Divisional Playoffs am Samstag

Die Divisional Playoffs sind nach Thanksgiving und dem 15-stündigen Season Opener im College Football das drittbeste Footballwochenende, und werden bei mir für immer zwei Emotionen wecken: Die gigantische, so vielseitige Viererserie von 2003/04 – Stichwörter 4th and 26, die Eispartie zu Foxboro, doppelte Overtime in St Louis und punterloses Spiel zu Kansas – , und die einfach nicht verblassende Erinnerung an Christoper D. Ryan und seine Kommentierung zu Bettis’ Fumble anno 2006 im RCA Dome von Indianapolis.

San Francisco 49ers – New Orleans Saints

Sa, 22h30 LIVE bei ESPN America und SPORT1+
Aufzeichnung am So, 15.1. um 8h30 bei ESPN America
Aufzeichnung am So, 15.1. um 13h50 bei SPORT1+

Eine Woche nach dem dicken Brett „Detroit Lions“ folgt heute für den Superbowl-Favoriten „1B“ New Orleans Saints der nächste Brocken – diesmal auswärts: Die San Francisco 49ers von HeadCoach Jim Harbaugh, eine der großen Überraschungen dieser NFL-Saison. Rein vom Charakteristikum lassen sich Gegner und Ambiente nicht mit letztem Samstag vergleichen. Die 49ers sind eine knallharte, auf Fehlerminimierung bedachte „Smashmouth“-Mannschaft in einem windigen Stadion, zwei Gegebenheiten, die den Saints tendenziell nicht schmecken.

Das Wild Card Weekend zeigte, dass die Saints durchaus vielseitiger sein können als eine reine Pass-Offense: Die Running Backs #23 Thomas, #42 Ivory und insbesondere #43 Sproles – mein heimlicher MVP in dieser Begegnung – hielten die Defensive Line der Lions ausreichend in Schach, um den Boden für Brees’ tiefes Spiel zu bereiten. Jetzt kommt mit San Francisco eine der besten Lauf-Defenses des Weges: 3,5yds/Carry sind Maße, die selbst die Vikings der letzten Jahre erblassen lassen würden – und riecht schon jetzt leise nach einer noch stärkeren Fokussierung der Saints auf ihren Luftangriff.

Die Passverteidigung der 49ers gehörte trotz sehr gutem Pass Rush zu den kleineren Schwächen in dieser Saison: 6.4yds/Pass werden aufgegeben (#9), man ist etwas anfällig gegen Big Plays, fängt aber mit 23 Interceptions die zweitmeisten Bälle ab – mit Brees kommt nun jemand, der den Gegner gerne tief verbrennt, aber zum einen oder anderen überhasteten Fehlwurf neigt. Schauen wir uns mal die Verteilung der 49ers gegen die Passwaffen in dieser Saison an:

Top-WR:               72.1yds/Spiel (#8)
Zweiter WR:           43.8yds/Spiel (#6)
Dritter/vierter WR:   57.5yds/Spiel (#17)
Tight End:            50.0yds/Spiel (#6)
Running Back:         41.7yds/Spiel (#20)

Es gibt mit NaVorro Bowman und Patrick Willis zwei exzellente Linebacker, die TE Jimmy Graham aus dem Spiel nehmen könnten, aber die restlichen Zahlen dürften leise Sorgenfalten bereiten: Insbesondere gegen die häufig mit drei, vier Wide Receivers kommenden Saints dürfte die fehlende Tiefe im Defensive Backfield der Saints problematisch werden, und dann schreit es förmlich danach, dass der fangstarke Darron Sproles die Defense das eine oder andere Male beim 3rd down verbrennen wird.

Die 49ers ihrerseits spielen einen völlig anderen Stiefel mit ihrer Offense: 31 Läufen stehen 28 Passversuche im Schnitt gegenüber, trotz nur mittelmäßig effizientem Laufspiels (4.1yds/Carry, #19). Das Arbeitstier ist dabei immer noch der zähe RB Frank Gore (1211yds, 8TD). Viel wichtiger als Gore ist den 49ers allerdings ohnehin der Quarterback mit dem Allerweltsnamen, Alex Smith. Kein Scherz: Smith ist die Schlüsselfigur, die fehlenden Interceptions (nur fünf in 445 Würfen) die Schlüsselstatistik.

