Sideline Reporter vergibt die NFL-Awards 2011/12

Das Ende der Regular Season ist für Sideline Reporter die Gelegenheit, seine eigenen Highlights und Lowlights zu vergeben.

Story der NFL-Saison

korsakoff – Keine Frage, die Freak-Serie der Denver Broncos, die zwei Monate lang immun gegen sämtliche mathematischen Gesetze zu sein schienen und fassungsloseste Auferstehungswunder um QB Tebow lieferte, was am Ende reichte, um sich in die Playoffs zu gurken. Raiolas erste Playoffteilnahme und die Jagd nach der Perfect Season wären ebenso nennenswerte Geschichten, wie auch der Komplettkollaps der Colts nach Mannings Nackenverletzung. Die „Anti-Story“ seit Jahren: Das NFL-Regelwerk mit seinen teilweise willkürlichen Regelauslegungen.

Herrmann – Das Dream Team. Im Tebow-Hype der letzten Wochen untergegangen ist die Story der Eagles. Erst einige Wochen nachdem sie während der Free Agency alles weggekauft haben, was nicht bei drei auf den Bäumen war, haben alles gesehen, daß man mit völlig unerfahrenem Defensive Coordinator, ohne auch nur einen fähigen Linebacker und mit überforderten Safeties nicht viel reißen kann. Ach ja: völlig überraschend war auch Michael Vick wieder einige Spiele verletzt und in so gut wie jedem anderen angeschlagen. Honorable mention: Peyton Manning/Colts und Tim Tebow.

Positive Überraschung der NFL-Saison

korsakoff – Die Cincinnati Bengals. Ich freue mich wie ein Weinhamster für einen meiner Lieblingscoaches Marvin Lewis, dass meine schlimmsten Befürchtungen nicht wahr wurden. Dalton/Green, eine solide Offensive Line und eine recht ordentliche Defense führten völlig überraschend schon heuer zurück in den Playoffs.

HerrmannSan Francisco 49ers. Ohne Offseason, mit neuem Coachingstaff und quasi ohne richtigen Quarterback ganz souverän zur Krone der NFC West und in jede Top-5 so gut wie aller Power Rankings. John Harbaugh hat mit seinem Staff einen selten so gesehenen turnaround vollbracht.

Enttäuschung der NFL-Saison

korsakoff – Die Tampa Bay Buccaneers. Meine Prognose lautete „5-11“, Tampa endete „4-12“, aber die Abschlachtungen der letzten Wochen, die schlechten Leistungen meines Lieblings-QB Josh Freeman, das war dann doch ernüchternd. Honorable mention für die Rams.

Herrmann – Die St. Louis Rams. Letzte Saison waren die Rams für alle Beobachter ein Team on the rise, nachdem sie mit 7 Siegen bis zur letzten Woche um die Krone der NFC West mitspielten. Eine junge Mannschaft, die einen hochtalentierten No.1 Pick zum Quarterback hat, wurde mit Wunderkind Josh McDaniels und vielen neuen Waffen für Bradford verstärkt (TE Kendrick, WR Salas und Pettis in Draft-Runden 2,3 und 4); eine der meistverbesserten Verteidigungsreihen der letzten Jahre unter Head Coach Steve Spagnuolo wurde per Free Agency (Saftey Quinton Mikell) und Draft (DE Robert Quinn) nochmals aufgewertet. Und dann ging von Anfang an alles schief. Vor dem ersten Spieltag verletzten sich die Cornerbacks Nummer 1, 2 und 3. Die beiden ersten Spiele gingen durch viele Rookiemistakes und viel, viele Drops verloren. Dann brach auch noch die Lauf-D zusammen und plötzlich waren die ersten sechs Spiele verloren und Sam Bradford verletzt. Aus dem sicheren Sieger der NFC West wurde ein Team, das mit den Colts um den Nr.1 Pick kämpft.

Offensivspieler des Jahres

korsakoffQB Aaron Rodgers für sein brillantes Timing mit den Wide Receivers und seine Coolness in der Pocket. Nur ein Jota darunter würde ich Brady und „deep threat“ Brees verorten, mit einer „Wildcard“ für Detroits Calvin Johnson.

HerrmannAaron Rodgers. Trotz Drew Brees´ Rekorden war das, was Rodgers in fast allen Spielen gezeigt hat, Quarterback Play direkt aus dem Lehrbuch. Millimetergenaue Pässe nach der richtigen Entscheidung und leichtfüßigen Entweichens vor den Blitzern – macht Rodgers mit links zum Frühstück. Jede Woche. Einen Fußbreit dahinter: Brees.

