blieb sich treu und grämte sich, die letzte Spielsekunde abzuwarten und den Anstand zu zeigen, den niemand vom Griesgram erwartet hatte. Und ich legte mich ins Bett und fragte mich, ob die Giants so stark oder die Patriots so unkonzentriert gewesen waren. Und ich kam zum Schluss, dass der einzige Unterschied ein reiner Glücksspielzug war, der so nie wieder passieren wird und der die möglicherweise beste NFL-Saisonbilanz ever ruinierte.

Superbowl-Countdown T-minus 7: Superbowl XLVI hüben wie drüben, und im TV

Noch eine Woche. Diese Woche wird spätestens am Donnerstag oder Freitag zäh, weil die Expertenschar nicht mehr weiß, welche Sezierungen sie vor dem großen Spiel noch vornehmen soll. Uns beschäftigt heute die viel wichtigere Frage: Wer überträgt bei uns Superbowl XVLI?

Deutschland: SPORT1+, Sat.1, ESPN America
Österreich:  PULS4, ESPN America
Italien:     Sportitalia, ESPN America

Kickoff ist um ca. 0h30 in der Nacht von Sonntag, 5.2. auf Montag 6.2.2012. Zu den einzelnen TV-Stationen:

  • ESPN America groovt sich seit Jahren mit stundenlangen Vorberichten ab den Nachmittagsstunden in den Event hinein. Diesmal beginnt die Vorberichterstattung um 16h (!) mit acht Stunden Sunday NFL Countdown (Anm. in den Kommentaren: nur 4h davon live, ab 20h Aufzeichnung). Allerdings ist die Vertragslage bei ESPN America wohl so, dass während des Spiels nur der World Feed geboten wird, eine für Laienpublikum gemachte Kommentierung, die in den letzten Jahren teilweise recht unterirdisch zu sein pflegte.
  • SAT.1 wird um 0h00 einsteigen. Kommentatorenduo besteht aus dem US-Sport-affinen Frank Buschmann und Jan Stecker (Qualifikationskriterium: Stadionsprecher bei RheinFire, ehemaliger Footballer bei Düsseldorf Panthers, ehemals beim Boxen), dazu soll Matthias Killing aus dem Stadion „Informationen beschaffen“ (ein Sideline Reporter also?) und Andrea Kaiser von einer Superbowl-Party Stimmungseindrücke bringen. Bleibt die Angst vor einer von Werbung zugemüllten Sendung. Mal schauen – die ARD setzte qualitativ – und dabei bleibe ich – in den letzten zwei, drei Jahren einen annehmbaren Standard. Übrigens wird das Spiel auch per Stream bei ran.de ausgestrahlt.
  • PULS4: Bei den Österreichern wird wieder volles Programm aufgefahren: Eine Expertenrunde um Christian Nehiba von der Superbowl-Party im Wiener „Marriot“, während Walter Reiterer und Michael Eschlböck kommentieren werden. Eschlböck kenne ich noch von den teilweise sensationellen Footballübertragungen im ORF, Walter Reiterer ist der Mann, der mit dem Wiener Schmäh einen ganz eigenen Charm bei Sportradio 360s Sofa-Quarterbacks reinbringt.
  • Sportitalia: Aus empfangstechnischen Gründen und weil ich den World Feed nicht ausstehen kann, war ich nun seit Jahren während der Superbowl bei den Italienern beheimatet – nach RAI und La7 ist heuer Sportitalia dran. Bei den Italienern gab es in den letzten Jahren überraschend gehaltvolle Analysen, aber der wahre Wert sind diese minutenlangen Arien nach Big Plays und Touchdowns.
  • Zu SPORT1+ kann ich leider nichts beitragen, außer dass der deutsche Bezahlsender auch um 0h00 mit der Berichterstattung einsteigen wird.

Superbowl in den USA

Der/die/das Superbowl ist das größte US-Fernsehevent des Jahres – 2011 wurde mit durchschnittlich 111 Mio. Zuschauern in den Staaten mal wieder ein neuer Rekord aufgestellt (auch das Nielsen-Rating, das das Bevölkerungswachstum mit einschließt, wies mit 46.0 Allzeitbestwerte aus), wenn auch mit der sehr fankompatiblen Ansetzung Pittsburgh – Green Bay.

Superbowl XLVI wird in den USA von NBC übertragen, jenem Sender, der im fernen 1939 erstmals NFL-Bewegtbilder übertragen hatte. Die Kommentatoren werden Al Michaels und Cris Collinsworth sein – wohlgemerkt bei NBC, nicht bei ESPN America, wo im Zuge des verhassten „World Feed“ Konsorten der Kategorie „nice play“ Theisman oder Sterling „great play“ Sharpe zu kommentieren drohen. NBC wird heuer auch erstmals die Superbowl live auf der Internetseite mitstreamen – allerdings dürfte die Geolocation außerhalb der USA nicht mitspielen. Falls es wider Erwarten doch klappen sollte: Zum Stream ginge es hier – mit Michaels/Collinsworth!

Halftime Show, Counterprogramming, Ads – whudat?

Der/die/das Superbowl ist ein so dominantes Fernsehereignis, dass der übertragende US-Sender den Superbowl-Sonntag häufig dazu nutzt, um im Anschluss neue Serien zur Promotion zu platzieren, und dass zum übertragenden Sender konkurrierende TV-Anstalten an jenem Abend meist nur Müll der Güteklasse „Bauer sucht Frau“ senden – zur oftmals umstrittenen Halbzeit-Show allerdings gab es in den letzten Jahren immer wieder erfolgreiches „Counter Programming“ (Konter-Programm) anderer Sender, um Zuseher vom übertragenden Superbowl-Sender wegzuziehen.

Animal Planet punktet seit Jahren mit der „Puppy Bowl“, einem eher zweifelhaften – manche sagen „verwerflichen“ – „Footballspiel“ zwischen Welpen, während MTV2 mit der sensationellen „Lingerie Bowl“ seit Jahren hervorragende Quoten in der Halbzeit der Superbowl einfährt – Lingerie Bowl war so erfolgreich, dass mittlerweile eine ganze „Lingerie Football League“ mit in Unterhöschen Football spielenden ranken Damen existiert – eine Amateur-Liga, die große Expansionspläne zu haben scheint und angeblich in nächster Zeit nach Europa (!) expandieren will, mit dem Ableger „LFL Europe“. Das Endspiel 2012 findet am Samstag, 4.2. statt und wird während der Superbowl-Halbzeitshow am Sonntag, 5.2. statt auf MTV2 ausgestrahlt.

Die Halbzeitshow von Superbowl XLVI wird nach einigen kontroversen Auflagen diesmal Madonna gehören. Für mich interessanter: Die US-Hymne zu Beginn des Spiels. Seit Jahren pflegen irgendwelche C-Sternchen von American Idol (so was wie „Deutschland sucht den Superstar“ auf amerikanisch) ihre Gesangskünste zum Besten zu geben – ehe im vergangenen Jahr die dann doch etwas bekanntere Christina Aguilera den „Star-Spangled Banner“ nach allen Regeln der Kunst und darüberhinaus vergewaltigte. Heuer ist wieder ein ehemaliges American Idol dran: Kelly Clarkson, 29 Jahre und diesem Gesicht nach zu urteilen wäre ich locker 6-8 Jahre mit einer Altersschätzung daneben gelegen.

Ein Thema, das in der Pop-Kultur oft groß platziert ist, und das wirtschaftlich mit diesmal rund 3.5 Mio. US-Dollar pro 30 Sekunden eine massive Einnahmequelle für den übertragenden Sender ist: Die Werbepausen während des Spiels, die die weltweit teuersten sein dürften. Hierzulande gibt es während des Spiels keinen Zugriff auf die Commercial Breaks bei NBC, die aber bei Youtube in Bälde wieder online sein dürften.


Superbowl in Europa

American Football ist in Europa außerhalb weniger Hochburgen immer noch eine Randsportart, aber die Strahlkraft der Superbowl ist immerhin groß genug, um es wenigstens in die Sportseiten dieser Längengrade zu schaffen. Sogar das lokale Nachrichtenportal, bei dem ich sonntags unseren einzigen Profifußballverein begleite, hat in den letzten Jahren einen kleinen Agenturtext zur Superbowl online gestellt – etwas Außergewöhnliches.

Zelebriert wird  wird das NFL-Endspiel hierzulande mit unzähligen offiziellen Superbowl-Partys statt. SAT.1 wird wie wir nun wissen von jener in Düsseldorf auf Stimmungsfang gehen. Die Superbowl-Partys in Österreich sind bei Football-Austria gelistet. Beste Superbowl-Party des Landes findet natürlich wie immer im Hause korsakoff statt, wo Sabine auch heuer wieder um 00h05 die Weißwürste bereitstellt, die in trauter Runde vor Kickoff verköstigt werden.

Superbowl-Countdown 2012, T-minus 8: Statt Pro Bowl

Morgen ist mal wieder Pro Bowl und weil die Spieler hauptsächlich nach Name, Fan Base und/oder früheren Leistungen ausgewählt werden, strafen wir ihn hier mit Nichtachtung. (Aller)Spätestens als Brandon Meriweather, der mit fürchterlichen Aussetzern jeden Patriots-Fan zur Weisglut getrieben hat, Starter im Pro Bowl wurde, hatte diese Veranstaltung jegliche Glaubwürdigkeit verloren. Daneben hat auch das Spiel selbst überhaupt keinen Wert, da sich wohl kein Spiel weniger für eine All-Star-Veranstaltung eignet als American Football.

Wie dem auch sei: nachdem wir hier Anfang des Jahres schon die Sidelinereporter-Awards verteilt haben, stelle ich heute mein All-NFL-Team vor.

Offense

Quarterback: Drew Brees (Saints)
Brees ist über die gesamte Saison gesehen der beste QB gewesen. Neben den Rekorden hat er den anderen Anwärten Konsistenz voraus (gegenüber Manning und Brady) und die Fähigkeit, Comebacks anzuführen und Playoff-Spiele zu gewinnen (Rodgers). Darüber hinaus ist er der beste Quarterback bei den wichtigen 3rd Downs.

Running Back: Ray Rice (Ravens)
Fast am Ende der Saison, im AFC Championship Game, hat Joe Flacco erst gezeigt, daß er die Mannschaft tragen kann, wenn der Gegner Rumbling Ray Rice aus dem Spiel nimmt. Bis dahin lastete alles auf Rices Schultern – und die waren meistens breit genug: 4,7 Yards/Carry und 9,3 Yards/Catch für insgesamt mehr als 2000 Yards from Scrimmage (1364 Rushing, 704 Receiving) garniert mit 15 Touchdowns und nur zwei Fumbles.