Denn während die 49ers mit 5.3yds/Angriffsspielzug zu den schlechtesten Mannschaften gehören (#23), ist die Offense eine der effizientesten: Für jeden der 380 erzielten Punkte muss San Francisco nur 13.1yds (#2 hinter den Packers) zurücklegen. Es gibt zwei Geheimnisse dafür:

  • Die sagenhaft geringe Turnover-Ratio von einem Giveaway pro 18 Drives (#1 mit weitem Abstand).
  • Die sagenhafte Starting Field Position für jede Angriffsserie in der NFL (33.4yds, ebenso #1 mit weitem Abstand).

Folge: Weil der Ball nicht oft verschenkt wird, braucht es nicht viele Yards zum Erzielen von Punkten. In der RedZone kickt man lieber Field Goals als für einen TD einen Turnover zu riskieren (nur 40% der RedZone-Besuche enden als Touchdowns, #30) und um die Spielfeldmitte wird fröhlich gepuntet, sodass die Gegner einen meist extrem langen Weg in die EndZone haben: San Francisco ist auch in der Defense die Mannschaft mit dem größten Vorteil in der Starting Field Position (23.9yds-Line im Schnitt), sodass die 49ers jeden einzelnen Drive aufs Neue im Schnitt 9.39yds Raumvorteil allein durch Starting Field Position gegenüber dem Gegner besitzen! Das ist mit weitem Abstand der beste Wert in der NFL (#2 New England 4.89yds). Sind die Special Teams der 49ers die wahren NFL-MVPs?

Trotzdem spricht einiges dafür, dass die 49ers Probleme bekommen werden. Erstens tendieren Mannschaften wie die 49ers mit außerordentlich viel Glück in engen Spielen (heuer 7-2 in Spielen mit einem Score) dazu, sich in den Playoffs schneller als alle denken zu verabschieden, zweitens ist ihre Offense nicht dafür gebaut, Rückstände aufzuholen – und gegen „Big Play“ Brees sind 1-2 Touchdowns immer möglich – und drittens ist die Mannschaft extrem stark von Turnovers abhängig.

Trotz Auswärts-„Schwäche“: 7pts-Sieg für die New Orleans Saints.

New England Patriots – Denver Broncos

Sa, 02h LIVE bei ESPN America und SPORT1+
Aufzeichnung am Sonntag, 15.1. um 11h bei ESPN America
Aufzeichnung am Sonntag, 15.1. um 16h25 bei SPORT1+

Das Nachtspiel ist ein Re-Match von einem der meistgehypten Begegnungen der Regular Season: Damals am 18. Dezember zerbröselten die New England Patriots die Denver Broncos auswärts locker 41-23 in einer nur am Beginn spannenden Partie, und beendeten damit den wochenlangen Spuk um Tebows wundersame Comeback-Siege.

Seither sind die Patriots (13-3) steril ihren Weg gegangen, holten sich mal wieder den #1-Seed, während die Broncos tiefste Tiefen durchstehen mussten, um dann am vergangenen Wochenende aus dem „quasi“ Nichts Pittsburgh nach Hause zu prügeln. Nun das Wiedersehen Broncos/Patriots, und das Wiedersehen Tebow/McDaniels.

Es ist ein Matchup, das man nicht bis in die Pipette zu analysieren braucht: Die Denver Broncos spielen ein Chamäleon von einer Offense, sind mal lauflastig bis die Beine halbiert sind, um im nächsten Spiel Tebow 40 Kurzpässe zu werfen und dann gegen die Pittsburgh Steelers wie ein Karnickel eine tiefe Bombe nach der anderen aus dem Zylinder zu ziehen – sie sind lange nicht immer erfolgreich, aber haben aufbauend auf einer recht guten Defense (5.6yds/Play, #15) an einem guten Tag wenigstens eine Außenseiterchance.

[Vorsicht: Tebow-Zone]

Für die Fans ohnehin viel wichtiger: Tebow hat sich mit dem vergangenen Sonntag wohl eine ernsthafte Chance als Quarterback für 2012/13 verdient. Tebow ist ein lausiger Werfer, aber dank Pittsburghs abgrundtiefem Misstrauen in Tebows Wurffähigkeiten konnte Denver bizarrerweise genau daraus Kapital schlagen: Denver kaschierte mit tiefen Bällen Tebows Präzisionsschwierigkeiten, und Tebow war gut genug, um die ultimative Verarsche – Pittsburghs „Deckung“ in der Overtime – zu kontern. Auf der anderen Seite gilt: die Plays in enger Coverage aus dem frühen zweiten Viertel muss man erst mal machen, auch wenn spätestens das Schlussviertel dann wieder Tebows Hilflosigkeit blankstellte (hatten die Steelers deshalb keine Scheu, die Overtime so „front-heavy“ zu beginnen?).

