NFL-Draftvorschauer 2012 nach dem Stichtag: Quarterbacks

Nach Ende der Bowl Season und dem aktuellen starken Fokus auf das Recruiting im College Football ein schaler Blick voraus auf die angehenden Jungprofis, die heuer in den NFL-Draft wandern werden. Und es wird Zeit, die Trends der letzten Jahre schön langsam ernst zu nehmen, die da wären:

  • Quarterbacks werden schnell ins kalte Wasser geworfen.
  • Running Backs verlieren massiv an Wert.
  • Jedes Team sucht seinen großen #1-Wide Receiver.
  • Tight Ends kommen als Allzweckwaffen immer stärker auf.
  • Offensive Line verliert erstaunlicherweise leicht an Bedeutung, selbst bei Teams mit jungen Quarterbacks.
  • Jedes Team außer den Patriots sucht verzweifelt Pass Rusher.
  • Vielseitige Linebacker mit Deckungsfähigkeiten gegen Tight Ends gewinnen rasant an Wert.
  • Kadertiefe im Defensive Backfield ist bedeutender denn je.

Heute mal ein Blick auf einige Quarterbacks im NFL-Draft 2012, was ich so von ihnen in den letzten Jahren College Football gelernt habe, und wo man sie vor Senior Bowl, Combine und medialer Hype-Maschine einordnen würde.

Quarterbacks

Seit rund eineinhalb Jahren ist jeder Draftguru überzeugt, dass Stanfords QB Andrew Luck der Top-Draftpick sein wird. Luck ist Sohn des ehemaligen Frankfurt-Galaxy-GMs Oliver Luck und ein sehr reif wirkender QB („der reifste seit Peyton Manning“). Das einzige, was man Luck abspricht, ist ein Raketenarm á la Stafford, dafür sagt man ihm den Charakter eines charismatischen Workaholics nach, dessen Horizont nicht an der Seitenauslinie endet und der bereits durchaus in der Lage ist, eine Defense per Audible an der Anspiellinie zu verbrennen.

Bis zum Draft ist allenfalls die Frage noch spannend, ob (oder wann) die mediale Meute verzweifelt genug ist, um Luck eine Konkurrenz aufzuoktroyieren. Heisman Trophy-Sieger Robert Griffin III von der Baylor University würde sich als leise Alternative aufdrängen, ein Instinktquarterback vor dem Herrn, fast so athletisch wie Vick und mit der Gabe, tiefe Bomben in enge Deckungen zu vervollständigen. „RG3“ gilt jedoch noch als suspekt im Entziffern von komplizierteren Abwehrformationen (Stichwort „Zone Blitzes“), hat analog zu Luck noch nicht viele wirklich exzellente Defenses gesehen.

Luck und Griffin dürften die beiden begehrtesten Subjekte sein, nachdem von der einst gehypten Breite in der diesjährigen Auswahl nach den Absagen der Matt Barkleys oder Landry Jones’ der Topf etwas seichter wurde. Als dritte Kraft dürfte sich der riesige Nick „Zottelbock“ Foles von den Arizona Wildcats etablieren, der aufgrund seiner Beweglichkeit recht nervös in der Pocket aussieht und allergisch auf Pass Rush reagiert, aber eine Rakete von einem Wurfarm besitzt. Foles hängt noch immer das Schildchen des Weicheis nach, nachdem er einst bei Michigan State den Konkurrenzkampf gescheut hatte, bekam aber in den letzten beiden Jahren enorm viele Chancen zum Passspiel, da die Wildcats meist defensebedingt schon im zweiten Viertel hoffnungslos in Rückstand Wölfe in die Luft werfen mussten.

Eher als Risikoinvestition sieht man Foles’ „Lokalrivalen“, Arizona States QB Brock Osweiler, an – der Mann, dessen unglaublich lange Arme mich immer wieder an eine Krake erinnern. Osweiler ist ein Monster von einer Statur (2,03m) mit Anlage zum „vertikalen“ Spiel, soll aber charakterlich nicht gefestigt sein und wurde nach seiner Entscheidung, schon als Junior die Uni zu verlassen, geprügelt.

QB Ryan Tannehill von Texas A&M ist auch so ein mobiler Mann, dessen sagenhafter QB-Draw gegen Oklahoma State mir immer noch in Erinnerung ist – da sieht man, warum dieser Mann einst als Wide Receiver am College rekrutiert worden war. Tannehill war letzten Herbst ein großes Thema, als er in einem Verzweiflungsmove von Mike Sherman mitten in der Saison zurück auf Quarterback geschult wurde und innerhalb weniger Wochen die Aggies von Gurken zum Topteam transformierte. Soll ein einfacher Charakter sein, aber seine Aktien dürften von einem momentan gebrochenen Fuß gehindert werden.