Fullback: Vontae Leach (Ravens)
Die Fullbacks verlieren immer mehr an Bedeutung. Vontae Leach zeigt schon seit Jahren, wie wertvoll ein starker Fullback für jeden Ballträger und Quarterback (Blitz pick-up) sein kann.

Tight End: Rob Gronkowski (Patriots)
Der große böse Gronk hat die Tight-End-Position nicht revolutioniert, er ist mehr sowas wie ein Jason Witten Plus. Er blockt fast so gut wie ein Offensive Lineman und hat hat mehr als 90 Bälle gefangen. Sein größtes Plus ist aber, daß er die beste Redzone-Waffe der gesamten Liga ist; mit 15 TDs hat er dort auch einen neuen Rekord aufgestellt.

Wide Receiver: Larry Fitzgerald (Cardinals), Calvin Johnson (Lions) und Victor Cruz (Giants)
Spätestens seit seinem unglaublichen Playoffs 2008 halte ich Fitzgerald für den besten WR der Welt. In dieser Saison hat er von den Herren Skelton, Kolb und Bartel 80 Bälle für 1411 Yards gefangen. Man kann sich kaum ausmalen, was er mit einem guten QB reißen könnte. Wahrscheinlich etwas in der Region von Megatrons 96 Catches für 1681 Yards. In den Slot stellen wir Senkrechtstarter Cruuuuuz. Wenn man als Slot-WR pro Catch fast 19 Yards macht, stellt man jede Defense vor Riesenprobleme.

OT: Jason Peters (Eagles) und wo sind nur die ganzen starken Tackles hin (NFL)?
Peters hatte schon immer das Potential, hat sich aber regelmäßig wie eine WR-Diva aufgeführt und einige Spiele schmollend rumgestanden. Dieses Jahr war er mit Abstand der beste Offensive Tackle der Liga, weil er auch endlich mal konstant herausragend war. Der zweite Platz bleibt frei. Mir fällt niemand ein, der das ganze Jahr über konstant starke Leistungen gebracht hätte. Am ehesten könnte man dort wohl noch Joe Thomas (Browns) und Jake Long (Dolphins) hinstellen, die beide mit vielen kleineren und größeren Verletzungen zu kämpfen hatten. Interessant wird in der nächsten Spielzeit Jared Gaither (Chargers), der 2008 und 09 überragend spielte, dann in Baltimore unerwünscht war, in Kansas City landete, wo er aber auch unerwünscht war und nach einem False Start von Hitzkopf Haley gefeuert wurde. In den fünf Spielen für San Diego am Ende der Saison war er sofort wieder auf Top-Level. Insgesamt hab ich aber das Gefühl, daß es immer weniger dominierende Tackles gibt. Oder es gibt einfach zu viele gute Pass Rushers. Interessant ist diese Entwicklung, wenn man sieht, wie viele Tackles in den letzten fünf Jahren in den ersten beiden Runden gedraftet wurden und wie viele davon ihren Hype lange nicht erfüllen konnten.

Offensive Guards: Carl Nicks (Saints) und Josh Sitton (Packers)
Guards sind zum Bewerten mit die schwierigste Position. Gute Guards erkennt man in der Regel daran, daß sie nie auf ihren dicken Hintern liegen; daß sie 1-gegen-1 ohne Hilfe ihren QB vor den besten gegnerischen Tackles schützen; und daß sie im Laufspiel immer wieder ins second level kommen und sich dort einen LB vorknöpfen, um Platz für ihren RB zu schaffen. Dreimal Check bei Nicks und Sitton.

Center: Chris Myers (Texans)
Noch schwieriger zu evaluieren sind die Center. Die Wahl fällt hier auf Myers, weil er der Anker des besten Laufspiels der Liga ist und seine QBs sich in der Mitte der Pocket hinter ihm immer sehr sicher fühlen können.

Defense

Defensive Line: Terrell Suggs (Ravens), Jason Pierre-Paul (Giants), Justin Smith (49ers) und Sione Pouha (Jets)
Vielleicht sehen die Offensive Tackles auch nur so schlecht aus, weil es so viele gute D-Liner und Edge Rusher gibt. Neben den vier genannten spielen auch Richard Seymour (Raiders), Justin Tuck (Giants), Cameron Wake (Dolphins) Broderick Bunkley (Broncos), Jason Babin, Cullen Jenkins & Trent Cole (Eagles), DeMarcus Ware (Cowboys), Tamba Hali (Chiefs), Jared Allen (Vikings), Julius Peppers (Bears), Clay Matthews (Packers), Mike DeVito (Jets) und Andre Carter & Vince Wilfork (Patriots) in der ersten Liga. Und ich habe bestimmt noch welche vergessen.

Suggs und Smith sind die zwei besten Verteidiger der Liga. Haitian Freak JPP könnte schon im nächsten Jahr zu den beiden aufschließen und Pouha ist wohl der am meisten unterschätzte Verteidiger der NFL. Falls jemand nicht weiß, wie man Nose Tackle spielen muß – einfach ein Jets-Spiel ansehen.

Linebacker: Patrick Willis (49ers), Karlos Dansby (Dolphins) und Von Miller (Broncos)
NaVorro Bowman (49ers) hätte es auch verdient gehabt; James Harrison und LaMarr Woodley (Steelers) sind immer noch die besten Outside Linebackers, haben aber in dieser Saison zu viele Spiele verletzt oder gesperrt gefehlt. Willis ist der beste ILB der Liga: Instinkte, Speed, Disziplin, Antizipation – wie Ray Lewis in seinen besten Tagen. Dansbys Leistungen sind ein wenig untergegangen, nachdem die Dolphins das Jahr so schlecht begonnen haben, aber er wird immer (noch) besser und macht kaum Fehler. Miller ist mein Rookie of the Year. Stark als „echter“ OLB in Base-D und uoch stärker als reiner Pass Rusher in Nickel-Formationen. Mit ihm werden die Broncos noch viel Spaß haben.

Safety: Troy Polamalu (Steelers) und Ed Reed (Ravens)
Polamalu hat nach einer für seine Verhältnisse schlechten Saison 2010 wieder deutlich bessere – vor allem, weil diszipliniertere – Leistungen gebracht. Auch der andere Dauerbrenner in der Top-2 Safety-Rotation, Mr. Reed, hat wieder gezeigt, warum er immer wieder als Vorbild für alle anderen Safeties genannt wird. Er hat zwar nicht die ganz großen Interceptions gemacht wie im letzten Jahr. Aber das hat auch damit zu tun, daß er als Safety unter dem Shutdown-Corner-Syndrom leidet: niemand wirft mehr auch nur annähernd in seine Richtung.

Cornerback: Darrelle Revis (Jets) und Jonathan Joseph (Texans)
Revis ist immer noch die Benchmark für jeden Cornerback in der Liga. Joseph hat es schon in Cincinnati zu einiger Bekanntheit gebracht und war in der abgelaufenen Saison die große Stütze beim Turnaround der Texans-Secondary, die sich von unterirdisch zum Prädikat ziemlich gut katapultiert hat.

Special Teams: San Francisco 49ers.
Die Niners haben mit Andy Lee einen der besten Punter, der ihnen immer wieder gute Field Position verschafft. David Akers macht die Punkte, wenn die Offense in der Redzone stottert – also fast immer. Und ihre Return Teams um Ted Ginn, Jr. gehören ebenfalls zur Elite der NFL. Wenn er nur auch im NFC Championship Game hätte mitspielen können…

Superbowl-Countdown 2012, T-minus 9: Einmal laut und einmal leise, bitte

Superbowl XLVI zwischen den New England Patriots und den New York Giants ist auf mehreren Ebenen eine spannende Auseinandersetzung. Es wird die Neuauflage des Endspiels von vor vier Jahren sein. Im Haus, das Peyton Manning baute, treffen sich Peytons kleiner Bruder Eli und Peytons größter Rivale Brady. Für die betroffenen Städte der beiden Superbowl-Finalisten ist das Spiel aber mehr: Boston und New York verbindet eine Art Hassliebe untereinander. Zwei amerikanische Ostküstenstädte, die im äußeren Erscheinungsbild viel unterschiedlicher nicht sein könnte. Beantown gegen Big Apple. Die Walking City gegen die Stadt, die niemals schläft.

Boston ist dank Tea Party die Wiege der amerikanischen Nation, eine der ältesten Städte mit reichlichem kulturellen Angebot – als Musikfan sei an der Stelle das Symphonieorchester von Boston genannt – und eine Stadt, die mit einer lange Zeit sehr „weißen“ Bevölkerung bevorzugt irischer und italienischer Abstammung erst in den letzten Jahrzehnten das Phänomen der Gentrifizierung durchlebte. Boston gehört heute zu den wohlhabendsten Städten in den Vereinigten Staaten, ein Ort mit enorm hoher Single-Quote und ein Zentrum höherer Bildung. Jedermann kennt Eliteuniversitäten wie Harvard oder das MIT, die beide übern Fluss im – nennen wir es despektierlich: Vorort – Cambridge lehren, oder das klerikal angehauchte Boston College in der Peripherie.

Trotzdem sagt man den Bostonians einen leichten Minderwertigkeitskomplex im Vergleich zu den ein paar Zugstunden weiter südlich lebenden New Yorkern nach. Während der klassische Neuengländer eher der verschlossene, unzugängliche Typ ist – ein Gast in meinem Hotel beschrieb das mal so: In New England mache der „fence good neighbours“ – zeichnet man vom New Yorker das Bild, offen für alles zu sein, was das Leben erleichtere.

New York ist eine pulsierende Stadt, der klassische Schmelztiegel der Kulturen, wogegen Boston mit seiner eher versteckten „Ausländerschicht“, dem studentenlastigen Stadtbild und den fast geräuschlos durch die Straßen schleichenden Bahnen fast etwas langweilig daherkommt. Der New Yorker kümmert sich nicht darum. Rund um die Uhr Bewegung, Züge, Metros, machen das Bild einer extrem dynamischen, lauten Stadt. Der New Yorker ist eher nicht der Genießer. Er ist busy. Und rastlos.

In einem allerdings sind die Neuengländer den New Yorkern in den letzten Jahren voraus: Sie sind die Stadt der sportlichen Erfolge. Massivste Kennzahl: Am Sonntag kämpfen die Patriots darum, den Titel der erfolglosesten (!) Bostoner Franchise der letzten Jahre abzugeben. Seit dem letzten Superbowlsieg sind sieben Jahre vergangen; in der Zwischenzeit haben Rex Sox (2007/MLB), Celtics (2009/NBA) und Bruins (2011/NHL) die Pokale abgeräumt, während die Lombardi Trophys der Pats schön langsam verstauben.

