Sofa-QB mit der #14

Ich verweise nicht regelmäßig darauf, aber ich hör’s mir jedes Mal an und hab’s auch heute in der Früh beim Skifahren im Ohr gehabt: Die 14. Folge der „Sofa-Quarterbacks“ von Sportradio 360 mit Rückschau auf Wildcard Weekend, Fantasy Football mit Running Backs und Vorschau auf Divisional Playoffs wie immer in locker-flockiger Runde: Die Sendung kann man sich hier anhören – in Gänze (61min) oder aufgesplittet in fünf „Kapitel“.

NFL Wild Card Weekend 2011/12 – Beobachtungen (Tebow, Steelers, Lions, Bengals, Falcons)

Ohne große Einleitung im Folgenden einige kurze Beobachtungen zu den Spielen vom Wochenende: Pittsburghs Gameplan; undisziplinierte Lions und Bengals; Atlantas Front Seven und New Yorks Lauspiel.

Dick LeBeaus Game Plan war ziemlich simpel: acht oder neun Mann an der Line of Scrimmage, um Denvers Laufspiel zu stoppen; enge Mannverteidigung gegen die WRs, weil Tebow die “accuracy” fehlt, um Würfe gegen diese Deckung zu machen. Die Überlegung dahinter: Laufspiel abwürgen und Denver dazu zwingen, ihr Heil in längen Bällen zu suchen.

Tja, das Ergebnis war letztlich nicht überragend, aber trotzdem war es der richtige Game Plan. Es gab dann am Sonntag Nachmittag nur zwei Probleme. Das kleinere war, daß Pittsburghs Verteidiger einige wenige Fehler gemacht haben. Der größere war, daß Tebow viel besser gespielt und gepaßt hat, als es alle erwartet hatten.

Der entscheidende Fehler war natürlich, daß Backup-Safety Ryan Mundy beim TD in der Verlängerung den Play-Action-Fake glaubt und daraufhin “underneath” seine Verantwortung in der Deckung verpennt. Dazu ist CB Ike Taylor zu langsam und kann den Tackle nicht machen. Aber bis auf einige überaggressive Schritte in die falsche Richtung von Safety Troy Polamalu war das eine gute Leistung der Verteidiung.

Denvers Laufspiel wurde gut in Schach gehalten und machte nur 131 Yards bei 34 Carries (3,9 yds/carry). Aber drei ganz starke Pässe haben zu zwei Touchdowns geführt. Man kann da auch weder LeBeau noch den CBs einen großen Vorwurf machen: perfect pass beats perfect coverage heißt eine der ältesten Footballweisheiten. Ansonsten gabs noch ein FG nach Roethlisberger-INT; ein FG nach Big-Play zu TE Fells, bei dem Polamalu schlecht aussieht; ein FG nach 32-Yard-DPI, die auch nicht jeder Referee so pfeift.

Tebow hat einfach die entscheidenden Plays gemacht. Besser gemacht als die Defense und das spricht nicht gegen Pittsburghs D, sondern für Tebow und den mutigen Game Plan von Denvers OC Mike McCoy. Man sollte nicht versuchen, mit Ausreden wie Verletzungen, zu alte Verteidiger oder blöder Game Plan Tebows Leistung zu schmälern. (Tebow hat übrigens ohne WR Eric Decker gespielt, der in der Regular Season mehr Catches als jeder andere Bronco gemacht hat und auch ohne Chris Kuper, den besten O-Liner Denvers. Wer hat im Januar keine Verletzten?)

Schlechte Defense gabs dagegen bei den Bengals und den Lions zu beobachten. Nicht in Sachen Strategie und Schemes, sondern in Disziplin und Fundamentals. Vergeigte Tackles und schlechte Winkel zum Ballträger en masse. Dazu fürcherliche blown coverages und sichere Interceptions, die einfach fallen gelassen werden. Beide, Bengals und Lions, hätten mit einer disziplinierten Leistung bis zum Schlußpfiff mithalten können. So muß man sich fragen, wie erfahrene und ausgewiesen Verteidigungsexperten wie Marvin Lewis und Mike Zimmer (HC/DC Cincinnati) beziehungsweise Jim Schwartz und Gunther Cunningham (HC/DC Detroit) ihre Spieler trainieren. Oder ob einige Spieler einfach zu schlecht sind. (Vor allem die Safeties waren unterirdisch. Und ich als Patriots-Fan dachte, ich hab schon den Bodensatz dieses Jahr gesehen.)

