NFC-Divisionals 2011/12: San Francisco 49ers – New Orleans Saints

[02h18] Endstand San Francisco 36, New Orleans 32.

Da läuft die Wahrscheinlichkeitskurve Amok. Wilde Schlussphase und die Belohnung für das mutige PlayCalling der 49ers in der RedZone: Anstelle den „sicheren“ Ausgleich zu nehmen der Touchdownpass für Davis in die EndZone – ja, das Ergebnis ist eine Überraschung. Nach der Vorgeschichte. Nach diesem Spielverlauf. Die 49ers gewinnen zum ersten Mal seit 2002/03 ein Playoffspiel – auch damals war es ein absoluter Thriller in der Crunch Time, Stichwort „illegal downfield pass“.

Die 49ers haben das Spiel mit ihrer Defensive Line gewonnen, die mit vier Mann einen sagenhaften Druck auf die Saints-Pocket und Drew Brees zustande brachte. Ich muss mich korrigieren: Brees musste sich beeindrucken lassen. Mit einer solchen Vorstellung gäbe uch den 49ers auch in Green Bay eine Chance, wo die Offensive Line noch eine Spur schwächer ist.

Auf der anderen Seite ist da diese über weite Strecken so anämische Offense, die trotz fünf Turnovers diese Zauberpässe in den letzten Augenblicken brauchte, um die Punkte zu machen. Für die Saints fühlt es sich wie eine gigantische, weggeschmissene Chance an.

[02h10] San Francisco 36, New Orleans 32/Q4 0:09. Damit haben wir unseren MVP: TE Vernon Davis läuft erst an der Seitenlinie durch und in die RedZone, und fängt 9sek vor Schluss den wohl entscheidenden Touchdown. Vierter Führungswechsel in den letzten vier Spielminuten.

[02h07] Jetzt kommt die PREVENT DEFENSE. Und ich hasse die PREVENT DEFENSE. Egal von wem. Egal gegen wen.

[02h04] San Francisco 29, New Orleans 32/Q4 1:37. Tja, hätten’s mal auf mich gehört. TE #80 Graham wird über die Spielfeldmitte angespielt, macht einen phänomenalen Catch und kann nach einem starken Block des nebenher laufenden Receivers 66YDS ZUM TOUCHDOWN DURCHLAUFEN. Damit dürfte erklärt sein, weshalb Sean Payton da in der Crunch Time an der Seitenlinie desinteressiert Kaugummi kaute – 2pts Conversion klappt. 49ers brauchen in 92sek ein Field Goal.

[01h58] 2:08 vor Schluss, #43 Sproles wird beim Return an der 11 gestoppt – die Saints nahmen heute viele Kicks tief in ihrer EndZone auf und rannten raus.

[01h58] San Francisco 29, New Orleans 24/Q4 2:11. Unglaublich: Bei 3rd und 8 behält Smith den Ball in eigener Hand und sprintet über die linke Seite 28yds (!) durch zum Touchdown. Das war mal ein innovativer PlayCall! Vorbereitend dazu: Ein rattenscharfer 37yds-Pass genau in den Lauf von TE Davis, dann zwei Läufe und eine hirnrissige Strafe (12 Mann im Huddle) vor dem dritten Down. Ich frage mich allerdings, ob es nicht gescheiter gewesen wäre, an der 1 abzuknien, die Uhr runtertickern zu lassen, möglicherweise ein Field Goal zu kicken und den Saints nicht 131 Sekunden Zeit zu geben.

[01h48] Ein Field Goal reicht den 49ers natürlich… und Akers ist kein schlechter Kicker.

[01h45] San Francisco 23, New Orleans 24/Q4 4:04. Dann ist es also passiert. Ein erstaunlich lässiger Huddle der Saints, die überhaupt keinen Stress haben. Brees irgendwann mit dem 13. Pass des Spiels für den Irrwisch #43 Sproles, der durch einen großen Block von TE #80 Graham unterstützt 44yds über die Mitte durchtänzeln kann.

[01h42] Blick auf die Timeouts: Beide haben noch zwei.