New York hat diesem Titel-Run zuletzt nicht viel entgegenzusetzen. Der einzige Stanley Cup der letzten Jahre wurde 2003 von einer Franchise, die sich als „New Jersey“ definiert (die Devils), geholt, während die in den 90ern noch ultraerfolgreichen Yankees wenigstens 2009 eine World Series gewannen und das Jahrzehnt nicht völlig dem Erzrivalen Red Sox überlassen mussten. Und dann war da noch der Superbowlsieg der Giants 2007/08 – ein Glückslauf, aber einer, in dem man ausgerechnet den Patriots ein doppeltes Schnippchen schlagen konnte: Titel weggeschnappt. Perfect Season ruiniert.

Am nächsten Sonntag die „Revanche“ im größten Einzelsportereignis der Welt – ein Event, das im US-Nordosten die Massen über den Sport hinaus bewegen wird.


Ich will nicht Recyclinghof spielen: Für eine vertiefende Lektüre empfehle ich den Blogeintrag von Allesaussersport aus den Stunden vor Superbowl 42, der sich etwas tiefer in die sportliche und kulturelle Historie der beiden Städte eingräbt.

NFL-Draftvorschauer 2012 nach dem Stichtag: Defensive Front Seven

Nach Quarterbacks und den restlichen Offensivspielern heute mal ein erster schneller Blick auf die Draft-Anwärter in der Defensive Front Seven.

Defensive Line

Gemeinhin gilt der Jahrgangs als recht gut besetzt, aber es fehlt am herausragenden „Can’t miss“-Athleten. UNC schickt mit DE Quinton Coples den Spieler mit dem vermutlich bekanntesten Namen – Coples ist ein Hüne und sehr athletisch: Während der Bowl Season war die Rede von einer 40 Time von 4.76 – sollte das die Combine annähernd bestätigen, wird Coples schnell mit Peppers (auch ex-UNC) verglichen und hoch gedraftet werden – trotz einiger negativer Presse um seine Persönlichkeit.

Der zweite Mann, der immer wieder genannt wird: DT Devon Still von Penn State, wie Coples ein Senior, was bei Defensive Linern häufig von Bedeutung ist, da diese Position meistens einige Zeit an Adjustment für die NFL-Reife braucht, Stichwort Körperbau.

Ein dritter interessanter Mann ist DE Melvin Ingram von South Carolina – nicht der größte Mann, aber ausgestattet mit den notwendigen langen Armen. Pluspunkt: Der Positionstrainer an der Uni gilt als bestens vernetzt mit NFL-Scouts.

Einige meinen, auch DE Nick Perry von USC sei ein Topmann, aber man hätte ihm vermutlich geraten, noch ein Jahr an der Uni zu bleiben. Perry ist mit keinen 115kg ein Leichtgewicht und was immer wieder thematisiert wurde: Der Mann ist a) kein Faktor gegen Laufspiel und b) gerne zu hyperaktiv im Passrush. Also in etwa das, was man vor einem Jahr von Aldon Smith behauptet hatte – vielleicht stellt ihn der richtige DefCoord auch als OLB in einer 3-4 Defense auf.

Ganz interessanter Mann ist auch DT Michael Brockers von LSU, ein Tackle vom Schlage Suh: Die volle Power gehört dem Passrush, das Laufspiel wird links liegen gelassen. Hätte vor Jahren keinen Scout interessiert, wird heutzutage aber dem Fettsack vorgezogen.

Ein solcher ist der Mann von der unterirdischsten Footballuni der FBS, Memphis: Dontari Poe, dem man schlappe 160kg nachsagt und der mit seiner rohen Gewalt Bäume ausreißen können soll. Ein spannender Athlet, den ich leider nie habe spielen sehen, aber Poe soll kräftig genug sein, um zwei Blocker im Alleingang aus dem Weg zu räumen, aber in der Feinabstimmung noch erhebliche Probleme haben – man sagt ihm nach, nicht einmal die Basics eines Nose oder Defensive Tackles halbwegs sauber exekutieren zu können, weil er lieber 5h Schicht im Kraftraum anhängt als sich mit solchen Nebensächlichkeiten zu beschäftigen. Poe soll ein Workaholic mit Bereitschaft zum Lernen sein, aber die Gesamtstellenbeschreibung liest sich für mich im Moment eher wie boom or bust.

Clemson schickt zwei Defensive Liner in den Draft: Andre Branch und Brandon Thompson, wobei Ersterer über Monate immer wieder als möglicher End angesehen wird, und letzterem die nötige Explosivität fehlen soll, um mehr als der berüchtigte „Run Stuffer“ zu sein. Beide stehen aber in der Tradition von etlichen gehypten Abwehrspielern von Clemson.

Ebenso bevorzugt als Lauf-Würger sieht man DT Jerel Worthy von Michigan State. Vielseitigere Spieler für alle möglichen Arten von Defensive Lines sollen Billy Winn von Boise State, Jared Crick von Nebraska, Fletcher Cox von Mississippi State und Sackmaster Whitney Mercilus (16 Sacks 2011/12) von Illinois sein – alles Spieler, bei denen ich mich an Spiele mit highlight-kompatiblen Aktionen erinnern kann. Unspektakulär, aber der Name ist geblieben: Alameda Ta’amu von Washington. Und dann ist da noch Alabamas Josh Chapman.

Eher die one trick ponys sind DE Vinny Curry von Marshall, Jonathan Massaquoi von Troy und Donte Paige-Moss (UNC).

Linebacker

Um bei den Inside Linebackers zu beginnen: Der größte Name ist Dont’a Hightower von Alabama, der sich als enorm vielseitiger, schneller und sehr kraftvoller Athlet eingebrannt hat – erstaunlicherweise ist Hightower, obwohl auch als Passrusher in dritten Versuchen gebräuchlich, nicht bei allen unumstritten, was vielleicht an der suboptimalen Deckungsarbeit liegt.

Weil vor allem bei den ILBs zunehmend Spieler mit dem Herz am richtigen Fleck gesucht werden, gilt Luke Kuechly von Boston College als potenzieller Topmann. Kuechly schaut erstmal gebrechlich und leichtgewichtig aus, macht sich jedoch seit Jahren als Tackle-Maschine (über 150/Saison) einen Namen. Ohne es rational begründen zu können und vielleicht wegen der weißen Hautfarbe hat sich bei mir bei Kuechly im Hinterkopf ganz leise „Bruschi“ eingenistet.

Zwei weitere interessante Männer: Emmanuel Acho von Texas und der famose Tank Carder von TCU, beides Leute, die am zweiten oder dritten Tag noch auf dem Tablett sein dürften.

Zu den OLBs: Einen guten Ruf genießt bei mir Courtney Upshaw von Bama, der vornehmlich als Pass Rusher eingesetzt werden dürfte und dem ich mal partout die Rolle des 3-4 OLBs unterjuxen würde: Schnell, kräftig genug, um die riesigen Offensive Tackles in der SEC aus dem Weg zu räumen und mit diesem „hungrigen“ Gesichtsausdruck darauf aus, dem Gegner weh zu tun.

Namen zum Merken sollten auch Travis Lewis (Oklahoma) trotz zahlreicher Verletzungsprobleme, Ronnell Lewis (Oklahoma) trotz grottenschlechter akademischer Leistungen und Lavonte David (Nebraska) trotz „Kleinwuchs“ (1,84m) sein. Persönlich interessiert mich, wann und wohin Shea McClellin von Boise State und Keenan Robinson von Texas wandern werden.

Zu guter Letzt gibt es mit Arizona States Vontaze Burfict noch den vermutlich talentiertesten Linebacker des Drafts 2012, ein Mann, der sofort ins Auge sticht mit massiven Hits und gefährlichem Pass Rush. Burfict genießt allerdings einen Ruf wie die Pest, in Sachen Überaggressivität und schmutziges Spiel den Auguren zur Folge irgendwo zwischen Von Miller und Suh einzustufen und war im abgelaufenen Herbst ein Garant für 1-2 Personal Fouls und late hits pro Spiel. Burfict wird es schwer haben, die Scouts bis April von seiner Disziplin zu überzeugen, allerdings zeigt die Geschichte, dass durchaus der eine oder andere Coach bereit ist, für einen phänomenalen Athleten einen verschenkten Draftpick zu riskieren.

NFL-Draftvorschauer 2012 nach dem Stichtag: Skill Player und Offensive Line

Nach den Quarterbacks heute die restlichen Offensiv-Positionen für den NFL-Draft 2012 auf einen ersten Blick.

Running Backs

Als zweifellos bestes Paket gilt Alabamas RB Trent Richardson, dessen Ruf bereits als Ingrams Backup exzellent war und der sich in der knochenharten SEC als Allzweckwaffe einen Namen gemacht hat: Recht schnell, kraftvoll, gut im Aufnehmen von Blitzes und ein Mann für 30-40 Receptions pro Saison. Produktiv ist der Mann auch in den eigenen vier Wänden: Richardson ist mit seinen 21 Jahren schon zweifacher Familienvater (älteste Tochter ist fünfeinhalb Jahre alt!).

Durchaus auch als salonfähig gilt Miamis RB Lamar Miller, der am College mit seine Dynamik Aufsehen erregte, aber durchaus nicht der beständigste Back mit Päuschen mitten im Spiel ist. Miller gilt als Mann, der dem richtigen Coach mit der richtigen Offensive Line in die Hände fallen muss, um effizient zu sein – und man darf in nicht in Passsituationen aufstellen (miserables Blockspiel).

Wer auf den brachialen Back steht, wird bei Boise States Doug Martin zugreifen. Keiner, der zwei Abwehrspieler aussteigen lassen wird, aber einer, der den Kopf runternimmt und sie dank seiner gedrungenen Statur und seines niedrigen Schwerpunkts 2-3yds mitschleifen wird. Dazu einer, der sich nicht zu schade für Drecksarbeit (Blitz-Blocken) ist.

Gefühlt ein bissl quicker und beweglicher dürfte Washingtons RB Chris Polk sein, wie Martin aber kein explosiver Typ. Der erfolgreichste Running Back der abgelaufenen Saison im College Football war David Wilson von Virginia Tech – ein Mann, der erst im Sommer 21 wird, klein, kräftig und trotzdem sehr beweglich ausschauend. Wilson könnte der zweite oder dritte Back sein, der vom Tablett geht.