Defensivspieler der NFL-Saison

korsakoffTerrell Suggs. Defensive Backs haben dank Grasnarben-Kameras einen schweren Stand in diesem Voting, und neben dem kompletten Abwehrspieler Suggs bliebe mit San Franciscos DE Justin Smith nur noch ein zweiter veritabler Kandidat. Ich bevorzuge Suggs.

HerrmannTerrell Suggs. Ich unterschreibe den Kommentar von korsakoff genau so.

Rookie des Jahres

korsakoff – QB Cameron Newton. Der Canossa-Gang. Ich hatte Newton so eine Debütsaison nicht im Ansatz zugetraut. So viel Lob Dalton, Green und Miller einheimsen: Newton hat Carolinas Angriff mit revitalisiert und rückt meine Prognosen in der Retrospektive in ein anderes Licht.

HerrmannVon Miller. Der junge Edgerusher der Denver Broncos ist nicht nur der beste Rookie der Saison, sondern schon jetzt einer der ligaweit besten Hybriden DE/OLB. Zeitweilig ist er unstoppable und bildet zusammen mit Elvis Dumervil das gefährlichste Pass-Rusher-Duo der AFC. Verdiente andere Kandidaten: A.J. Green, Cam Newton, Aldon Smith, Andy Dalton und Tyron Smith.

Coach des Jahres

korsakoff – Geteilte Stimme für Leisetreter Mike McCarthy (Packers) und den Pragmatiker Jim Schwartz (Lions). McCarthy hat ganz still eine blitzblanke Offense gebastelt, Schwartz die Verliererkultur in drei Jahren gedreht. Ein gezogener Hut geht an Denvers John Fox für die Aufgabe seiner Bärbeißigkeit.

HerrmannSean Payton. Er hat die Saints auch mit Kreuzbandriß zu 13 Siegen und den No.3 Seed der NFC geführt. Payton hat aus New Orleans eine Mannschaft gemacht, die jedes Jahr zu den Favoriten auf den Super Bowl gehört und vor allem die Offense auf eine ganz neue Stufe gehoben – sechs Spiele mit mehr als 40 Punkten, nur drei Spiele mit weniger als 400 Yards und der durch Brees gefällte Dan-Marino-Rekord sichern ihm den Coach of the Year Award.

Reporter des Jahres

korsakoffMike Mayock. Ich mag den Mann mit der Nasenstimme, ich bewundere das Wissen des Mannes mit der Nasenstimme. Das NFL Network hat das angenehmste aller Kommentatorenduos.

HerrmannCris Collinsworth. Der ehemalige Wide Receiver der Cincinnati Bengals ist mittlerweile im dritten Jahr der Partner von Al Michaels bei NBCs Sunday Night Football. Collinsworth sieht in jedem Spiel Dinge, die man nicht sieht und die einem die meisten anderen Kommentatoren auch nicht verraten. Man lernt jede Woche etwas dazu.

Spiel des Jahres

korsakoffDenver vs. Chicago. Der letzte von Tebows Comebackspielen war die irrste NFL-Partie in einem Herbst, in dem die Skripten viel brutaler im College Football über Bord geworfen wurden.

Herrmann – Ebenfalls Bears gegen Broncos. Daß es nach den vorhergegangen Tebow-Comebacks tatsächlich im vierten Viertel im Mile High alles so gekommen ist, wie es eben kam, war kaum zu glauben.

NFL Woche 17 – Rückblick: Bills/Patriots, Ravens/Bengals

Buffalo Bills (6-9) @ New England Patriots (12-3)
Wer kennt das nicht: man guckt ein Spiel der New England Patriots, die Defense ist ein aufgescheuchter Hühnerhaufen, die Offense sieht aus wie die Colts ohne Peyton Manning und der Gegner, in diesem Falle die Buffalo Bills, führen schon im ersten Viertel mit 21-0. Ist ja nicht das erste Mal, daß New England in dieser Saison so aussieht, also wundert man sich nicht.