[01h36] San Francisco 23, New Orleans 17/Q4 7:36. Langer Lauf für RB #21 Frank Gore, der ansonsten heute kaum zum Einsatz kommt, weil die 49ers bislang häufiger als gewohnt warfen. In der RedZone mal wieder LaufLaufLauf und ein abgefälschter Pass und die drei Punkte zum Field Goal.

[01h30] Nun gewinnt die Defensive Line der 49ers Oberhand, und Brees wird ein ums andere Mal gesackt oder wenigstens physisch angegangen, kann manchmal den Ball gerade noch zur Incompletion wegwerfen. Three’n’Out.

[01h26] Positiv am 49er-Drive, der ein Three’n’Out (was sonst?) war: CB #21 Patrick Robinson bringt es zustande, einen ihm direkt in den Schoß fallenden Ball nicht abzufangen. So müssen die Saints in der eigenen RedZone starten, anstelle der ca. 40yds-Line der 49ers.

[01h20] San Francisco 20, New Orleans 17/Q4 13:08. Diesmal ein Knick im Playbook der Saints, die einen vielversprechend aussehenden Drive mit einem überflüssig aussehenden Laufspielzug über RB Ivory selbst einbremsen. Beim dritten Down geht QB Brees tief, aber WR #12 Colston kann den – nicht einfachen, aber machbaren – Catch nicht ausführen. Also nur Field Goal.

Drittes Viertel

[01h12] Das Spiel wird immer unansehnlicher. Die San Francisco 49ers haben eigenartige Spielzüge einstudiert, die schon deswegen nicht funktionieren können, weil sie per Design mit Offensive Pass Interference bestraft werden. In diesem Spiel wird die Offense der 49ers in ein anderes Licht gerückt – von einer Defense, die eher als unterdurchschnittlich angesehen werden muss.

[00h56] Die 49ers-Offense ist furchtbar. Diesmal werden zwei Trickspielzug probiert, ein End Around, und eine Art Flea Flicker, der scheitert, weil Alex Smith mit seinen Butterfingern den Rückwärtspass nicht festhalten kann und einen Turnover riskiert. Es scheint eine Frage der Zeit, bis die Saints einen weiteren Turnover verursachen in Führung gehen.

[00h52] Beide Offenses versuchen verzweifelt, Schwung in ihr Spiel zu bringen. New Orleans hatte einen langen Catch’n’Run über #19 Henderson, aber danach wieder die Defensive Line der 49ers – respektive die Smiths, der schnelle #99 Aldon und der brachiale #94 Justin – Oberhand gewann. Spannende Sache.

[00h42] San Francisco 20, New Orleans 14/Q3 10:36. Nach zwei Touchdowns zu Beginn darf nun K David Akers sein imposantes Punktekonto weiter aufstocken. Die 49ers sind bei jedem Snap heilfroh, wenn Smith nach der ersten Welle an Druck noch heil ist – enttäuschende Vorstellung der Offensive Line.

[00h39] Und der nächste Fumble der Saints – der Punt Returner war’s diesmal. San Francisco beginnt an der NO26. FÜNFTER Turnover der Saints – unglaublich.

Halbzeit

[00h19] Halbzeit San Francisco 17, New Orleans 14.

Saints@49ers

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Am Siegwahrscheinlichkeits-Graph kann man schön sehen, wie sich die Saints Turnover für Turnover in ein immer tieferes Loch rissen und sich danach, ab Beginn zweites Viertel wieder schrittweise, kontinuierlich hocharbeiteten. In den letzten Minuten war es ein ausgeglichenes Spiel – auch, weil die 49ers-Offense hinter einer nicht überzeugenden Offensive Line nicht wirklich gut spielt und über weite Strecken so gar nichts auf die Reihe bekommt. Ein TD nach einem krassen Abwehrfehler, die anderen Drives zu Punkten waren 4yds und 13yds lang, die Saints sind ganze drei Punkte trotz vierer Turnovers zurück.

[00h16] 17sek vor der Pause QB Alex Smith mit dem Fehler, ist zu lax mit der Hand am Ball und fumbelt bei einem Sack. Saints allerdings ohne Timeout.