Ein Mann ist auch San Diego States RB Ronnie Hillman, der es gewohnt ist, einen Angriff auf eigene Faust zu tragen. Weitere bekannte Namen vom College aus den non-BCS Conferences: Bernard Pierce (Temple), Robert Turbin (Utah State), Alvester Alexander (Wyoming). Drei Backs für die späten Picks aus den BCS-Conferences: Ed Baker (Michigan State), Cyrus Gray (Texas A&M) und Darrell Scott (South Florida). Scott war vor Jahren der gehypte Running Back aus den Highschools, um den sich haufenweise Universitäten rissen, wurde von Colorado rekrutiert, floppte schwerst, schien sich aber in letzter Zeit bei USF wieder zu machen – allerdings sagt man Scott nach, einen Angriff nicht im Alleingang tragen zu können.

Bleibt der spektakulärste Back von allen: Der grazile LaMichael James von der University of Oregon, trotz seiner unkoscheren Lebensweise abseits des Spielfeldes einer meiner absoluten Lieblingsspieler: Leichtfüßig, wendig, guter Ballfänger und trotz seiner zwergenhaft anmutenden Maße nicht ängstlich, als Blocker mitzuhelfen. James’ Statur ist auch sein größter Nachteil: Keine 1,75m und über das Gewicht schweigt man sich noch aus – solche Backs werden keine „Franchise Backs“ in der NFL, trotz des „Arbeitstier“-Statuses von James am College. Auf der anderen Seite suchen viele Coaches nach situativ einsetzbaren Spielern, und da passt das big play threat James in der NFL wie die Faust aufs Auge.

Wide Receivers

Der Topmann wird Justin Blackmon von der Oklahoma State University sein – athletisch, physisch und erwiesenermaßen auch für die schweren Catches in Doppeldeckungen zu haben. Blackmon dominierte in den letzten beiden Jahren die etwas suspekten Defenses der Big 12 Conference nach Strich und Faden, obwohl man ihm Laxheit in einigen Phasen nachsagte:

Jahr  Rec   Yards  AVG   TD
2010  111   1782   16.1  20
2011  121   1522   12.6  18

Nuff said. Fragen wird sich der Mann zu manchen seiner Verhaltensweisen in der Vergangenheit gefallen lassen müssen (Alkoholfahrten!). Was ich im Zuge der Combine erwarte: Blackmons Körpermaße dürften abgeändert werden – 6’1’’ bedeutet 1,85m, aber optisch wirkt er sehr viel größer, mindestens 1,90m. Als Einstimmung auf das Phänomen Blackmon eine Huldigung von Brian Phillips vom letzten November.

Hinter Blackmon wird sich noch ein Rennen um den zweitbesten Wideout eröffnen. Die Aktien von Kendall Wright von der Baylor University dürften dank der starken Senior-Saison gestiegen sein, aber Wright ist mit seinen 1,78m doch etwas arg kleingewachsen. Eine große, kräftige Präsenz mit seinen 1,93m ist Michael Floyd von Notre Dame – und Floyd ist von seiner Spielanlage her so ein Typ WR, die in den Top-10 vom Tablett zu gehen pflegen. Allerdings gilt Floyd charakterlich als eine tickende Zeitbombe, war schon mehrfach im Knast und gilt als dem Alkohol nicht abgeneigt.

Alshon Jeffery von South Carolina gehörte 2010/11 zur ganz heißen Ware, doch Jeffery wird nachgesagt, eine schlechte Saison 2011/12 gespielt zu haben, als mit Garcia sein Quarterback flöten ging und die Gamecocks-Offense einbrach. Man sagt ihm fehlenden Willen nach, Desinteresse am Blocken, und was frappierend auffällt: Jeffery hat einen eigenartig unachtsamen Stil, den Ball zu tragen. Fumbles sind da in der NFL vorprogrammiert.

Eine X-Komponente ist Mohammed Sanu von Rutgers: Rutgers spielte praktisch ohne Quarterback, wofür Sanus Zahlen recht ordentlich sind. Der Mann fiel nie besonders auf, aber scheint in den ersten Rankings in der ersten oder zweiten Runde vom Tableau gehen zu können.

Weitere Namen, die man sich vormerken kann: Tommy Streeter (Miami/FL, 1,97m!), Steve Hill (Georgia Tech), Nick Toon (Wisconsin), Jeff Fuller (Texas A&M), Dwight Jones (UNC), Joe Adams (Arkansas) und Jermaine Kearse (Washington) – alle mit teilweise sehr guten Statistiken und auffälligen Performances am College, und bei der Masse an Wide Receivers, die generell gedraftet werden, werden wir etliche von ihnen wiedersehen.

Zwei interessante, klein gebaute, aber unglaublich vielseitige Männer aus den Niederungen der non-BCS Conferences: Eric Page (Toledo) und wohl auch T.Y. Hilton von Florida International. Beide sind wuselig, haben großartige Stats und können fangen, laufen und returnen.

Tight Ends

Eine Position, die in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewann. Gesucht werden groß gewachsene, kräftige Männer mit guten Fanghänden, die auch für Laufspiel blocken können – Leute in den Fußstapfen eines Graham oder Gronkowski. Es gibt bekannte Leute vom College auch in diesem Jahr, aber in den letzten Jahren zeigte sich, dass auch und insbesondere Basketballspieler ohne große Footballerfahrung in der NFL als Tight Ends brillieren konnten (Graham/Gates).

Bekanntester Tight End dürfte Clemsons Dwayne Allen sein. Der Mann ist 1,93m groß und mit 101kg ein Leichtgewicht, und man sagte ihm nach, vielseitig einsetzbar zu sein. Orson Charles von Georgia und Coby Fleener von Stanford dürften die weiteren Topleute sein. Fleener ist dabei mit seinen 1,99m der Freak, der allerdings noch keine wirklich gute Defense in der Pac-12 zu Gesicht bekommen hat.

Offensive Line

Wie immer wird hier ein bissl geschummelt: Ich maße mir nicht an, Offensive Liner zur Genüge bewerten zu können, also eine blanke Liste von Leuten, die laut Auguren die besten Chancen auf hohe Picks haben – und Leute, deren Namen mir vom College in Erinnerung geblieben sind:

Offensive Tackle

  • Matt Kalil von USC
  • Riley Reiff von Iowa
  • Andrew Datko von FSU
  • Zebrie Sanders von FSU
  • Nate Potter von Boise State
  • Mike Adams von Ohio State
  • Jonathan Martin von Stanford
  • Jeff Allen von Illinois
  • Brandon Moseley von Auburn

Wobei sich Reiff und Kalil um die Top-Position streiten sollten. Der 2,02m-Mann Mike Adams erlangte im Zuge der Tattoo-Affäre um Pryor Berkanntheit, während Martin nun der Mann war, der jahrelang Luck bewachte.

Offensive Guards

  • Dave DeCastro von Stanford
  • Brandon Washington von Miami/FL
  • Kelechi Osemele von Iowa State
  • Cordy Glenn von Georgia

Offensive Center

  • Peter Konz von Wisconsin
  • Mike Brewster von Ohio State

Konz ist mit seinen 1,95m und 143kg nur ein weiterer Hüne aus dem Reich der immer etwas größeren, physischeren Blockern bei den Wisconsin Badgers.

2011/12 Championship Games – 49ers, Giants, Patriots, Ravens

San Francisco lebte von den Special Teams – und sie starben mit den Special Teams. Auch wenn die Punt- und Field-Goal-Units gerne unterschätzt werden, letztlich machen sie doch nur ein Drittel einer Footballmannschaft aus. Mit so einer lächerlichen Offense, die nur einen von dreizehn Third Downs verwandeln kann und abgesehen von zwei Dummheiten der Giants-Safeties im Wert von 112 Yards und zwei Touchdowns gar nichts auf die Reihe bekommt, hat man es bei aller Liebe auch nicht verdient, im letzten Spiel des Jahres noch mit dabei zu sein.

Die Defense dagegen, vor allem die Smiths Justin und Aldon, DE Ray McDonald und LB Patrick Willis haben am Sonntag in einer anderen Liga gespielt und Eli Manning derart vermöbelt, daß die beiden Offensive Tackles David Diehl und Karrem McKenzie spätestens ab jetzt Mannings Krankenversicherungsbeiträge zahlen sollten. Nichtsdestotrotz hat Eli nicht nur sechs Sacks und mehr als 20 weitere Hits eingesteckt, sondern auch 316 Yards ausgeteilt. Glücklicherweise spielt er im Super Bowl gegen die Defense der Patriots, den härtesten Job hat er jetzt hinter sich. Die Pats-D hat sich zwar in den letzten Wochen gesteigert, aber die Herren Arrington, Moore, Molden, McCourty und Edelman werden mit dem WR-Trio Manningham/Nicks/Cruuuuuuuuuz schwer zu schaffen haben.

Dafür war die Front Seven wie schon gegen Denver in den Divisionals on fire. Vince Wilfork hat das Spiel seines Lebens gemacht und auch die anderen drei D-Liner Kyle Love, Brandon Deaderick und Gerrard Warren haben so gespielt, wie es eigentlich Albert Haynesworth und der ehemalige 2nd-rd Pick Ron Brace hätten tun sollen. Jerod Mayo und Brandon Spikes entwickeln sich langsam, aber sicher zu einem der besten ILB-Duos der Liga, das scheint auch der Grund für 3-4-Renaissance zu sein.

Joe Flacco hat gegen die Verteidigung, die sich auf Ray Rice konzentriert hat, ganz anständig gespielt. Man kann ja sagen, das waren nur die Patriots und er hat einige offene Leute überworfen, aber in einem Championship Game mit dem ganzen Druck, der auf ihm lastete, Tom Brady in den Schatten zu stellen, verdient Respekt. Und wenn Lee Evans den letzten Ball in der Endzone festhält, ist er der große Gamewinner und niemand würde ihm mehr Winner- und Leaderqualitäten absprechen. Übrigens hatten wie im letzten Jahr die in der Offseason als Verstärkung geholten WR die spielentscheidenen Bälle in der Hand – und ließen sie fallen.

Offensive Coordinator Cam Cameron hat mal wieder mit konservativem Playcalling geglänzt, was keine Überraschung war. Die Patriots dagegen haben mit ihrem Playcalling überrascht – negativ. Das erste Mal seit 364 Jahren haben sie einen 4th-and-1 in der gegnerischen Redzone nicht ausgespielt. Und haben Tom Brady am Ende der ersten Halbzeit keine Chance gegeben, mit einer Minuten auf der Uhr und zwei Auszeiten in der Tasche wenigstens noch in FG-Range zu kommen. Nicht mal mehr Bill Belichick und OC Bill O`Brien scheinen noch besonders viel Vertrauen in ihren Posterboy zu haben. Brady hat teilweise eine Cam-Newton´sche Accuracy an den Tag gelegt und hanebüchene Entscheidungen getroffen, für die sich sogar Brett Favre geschämt hätte. Tiefer Ball zu Matt Slater, der drei Defensive Backs bis zur Endzone mitgenommen hat, im vierten Viertel – ernsthaft? Hoffentlich kommt am Ende der Saison raus, daß Brady seit Oktober mit ausgekugelter Schulter spielt oder seine Wurfhand gegen eine Prothese ausgetauscht wurde. Falls nicht, muß man sich ernsthaft Sorgen um seine Zukunft machen.

