Neujahrs-Bowls 2012, Teil I (Update: Sendetermine ESPNA)

[Update: Laut ESPN America/Twitter wird ab 21h die Winter Classic gezeigt und dann später ins laufende Spiel bei der Rose Bowl eingestiegen (dürfte dann so gegen 23h40 sein)]

Heute finden die traditionellen Neujahrsbowls statt, wie immer, wenn Neujahr auf einen Sonntag fällt, am Tag danach. Die beiden BCS-Bowls (Rose Bowl, Fiesta Bowl) werde ich später in zwei gesonderten Blogeinträgen noch abhandeln, weil ich am Abend eventuell Liveblogging veranstalten werde. Wie es übertragungstechnisch bei ESPN America aussehen wird, bleibt noch im Unklaren, weil gestern Abend bekannt gegeben wurde, dass die Winter Classic der NHL (Flyers-Rangers) kurzfristig von 19h MEZ auf 21h MEZ verschoben wurde. Für ESPN America eine ungute Situation, jetzt könnte der Beginn der Rose Bowl (Beginn 23h MEZ) wegfallen. Nachfolgend die vier „Aufwärm-Bowls“, die eventuelle noch folgende Termin-Aktualisierung von ESPN America wird noch eingebaut.


TicketCity Bowl

#22 Penn State Nittany Lions – #19 Houston Cougars

Mo, 2.1. 18h in Dallas/TX
Aufzeichnung: Mi, 4.1. um 13h30 bei ESPN America

Eine Bowl mit einer ganz eigenartigen PreGame-Stimmung: Man wird das Gefühl nicht los, dass beide die Saison so schnell wie möglich beendet sehen wollen. Bei Penn State spielt natürlich noch das Mitte November aufgeflogene sexuelle Missbrauch minderjähriger Buben mit, und offenbar gibt es tatsächlich kaum Fans, die noch ernsthaftes Interesse an diesem Spiel haben: Die Eintrittskarten sollen in etwa so begehrt sein wie Gammelfleisch mit Erdbeersoße und auch bei der Suche nach dem Nachfolger für die entlassene und entwürdigte Legende Joe Paterno sammelt man sich Absagen wie andere Briefköpfe ein.

Bei Houston hört es sich drei Wochen nach dem Debakel im Conference-Finale der C-USA und der dadurch verpassten BCS-Bowlqualifikation wie Untergangsstimmung an: Der Rekord-QB Case Keenum (17tausendirgendwas Yards über seine college-Karriere) wird sein letztes Spiel bestreiten, der begehrte schwarze Head Coach Kevin Sumlin hat sich gen Texas A&M University verabschiedet und auf der Suche nach einem Nachfolger musste man am Ende zu einer internen Lösung greifen.

Wenn beide mit genügend Intensität spielen, könnte das trotzdem ein interessantes Spiel werden: Ist Penn States starke Defense schnell genug bei Keenum durch, dass Houston zu seinem Laufspiel greifen muss und Lions-DT Devon Still seine ganzen Stärken ausspielen kann? Was kann im Gegenzug Penn States ziemlich unterirdische Offense gegen eine insgesamt wackelig wirkende Defense der Coogs ausrichten? (Houston ist nach Freundin Excel mit 6.7pts favorisiert – das Ranking tendiert aber dazu, offensivstarke Mannschaften zu bevorzugen)


Outback Bowl

#17 Michigan State Spartans – #16 Georgia Bulldogs

Mo, 2.1. um 19h aus Tampa/FL
Aufzeichnung: Di, 3.1. um 12h30 bei ESPN America

Zweimal Finalverlierer ihrer BCS-Conferences, zweimal sehr interessante Mannschaften mit Upside für die kommenden Jahre. Die Michigan State Spartans unter dem sympathischen HeadCoach Mark Dantonio waren nun zwei Jahre lang in der Big Ten Conference an vorderster Front dabei. Basis: Eine grundsolide Defense, die auch qualitativ gutwertige Offenses abzuwürgen vermag und in DT Jerrell Worthy nur einen Topmann verlieren wird. Der Rest besteht aus einem jungen, recht tief besetzten Spielermaterial.