Fragen muß man sich auch, was mit Atlantas Front Seven los war. Die viel kritisierte Offensive Line und die Running Backs der Giants sahen gegen diese aus wie die sprichwörtlichen “Man among Boys”. Vor allem die hochgelobten DT Corey Peters, DE John Abraham und die LBs Sean Weatherspoon und Curtis Lofton konnten die (hohen) Erwartungen nicht erfüllen, ließen sich ständig rumschubsen oder waren “out of postition”. Wenn New Yorks Laufspiel dieses Niveau auch nächste Woche gegen Green Bay zeigen kann, sollten sie viel Spaß haben. Die Front Seven der Packers ist noch mal ´ne ganze Klasse schlechter als Atlantas. Brian Van Gorder, DC der Falcons, ist gestern übrigens zum Defensive Coordinator der Auburn Tigers ernannt worden. Vielleicht hat er zu viel Zeit in den Bewerbungsprozeß gesteckt, statt seine Defense auf die Playoffs vorzubereiten.

Besser vorbereiten sollen hätte auch OC Mike Mularkey sein Playcalling bei 3rd/4th&short-Situationen. Ein wenig kreativer als “Matt Ryan fällt nach vorne und hofft, daß es reicht” hätte es schon sein müssen. Auch Mularkey bewirbt sich seit einigen Tagen bei anderen Teams und hat die Zeit zwischen Woche 17 und Wild Card Weekend mit Vorstellungsgesprächen anderswo verbracht.

2012 BCS National Championship LIVE

[05h41] Endstand Alabama Crimson Tide 21, LSU Tigers 0.

Der zweite Sieg gehört den Alabama Crimson Tide, die neun Monate nach dem Tornado in der Heimatstadt Tuscaloosa wie 2009/10 BCS-Champion werden. Diesmal in etwas überraschender Manier herausgespielt: QB A.J. McCarron war der Mann, um den die Offense gebaut war – trotz Ausfalls des besten Wide Receivers – und OffCoord Jim McElwain kann sich zum Abschied (wird Chefcoach bei Colorado State) ganz fett hinter die Ohren schreiben, mit seinem GamePlan voll ins Schwarze getroffen zu haben – trotz ganzer 3/14 verwerteter 3rd downs. Der Titel geht jedoch trotzdem zum Großteil auf die Defense, die LSU nicht mal 100yds Offense gestattete. Die Zahlen:

Spielzüge:    ALA 69       LSU 44
Raumgewinn:   ALA 384yds   LSU 92yds
1st downs:    ALA 21       LSU 5
Ballbesitz:   ALA 35:26    LSU 24:34

Dazu kam eine extrem disziplinierte Vorstellung mit dem einzigen Penalty in der Garbage time kurz vor Schluss. Die LSU Tigers enttäuschten für mich – trotz des Außenseiterstatuses – auf ganzer Linie: Die Offensive Line sah gegen drei oder vier Mann der Tide kein Land und gab QB Jefferson null Zeit zum Reagieren. Es gab vor dem Spiel Diskussionen, ob die Associated Press (AP) als ihren National Champion nicht selbst bei einer Finalniederlage „LSU Tigers“ benennen sollte. Weil sich Menschen nicht vom letzten Eindruck lösen können, dürfte der Fall als geschlossen gelten und Alabama beide wichtigsten Polls (Coaches/AP) gewinnen.

[05h23] Alabama 21, LSU 0/Q4 4:36. Der erste Touchdown im achten Viertel von RB #3 Trent Richardson in seinem letzten Spiel für Alabama. Dann ist aber auch gut: Shelley versemmelt den Extrapunkt.

[05h14] Die Entscheidung folgt 6:15min vor Schluss mit Stil: #30 Hightower schlägt Jefferson den Ball beim 4th down frei und Alabama übernimmt. Es könnte übrigens das erste Shutout in der BCS-Geschichte werden, ausgerechnet für die Mannschaft, die den vielleicht eindrucksvollsten Weg ever ins Endspiel zurückgelegt hatte.

[05h10] BREAKING: LSU nach einem Jefferson-Scramble 8:03 vor Schluss zum ersten Mal in der Platzhälfte der Crimson Tide.