Marginalien

Manchmal ist American Football frustrierend und faszinierend zugleich. Nächtelanges Quälen durch Graupenkicks, wunderschöne Pivot-Charts und taktische Analysen in Ehren, aber am Ende entscheidet ein Furz von einer scheinbaren Kleinigkeit nicht bloß über Sieg und Niederlage, sondern womöglich über Titel und nicht-Titel. San FranciscoNY Giants war durchaus das Skript, das man hatte erwarten können: „Big Play“ Manning auf der einen Seite, auf der anderen ein unsouveräner Alex Smith hinter einer windelweichen Offensive Line, der einen (EINEN!) Pass für einen Wide Receiver anbringen konnte, 112 von seinen 196 Pass-yds in zwei langen Spielzügen für TE Davis machte und nur 1/13 dritte Versuche verwertete.

Am Ende war es wie ein Schwergewichtsboxkampf, in dem beide Offenses in den Seilen hingen und einen Punt nach dem anderen produzierten. Eine kleinliche Auslegung einer in manchen Situationen sinnbefreit wirkenden Regel („Forward Progress“). Viele zu Boden fallende Pässe. Düsteres Stadionlicht. Und dann kam der Backup-Kickreturner, ein Mann, dessen Name bisher 2000km weiter östlich für gänzlich andere Qualitäten – namentlich fulminante Defensive Line – gestanden hatte. Kyle Williams, der Ersatz-Returner der 49ers mit der tauben Stelle am Knie, produzierte in Schlussviertel und Overtime zwei Turnovers Marke „haarsträubend“, die das Schicksal der Partie entschieden und den Giants den Weg zur Superbowl bereiteten.

Aussetzer, die dir keine Glaskugel prognostizieren wird. Aussetzer, bei denen du mit dem Unglücksraben mitleidest. Aussetzer, die sowohl im Endspiel der AFC, als auch jenem der NFC den Ausschlag über Sieg und Niederlage gaben. Wir erleben also statt dem Bruderduell Harbaugh gegen Harbaugh nun die Neuauflage jener Superbowl, die trotz etlicher weiterer Anhaltspunkte für immer von dem einen Namen geprägt sein wird: Tyree.

HeadCoach-„Klasse“ von 2009

Im Anschluss an 2008/09 gab es ein massives Coach-Ringelreihe, und selten hat man eine derartige Ansammlung an „Risiko-Einstellungen“ im Anschluss: Entweder blutjunge, unerfahrene Assistenzcoaches oder charakterliche Zeitbomben – alles Moves, die einst einem Regenschirm glichen – so gespannt war man, wie sich diese Gruppe schlagen würde. Ein Blick auf die elf Trainerwechsel von damals, und wie es drei Jahre danach aussieht:

HeadCoach        Team           Bilanz PO   Status
Tom Cable        Oakland        13-19       gefeuert nach 2010
Jim Caldwell     Indianapolis   26-22  2-2  gefeuert nach 2011
Todd Haley       Kansas City    19-26  0-1  gefeuert während 2011
Eric Mangini     Cleveland      10-22       gefeuert nach 2010
Josh McDaniels   Denver         11-17       gefeuert während 2010
Jim Mora jr.     Seattle         5-11       gefeuert nach 2009
Raheem Morris    Tampa Bay      17-31       gefeuert nach 2011
Rex Ryan         NY Jets        28-20  4-2  aktiv
Jim Schwartz     Detroit        18-30  0-1  aktiv
Mike Singletary  San Francisco  13-18       gefeuert während 2010
Steve Spagnuolo  St Louis       10-38       gefeuert nach 2011

Drei Jahre später kann man an dieser Stelle den ollen Fontane heranziehen: Courage ist gut, aber Ausdauer ist besser. Die Klasse von 2009 hatte eher stürmische Zeiten zu überstehen, mit zwei kritischen Offseasons: Im Frühjahr 2009 entfiel die Salary Cap, im Frühjahr 2011 gab es einen monatelangen Arbeitskampf – und zudem wurden auffällig viele Chefcoaches in schwierige Situationen geworfen. Trotzdem: Neun von elf Gefeuerte nach drei Jahren – Alle Achtung, die Owner scheinen ungeduldiger denn je.

Cable war einst bereits eine dreiviertel Saison als Kiffin-Nachfolger eingesprungen (4-8 wird oben nicht berücksichtigt) und lieferte nach seiner Einstellung beste Unterhaltung mit fliegenden Fäusten gegen eigene Assistenzcoaches, aber auch mit der ersten „nicht-negativen“ Saisonbilanz der Raiders seit Äonen. Resultat: Direkt im Anschluss gefeuert.

Caldwell, der Mann mit den schmalsten Lippen, startete im Anschluss an Dungy wie eine Rakete, gewann die ersten 14 Spiele seiner Colts-Trainerlaufbahn, teilweise mit bizarr viel Glück gewonnene Partien, ehe sich in Woche 16 von 2009/10 das Schicksal wandte, als Caldwell inmitten einer souverän geführten Partie gegen die Jets seine A-Mannschaft vom Feld nahm. Wochen später verlor man die Superbowl gegen die Saints, würgte sich mehr schlecht als recht durch die anschließende Saison und kollabierte heuer nach Mannings Ausfall schlimmer als es alle erwartet hatten. Der geborene Bürokrat Caldwell wird nie mehr den Ruf eines Visionärs bekommen.

Haley kam einst als frischer OffCoord aus Kansas City, zerstritt sich aber schnell mit dem neuen GM Scott Pioli, dessen Vorstellungen von Arbeitsklima von der Belegschaft als versuchter Psychoterror aufgefasst wurden, führte die Chiefs 2010/11, gebaut um einige fantastische Einzelspieler, mehr schlecht als recht in die Playoffs, ehe heuer der – vorhersehbare – Einbruch folgte.

Mangini ist so ein Fall, den man ewig diskutieren kann: Der Mann war in New York gescheitert, disziplinierte in Cleveland erstmal die Browns, mit denen es Mitte der Saison 2010/11 tatsächlich aufwärts zu gehen schien, ehe es allen klar wurde, dass GM „West Coast“ Holmgren und „Football-Urzeit“ Mangini nicht gut gehen konnte. Resultat: Rauswurf, Cleveland steckt ein Jahr danach immer noch in den Untiefen und weiß nicht, wie es weitergeht.

Ein anderer ehemaliger Belichick-Schüler, McDaniels, scheiterte in Denver mit seinem Versuch, alles auf einmal umzukrempeln. Ich bin nach wie vor extrem skeptisch, was McDaniels’ konzeptionelle Arbeit anging. Erst wurde der Franchise-QB mit dem starken Arm, Cutler, rausgeworfen, dann kam mit WR Demariyus Thomas die Waffe für das tiefe Spiel, dann wurde ein Erstrundendraftpick für den unkonventionellen Tebow verbrannt. Es wurde ein Erstrundendraftpick für CB Smith verschenkt, ehe Smith nach einem Jahr wieder auf der Straße saß. Dann klickte die Offense mit dem ungeliebten Orton, ehe die Defense implodierte und McDaniels inmitten seiner zweiten Saison wenig überraschend auf der Strafe saß und mit dem „sicheren“ John Fox ersetzt wurde.

Zu Mora jr. erübrigt sich jeder Kommentar: Seit Falcons-Zeiten ist der Mann bei mir völlig verbrannt – in Seattle war er nach einer Saison gegangen, als Nachfolger der ehemals in der NFL gefloppte Pete Carroll, Flüchtling von USC, eingestellt.

Morris, aufgestiegen innerhalb von Wochen vom Secondary-Betreuer zum Chefcoach, propagierte in Tampa den jugendlichen Elan, nur um am Ende die jugendliche Unerfahrenheit als Grund für sein Scheitern bloßzustellen. Die Kaderpolitik in Tampa war nicht immer durchschaubar, aber der fabulöse QB Josh Freeman überdeckte für einige Zeit die Schwächen – am Ende schien die Mannschaft den Coach Morris aufgegeben zu haben.

Singletary war in San Francisco aufgrund seiner engen Fesseln für das 49er-Spiel, galt als schlechter GameManager und wurde ebenso in seiner zweiten Saison geschasst. Spagnuolos Rams durchliegen tiefste Tiefen und liegen aktuell in einem noch tieferen Tal der Depression als zu seinem Amtsantritt, trotz jungem Toppick mit QB Bradford, und fishten sich jüngst einen neuen HeadCoach. Spagnuolos Zeit in St Louis war gekennzeichnet von einer ordentlichen Defense im zweiten Jahr, als gegen einen lachhaften Schedule sieben Siege eingefahren werden konnten.

Bleiben Ryan und Schwartz – und gemessen an der abgelaufenen Saison ist Ryans Stuhl mittlerweile zumindest leicht „angewärmt“. Einzig der große Football-Pragmatiker Jim Schwartz darf als richtig geglückter Move gelten – betrieben die Lions doch mitunter eine Kader-Aufbaupolitik, wie man sie in den letzten Jahren maximal noch von Green Bay oder kurzzeitig Arizona gesehen hatte.

NFC-Championship 2011/12: San Francisco 49ers – New York Giants

[00h38] Astreine, ja fantastische Hymnen-Performance von unserem blonden Gesangssternchen Kristin Chenoweth im strömenden Regen. Das war vielleicht die beste Version vom Star Spangled Banner, die ich bisher gehört habe. Können sich die Konsorten Aguilera/Tyler was von abschneiden.

Und nur mal so nebenbei bemerkt: Was sich da über Candlestick zusammengebraut hat, ist eine SUPPE.

[00h31] Nachdem der Heimvorteil von uns vor den Playoffs als möglicher, vergleichsweise überproportional wichtiger X-Faktor ausfindig gemacht worden war, sind die Heimmannschaften bislang 8-1 in diesen Playoffs. Einziger Auswärtssieg bis dato von den Giants, die auch heute wieder auswärts antreten, und als leichter Favorit gelten.

[00h29] Bei FOX entscheidet der ehemalige Giants-DE Michael Strahan die Tipprunde mit 3:2 zugunsten der NY Giants.