[00h05] Brees geht tief für WR Henderson, aber CB #25 Tarell Brown springt dazwischen und fängt den Ball ab – vier Turnover gegen die Saints! Browns Return wird zurückgepfiffen, während Henderson beim Versuch, den Return zu verhindern, brutal abgeschossen wird und grad mit ein paar Armen und Füßen weniger durch die Gegend rennt.

[23h59] Diesmal kein Three’n’out für die 49ers, aber recht weit kommen’s dann auch nicht. 2:14 vor Schluss die Saints an der eigenen 20 wieder am Ball.

[23h50] San Francisco 17, New Orleans 14/Q2 4:09. Wunderschöner TD-Catch von #12 Colston gegen eigentlich sehr gute Deckung des CB #29 Culliver, und ein herrlicher Wurf von Brees. Das Publikum im Stadion ist dann plötzlich mucksmäuschenstill, nachdem es in den letzten Minuten schon arg in Sachen Temperament nachgelassen hatte. Brees weicht dem Passrush Spielzug für Spielzug mit zwei Tippelschritten aus und findet immer einen offenen Mann.

[23h42] Dritter und lang, und eine Sekunde vor dem Snap sprinten alle Verteidiger der Back-Seven zurück in die Deckung. Jeder weiß, dass San Francisco niemals Turnovers riskieren würde und den schnellen Pass zum Running Back nimmt. Der kommt erwartungsgemäß nicht zum 1st down.

[23h38] Ich verstehe gar nicht, warum Albert/Johnston die Bedingungen übern grünen Klee loben. Es ist Playoffzeit, und da will man doch alles sehen, nur kein mildes Wetter und Sonnenschein.

[23h35] San Francisco 17, New Orleans 7/Q2 9:32. Die Saints spielen einen geduldigen Drive runter, QB Brees bewegt sich wieder sicher wie gewohnt in der Pocket und bedient das gesamte Arsenal, von Sproles über Colston zu Jimmy Graham, der einen fantastischen Touchdown gegen den eisenharten Linebacker #52 Patrick Willis fängt und verkürzt. San Francisco kontert zwar mit Härte, sah aber gegen diese Passfolge in dieser Angriffsserie kein Land.

[23h21] San Francisco 17, New Orleans 0/Q2 14:17. Wie immer verhindern die 49ers in der RedZone auf Teufel komm raus den Turnover und kicken lieber das kurze Field Goal zur Siebzehnpunkteführung. Nun wieder die Saints mit der Chance, sich zu erfangen.

Erstes Viertel

[23h15] Die Saints machen einen auf Steelers, nur halt im ersten Viertel. KR Cortney Roby fumbelt gleich zweimal in einem Return den Ball, SF beginnt an der 13yds-Line der Saints! Dritter Turnover der Saints in der 15. Spielminute.

[23h12] San Francisco 14, New Orleans 0/Q1 0:41. 4yds-Pass für WR #15 Michael Crabtree auf einer simplen Slant-Route beim dritten Down, wobei CB #33 Greer sehr passiv aussah. Die große Kunst war für QB Smith, zwischen die heranspringenden Passrusher durchzuwerfen. Das Brett für die Saints wird dicker.

[23h10] Safety #38 Dashon Goldson springt in einen tiefen Ball und fängt das Ei ab. Beim Return sind die Saints eher interessierte Zuschauer und Goldson kommt bis an die 4yds-Line zurück.

[23h02] San Francisco 7, New Orleans 0/Q1 2:08. Zweiter Spielzug, QB Alex Smith mit einem Allerweltspass für den in der Mitte laufenden TE #85 Vernon Davis. Weil sich die Safetys #41 Harper und #27 Jenkins beim Tackle-Versuch gegenseitig abschießen, kann Davis zum 49yds-TD für die 49ers traben.

[23h00] Brees wird beim langen 3rd down vom DE Aldon Smith – Rookie und Sackspezialist – von der Blindside zu Boden gebracht und San Francisco wird mal wieder in exzellenter Position einen Angriff beginnen: SF46.