[05h09] BREAKING: LSU verwertet 8:22 das erste 3rd down in diesem Spiel.

[05h05] Nachdem QB McCarron beim 3rd down abgeschossen wird, steckt #7 Tyrann Mathieu beim folgenden Punt Return die Strafe auf dem Fuß ein und bezieht von einer Horde an Tacklern Prügel. Schön langsam Zeit, von der letzten Chance für Louisiana State zu sprechen. 9:44 to go.

[05h02] Es wird Zeit, die Abgesänge auf die Louisiana State Tigers anzustimmen. 0/8 bei 3rd downs, selbst ein kurzes 3rd-and-3 wird von der Front Seven im Backfield abgewürgt. Die Körpersprache an der Seitenlinie spricht eine Sprache, das anämische LSU-lastige Heimpublikum im Superdome eine andere. Die Tiger-Offense war noch nicht ein einziges Mal in der Platzhälfte Alabamas!

Drittes Viertel

[04h51] Alabama 15, LSU 0/Q3 0:22. Kaum geschrieben, nagelt Shelley ein 44yds-FG rein. Karrierebestleistung.

[04h47] Alabama sollte wenigstens die 23yds-Line erreichen. Shelley bisher bei Field Goals:

23yds GOOD
34yds GOOD
35yds GOOD
41yds GOOD
41yds missed
42yds missed

23yds-Line bedeutet 40yds-Field Goal – das scheint Smelleys Grenze zu sein.

[04h46] Alabamas Defense dominiert die Partie nach Belieben: LSU erneut mit einem langen dritten Down, zerbröselt die Pocket und sackt Jefferson erneut: LSU ist 0/7 bei 3rd downs. Bisher ganze 27 Plays für LSU für 59yds (!!). Nach einem schwachen Punt beginnt Alabama in LSUs Platzhälfte und man fragt sich, wann die Tiger-Defense angesichts der schieren Masse an Spielzügen für die „Roten“ nachgeben wird.

[04h41] K #90 Smelley diesmal wieder mit einem Fehlkick aus 41yds. Jefferson ist wieder dran, wird vom Publikum, das die INT-Maschine #12 Lee sehen will, ausgebuht.

[04h35] 6:59 im dritten Viertel und der erste ganz große Fehler der lendenlahmen LSU-Offense: QB Jordan Jefferson wird panisch, als der geplante Spielzug bricht, pitcht den Ball an seinem Running Back vorbei direkt in die Arme des dahinter stehenden Defensive Backs #32 CJ Moseley, dem Jefferson beim Tackle fast die Bänder im Knie abreißt. Alabama kriegt den Ball in exzellenter Feldposition.

[04h24] LSU mit dem leisen Versuch, ein tiefes Passspiel aufzuziehen, wird aber nach einem 1st down per Sack (#41 Upshaw) und guter Deckung gestoppt, muss punten und kassiert dort eine etwas harte Personal Foul-Strafe, weil der Punt Returner nach einem halbherzigen „Fair Catch“ physisch angegangen wird.

[04h16] Alabama 12, LSU 0/Q3 12:49. McCarron strahlt mittlerweile ein unglaubliches Selbstbewusstsein aus, findet erst #15 Hanks am linken Seitenrand, dann WR Kenny Bell bei einem intelligenten Screen-Pass inklusive Vorblocker. In der RedZone  stockt die Offense dann wieder, riskiert bei einem abgefälschten Ball die INT und nimmt wieder die drei Punkte mit.

Zweites Viertel

[03h58] LSU-Punter Brad Wing bisher mit fünf Punts für 253yds! Ein Schnitt von 50.6yds/Punt, was noch wichtiger wird, weil WR #4 Marquise Maze – der auch die Punts returniert – an der Seitenlinie so schlimm humpeln soll, dass ein weiterer Einsatz von Beobachtern bei Twitter ausgeschlossen wird.

[03h52] Halbzeit Alabama Crimson Tide 9, LSU Tigers 0.

Nochmal drei Punkte für die Alabama Crimson Tide nach einem für diese Art von MAtchup beeindruckenden Drive über QB #10 AJ McCarron, der diesmal weniger auf die Tight Ends setzt, dafür mehr auf die WR #15 Hanks und #83 Norwood mit richtig sehenswerten Catches.