[00h20] Back in a minute aus dem schwer verregneten San Francisco.

AFC-Championship 2012: New England Patriots – Baltimore Ravens

Liveblogging auch bei dogfood/Allesaussersport.

[00h24] Nur mal so nachgedacht: Was hätte Christopher D. Ryan mit diesem Finish welchen Spaß gehabt?

[00h14] Endstand New England Patriots 23, Baltimore Ravens 20.

Solche Finishes sind mit ein Hauptgrund, warum ich diese Sportart liebe. Da wurstelt der aus irgendeinem Trainingslager aufgeklaubte Backup-Defensive Back #29 Sterling Moore in höchster Not einen Ball aus den Händen des Wide Receivers Lee Evans, um die sichere Niederlage zu verhindern, und zwei Spielzüge später setzt der Probowl-Kicker Cundiff den Ball aus der lächerlichen Distanz von 32yds meterweit links daneben. Bitter für den Kicker, Dusel für die Patriots, die ihre fünfte Superbowl in den letzten elf Jahren besuchen- was für eine Bilanz ist das bitteschön?

Der Heimsieg gegen die Ravens war heute nicht „schön“. Brady wirkte nicht sonderlich locker, die Offense war gezwungen, mehr Laufspiel als gewohnt zu implementieren, und am Ende musste man sich auf die schlechteste Defense der Liga verlassen, um das Spiel nicht noch aus den Händen zu geben.

Ich gehe mal kurz durchschnaufen, dann sehen wir uns in ein paar Minuten zum zweiten Conference-Finale wieder.

[00h10] Unglaublich! Unglaublich! Ravens-Kicker Cundiff verschießt 15sek vor Schluss das kurze Field Goal aus 32yds, zwei Plays, nachdem der Backupbackup #29 Sterling Moore in allerhöchster Not einen sicheren Touchdown von WR Lee Evans in der EndZone noch freigeschlagen hatte! Die Patriots fahren nach Indianapolis.

[00h02] 3rd down scheitert. Nach dem Punt haben die Ravens 1:44, um von der eigenen 20yds Line wenigstens den Ausgleich zu machen. Für Flacco der do or die-Drive, kann seinen Ruf zertrümmern oder aufpolieren.

[23h59] Undurchsichtiges Management der Ravens mit ihren Auszeiten. Während die Patriots einmal erfolgreich werfen und einmal laufen, verschenken die Ravens durch das Nicht-Zücken ihrer Auszeiten auf alle Fälle wertvolle Sekunden. 1:56 vor Schluss – nach der 2min-Warning kommt das dritte Down, in dem die Patriots das Spiel fast eintüten können.

[23h56] #75 Vince Wilfork bricht durch, ist an Flacco dran – der muss das Ei wegwerfen. TURNOVER ON DOWNS. Die Patriots sind nun in einer exzellenten Situation, während die Ravens mit nur mehr 2 Auszeiten riskieren, Zeit zu verlieren.

[23h53] 2:53 vor Schluss werden die Ravens beim 3rd and 3 für Raumverlust gestoppt und haben nun einen vierten Versuch und 6yds – gerade weit genug von der EndZone entfernt (33yds), dass ein Field Goal gefährlich lange wäre… Die Ravens überlegten einen Moment, auszuspielen, haben nun ein Timeout zum Nachdenken genommen. Erfolgreiches Ausspielen hätte zwei Aspekte: Man könnte Raumgewinn machen und die Uhr runtertickern lassen.

[23h50] Es ist für New England insofern noch nicht viel verloren, dass die Ravens besser beraten wären, nun einen Touchdown zu machen. Knapp sechs Minuten noch, und ein Field Goal würde nur ausgleichen und möglicherweise einige Zeit auf der Uhr lassen…

[23h47] Meine Fresse, da powern sich die Ravens mit dutzenden Läufen über #34 Williams und #27 Rice über die Spielfeldmitte und machen ein 1st down nach dem nächsten und dann wirft QB Joe Flacco eine eher hanebüchene Interception auf #55 Brandon Spikes. Sah jetzt aus ersten Winkel wie ein klarer Flacco-Fehler aus. Und was machen die Patriots im nächsten Drive? Tiefer Ball, #31 Pollard fälscht den Ball artistisch ab und der nebenher laufende CB Jimmy Smith fängt eine sensationelle INT ab und returniert bis an die BAL37.

[23h36] New England 23, Baltimore 20/Q4 11:29. Im vierten Versuch fliegt Brady über die Defensive Line zum 0.5yds-TD Sneak rein. Zweiter Führungswechsel, diesmal war der eben noch unglückliche Woodhead eine der Schlüsselfiguren. New England läuft heute erstaunlich gerne über das Herz der Ravens-Defense. Ich hatte doch in einem Podcast gestern auf dem Weg nach Verona was von einer Verletzung bei #92 Ngata gehört?

Drittes Viertel

[23h25] Beim nächsten Patriots-Drive schlägt der Pollard wieder zu: TE #87 Gronkowski wird so unglücklich getackelt, da wird Gronkowskis Knöchel abgebogen, dass es Phantomschmerzen bis hier herauf verursacht. Pollard hatte früher bereits Brady und Welker von den Patriots ausgeknockt.

[23h21] New England 16, Baltimore 20/Q3 0:50. Schadensbegrenzung für New England, das Flacco beim dritten Versuch sacken kann (sic!). Flacco wirkt tendenziell sehr souverän, hatte aber auch einen möglicherweise verschenkten Touchdown, als er den Wurf in die EndZone dem völlig offenen FB Leach vorzog, als Leach wohl hätte zum TD durchspazieren können.

[23h16] FUMBLE! #39 Danny Woodhead wird bei einem langen Kickoff-Return der Ball aus der Hand geschlagen, nach mehreren Versuchen erobern schließlich die Ravens das herumhüpfende Ei und kriegen an der NE28 den Ball.

[23h13] New England 16, Baltimore 17/Q3 3:38. Flacco zerlegt einen Patriots-Blitz exzellent und WR #82 Smith kann zum Touchdown durchlaufen. Die Ravens wirken für meinen Geschmack ziemlich effizient in dritten Versuchen, haben nun die Defense unter Kontrolle halten können.

[22h56] New England 16, Baltimore 10/Q3 9:06. Ein physischer Grabenkampf, in dem die Patriots mit Gewalt versuchen, ihr Laufspiel um die Herren #42 Green-Ellis/#81 Hernandez durchzudrücken – was in Kombination mit schnellen Pässen für die Tight Ends erstaunlicherweise eine zeitlang gelingt, bis in der RedZone ausgerechnet ein solcher Lauf zu kurz ist und die Patriots bei 4th and 1 ein kurzes Field Goal nehmen. Auch hier gilt: Ich hätte ausgespielt.

Zweites Viertel

[22h34] Halbzeit New England Patriots 13, Baltimore Ravens 10.

Überraschenderweise knien die Patriots zur Halbzeit ab – kriegen allerdings wohl als erste den Ball in der zweiten Halbzeit (oder spielt Harbaugh Payton?). Ein recht interessantes Spiel, das erst Anflüge von Defensivschlacht zeigte, im zweiten Viertel aber doch auch ansprechende Offenses aufbot. New England kommt über die schnelle Offense mit kurzen Intermezzi zwischen den Snaps zum Erfolg, während bei den Ravens unübersehbar der Wille da ist, mit tiefen Bällen für WR Torrey Smith die Defense auseinanderzuziehen. Smith wäre vor der Pause einmal frei zum Durchlaufen gewesen, aber Flaccos Ball unter kollabierender Pocket geriet etwas zu kurz.

Die Ravens-Abwehr ist über weite Strecken etwas passiv, geht nicht aggressiv auf die Ballfänger und fängt sich somit gerne längere Drives ein – bisher wurde der Schaden minimiert, weil die Schotten in Fieldgoal-Reichweite dicht bleiben und Brady stetes drei oder vier Hünen aus der Defensive Line vor sich stehen hat, an denen schwer vorbeizuwerfen ist. Die Patriots-Defense macht nun merklich weniger Druck als zu Spielbeginn, hätte aber Flacco mit etwas Glück gleich zweimal den Ball aus der Hand schlagen können.

[22h20] New England 13, Baltimore 10/Q2 3:00. Zwischenzeitlich ein atemberaubendes Tempo der Patriots-Offense, die damit großen Erfolg hatte und fast alle namhaften Playmaker mit Raumgewinn. In der RedZone wird es wieder gemächlicher, schon kommt der Passrush in Form von u.a. #55 Suggs durch. Was auffällt: Die Ravens sind jetzt von der anfänglich angedeuteten Tendenz, #52 Ray Lewis auf den schnellen #81 Hernandez anzusetzen, weggegangen. Kann aus Baltimore-Sicht nur gut sein.

[22h09] New England 10, Baltimore 10/Q2 6:03. Touchdown-Pass für TE #88 Pitta, nachdem nun auch WR Boldin involviert ist, Rice aber weiterhin eher ein Nullfaktor bleibt.

[21h59] New England 10, Baltimore 3/Q2 10:35. Obwohl Brady kurzzeitig Anzeichen von Besorgnis ob seiner Protection andeutete, der erste mit Touchdown abgeschlossene Drive: Lauf/Lauf über #42 Green-Ellis, schneller Pass für Welker, schneller Pass für Gronkowski, Lauf Green-Ellis, Strafe gegen die Defense, Lauf Green-Ellis. Simpel gestrickt und effizient.

[21h50] New England 3, Baltimore 3/Q2 14:21. Baltimore sucht sofort nach dem Turnover den tiefen 42yds-Ball für #82 Torrey Smith, ehe der Drive an der 3yds Line um ein Yard zu kurz ist. Harbaugh eine Woche nach dem gescheiterten Versuch an der GoalLine mit den weichen Eiern, lässt das Field Goal schießen. Da kommen Turners Geister zurück, als einst 2007/08 die Chargers gegen die mächtige Patriots-Offense zig Field Goals an der GoalLine schießen ließ. Ich meine: Schlechte Entscheidung.

Erstes Viertel

[21h39] Hatte nicht irgendwer mindestens zwei INTs gegen Brady angekündigt? #21 Ladarius Webb bei einer mittellangen Route über halbrechts mit einem artistischen Catch und diesmal zählt – trotz leichtem Kontakt – der Turnover.

[21h34] Die Defensive Line der Patriots reißt das Spiel an sich: #75 Wilfork erst mit einem Tackle für -5.5yds gegen RB Ray Rice, dann im dritten Versuch – erraten – wird Flacco von Wilfork gesackt. Die Patriots-Deckung sieht okay aus, aber nicht überragend. Dafür ist der Passrush schnell genug durch, dass wir nicht von reinem „Coverage Sack“ reden können.

