NFC Divisional Playoffs 2011/12 – Vorschau Saints/49ers

NFC Divisional Playoffs: New Orleans Saints (14-3) @ San Francisco 49ers (13-3)

[Samstag 22.30Uhr ESPN America, Sport1+, PULS4; kommentiert (über FOX) von Kenny Albert, Daryl Johnston und Tony Siragusa]

Die Divisional Round der Playoffs beginnen mit einem wunderschönen Matchup von Stärke gegen Stärke und Schwäche gegen Schwäche. Der zweitstärkste Angriff trifft auf die zweitstärkste Defense und auf der anderen Seite trifft ein Angriff, der nach Yards die Nr. 26 der NFL ist auf eine Defense, die an Position 24 rangiert. Die Offense um Drew Brees, die in dieser Saison alle Paßspiel-Rekorde gebrochen hat bekommt es mit einer sehr disziplinierten und bestens eingestellten Defense zu tun; während der überforderte Angriff der 49ers um den ehemaligen Nr.1 Pick Alex Smith sich einer oftmals überforderten Verteidigung gegenübersieht.

San Francisco hatte nach einer 13-3 Bilanz in der regulären Saison am Wild-Card-Wochenende spielfrei. Besonders heiß sind die letzten Wochen nicht gelaufen. Von den letzten sechs Spielen gingen zwei verloren, zwei der Siege (gegen Seattle und St. Louis) hat man sich knapp so zusammengewürgt und gegen Pittsburgh hat man gewonnen, obwohl man deutlicher weniger Yards (287 zu 389) und 1st Downs (17 zu 20) verbuchen konnte als die Steelers. Nur die wichtigste Statistik – Punkte auf dem Scoreboard und Turnovers – sprachen wie so oft für die Niners. Das ist kein Zufall und ist schon seit September der rote Faden, der sich durch die Saison der 49ers zieht. Turnovers und Special Teams sorgen immer wieder für erstklassige Field Positions und helfen so dem Angriff ungemein.

49ers Offense / Saints Defense

Keine Offense der NFL hat weniger Interceptions (5) geworfen und weniger Fumbles (5) verloren. Das ist aber auch fast das einzig Positive, das sich über den Angriff der Niners sagen läßt. Die größte Last hat das Laufspiel um die beiden Running Backs Frank Gore (282 Läufe für 1211 Yards, 4,3y/c, 8TDs) und Rookie Kendall Hunter (112/473, 4,2y/c, 2TD) zu tragen – und nicht mal das ist mit 4,1 Yards/Carry besonders gut. Das hat seine Ursachen darin, daß einerseits Gore und Hunter nicht (mehr) zur RB-Elite der Liga gehören und auf der anderen Seite ist San Frans Offfensive Line nicht besonders gut. Das wird auch unterstrichen von der Tatsache, daß keine Mannschaft mehr Sacks pro Paßversuch zuläßt (44 Sacks bei 451 Paßversuchen).

Die Zahlen des Paßspiels hören sich auch alles andere als playoffreif an: mit 5,9 net yards/attempt treibt man sich im Bodensatz der NFL herum. Die Schwierigkeiten im Angriff zeigen sich am deutlichsten in der Anzahl erzielter First Downs. Mit 282 ersten Versuchen hat man geschlagene 134 (!) weniger als die Saints. Zu allem Überfluß fehlt am Sonnabend auch noch der zweite TE Delanie Walker, der in der sehr konservativen Offense der 49ers, die mit vielen 2TE-sets operiert, eine große Role spielt. Ebenfalls mies ist die Red-Zone-Offense; es ist kein gutes Zeichen, daß Kicker David Akers in dieser Saison den Rekord für die meisten verwandelten Field Goals aufgestellt hat.

Die Defense der New Orlean Saints ist vom Scheming her das genaue Gegenteil. DC Gregg William schickt gerne und oft wilde Blitzes durch die Gegend, vor allem um vom mangelhaten Pass Rush seiner D-Line abzulenken. New Orleans D ist aber dem Eyetest nach gar nicht so schlecht wie die Zahlen und Reputation vermuten ließen. Sehr viele Yards kassierte man mit großen Führungen im Rücken, wenn man getrost etwas softer spielen und auf Nummer scher gehen kann. So haben die Giants in Woche 12 bei der 24-49-Klatsche ebenso fast 500 Yards gemacht wie die Falcons beim peinlichen 16-45 in Woche 16.

Schwächen sind die Linebackers neben Jonahan Vilma und die D-Line, in der zwar viele Spiele mit gutem Namen oder großem Talent zu finden sind – Aubrayo Franklin, Shaun Rogers, Will Smith, Sedrick Ellis, Cameron Jordan -, die aber in dieser Saison nicht viel mehr als guten Durchschitt bieten.