Bei „mobil“ wird unweigerlich auch der Name des Russell Wilson (Wisconsin) fallen, ein heuer lange Zeit hochgelobter Mann bei den Badgers, aber mit mickrigen 1,80m wohl zu klein gewachsen für einen hohen NFL-Pick. Ein Schwiegermutter-Traum, aber athletisch wenig herausstechend: QB Kirk Cousins von der Michigan State University, ein grundsolider Charakter, dem man nicht nachsagt, ein Kaliber von einem Franchise-QB werden zu können, dafür aber bedenkenlos als Third Stringer auf die Bank setzen würde. Und dann gibt es da noch den großen Kämpfer G.J. Kinne, einen persönlichen Favoriten von den Tulsa Golden Hurricane – flott bei Fuß und keinen Zentimeter zurückscheuend beim Scrambeln, aber wurftechnisch eher der Grobmotoriker.

Brandneu waren gestern die News vom Einstieg von Oregons QB Darron Thomas in den diesjährigen NFL-Draft. Oregons Quarterbacks der letzten Jahre waren im System von Chip Kelly recht austauschbar und die Offense warf Ergebnisse ab, wurscht, wer denn nun die Bälle servierte. Auch Thomas wurde bisher primär als Produkt des Systems gesehen – daher kommt die Entscheidung, das letzte Jahr College auszulassen, bei Thomas einer Sensation gleich.

Der heurige Mann aus den Niederungen der FCS (Unterstufe der Division-I) ist B.J. Coleman (1,93m), der einst einer der ersten war, der nach der Anheuerung von Großmaul Lane Kiffin bei den Tennessee Vols von Board hüpfte und lieber bei Chattanooga versauerte, als für Kiffin auch nur eine blaue Lippe zu riskieren. Coleman – sentimentaler Favorit 2012?

Die drei großen Unbekannten des NFL-Drafts von 2012 sind drei der erfolgreichsten Quarterbacks im College Football in den letzten Jahren. QB Case Keenum, der Rekordmann von Houston, muss mit dem Makel des „System-Quarterbacks“ leben. Vielleicht zur Erklärung: Keenum ist nicht der erste mit gigantischen Zahlen, spielte aber in einer Offense, die sich auf Kurzpässe verließ und praktisch kaum über die 20yds downfield ging – fehlende Arm Strength wird durch Spielintelligenz ausgeglichen, was am College funktioniert, aber in der NFL keine Chance auf den Status „Franchise-QB“ birgt. Dazu kommt Keenums Knieverletzung aus dem Herbst 2010, die die wenigen verbliebenen Interessenten abschrecken könnte.

Brandon Weeden sieht dagegen durchaus wie ein potenzieller Top-Pick aus, fällt aber wegen seiner bald 29 Lenze aus dem Rahmen – Weeden spielte jahrelang als Baseballprofi bei den Yankees, kehrte schließlich vor Jahren an die Universität zurück und führte die Oklahoma State Cowboys in den letzten beiden Jahren zu bisher ungekannten Höhen. Weeden ist keiner, der das Risiko scheut und für einen fulminanten tiefen Ball auch mal seine Großmutter verkaufen würde, aber ich halte es für eher ausgeschlossen, dass der Mann in der ersten Runde vom Tablett geht.

Zu guter Letzt – natürlich – noch Boise States Kellen Moore, der Quarterback mit den meisten Siegen in der Historie des College Football, der Mann mit dem immer gleichbleibenden unbeeindruckten, jungfräulichen Gesicht. Moore werden mehrere Minuspunkte zur Last gelegt – und das geht von seiner Körpergröße (1,83m) über seine etwas unästhetische Wurfbewegung hin zu dieser bogenlampenförmigen Flugkurve seiner Bälle. Verglichen mit Staffords rasiermesserscharfen Geschossen gelten Moores „Pässe“ (Anführungszeichen extra gesetzt) als leicht abzufangende Objekte für Defensive Backs in der NFL. Kleine Quarterbacks mit schwachem Wurfarm waren in der NFL in den letzten Jahren ausnahmslos chancenlos, zumal gegen die Hünen in der Defensive Line, vor allem auch, weil sie eine Defense weder in die Länge, noch in die Breite zu ziehen vermögen. Vielleicht gibt es trotzdem einen GM, der Moore den Ehrenpick in der zweiten oder dritten Runde verleiht, und vielleicht kommt Moore irgendwann sogar über den Status des ewigen Ersatzmannes hinaus – die Geschichte spricht aber gegen ihn.

2 Kommentare zu “NFL-Draftvorschauer 2012 nach dem Stichtag: Quarterbacks

  1. freue mich schon riesig auf die NFL season 2012,die 2011 season war schon geil 2012 wird es noch toppen.Mit RG3,newton in einem verbesserten carolina team,vick mit top vorbereiteten eagles.
    Ich hätte da ein paar fragen zu dem draft:
    1.gibts deutsche spieler die in den draft gehen
    2.was ist wenn ein spieler sich weigert zum einem team zu gehen das ihn auswählt

  2. Pingback: NFL-Draftvorschauer 2012 nach dem Stichtag: Skill Player und Offensive Line | Sideline Reporter

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