[22h56] San Francisco kommt auch über Kurzpässe, fumbelt danach aber bei einem Sack gegen QB Smith und muss schnell punten. Intensives Spiel, beide gehen mit der nötigen Aggressivität zu Werke, und Graham ist wieder da. (Absatz editiert)

[22h46] Sehr physischer Beginn der San Francisco 49ers, die versuchen, den Saints weh zu tun. Mit TE #80 Jimmy Graham wurde gleich mal die wichtigste Komponente von Brees‘ Armada in die Umkleidekabine geprügelt und an der GoalLine S #31 Donte Whitner mit einem Hit gegen RB #23 Thomas: Fumble, SF bekommt an der eigenen 2yds Line den Ball.

[22h32] Die Bassbegleitung zur US-Hymne ist von fragwürdiger Qualität – aber das Feuerwerk bei gleißendem Sonnenschein macht alle Unannehmlichkeiten wieder wett.

[22h26] Guten Abend zum Auftakt der Divisional Playoffs. Ich verweise gleich zu Beginn auf den Liveticker von Football Austria und die gewohnte Liveblog-Begleitung von Kai Pahl bei Allesaussersport.

Divisional Playoffs am Samstag

Die Divisional Playoffs sind nach Thanksgiving und dem 15-stündigen Season Opener im College Football das drittbeste Footballwochenende, und werden bei mir für immer zwei Emotionen wecken: Die gigantische, so vielseitige Viererserie von 2003/04 – Stichwörter 4th and 26, die Eispartie zu Foxboro, doppelte Overtime in St Louis und punterloses Spiel zu Kansas – , und die einfach nicht verblassende Erinnerung an Christoper D. Ryan und seine Kommentierung zu Bettis’ Fumble anno 2006 im RCA Dome von Indianapolis.

San Francisco 49ers – New Orleans Saints

Sa, 22h30 LIVE bei ESPN America und SPORT1+
Aufzeichnung am So, 15.1. um 8h30 bei ESPN America
Aufzeichnung am So, 15.1. um 13h50 bei SPORT1+

Eine Woche nach dem dicken Brett „Detroit Lions“ folgt heute für den Superbowl-Favoriten „1B“ New Orleans Saints der nächste Brocken – diesmal auswärts: Die San Francisco 49ers von HeadCoach Jim Harbaugh, eine der großen Überraschungen dieser NFL-Saison. Rein vom Charakteristikum lassen sich Gegner und Ambiente nicht mit letztem Samstag vergleichen. Die 49ers sind eine knallharte, auf Fehlerminimierung bedachte „Smashmouth“-Mannschaft in einem windigen Stadion, zwei Gegebenheiten, die den Saints tendenziell nicht schmecken.

Das Wild Card Weekend zeigte, dass die Saints durchaus vielseitiger sein können als eine reine Pass-Offense: Die Running Backs #23 Thomas, #42 Ivory und insbesondere #43 Sproles – mein heimlicher MVP in dieser Begegnung – hielten die Defensive Line der Lions ausreichend in Schach, um den Boden für Brees’ tiefes Spiel zu bereiten. Jetzt kommt mit San Francisco eine der besten Lauf-Defenses des Weges: 3,5yds/Carry sind Maße, die selbst die Vikings der letzten Jahre erblassen lassen würden – und riecht schon jetzt leise nach einer noch stärkeren Fokussierung der Saints auf ihren Luftangriff.

Die Passverteidigung der 49ers gehörte trotz sehr gutem Pass Rush zu den kleineren Schwächen in dieser Saison: 6.4yds/Pass werden aufgegeben (#9), man ist etwas anfällig gegen Big Plays, fängt aber mit 23 Interceptions die zweitmeisten Bälle ab – mit Brees kommt nun jemand, der den Gegner gerne tief verbrennt, aber zum einen oder anderen überhasteten Fehlwurf neigt. Schauen wir uns mal die Verteilung der 49ers gegen die Passwaffen in dieser Saison an:

Top-WR:               72.1yds/Spiel (#8)
Zweiter WR:           43.8yds/Spiel (#6)
Dritter/vierter WR:   57.5yds/Spiel (#17)
Tight End:            50.0yds/Spiel (#6)
Running Back:         41.7yds/Spiel (#20)

Es gibt mit NaVorro Bowman und Patrick Willis zwei exzellente Linebacker, die TE Jimmy Graham aus dem Spiel nehmen könnten, aber die restlichen Zahlen dürften leise Sorgenfalten bereiten: Insbesondere gegen die häufig mit drei, vier Wide Receivers kommenden Saints dürfte die fehlende Tiefe im Defensive Backfield der Saints problematisch werden, und dann schreit es förmlich danach, dass der fangstarke Darron Sproles die Defense das eine oder andere Male beim 3rd down verbrennen wird.