Ein wenig besser als Duchschnitt dagegen sind die Cornerbacks Jabari Greer und Tracy Porter. Gute Coverage-Guys in Mann- wie auch in Zonenverteidigung und aggressiv genug, um öfter mal ein Paßroute zu unterlaufen und den Ball abzufangen. Die Interception von Porter gegen Peyton Manning in Super Bowl XLIV war kein Zufall. In den letzten Jahren hat das Defensive Backfield der Saints – hinter den Blitzes von Williams auf Aggressivität gepolt – auch immer mit die meisten Bälle abgefängen, in dieser Saison waren es gerade mal neun. Die DBs – neben Porter/Greer die durchaus fähigen Safeties Malcolm Jenkins und Roman Harper sowie Nickelback Patrick Robinson – sind nicht schlechter geworden, sondern nur Opfer ihrer Ziegelsteinhände. Greer,Porter und Robinson haben zusammen 48 Pässe abgefälscht, aber nur sechs abgefangen, Robinson allein davon vier. Insgesamt hatte 109 Mal ein Saints-Verteidiger seine Hände an einem gegnerischen Paß – nur neun Interceptions spricht für mangelnde Chancenverwertung.

Saints Offense / 49ers Defense

San Francisco Defense dagegen nutzt die Möglichkeiten, die sich ihr bieten. 128 Mal hatten sie ihre Finger an gegnerischen Pässen – 23 Mal haben sie den Ball dann aber auch festgehalten. Ohne die eingesammelten Turnovers würde San Frans Offense wahrscheinlich überhaupt keine Punkte machen. 23 Interceptions und 15 eroberte Fumbles macht mehr als zwei Turnovers pro Spiel. Nochmal zur Erinnerung, ihre Offense hat ganze 10 Mal den Ball abgegeben. Das Turnover-Differential von +28 ist denn auch mit Abstand die Spitze der Liga.

Das Prunkstück der 49ers ist die Front Seven und ihre Laufverteidigung. DE Justin Smith wird weithin als der Beste Verteidiger der ganzen Liga gehandelt; Rookie Aldon Smith ist nicht nur den Zahlen nach (14 Sacks) schon jetzt einer der besten Pass Rusher der Liga; und man lehnt sich nicht allzu weit aus dem Fenster, wenn man behauptet, daß Patrick Willis und NaVorro Bowman die beiden besten Inside Linebacker der Liga sind.

Während man weniger Laufyards zuläßt als jede andere Mannschaft, so steht man im Ranking der Passing Yards nur auf Platz 16. Alle besseren Paßangriffe, gegen die San Fran gespielt hat, konnten für mehr als 400 Yards werfen (Cowboys, Eagles, Giants, Steelers). Nun kommt mit New Orleans eine Offense in den Candlestick Park, die neue Maßstäbe gesetzt hat. Head Coach Sean Payton und OC Pete Carmichael, Jr. haben eine hochexplosive Mischung aus perfekter Strategie und individuellen Könnern zusammengestellt.

Der Gameplan in diesem Fall sollte denn auch daraus aufgelegt sein, die Secondary in Grund und Boden zu passen. Mit TE Jimmy Graham und den WRs Marques Colston, Lance Moore, Robert Meachem und Devery Henderson haben die Saints mehr Waffen als jedes andere Team und Brees setzt sie meisterhafte Weise immer wieder in Szene. Aber Brees tendiert auch dazu, manchmal etwas zu selbstbewußt in kleinste Fenster zu werfen, was in Interceptions resultiert. Verstärkt wirkt diese Tendenz, wenn Brees unter Druck steht. Das konnte man letzte Woche schon sehr gut gegen die Lions beobachten, die aber die Interceptions einfach nicht festhalten konnten.

Neben der Jagd nach Brees´ Pässen sollte das interessanteste Matchup zwischen den RBs Darren Sproles/Pierre Thomas und den ILBs Bowman und Willis ablaufen. Kaum eine Mannschaft setzt ihre Running Backs so intensiv im Paßspiel ein wie die Saints, aber kaum eine Mannschaft hat zwei LB, die so schnell, athletisch und so klug spielen, daß sie nur ganz selten mal einen RB an sich vorbeilassen. Wenn das Screen Game und die Check-Down-Pässe (vor allem under pressure) von den beiden abgemeldet werden kann, wird Brees wohl vor größeren Schwierigkeiten stehen als jemals zuvor in dieser Saison. Wenn San Frans Defense das nicht schafft, könnte das Spiel sehr schnell vorbei sein. Denn ihre lahme Offense ist nicht dazu in der Lage, Rückstände aufzuholen.

Fazit

Früher hat man immer gesagt, ein Spiel wird von genau drei Dingen entschieden: Turnovers, Penalties und Special Teams. Auf kein Spiel der Divisional Round paßt das besser, als auf dieses Duell. New Orleans ist leichter Favorit in diesem Spiel. Aber wenn die 49ers es schaffen, wie die ganze Saison über in der Defense Ballverluste zu provozieren, diese in der Offense vermeiden und höchstes Special-Teams-Niveau zu zeigen, können sie mit den Saints „toe to toe“ gehen. Unbedingt vermeiden muß San Francisco, in Rückstand zu geraten. Wenn sie dagegen früh in Führung gehen und damit den Druck von QB Smith nehmen, sollte das ein verdammt spannendes Spiel werden – strategisch und auch vom Scoreboard her.