BCS National Championship 2012 Preview: #1 Louisiana State Tigers – #2 Alabama Crimson Tide

Nicht ganz vier Wochen vor der Superbowl spielt heute Nacht die Southeastern Conference College Football im BCS National Championship Game den Meister aus. Über die Ansetzung wurde viel, aber nicht so intensiv wie gewohnt, gestritten: Die #1 Louisiana State Tigers waren nach einer epochalen Saison mit etlichen Qualitätssiegen klar, aber die Geister scheiden sich am Kontrahenten, den #2 Alabama Crimson Tide, ein Gegner, der am 5. November in einem rassigen, punktearmen Overtime-Klassiker eine Heimniederlage gegen eben jenes LSU kassierte, nicht mal seine eigene Division, geschweige denn seine Conference gewann, und nun um den National Title spielen darf.

Die letzten fünf Jahre College Football waren eine Domäne der SEC, angefangen von 2006/07. Ich kann mich noch sehr gut an das Theater erinnern, als die Big Ten Conference als überirdisch galt und ESPNs Pundits die schiere Möglichkeiten, dass Michigan und Ohio State nicht das BCS-Finale bestreiten würden, als gotteslästerlich aufgefasst wurde – das Getöse brachte mich seinerzeit zum College Football. Die Florida Gators aus der SEC schrien weiland laut und lange genug, um im letzten Abdrücker durch die Hintertür das zweite Endspielticket zu bekommen. Sechs Wochen später zertrümmerten die Gators Ohio State nach allen Regeln der Kunst, eine Woche, nachdem Michigan in der Rose Bowl demoliert worden war, und legten den Grundstein für jahrelanges, allgemein anerkanntes Übermenschen-Dasein der SEC.

2011/12 war ähnlich – im Gegensatz zur B1G kam die SEC heuer durch. Wir erleben also Inzucht hoch zwei: LSU – Alabama in einem Endspiel, das die Möglichkeit, dass die SEC nicht mehr die dominante Conference sein könnte, nicht zulässt. Bizarrerweise just nach einer Saison, in der arge Zweifel ob der Qualität in der Breite der SEC wuchsen. Oklahoma State als Champion der vermutlich insgesamt ausgeglichensten und hochwertigsten Conference 2011/12, der Big 12, musste draußen bleiben.

Trotzdem wird nicht mehr so rabiat diskutiert wie einst. Quer durch die Medien, Blogs und Foren zieht sich ein Hauch von Resignation. Alabama ist vermutlich die zweitbeste Mannschaft im College Football und die einzige, die LSU wirklich Paroli bieten kann. Aber BCS-Credo „Every Game Counts“ und Wertigkeit der Conference als Institution werden durch die Selektion arg in Mitleidenschaft gezogen und die scheinbar einzig wahre Wahrheit – dass die SEC allen anderen turmhoch überlegen ist – muss ungeprüft übernommen werden.

Schon in wenigen Monaten könnte sich diese Ansetzung als weiterer eingeschlagener Sargnagel für dieses bizarre System der Meisterfindung erweisen. Dann nämlich, wenn über das Plus One abgestimmt wird, das von einigen abgelehnt wird, weil es als Büchse der Pandora zu erfolgreich sein (sic!) und in absehbarer Zeit weiter ausgeweitet werden könnte.

Heut’ Nacht im Superdome

Anyhow. Die relevanten Informationen zur Ansetzung werde ich nicht noch mal recyceln. Dazu habe ich bereits im November zum „Hinspiel“ fast alles gesagt, was ich sagen wollte und wieder sagen würde:

Seit jener knackigen Defensivpartie ist LSU gefühlt noch ein paar Spurenelemente lauflastiger geworden, setzt nun praktisch ausschließlich nur mehr auf den wenigstens keine INTs produzierenden Scrambler-QB Jordan Jefferson, und wird heute Nacht zu einer gehörigen Portion auf seinen australischen Punter Brad Wing im Kampf um Feldposition vertrauen. Ein Offensivsystem der Güteklasse „keep running and hope you wear them down“ – was gegen diese so tief besetzte Tide-Abwehr zeitintensiv werden könnte.

Alabama ist IMHO weiterhin die bessere, vielseitigere Mannschaft mit den besseren Waffen in Offense (RB Trent Richardson) und Defense (OLB Courtney Upshaw/LB Dont’a Hightower), muss aber die Nachteile in den Special Teams verkraften. Vermutlich wird Saban bis zur 15yds-Line sämtliche 4th downs in Fieldgoal-Reichweite ausspielen lassen um die Nerven seines Kickers etwas zu entzerren. Im Umkehrschluss bedeutet das auch, dass Saban mit seinem OffCoord neue Wege bestreiten, bisher ungesehene Plays einstudieren muss.

Ich glaube, dass Saban gewinnen wird. Statistisch lassen sich keine Mismatches ableiten. Optisch sind sich die beiden Teams ähnlich – Alabama hat die etwas bessere Defense, LSU die zuverlässigeren Special Teams. Es läuft alles auf ein eher punktearmes Spiel (mit Touchdowns!) hinaus, das durch Marginalien entschieden wird. Sieg für Alabama und ein fröhliches Gezeter im Anschluss über den „wahren“ National Champion.