Der Angriff der Spartans wird zum letzten Mal vom blassen QB Kirk Cousins angeführt werden, einem sympathischen Kerl, dem man nachsagt, gegen starken Pass Rush allergisch zu reagieren und nur mit einem starken Laufspiel im Hintergrund seinen Job fehlerlos hinzukriegen. Ein gefundenes Fressen für die Star-Passrusher der Bulldogs, OLB Jarvis Jones?

Während die Fragezeichen bei Michigan State eher dahin gehen, was die Mannschaft gegen athletisch starke, mit viel Speed operierende SEC-Teams wert ist, weiß bei den Georgia Bulldogs keiner so genau, was man überhaupt erwarten kann: Eine abgewürgte Offense wie gegen Boise State oder LSU oder ein 40-Punktefeuerwerk – alles möglich, alles schon gesehen.

QB Aaron Murray genießt einen guten Ruf und fühlt sich hinter einer der mächtigsten Offensive Lines (alles 1,90m-Bolzen) sichtlich wohl, hat allerdings nicht das breiteste Arsenal an Anspielstationen zur Verfügung. Der TE Orson Charles ist noch die zuverlässigste aller Optionen, während Murray vom monströs gebauten Rastamann RB Isaiah Crowell (847yds) Entlastung im Laufspiel bekommt. Crowell ist Freshman und man möchte nicht wissen, was der Mann an der Highschool so alles geschluckt hat. Trotzdem sieht man den Mann on Athens/GA erstaunlich kritisch, was wohl daran liegt, dass in der fünftausend Jahre alten Geschichte der University of Georgia schon der eine oder andere Top-RB durch die Hecken gepflügt ist. Einer war Herschel Walker, der mal in den 80ern die Heisman Trophy gewann und mit dem jeder Bulldogs-Running Back auf ewig verglichen werden wird.

Angesichts des 1pts-Spread aus der Simulation traue ich mir keine Prognose zu. Kommentieren wird übrigens u.a. Jon Gruden, dem man nachsagt, wieder NFL-Coach werden zu wollen – vielleicht in St Louis, wo man von einer Entlassung Spagnuolos ausgehen kann.


Capital One Bowl

#20 Nebraska Cornhuskers – #9 South Carolina Gamecocks

Mo, 2.1. um 19h aus Orlando/FL
Aufzeichnung: Di, 3.1. um 9h30 bei ESPN America

Ein Duell der Gegensätze, und das beginnt schon bei den Coaches: Während Steve Spurrier bei South Carolina eher den doppeldeutigen Nachdenklichen mit Hang zum Sarkasmus gibt, kommt auf der anderen Seite Nebraskas Chefcoach Bo Pelini als laut polternder Rülpel der Kategorie „Rex Ryan“ daher und scheut auch schon mal an der Seitenlinie keinen gellenden Streit mit den Referees.

Pelini, das Defensivgenie, hatte in dieser Saison Probleme mit seiner Abwehr. Nebraskas Defense war über Jahre gebaut, um die Spread Pass-Offenses der Big 12 Conference zu stoppen, war alles andere als unverwundbar gegen die physischeren Lauf-Mannschaften in der Big Ten Conference. Zudem macht sich schön langsam der Aderlass der letzten beiden Offseasons bemerkbar – Spieler wie Suh oder Amukamara lassen sich nicht 1:1 auf die Schnelle ersetzen.

Probleme mit Aderlass hatte Spurrier in einer etwas anderen Form: Verletzungen und Suspendierungen. Im Angriff ging der beste RB Marcus Lattimore ein Jahr nach seinem Durchbruch schnell mit Kreuzbandriss flöten, während der QB Stephen Garcia sich kurz darauf auch für Spurrier als endgültig beratungsresistent erwies und nach zwei Dutzend Eskapaden gekickt wurde. Folge: Die Gamecocks lavierten sich mit einer angeknockten Offense um Backup-QB Rex Burkheard durch, wobei man sich rückwirkend vor allem von WR Alshon Jeffery, einem potenziell hohen Draftpick, mehr erwartet hatte.

Bleibt die Defense mit ihrer großartigen Defensive Line: Der in Kürze hoch gedraftete DE Melvin Ingram und der bärenstarke Freshman-DE Jadeveon Clowney gehören zum Feinsten, was der College Football zu bieten hat, und dazu mische man die Tackles Devin Taylor/Stephon Gilmore/DeVonte Holloman – alles Namen, die man möglicherweise in ein paar Jahren in der NFL sehen wird. Da ich keine Ahnung habe, wie sich diese Front Four gegen den optionlastigen, bodenständigen Angriff der Cornhuskers schlagen wird und die Simulation einen 2pts-Spread ausgibt, wage ich auch hier keine ernsthafte Prognose.