[Ab sofort Tebow-freie Zone.]

Gegen New England gibt es erneut Chancen auf Raumgewinn: Deren Pass-Defense gehört zu den schlechtesten aller Zeiten, pulverisierte mit 4722 kassierten Yards Raumgewinn sämtliche historisch gewachsenen Negativrekorde und stellte in Relation zu den gegnerischen Passversuchen (7.6yds/Passspielzug) eine der schwächsten Defenses in der heurigen Saison (#30). Nach Pittsburgh dürfte der Überraschungseffekt der tiefen Bomben erstmal verpufft sein, und im Hinspiel zeigte sich, dass die Patriots durchaus in der Lage sind, schnell auf Denvers Laufspiel zu reagieren (162yds im ersten Viertel, danach eher dichte Schotten, wenn ich mich nicht irre).

Deshalb dürften Denvers Siegchancen  – ick weiß, ich setze eh immer gegen Denver – minimal sein. Denn Brady und Konsorten trotzen sämtlichen unterirdischen Zahlenwerten ihrer Defense und legen mit ihrem Angriff immer noch mehr Yards und Punkte – und vor allem viel weniger Turnovers – drauf. Resultat: Die Mannschaft ist mal wieder die No. 1 der wenn auch suspekten AFC und wenn auch gegen einen Schedule, der seit November keinen hochkarätigen Gegner gesehen hat.

Was sich die Patriots zuletzt hinter die Ohren schreiben konnten, waren die recht abgewichsten Konter gegen frühe Rückstände, die mit Bradys Offense schnell in blowout-artigen Spielvierteln gedreht wurden. Brady wird auch gegen Denver punkten, da der Bronco-Passrush um die Herren Dumervil/Miller gegen New Englands Protection nicht die Hälfte Land von letzter Woche gegen Pittsburgh sehen wird. Und niemand kann ernsthaft erwarten, dass die Broncos einen Shootout mitgehen können. Und der letzte Sargnagel in Denvers Hoffnungen: Wenn eine Mannschaft in einer einzigen Saison acht von 12 Spielen innerhalb eines Scores gewinnt, ist irgendwann genug.

Sieg der Patriots mit 16 Punkten.

4 Kommentare zu “Divisional Playoffs am Samstag

  1. Meine Tipps und Ende der Tebowmania (für die Playoffs) 28 :17 für die Pats sowie
    24:17 für die Saints

  2. Ich hoffe die Saints gewinnen, ein 2. Spiel gegen die Packers wäre doch sehr interessant. Irgendjemand, Kansas jetzt mal ausgeschlossen – muss denen doch mal Paroli bieten 😉

    Im 2. Spiel des Abends erwarte ich leider eine klare Angelegenheit. Die Patriots werden gewinnen.

  3. Brees wird die 49ers zerlegen und es gibt einen Blowout.

    Ich habe die 49ers nur in vier oder fünf Spielen gesehen und ihre Secondary hat mich da nicht überzeugt. Nachdem ich mir jetzt nochmal die QBs angesehen habe, die gegen die Niners gespielt haben, wirkt das noch viel weniger eindrucksvoll.

    Die QBs; Tavaris Jackson; Tony Romo & Jon Kitna; Andy Dalton; Michael Vick; Josh Freeman; Matt Stafford; Colt McCoy; John Beck; Eli Manning; John Skelton & RIchard Bartel; Joe Flacco; A.J. Feely; Ben Roethlisberger (verletzt); Kellen Clemens.

    Es gibt wohl kein Team, das gegen so viele Gurken à la Beck, Bartel, Feely oder Clemens gespielt hat. Bis auf Stafford (293 Yds) haben alle Top-10-QBs mehr als 300 Yards erworfen. Romo (&Kitna) 427 Yards; Vick 405; Eli 302; Big Ben 305.

    Und jemand aus der Kategorie Peyton Manning, Brady oder Rodgers war gar nicht dabei. Jetzt kommt aber so einer.

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