Die 49ers ihrerseits spielen einen völlig anderen Stiefel mit ihrer Offense: 31 Läufen stehen 28 Passversuche im Schnitt gegenüber, trotz nur mittelmäßig effizientem Laufspiels (4.1yds/Carry, #19). Das Arbeitstier ist dabei immer noch der zähe RB Frank Gore (1211yds, 8TD). Viel wichtiger als Gore ist den 49ers allerdings ohnehin der Quarterback mit dem Allerweltsnamen, Alex Smith. Kein Scherz: Smith ist die Schlüsselfigur, die fehlenden Interceptions (nur fünf in 445 Würfen) die Schlüsselstatistik.

Denn während die 49ers mit 5.3yds/Angriffsspielzug zu den schlechtesten Mannschaften gehören (#23), ist die Offense eine der effizientesten: Für jeden der 380 erzielten Punkte muss San Francisco nur 13.1yds (#2 hinter den Packers) zurücklegen. Es gibt zwei Geheimnisse dafür:

  • Die sagenhaft geringe Turnover-Ratio von einem Giveaway pro 18 Drives (#1 mit weitem Abstand).
  • Die sagenhafte Starting Field Position für jede Angriffsserie in der NFL (33.4yds, ebenso #1 mit weitem Abstand).

Folge: Weil der Ball nicht oft verschenkt wird, braucht es nicht viele Yards zum Erzielen von Punkten. In der RedZone kickt man lieber Field Goals als für einen TD einen Turnover zu riskieren (nur 40% der RedZone-Besuche enden als Touchdowns, #30) und um die Spielfeldmitte wird fröhlich gepuntet, sodass die Gegner einen meist extrem langen Weg in die EndZone haben: San Francisco ist auch in der Defense die Mannschaft mit dem größten Vorteil in der Starting Field Position (23.9yds-Line im Schnitt), sodass die 49ers jeden einzelnen Drive aufs Neue im Schnitt 9.39yds Raumvorteil allein durch Starting Field Position gegenüber dem Gegner besitzen! Das ist mit weitem Abstand der beste Wert in der NFL (#2 New England 4.89yds). Sind die Special Teams der 49ers die wahren NFL-MVPs?

Trotzdem spricht einiges dafür, dass die 49ers Probleme bekommen werden. Erstens tendieren Mannschaften wie die 49ers mit außerordentlich viel Glück in engen Spielen (heuer 7-2 in Spielen mit einem Score) dazu, sich in den Playoffs schneller als alle denken zu verabschieden, zweitens ist ihre Offense nicht dafür gebaut, Rückstände aufzuholen – und gegen „Big Play“ Brees sind 1-2 Touchdowns immer möglich – und drittens ist die Mannschaft extrem stark von Turnovers abhängig.

Trotz Auswärts-„Schwäche“: 7pts-Sieg für die New Orleans Saints.

New England Patriots – Denver Broncos

Sa, 02h LIVE bei ESPN America und SPORT1+
Aufzeichnung am Sonntag, 15.1. um 11h bei ESPN America
Aufzeichnung am Sonntag, 15.1. um 16h25 bei SPORT1+

Das Nachtspiel ist ein Re-Match von einem der meistgehypten Begegnungen der Regular Season: Damals am 18. Dezember zerbröselten die New England Patriots die Denver Broncos auswärts locker 41-23 in einer nur am Beginn spannenden Partie, und beendeten damit den wochenlangen Spuk um Tebows wundersame Comeback-Siege.