TaxSlayer.com Gator Bowl

Ohio State Buckeyes – Florida Gators

Mo, 2.1. um 19h aus Jacksonville/FL
Aufzeichnung: Mi, 4.1. um 16h30 bei ESPN America

Der Mann, der im Mittelpunkt steht, ist ein Inaktiver: Urban Meyer, der ehemalige Meisercoach der Florida Gators (2006/07, 2007/08), und aufgefallen auch durch Coach-trete-zurück-Spielchen in den letzten Jahren. Meyer schmiss vor einem Jahr den Brocken in Florida endgültig hin, trat unter Vorwand „mehr Zeit mit der Familie verbringen zu wollen“ auch nicht mehr von seinem Rücktritt zurück und ging in die ESPN-Kommentatorenkabine. Hielt es dort nicht lange aus und sprang beim erstbesten Angebot ab. Dieses „erstbeste“ Angebot: Der Cheftrainersessel an der skandalgebeutelten Ohio State University.

So ist die Partie heute ein „Urban Bowl“ und man darf gespannt sein, wie das Gators-lastige Publikum in Jacksonville reagieren wird, nachdem Meyer in Gainesville doch etwas angebrannte Erde hinterlassen zu haben scheint und die Meinungen über den plötzlichen erneuten Sinneswandel (ergo Rückkehr ins Trainergeschäft) doch deutlich zu divergieren scheinen.

Mit den Buckeyes wird Meyer eine Mannschaft übernehmen, die heute ihre letzte Bowl für wenigstens zwei Jahre spielen wird, da Ohio State für die Tressel/Pryor-Geschichte mit einer einjährigen Bowl-Sperre und Abzug einiger Stipendien bestraft wurde – eine Strafe, die manche im direkten Vergleich zu Bush/USC als Gnadenbrot empfinden.

Bevor der Neuanfang aber gestartet werden kann, noch diese Gator Bowl 2012. Meyers Nachfolger bei Florida, Will Muschamp, kann nach einer enttäuschend sterilen Debütsaison immerhin auf eine aufstrebende Defense verweisen, während bei den Buckeyes der interessanteste Mann QB Braxton Miller sein wird, ein junger QB, der als Hoffnungsträger gilt, sich bei mir aber bereits als Mr. Overthrow einen Namen gemacht hat.


Rose Bowl (Oregon-Wisconsin) und Fiesta Bowl (Oklahoma State-Stanford) erscheinen, wie angeschnitten, in Kürze.

4 Kommentare zu “Neujahrs-Bowls 2012, Teil I (Update: Sendetermine ESPNA)

  1. Pingback: Bowl Season 2011/12: Die Schüsseln sind aufgestellt | Sideline Reporter

  2. #TicketCity Bowl: Da hat nur ein Team Motivation zu spielen, das schießt sich den Frust von der Seele. Das andere ergibt sich in seinem Schicksal und kommt mit so einer Offensivleistung auch nicht mehr zurück. Und wir sind erst im zweiten Quarter…

  3. spoiler Ticket City
    x
    x
    x
    x
    x
    x
    x
    x
    Würdiger Abgang für Case Keenum mit 532 Yards Passing, aber die Penn State Defense wurde nicht genügend gewürdigt meiner Meinung nach: Die Lions-Offense ohne Zahn und nur mit zwei Big Plays, dafür immer wieder Stopps bei Third Down gegen Keenum und nur 30 Punkte. NUR, weil es ohne die gute Red Zone Defense schlimmer geworden wäre.

    Bin gespannt wie es jetzt mit Penn State weitergeht. Tom Bradley soll ja ersetzt werden, aber die Kandidaten sagen alle ab bevor es überhaupt zum Interview kommt. Ein bisschen verständlich, aber ich wundere mich, dass nicht ein ambitionierter sich das zutraut. Voraussetzungen wären schließlich da. Tolles Stadion, gute Fanbase und man kann sich den Ruf als „Cleaner“ erarbeiten, und der große Schatten von Joe Paterno ist auch nicht mehr so das große Problem.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.