Und dann, auch wie immer, schaltet der Angriff auf No-Huddle-Offense um, marschiert mit neun Plays über 77 Yards in die Endzone und gibt ein Lebenszeichen von sich. Anschließend stoppt die Defense bei einem 3rd Down die Bills und Brady orchestriert mit seinen Lieblingswaffen Aaron “YAC” Hernandez und dem großen, bösen Gronk nochmal eine schöne Serie und es steht 14-21. Damit es nicht zu langweilig wird, wirft der schlechte Brady – der sich jedes Spiel mit dem guten Brady teilt wie in einer schlechten “Good Cop, Bad Cop” Klamotte – kurz vor der Halbzeit in des Gegners Hälfte noch eine Interception.

Der große Obercop Belichick macht seinem Team dann in der Umkleide während der Halbzeit richtig Angst und Beine und eh man sich versieht, steht es nach tollem Return nach noch besserer Interception von Rookie DB Sterling Moore 28-21. Wenn man schon mal bei unbekannten Verteidigern aus Bellys Zauberkiste ist, kann man noch erwähnen, daß Devon McCourty dieses Mal neben dem wiedergenesenen Pat Chung Safety gespielt hat; Kyle Arrington und Antwaun Molden die CBs an der Außenlinie geben und ein gewisser Nate Jones sich mit Mr. Everything Julian Edelman als Nickelback abwechselt. Zum Abschluß fangen McCourty, Arrington und nochmal Moore drei Fitzpatrick Bälle ab und auf dem Scoreboard steht: Pats 49, Bills 21.

Baltimore Ravens (11-4) @ Cincinnati Bengals (9-6)
Die Offense der Ravens ist von Ray Rice so abhängig wie der Käse von der Milch. Weil die aggressive Bowlingkugel das auch weiß und das Spiel nicht in Joe Flaccos Hände legen will, rumpelt er sich schon in der ersten Serie über 70 Yards in die Endzone. Cincinnati spielt nicht schlecht, aber stellt sich ein wenig dämlich an: Rookie Andy Dalton überwirft einen offenen WR in der Endzone und es springt nur ein FG heraus; beim nächsten Besuch in Baltimores Hälfte vergeigt Kicker Mike Nugent auch noch den FG-Versuch.

Noch mehr Dummheiten und auch (Schiedsrichter-)Pech verhageln den Bengals das Ende der ersten Halbzeit. Erst gibt es einen perfekten Punt bis an die 1-Yd-Linie, den aber ein Special Teamer der Bengals zum Touchback macht, weil er auf die Endzonenlinie rutscht. Dann gurkt Baltimore das Feld hinunter mit Hilfe einer Holding-Strafe der Bengals bei einem dritten Versuch; einer mehr als fragwürdigen Unnecessary Roughness Strafe gegen Cincy; noch einer Holding Flag gegen die Defense und kurz vor dem Pausenpfiff fängt TE Dennis Pitta einen Paß in der Endzone. Die Bengals haben die meiste Zeit gut verteidigt, aber: 1 Big Play Rice + kleine Dummheiten + Strafen (überflüssige und fragwürdige) – ein AJ Green, der gar nicht im Spiel ist = 17-3 Ravens.

Aufopferungsvoll kämpft Cincinnati in der zweiten Hälfte und schafft auch den momentum change. 3&out Ravens, TD Bernard Scott, 3&out Ravens mit anschließendem schlechten Punt von Sam Koch und eingenetzem FG und die Bengals sind 12:35 Minuten vor Spielende auf 13-17 rangekommen. Ärgerlicherweise für die Nr. 3 der AFC North zeigt Terrell Suggs, der die meiste Zeit beeindruckend von LT Andre Whitworth in Schach gehalten wurde, doch noch, warum er Defensive Player of the Year werden sollte: er provoziert einen Fumble von Jerome Simpson an Baltimores 40 und wenige Spielzüge später hat Ray Rice sein zweites Big Play, dieses Mal über 51 Yards zum 24-13. Auch zu diesem Zeitpunkt gibt Cincy nicht auf, aber in Folge furchtbar rookiemäßigen Clock Managements von Dalton braucht Baltimore nach dem 16-24 mit 2:39 Minuten zu spielen nur ein First Down um den Sack zuzumachen und macht das auch. Cincinnati geht nach dieser couragierten Leistung als Favorit in das Wild-Card-Spiel gegen die Houston Texans nächste Woche und Baltimore kann – nach dem folgenden spielfreien Wochenende – nur hoffen, daß Ray Rice auch im nächsten Spiel mindestens zwei Big Plays macht, sonst sieht es düster aus.