Seither sind die Patriots (13-3) steril ihren Weg gegangen, holten sich mal wieder den #1-Seed, während die Broncos tiefste Tiefen durchstehen mussten, um dann am vergangenen Wochenende aus dem „quasi“ Nichts Pittsburgh nach Hause zu prügeln. Nun das Wiedersehen Broncos/Patriots, und das Wiedersehen Tebow/McDaniels.

Es ist ein Matchup, das man nicht bis in die Pipette zu analysieren braucht: Die Denver Broncos spielen ein Chamäleon von einer Offense, sind mal lauflastig bis die Beine halbiert sind, um im nächsten Spiel Tebow 40 Kurzpässe zu werfen und dann gegen die Pittsburgh Steelers wie ein Karnickel eine tiefe Bombe nach der anderen aus dem Zylinder zu ziehen – sie sind lange nicht immer erfolgreich, aber haben aufbauend auf einer recht guten Defense (5.6yds/Play, #15) an einem guten Tag wenigstens eine Außenseiterchance.

[Vorsicht: Tebow-Zone]

Für die Fans ohnehin viel wichtiger: Tebow hat sich mit dem vergangenen Sonntag wohl eine ernsthafte Chance als Quarterback für 2012/13 verdient. Tebow ist ein lausiger Werfer, aber dank Pittsburghs abgrundtiefem Misstrauen in Tebows Wurffähigkeiten konnte Denver bizarrerweise genau daraus Kapital schlagen: Denver kaschierte mit tiefen Bällen Tebows Präzisionsschwierigkeiten, und Tebow war gut genug, um die ultimative Verarsche – Pittsburghs „Deckung“ in der Overtime – zu kontern. Auf der anderen Seite gilt: die Plays in enger Coverage aus dem frühen zweiten Viertel muss man erst mal machen, auch wenn spätestens das Schlussviertel dann wieder Tebows Hilflosigkeit blankstellte (hatten die Steelers deshalb keine Scheu, die Overtime so „front-heavy“ zu beginnen?).

[Ab sofort Tebow-freie Zone.]

Gegen New England gibt es erneut Chancen auf Raumgewinn: Deren Pass-Defense gehört zu den schlechtesten aller Zeiten, pulverisierte mit 4722 kassierten Yards Raumgewinn sämtliche historisch gewachsenen Negativrekorde und stellte in Relation zu den gegnerischen Passversuchen (7.6yds/Passspielzug) eine der schwächsten Defenses in der heurigen Saison (#30). Nach Pittsburgh dürfte der Überraschungseffekt der tiefen Bomben erstmal verpufft sein, und im Hinspiel zeigte sich, dass die Patriots durchaus in der Lage sind, schnell auf Denvers Laufspiel zu reagieren (162yds im ersten Viertel, danach eher dichte Schotten, wenn ich mich nicht irre).

Deshalb dürften Denvers Siegchancen  – ick weiß, ich setze eh immer gegen Denver – minimal sein. Denn Brady und Konsorten trotzen sämtlichen unterirdischen Zahlenwerten ihrer Defense und legen mit ihrem Angriff immer noch mehr Yards und Punkte – und vor allem viel weniger Turnovers – drauf. Resultat: Die Mannschaft ist mal wieder die No. 1 der wenn auch suspekten AFC und wenn auch gegen einen Schedule, der seit November keinen hochkarätigen Gegner gesehen hat.

Was sich die Patriots zuletzt hinter die Ohren schreiben konnten, waren die recht abgewichsten Konter gegen frühe Rückstände, die mit Bradys Offense schnell in blowout-artigen Spielvierteln gedreht wurden. Brady wird auch gegen Denver punkten, da der Bronco-Passrush um die Herren Dumervil/Miller gegen New Englands Protection nicht die Hälfte Land von letzter Woche gegen Pittsburgh sehen wird. Und niemand kann ernsthaft erwarten, dass die Broncos einen Shootout mitgehen können. Und der letzte Sargnagel in Denvers Hoffnungen: Wenn eine Mannschaft in einer einzigen Saison acht von 12 Spielen innerhalb eines Scores gewinnt, ist irgendwann genug.

Sieg der Patriots mit 16 Punkten.