[21h28] New England 3, Baltimore 0/Q1 5:49. Die Patriots ziehen das Tempo an, spielen teilweise die Snaps 16-18sek vor Ablauf der PlayClock ab und kommen mit gewohnter Kleinwichserei in die RedZone. Dort stockt der Drive, weil die Ravens verschiedene Aufstellungen entgegenwerfen, mal decken, mal Druck ausüben – am Ende drei Punkte, drei Spielzüge nach einer wohl korrekt zurückgepfiffenen INT gegen Brady.

[21h18] Zweiter Ravens-Drive ohne 1st down: New England zerbröselt mit drei Mann die Pocket, Flacco ist zu langsam im Erkennen der meilenweit offenen Receiver auf der rechten Spielfeldseite. Resultat: #95 Anderson mit dem Sack beim dritten Down – wie letzte Woche, als Flacco immer wieder im dritten Versuch gefällt wurde.

[21h13] Auch die Patriots schaffen kein 1st down. Die Ravens sind noch nicht überaggressiv im Pass Rush, etwas, das man vielleicht hätte erwarten können, weil die große Schwäche Bradys dann zum Tragen kommt, wenn Brady unter Druck seiner Protection nicht mehr vertrauen kann – die Ravens blieben in diesem ersten Drive aber diszipliniert und vertrauten auf ihre Deckung.

[21h09] In der Anfangsphase stellen die Patriots McCourty als Cornerback ab, dafür sind die Safetys Ihedigbo (oder so) und Chung. Resultat: Fast eine INT für Chung und danach muss Flacco einen hoffnungslosen Scramble starten. Three’n’out.

[21h07] Jetzt haben Nantz und Simms die Plätze gewechselt und die Patriots deferred.

[21h04] PreGame-Checklist:

Flaschenbier von Maxlrainer [X]

Feuerwerk bei Tageslicht [X]

Gekreische im vorletzten Takt der Hymne [X]

Kann losgehen.

[20h37] Das Wetter in Foxboro soll heute konstant leicht unter 0°C sein, aber leider wohl weder Schnee, noch Regen, noch Schneeregen, der erst heute Nacht oder morgen einsetzen soll. Freuen wir uns trotzdem auf das AFC-Finale 2011/12, New England Patriots – Baltimore Ravens. Unsere Vorschau:

RIP Joe Paterno

Nach einiger Verwirrung über den heutigen Sonntag hat AP nun die Meldung bestätigt, dass Joe Paterno verstorben ist. „JoePa“ gehört zu den legendärsten Coaches in der Geschichte vom College Football und war von 1966-2011 HeadCoach der Pennsylvania State University, nachdem er dort seit 1950 Assistenzcoach gewesen war. Bilanz: Über 400 Siege und zwei National Titles. Die letzten Jahre waren geprägt von der unterschwellig immer wieder auftauchenden Frage, wie man den über 80jährigen Paterno vom Trainersessel schubsen könne ohne an seinem Denkmal zu kratzen. Im November 2011 wurde Paterno dann im Zuge des Falles „Sandusky“ gefeuert. Seitdem machten diverse Gerüchte um eine Krebserkrankung Paternos die Runde. Noch heute Morgen gab es Meldungen über einen „sehr ernsten“ Zustand Paternos.

Eine kleine Huldigung habe ich vor eineinhalb Jahren bei Spox geschrieben – lange bevor der Fall vom Kindesmissbrauch bei Penn State publik geworden war.

Bei Deadspin gibt es das Statement der Paterno-Famile.

RIP Joe Paterno.

NFC Championship Game 2011/12 – New York Giants @ San Francisco 49ers

New York Giants (11-7) @ San Francisco 49ers (14-3)

[Sonntag/Montag 00.30Uhr auf ESPN America, Sport1+ und PULS4; kommentiert (über FOX) von Joe Buck, Troy Aikman, Pam Oliver und Chris Myers.]

Special Teams sind so etwas wie das Stiefkind eine jeden Footballteams. Dort spielen hauptsächlich Rookie und Backups und wenn man nicht gerade einen Devin Hester im Team hat, interessiert sich auch kaum jemand für sie. Wie wichtig die Special Teams aber sein können, zeigen die San Francisco 49ers in dieser Saison auf beeindruckende Weise. In Verbindung mit der starken, viele Ballverluste erzwingenden Defense, beginnt die Offense ihre Drives im Durchschnitt an der 33-Yard-Linie. Ohne diese Unterstützung wäre San Frans Offense absolut hilflos. Das ist die schlechteste Offense, die ein Championship Game erreicht, seit Baltimore 2001.

Wenn die 49ers den Ball haben

Die Offensive Line ist schlecht, die Running Backs Frank Gore und Kendall Hunter sind nicht mehr als Durchschnitt und Quarterback Alex Smith ist – eben Alex Smith. Nur eines macht San Frans Offense richtig gut: sie verlieren keine Bälle. Nur elf Ballverluste in 18 Spielen sind einsamer Liga-Spitzenwert. Diese Turnover-Aversion harmoniert perfekt mit den starken Special Teams (vor allem Punter Andy Lee) und der starken Defense. Das ist auch dringend nötig, denn wenn die Offense auf sich allein gestellt ist, bekommt sie so gut wie gar nichts auf die Beine gestellt. Mit nichtmal 27 Yards pro Drive gehören sie zum Bodensatz der Liga. Punkten können sie auch fast ausnahmslos aus guten Feldpositionen heraus. Und selbst dann sind sie ziemlich schlecht, weil sie auch noch eine der ineffektivsten Red-Zone-Offenses der Liga haben. David Akers ist ein guter und zuverlässiger Kicker, aber den Rekord für die meisten Field Goals hat er aufgestellt, weil die 49ers viel zu selten in die Endzone kommen. Nur sieben Angriffsreihen haben in dieser Spielzeit weniger Touchdowns gemacht.

Es fällt sehr schwer gegen die G-Men irgendwo gute Matchups zu erkennen. Versuchen wir es trotzdem. New York hat nicht die besten Linebackers in Zonenverteidigung. Es gab viele Verletzungen und DC Perry Fewell hat da auch mächtig durchgewechselt und mittlerweile hat sich sogar Chase Blackburn, bis Mitte der Saison noch arbeitslos, einen Stammplatz erarbeitet. Mit ihm und Rookie Jaiquan Williams sollte TE Vernon Davis ein paar dankbare Gegenspieler haben. Davis ist neben Michael Crabtree auch die einzige verläßliche Anspielstation, die Alex Smith hat. Daher könnten es die Giants es sich auch erlauben, einen Safety auf Davis abzustellen. So wie auch die Saints in der letzten Woche – nur wird wohl weder Deon Grant noch Antrel Rolle sich so dämlich anstellen, wie Malcolm Jenkins in den Divisionals.

Falls Big Blue nicht schon mit ihrer starken und tiefen Defensive Line genügend Druck auf Smith wird ausüben können, werden sie auch noch einige kreative Blitzes einstreuen, gegen die San Fran letzte Woche gegen New Orleans einfach nur hilflos war und Smith froh sein kann, daß er da irgendwie heil rausgekommen ist.

Auch das Laufspiel ist alles andere als überragend. Über die Saison gesehen schaffen 49ers gerade mal 4 Yards pro Carry. Zumindest ist der zweite Tight End Delanie Walker wieder fit, so kann man wieder auf die beliebte 2RB/2TE-Formation zurückgreifen. Weil es aber auch mit ihm gegen die starke Defensive Line der Giants nicht viel zu holen geben wird, sollten im Gameplan wieder einige “seltene” Dinge enthalten sein. Plays wie Endarounds, Flea Flicker oder andere Trickspielzüge. Oder auch Fake Punts oder Field Goals. Ansonsten kann der Angriff nur hoffen, daß sie – mal wieder – von den Special Teams und einer Ballverluste provozierende Verteidigung rausgehauen werden. Also legen wir hier größeres Augenmerk auf die Zeit, in der die G-Men den Ball haben.

Wenn die Giants den Ball haben

Die Giants brauchen ein herausragendes Spiel von Eli Manning. Da trifft es sich gut, daß Eli zur Zeit besser spielt als jeder andere Quarterback. Vor allem under pressure und bei dritten Versuchen macht er immer wieder so starke Plays, daß die Verteidiger sich nur noch verzweifelt angucken. Man ist immer noch überrascht, wenn Eli mit zwei Verteidigern im Gesicht den 12 Yards entfernten Wide Receiver am First-Down-Marker nicht nur findet, sondern auch perfekt bedient. Das ist aber schon länger kein Zufall mehr. In dieser Saison hat Manning in der Regular Season bei dritten Versuchen und mehr als 10 Yards zu gehen folgende Statistiken: 31 von 46 für 548 Yards. Daneben hat er auch noch den Rekord für die meisten Touchdown-Pässe im vierten Viertel aufgestellt (15) und fünf Fourth-Quarter-Comebacks gezaubert (insgesamt sechs Game Winning Drives).

Aber genau dieser selbstsichere, coole und mutige Eli ist auch ganz dringend nötig gegen die aggressive Defense der 49ers. San Francisco läßt nur 3,5 Yards per Carry zu. Mit DE Justin Smith und den beiden Linebackers Patrick Willis und NaVorro Bowman haben die 49ers drei der besten Lauf-Verteidiger der ganzen Liga. Mit Dashon Goldson und Donte Whitner haben sie auch zwei hervorragende Safeties, die jeden Fehler der Front Seven ausbügeln können. Insgesamt hat San Frans Defense wohl eine der most fundemantally sound Defenses der letzten Jahre. Head Coach Jim Harbaugh hat einen hervorragenden Job gemacht. Seine Spieler sind sehr diszipliniert und verpassen kaum einen Tackle.

Big Blues Laufspiel ist zwar in den Playoffs deutlich besser geworden (4,6 YPC gegenüber 3,5 in der Regular Season), aber sie haben dabei auch von zwei schwachen Gegner profitiert. Nichtsdestrotz hat die Offensive Line endlich gut zusammengefunden, nachdem man viele Wochen lang aufgrund von Verletzungen und Formschwächen Spieler zwischen den Positionen hin und her geschoben hat. RBs Ahmad Bradshaw und Bulldozer Brandon Jacobs müssen einige gute Läufe auspacken, um Eli das Leben ein wenig einfacher zu machen. Ein Mittel wäre, die 49ers mit 3- oder gar 4-WR-Sets in ihre Nickel-Formation zu zwingen und dann aus 1-Back-Sets zu laufen, gerne auch aus der Shotgun-Formation. Allerdings sind auch in der Nickel-D Smith, Bowman und Willis auf dem Feld. Es wird, wie man es auch dreht und wendet, keine Rushing Explosion geben. Zumal es mit 50%er Wahrscheinlichkeit – wenn der Wetterbericht nicht lügt – infolge von Regen ein nasses Spielfeld (Echtrasen) geben wird im Candlestick Park.