Ein paar Statistiken zur ersten Halbzeit:

Spielzüge:    ALA 41       LSU 17
Raumgewinn:   ALA 225yds   LSU 43yds
1st downs:    ALA 13       LSU 1
Ballbesitz:   ALA 19:48    LSU 10:12

Einzig die Unfähigkeit, in der RedZone mehr als Field Goals zu schießen, hält bisher das Spiel knapp – für LSU ist jedoch noch nichts verloren. Ein einziges Big Play und die Tigers sind wieder dabei.

[03h40] Louisiana State wird erneut ohne 1st down gestoppt: Ein einziges 1st down für die Tigers, 31yds Offense in der kompletten ersten Halbzeit und schon zwei gefumbelte Snaps für QB #9 Jordan Jefferson. 1:59 vor Halbzeit übernimmt Alabama und wird wohl die Uhr runterlaufen lassen.

[02h32] Alabama 6, LSU 0/Q2 4:21. Einmal Schmunzeln für diese frappiernde Ähnlichkeit mit dem „Hinspiel“: Alabamas Offense ist deutlich erfolgreicher, diesmal auf eine andere Art und Weise (RB #3 Richardson mit 4 für 30yds), setzt häufig auf Läufe über links (OT Jones), aber in der RedZone kommt RB #42 Lacy zum Einsatz und wird gebremst. Wieder nur ein Field Goal.

[03h17] Murmeltiertag in New Orleans: Alabama verpasst mal wieder ein Field Goal – der 42yds-Versuch wird von einem Defensive Liner geblockt! Bis dahin überraschend, wie selten RB Richardson eingesetzt wird, wie gut die Crimson Tide mit ihren Tight Ends zu fahren kommen und weniger überraschend, dass Saban ein 4th-and-4 an der 32 per Fake-FG ausspielen ließ.

Erstes Viertel

[03h04] Mit dem ersten Big Play für die erstaunlich passlastigen Alabama Crimson Tide geht das erste Viertel zu Ende: McCarron mit dem heute bisher erfolgreichen Play-Action-Pass geht tief für #83 Norwood, der sich das Ei mit einem athletischen Sprung über CB #7 Mathieu herunterpflückt. Alabama bewegt den Ball in diesem Viertel deutlich besser als LSU, ist wieder in der Tiger-Platzhälfte.

[02h57] Obwohl die LSU Tigers wieder schnell gestoppt werden, deutet sich eine schnellere No-Huddle-Offense an – und bringt immerhin ein 1st down und gefühlt geht die Defense dann auch ein Spurenelement zögerlicher zu Werke. Beide Teams scheuen bisher auch nur den Versuch, auch nur ansatzweise mal einen tieferen Spielzug zu versuchen.

[02h51] Alabama 3, LSU 0/Q1 5:00. Obwohl ohne einen „richtigen“ Wide Receiver (Maze ist zum Check die Umkleidekabine gehumpelt), lässt Saban munter werfen, setzt seine Tight Ends ein. Beim dritten Down traut sich McCarron sogar einen Pump Fake in der hitzigen Pocket zu – incomplete. Der Kicker versenkt aus kurzer Distanz.

[02h44] Alabamas Defense geht aggressiv gegen die Option-Laufspielzüge der Tigers zu Werke, stoppt LSU nach 2yds Raumgewinn in drei Downs. Der anschließende lange Punt wird von #4 Maze an die LSU26 zurückgetragen, aber Maze – auch ein guter Receiver – humpelt bedenklich unrund raus.

[02h40] Alabama kommt mit quicken, schnellen Pässen auf das Spielfeld und hat mit zwei oder drei 1st downs auch einigen Erfolg. Viel interessanter: Man zwingt damit LSU zu Nickel-Aufstellungen bzw. sogar 5-6 Defensive Backs und kann schon eine ernsthafte Bedrohung durch QB #10 AJ McCarron aufbauen.

[02h33] Überraschung, Überraschung: Three’n’out für die LSU Tigers in ihrer ersten Serie. Aggressive Defense über die Mitte und beim dritten Down fumbelt QB #9 Jordan Jefferson den Snap. Der folgende Punt ist extrem lang, Alabama muss ganz weit hinten drin starten.

[02h25] Gerade laufen zu viel Pathos-Gehabe die Mannschaften ein und die Kommentatoren Musberger/Herbstreit mit wichtigen Worten.