Die Giants sollten einfach das ganze Spiel mit einer 3WR/1TE/1RB-Formation durchziehen, garniert mit 4WR-Sets. So hat man wenigstens Rookie Nickelback Culliver immer auf dem Feld und kann außerdem mit viel Paßspiel dem Laufspiel den Weg bereiten – entgegen der alten (zu alten?) Football-Weisheit: Establish the Run! Mit einer “traditionellen” Aufstellung mit FB und RB oder zwei TEs plus RB ist gegen das Bollwerk aus der Bay Area wohl nichts auszurichten.

Mit viel Paßspiel und einer mäßigen Offensive Line lastet dann mal wieder alles auf Elis Schultern. Aber der kann damit zu New Yorks Glück umgehen. Die G-Men hatten vier Must-win-Games in Folge und haben sie alle gewonnen – und zwar nicht gegen die schlechteste Konkurrenz: Jets, Cowboys, Falcons, Packers. In den beiden Playoffspielen hat Eli 68% aller Bälle an den Mann gebracht, 9,2 Yards pro Paßversuch erworfen und als Team haben die Giants 53% aller dritten und vierten Versuche verwandelt. Und das alles mit einer OLine, die gegen San Fran einen ganz, ganz schweren Stand haben wird. Justin und Pass Rusher Aldon Smith werden einige Male bei New Yorks QB einschlagen.

Aber wie gesagt: Eli ist einer der besten under pressure. Offensivee Coordinator Kevin Gilbride sollte versuchen, San Fran tief zu attackieren. Mit Hakeem Nicks, Mario Manningham und dem deep threat par excellence Victor Cruz hat er auch genau die richtigen Waffen dafür. Spannend wird sein, wen Carlos Rogers, der beste CB der Niners, bewachen wird. Im “Hinspiel” in der Regular Season war es meistens Cruz im Slot; das würde den unbekannten Tarell Brown oder Rookie Chris Culliver mit der schwierigen Aufgabe Nicks allein lassen. Große Chancen sollten für alle drei da sein und, wenn sich San Fran zu sehr auf diese konzentriert, auch für TE Jake Ballard, der so etwas wie Rob Gronkowski light ist.

Nochmal kurz gesagt, würde ich Bug Blue empfehlen, von Anfang an die WRs ins Spiel einzubinden, oft auch tief, und dafür das Laufspiel erst mal zu vernachlässigen. Das kann dann später kommen, wenn die Niners sich etwas weiter zurückziehen, weil sie vor allem die Big Plays verhindern wollen. Die 49ers haben nur eine Chance mit Turnovers und Trick Plays.

Vor dem NFC-Finale 2011/12

Hand aufs Herz: Dass sich San Francisco und die New York Giants für das NFC-Finale qualifiziert haben, ist eine Überraschung. Und es ist eine Ansetzung, die sich dank 80er Jahre und einem famosen Playoffspiel im Jänner 2003 mit historischem Thrill aufladen lässt: Die Giants knockten einst QB Joe Montana aus. Die 49ers gewannen dafür das „ineligible man downfield“-Spiel von vor neun Jahren. Jetzt geht es erneut um den Superbowleinzug.

San Francisco 49ers – New York Giants

So/Mo, 22./23.1. um 0h30 LIVE bei ESPN America, SPORT1+ und PULS4
ESPNA-Tape: Montag, 23.1. um 18h30, Dienstag, 24.1. um 15h30

Für die Giants ist es im dritten Playoffspiel in Serie der dritte völlig unterschiedlich gebaute Gegner: Nach den „Allroundern“ der Atlanta Falcons und der rohen Passgewalt der Green Bay Packers sieht man sich nun einem unspektakulären, auf pure Effizienz getrimmten Gegner gegenüber.

Ich möchte die 49ers in ihrer Gesamtheit nicht „parasitär“ nennen. „Parasitär“ würde ich mit „Schmarotzen von Gegners Fehlern“ gleichsetzen, aber das trifft die 49ers nur im Kern. In der Defense schauten wenigstens zwei der fünf Turnovers – die beiden INTs – wie blitzsauber erzwungene Fehler gegen eine der spektakulärsten Angriffe in der NFL aus, die der – für sich wirklich nur – opportunistische Angriff prompt zu Punkten verwertete.

Der Leistungs-Check

Wie ich vergangene Woche bereits erläuterte, ist San Franciscos Offense um reine Feherminimierung und Effizienzoptimierung getrimmt – was streckenweise optisch furchtbar aussieht. Ordnen wir die letzten vier Spielminuten von letzter Woche mal unter „außergewöhnliche Umstände“ ein: Was bleibt, ist eine horrende Offensivvorstellung um einen gnadenlos kastriert wirkenden QB Alex Smith hinter einer völlig übermannten Offensive Line.

Eine Offensive Line, die Fragen aufkommen lässt: Wie kann eine Mannschaft damit so weit kommen? Wir sprechen hier über eine Unit, die in 8.4% der Passversuche Sacks zulässt (#25) und hinter jener 20.4% der Laufspielzüge spätestens an der Anspiellinie schon wieder abgewürgt sind (#22) und die nur die #29 bei sehr kurzen dritten und vierten Versuchen ist. Es dürfte also ein langer Tag für die RBs Gore/Hunter werden – und dann läuft die Sache darauf hinaus, dass Smith mit seinem goldenen Händchen die Partie gewinnen muss.

Die Giants-Defense beeindruckte in den Playoffs IMHO weniger mit dem Sacks und Knockdowns, sondern muss in der Coverage eine Formel gegen die bisherigen Angriffe gefunden haben: Das war keine Defense, die wie in der Regular Season 7.5yds/Catch zuließ – Rodgers hatte zuletzt beispielweise 5.7yds/Passspielzug und musste ein ums andere Mal scrambeln. Sieht nicht wie das beste Matchup für die 49er-Offense aus, zumal die wichtigste Offensivwaffe TE Vernon Davis als launische Diva verschrieen ist und Giants-DefCoord Perry Fewell mit Sicherheit das eine oder andere Karnickel ziehen wird, um Davis möglichst mit Blocken beschäftigt zu halten.

Auf der anderen Seite verfügen die 49ers über eine seit Monaten atemberaubende Front Seven um die Smiths, Justin und Aldon, sowie die Linebackers Bowman/Willis. Laufspiel geht dagegen gar nicht (3.5yds/Lauf), vor allem in kurzen Yardage-Situationen läuft die 49er-„Box“ zur Hochform auf und würgt 60% dieser Situationen ab – Nummer 1 ligaweit mit meilenweitem Abstand.

Spricht einiges dafür, dass die Giants ihre wiederentdeckte Affinität fürs Laufspiel aufgeben müssen, um erneut auf die Big Plays zu setzen – ein Szenario wie geschaffen für den eigenartigen QB Eli Manning, dessen famose Coolness unter Druck und rattenscharfen tiefen Pässe so gar nicht so seinem eher farblosen Äußeren passen wollen: Manning für Nicks/Cruz/Manningham hat sich heimlich und leise zum Kassenschlager entwickelt und sollte gerade gegen die suspekte „no risk, no fun“-Secondary der 49ers minimum drei 40yds-Raumgewinne fabrizieren – und wenn die tiefen Bälle analog zur letzten Woche gegen Brees aus dem Spiel genommen werden, traue ich Gilbride/Manning mittlerweile auch die nötigen mentalen Adjustments zu, um den Fokus auf die nicht minder potenten Mitteldistanzen zu richten.

Der Form-Check

Ich bin dazu geneigt, San Franciscos Upset über New Orleans als Freak-Unfall abzutun – obwohl die 49ers exakt über jene Trümpfe operierten, die sie immer ausspielen: Turnovers, exzellente Feldpositionen, keine Fehler im Angriff. Bloß hätte das alles nicht gereicht, wenn nicht in der Crunch Time ein Ass nach dem anderen aus dem Ärmel gezückt worden wäre – und immer wenn ein Spiel so stark vom Skript abweicht, dass der GWP-Chart solch nervösen Zuckungen untersteht, darf man skeptisch über eine Wiederholbarkeit sein.

Auf der anderen Seite wirkten die Giants mächtig. Die Behauptung, Green Bay hätte am Sonntag das Spiel mehr verloren denn die Giants es gewonnen, geht großteils an den Tatsachen vorbei und ignoriert völlig die famose Gesamtleistung der Blauen, die selbst den widrigen Umständen – Stichwort: Refereeing – trotzten und die überhypten Packers in beeindruckender Manier abwürgten. Angefangen von Mannings mittlerweile beachtlichem Standing hin zur nicht minder eindrucksvollen Passrush- und Deckungsarbeit versprühen die Giants im Formhoch ein unerschütterliches Selbstvertrauen. Allerdings bin ich – ohne einen statistischen Vergleich zwischen anfänglicher Regular Season und den letzten drei-vier Wochen gemacht zu haben – immer noch etwas skeptisch bezüglich Giants: Ich kann mich an fast keine Mannschaft der letzten 4-5 Jahre erinnern, die eine derartige Leistungsexplosion wie jene der Giants über 1-1.5 Monate halten konnte. Ein baldiger Einbruch scheint mir unausweichlich.

Fazit

„Zum Glück“ aus Giants-Sicht sind auch die San Francisco 49ers eine Mannschaft, die zuletzt trotz starker Leistungen immer noch mehr Glück als Verstand brauchten, um die Siege heimzufahren – übrigens war auch das „Hinspiel“ im Oktober so eine Partie: San Francisco gewann verdient, hatte aber mit Giants-Drops und idiotischen PlayCalls in der Endphase damals alle Schutzengel auf seiner Seite. Damals ein überhaupt ungewöhnliches Spiel mit null Yards Laufspiel für Gore, allerdings einem *tada* Comeback Alex Smiths im Schlussviertel.

Mein Tipp: Die 49ers haben morgen nur dann eine Chance, wenn sie ihre uns bekannten Basics fehlerlos exekutieren und das Spiel knapp halten können. Als X-Faktor spielt ihnen sogar möglicherweise das playoffkompatible Wetter mit rein: Für morgen sind starke Regenfälle und böiger Wind vorausgesagt. Ehrlicherweise will man trotzdem nicht dran glauben, dass die Giants dieses Spiel nicht gewinnen werden.